
Mitarbeiter des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz auf dem Stemweder Bio-Hühnerhof, auf dem mit Dioxin belastete Eier gefunden wurden. Foto (vom 4. Apri): dapd
Von Ernst-Wilhelm Pape
Stemwede (WB). Im Dioxineier-Skandal hat das NRW-Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz am Donnerstag bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelrecht erstattet.
Zudem will der Kreis Minden-Lübbecke bei der Staatsanwaltschaft beantragen, die betroffene Geflügelfarm in Stemwede (Kreis Minden-Lübbecke) zu durchsuchen. Es würden alle Zwangsmaßnahmen ausgeschöpft, um an sämtliche Unterlagen des Hofes zu kommen, sagte der stellvertretende Sprecher des NRW-Verbraucherschutzministerium, Wilhelm Deitermann. Es habe sich der Verdacht erhärtet, dass der Inhaber des Hofes die Belastung seiner Bioeier mit dem dioxinähnlichen PCB zu spät gemeldet habe. Zudem soll er Vertriebswege seiner Bioeier verschwiegen haben.
In diesen beiden Fällen, Verstoß gegen die Meldepflicht und unbekannte Vertriebswege, drohe dem Betriebsinhaber auch ein Ordnungswidrigkeitenverfahren und die Verhängung eines Bußgeldes, sagte Deitermann. Das Bußgeld könne bis zu 20.000 Euro betragen.
Eine Firma in Euskirchen, die die Bioeier von dem Hof aus Stemwede vertrieb, hatte nach ersten verdächtigen Probenergebnissen 108.000 Eier zurückgeschickt, 7000 waren dennoch in Umlauf geraten. Die Eier mit dem Stempelaufdruck 0-DE-0521041 seien unter anderen auch in Hessen, Berlin, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg aufgetaucht. Bis zum 10. März waren 20.000 Bioeier aus Stemwede auch an einen Händler in Baden-Württemberg geliefert worden. Dieser Vertriebskanal war zunächst verschwiegen worden.
Nach Angaben von Peter Schütz, Sprecher des Landesamtes, sei das Haltbarkeitsdatum der Eier zwar abgelaufen. Aus den Dixoineiern könnten aber auch Eierprodukte hergestellt worden sein, wie Backpulver oder Nudeln. Deshalb sei eine mögliche Gesundheitsgefährdung noch aktuell.
Eine Durchsuchung des Hofes sei notwendig, da der Inhaber des Hofes nicht zu erreichen sei und sein Verwalter den Mitarbeitern des Landesamtes am Mittwochabend zu den Zutritt zum Betriebsgelände ohne Begründung verweigert habe. Wie berichtet, befindet sich der Inhaber nach Angaben eines Mitarbeiters derzeit in Südamerika in Urlaub.
Nach Angaben des Mitarbeiters, der auf der Geflügelfarm seit 21 Jahren beschäftigt ist, würden seit fünf Jahren Bioeier produziert. Bis zum aktuellen Fall habe es keine Beanstandungen gegeben. Die plötzliche Dioxinbelastung sei völlig unerklärlich.
Zwei Legehennenbetriebe in Niedersachsen wegen Dioxin-Fund gesperrt
Zwei niedersächsische Legehennenbetriebe sind nach dem Fund von PCB-belasteten Eiern gesperrt worden. Sie befinden sich im Landkreis Aurich. Alle ausgelieferten Eier wurden bereits zurückgerufen, wie das niedersächsische Verbraucherschutzministerium am Donnerstagabend mitteilte. Es könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass sich belastete Eier noch bei Verbrauchern befänden. Betroffen sind den Angaben zufolge Eier mit den Erzeugercodes
1-DE-0354451,
1-DE-0354452,
1-DE-0354453,
1-DE-0352691.
Warum die Eier erhöhte Werte des dioxinähnlichen PCB aufweisen, war zunächst unklar. Wie das Ministerium weiter mitteilte, dauern die Ermittlungen dazu derzeit an. Eine Sprecherin sagte, der Fund sei am Donnerstag bekannt geworden, danach seien die Betriebe direkt gesperrt worden. Um welche Betriebe es sich genau handelt, sagte sie nicht. Informationen darüber, wie viele Eier sich noch bei Verbrauchern befinden, gebe es nicht. Auf einer Pressekonferenz am Freitag sollten weitere Details bekannt gegeben werden. (dapd)
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Aktuelle Mitteilungen des NRW-Verbraucherschutzministeriums:
www.umwelt.nrw.de
Dort findet sich auch eine Chronologie der Funde von Dioxin und dioxinähnlichem PCB in Eiern aus Nordrhein-Westfalen.
Informationen zu Dioxinen in Lebensmittel
finden Sie auf den Internetseiten des Bundesinstitutes für Risikobewertung:
www.bfr.bund.de
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