Fr., 09.02.2018

Kommentar zu den Winterspielen Das Dunkle hinter bunter Kulisse

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Von Friedrich- Wilhelm Kröger

Die Sogkraft der Olympischen Spiele, zumal im Winter, ist nicht mehr so stark, wie das früher gewesen sein mag. Es hat dieses Mal auch etwas mit dem europäischen Lebensrhythmus zu tun. Wer sich den Abfahrtslauf der Männer reinziehen will, muss bis drei in der Früh am Sonntag durchmachen oder sich den Wecker stellen.

Nee, das dann doch nicht?

Dabei könnte es zumindest für Schlaflose schlechtere Ideen geben. Kitzbühel-Überraschungsstar Thomas Dreßen gilt seit seinem Hahnenkamm-Husarenritt immerhin als Medaillen-Mitbewerber. Weil die Ski-Artisten zur Meisterung von Geschwindigkeit und Gefahrenherden südkoreanisches Tageslicht brauchen, ist es aber nicht möglich, dieses Rennen zu einer hierzulande geeigneteren Sendezeit zu starten.

Mit Biathlon und Skispringen, den zwei erklärten deutschen Lieblingen zur Kamin-Jahreszeit, verhält es sich anders. Es kann wohl nicht nur Zufall sein, dass ein Teil der Entscheidungen in beiden Sportarten im Samstags- und Sonntagsprogramm zur MEZ-(Nach)-Mittagszeit zu sehen sein wird. Schließlich wird an allen möglichen Dingen geschraubt im Dunklen hinter der bunten Fünf-Ringe-Kulisse, und das berührt dann noch ganz andere Punkte als den Ablaufplan für die Fernsehkundschaft.

Wie also steht’s vor allem mit der Wahrhaftigkeit des Sports im Allgemeinen und dem Olympischen Sport im Besonderen? Ach, dieses Thema. Es bleibt ziemlich schmuddelig und ist zu allererst kompromissorientiert, dieses Lavieren sieht man gut am IOC-Einfall, die Russen nicht zuzulassen und ein paar Russen doch zuzulassen. Je nachdem. Das wirkt willkürlich, und ist es in einzelnen Fällen auch. Deswegen bleibt dem in der Schweiz beheimateten Internationalen Sportgerichtshof nichts anderes übrig, als vorübergehend eine Dependance in Pyeongchang zu eröffnen. Ohne juristische Expertise läuft bei Olympia nix mehr.

Der Fokus hat sich verschoben, das schadet wie vieles andere der sogenannten olympischen Idee, die sich noch immer bewegt, bloß nicht mehr in die richtige Richtung. Und sich rein geografisch nur einen kleinen Radius von 2000 Kilometern als Wirkungskreis ausgewählt hat: Pyeongchang 2018, Tokio 2020, Peking 2022 – das Weltfest des Sports ist vorläufig in asiatischer Hand. Was soll das sein, wenn nicht kommerzielles Kalkül.

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