So., 31.12.2017

TBV-Geschäftsführer Jörg Zereike im Interview Zereike: »Mittelfristig wieder nach oben blicken«

TBV-Geschäftsführer Jörg Zereike.

TBV-Geschäftsführer Jörg Zereike. Foto: imago

Lemgo (WB). So ändern sich die Zeiten.  Nach dem Klassenerhalt in letzter Minute hat Handball-Bundesligist TBV Lemgo das erfolgreichste Halbjahr seit sechs Jahren hingelegt. TBV-Geschäftsführer Jörg Zereike erläutert im Gespräch mit unserem Redakteur Hans Peter Tipp, warum sich der Blick bei den Lippern wieder vorsichtig nach oben richtet.

19 Punkte zum Jahreswechsel: Nehmen Sie schon Glückwünsche zum Erreichen des Saisonziels entgegen?

Jörg Zereike: Natürlich nicht. Sicherlich haben wir mit 19 Punkten unser Minimalziel Klassenerhalt zu 95 Prozent erreicht. Aber es liegt in der Natur des Leistungssports, dass man sich immer neue Ziele steckt. Bei drei Punkten Abstand zum zehnten Platz ist es nun unser Anspruch, diesen neunten Rang zu verteidigen.

Als Fast-Absteiger in die obere Tabellenhälfte: Was sind die Gründe für diesen Leistungssprung?

Zereike: Einerseits haben wir eine sehr junge Mannschaft mit Spielern wie Suton, Hornke, Zieker oder Bartok, die sich alle noch entwickeln. Gemeinsam haben sie in der vergangenen Saison im Abstiegskampf viele schwierige Situationen durchgestanden und dabei gelernt, unter Druck erfolgreich sein zu müssen. Das hat die Mannschaft enorm gefestigt. Hinzu kommt: Unsere erfahrenen Neuzugänge Guardiola, Johannesson und van Olphen haben super eingeschlagen. Gerade Guardiola und van Olphen haben sofort Verantwortung übernommen und gezeigt, dass sie die Jungen führen können. Jetzt haben wir eine Mischung, die passt.

Ist Platz neun das Maximum für den TBV?

Zereike: Wenn man sieht, welche finanziellen Möglichkeiten die Mannschaften über uns verfügen, abgesehen von Leipzig, dann ist das mit dem jetzigen Kader vermutlich in der Tat das Maximale.

Bleibt das in den kommenden Jahren auch so?

Zereike: Finanziell werden wir die anderen nicht schlagen können. Mittelfristig wünschen wir uns aber schon, wieder um die Europapokalplätze mitspielen zu können. Soll ich als Neunter sagen, ich will in zwei Jahren 13. sein? Wir wollen uns bis 2020 die Chance erarbeiten, um Platz fünf und sechs mitzuspielen. Als Maximalziel sollte das in drei Jahren für den TBV machbar sein. Ob es dann tatsächlich für einen Platz im Europapokal reicht, ist zweitrangig. Wir wollen beim TBV eine Entwicklung nach oben aufzeigen. Der Grundstein dafür ist gelegt. Unsere jungen Spieler haben langfristige Verträge. Der Rest hängt vielleicht an ein, zwei Verstärkungen, die wir noch brauchen und die dann möglicherweise den Unterschied machen.

Als der TBV zuletzt glaubte, mit Jungnationalspielern wie Lemke, Pekeler und Schneider einen Grundstein gelegt zu haben, waren diese Spieler ganz schnell weg. Wieviel sind Verträge im Handball heute wert?

Zereike: Im Handball noch sehr viel. Wir haben diese Verträge gemacht, weil wir von unseren Spielern überzeugt sind. Und die Spieler haben sie unterschrieben, weil sie beim TBV spielen wollen, hier ihr bestes Entwicklungspotenzial sehen, weil sie Einsatzzeiten bekommen und auch, weil sie von der Trainingsarbeit unter Florian Kehrmann überzeugt sind. Es ist im Handball schon anders als im Fußball, wenngleich es immer mal vorkommen kann, dass ein Vertrag nicht erfüllt wird.

Die Entwicklung der Zuschauerzahlen hat in Lemgo mit der sportlichen Entwicklung nicht Schritt gehalten. Durchschnittlich kamen in dieser Saison nur noch 3528 Zuschauer zu den Heimspielen – knapp 350 weniger als im Vorjahreszeitraum. Mögen die Fans den TBV nicht mehr?

Zereike: Man muss das sehr differenziert betrachten, und ich glaube, dass eine abschließende Beurteilung immer erst am Ende einer kompletten Saison möglich ist. So darf man nicht vergessen, dass wir zuhause noch nicht gegen Flensburg, Kiel, Magdeburg und Berlin gespielt haben. Zu Beginn dieser Spielzeit gab es für den Rückgang saisonale Gründe – das Wetter war ausgerechnet sonntags gut, die Gegner nicht immer die attraktivsten, und auch an die neue Anwurfzeit mussten sich die Zuschauer erst gewöhnen. Inzwischen erkennen wir aber wieder einen Aufwärtstrend. Und wenn ich auf unseren Umsatz schaue, sehe ich, dass wir inzwischen ungefähr auf dem Vorjahresniveau liegen. Die Spiele gegen Friesenheim und Minden waren jedenfalls unsere umsatzstärksten Heimspiele seit vier Jahren.

Wie gefällt Ihnen der 12.30-Uhr-Termin am Sonntag?

Zereike: Sicherlich ist 12.30 Uhr nicht optimal, wenngleich ich diese Zeit als familienfreundlich ansehe. Natürlich würde ich mir wünschen, dass die Spiele zwei, drei Stunden später beginnen. Aber darauf haben wir keinen Einfluss. Deshalb müssen wir das Beste daraus machen, und ich glaube, dass uns das mit innovativen Aktionen wie dem TBV-Brunch auch immer mehr gelingt.

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