Höxter
Ganzes Dorf feiert »Oma Resi«
08.06.13
02:28
11 days
10.06.2013
- 08:05
Gebürtige Kölnerin ist die erste Einwohnerin Kleinenbredens, die 90 wird
Kleinenbreden (WB). Der 90. Geburtstag als »Dinner for one« – das kommt für Resi Leßmann nicht in Frage. Sie feiert ihren Ehrentag an diesem Samstag mit dem ganzen Dorf. Schließlich ist sie die erste Kleinenbredenerin überhaupt, die das 90. Lebensjahr vollendet.
Um ehrlich zu sein: Wissenschaftlich belegt und über mehrere Jahrhunderte zurückverfolgt ist das nicht. In Kleinenbreden jedenfalls kann sich niemand erinnern, dass schon einmal jemand 90 geworden ist. Die Idee, alle gut 130 Einwohner einzuladen, entstand beim Dorffest im vergangenen Jahr. Schnell stand fest: Wenn Resi Leßmann 90 wird, machen wir wieder ein Dorffest. Ihre Familie (vier Kinder, acht Enkel und acht Urenkel) hat die Feier auf der Deele und rund um den Brunnen vor dem Haus vorbereitet, ganz Kleinenbreden eingeladen und – noch einige Überraschungen in petto...
Auch die Nachbarn haben kräftig mit angepackt. Für Margot und Bernhard Lütkefend war das ganz selbstverständlich. »Oma Resi ist einfach eine Frohnatur. Sie ist immer gut drauf und hat ein super Gedächtnis«, sagen sie. Deshalb erinnert sich Resi Leßmann auch noch gut an ihre Anfänge in Kleinenbreden. Mehr als 60 Jahre ist es her, dass die gebürtige Kölnerin aufs Land zog. In der Stadt arbeitete sie als kaufmännische Angestellte bei der Reichsbahndirektion. Der Krieg zwang sie zur Flucht. Und weil ihre Eltern beide aus Steinheim stammten, war der Kreis Höxter ihr Ziel. »Bis Kriegesende konnte ich bei der Bahnmeisterei arbeiten, aber dann wurden alle Frauen entlassen«, erzählt sie. Ihr Vater war in Köln geblieben, ihre Mutter ging mit zwei Schwestern wieder zurück. Nur Resi und ihre jüngste Schwester blieben in Steinheim. »Ich habe bei den Bauern gearbeitet und so auch meine Familie mit Nahrungsmitteln versorgt.« Auf einer dieser Zugfahrten nach Köln traf sie ihren späteren Mann, den Landwirt Johannes Leßmann aus Kleinenbreden. »Er war auf dem Weg ins Ruhrgebiet, um da zu kungeln und zu tauschen, und er sprach mich an.« So haben sich die beiden kennengelernt, 1947 war das. 1949 heiraten sie.
Sich in Kleinenbreden einzuleben, war nicht leicht für die Städterin. Resi Leßmann musste melken lernen – im Dorf wollte es ihr aber niemand beibringen. Sie sollte die Landwirtschaftsschule besuchen – in Brakel wurde sie aber nicht aufgenommen, weil sie kein Bauernmädchen war. So ist sie zurück in Richtung Köln/Bonn und hat dort die Schule besucht. Von alldem hat sch die rheinische Frohnatur aber nicht unterkriegen lassen. Im Gegenteil.
Sie war schnell mittendrin im Dorfleben, hatte sie doch ihren Sinn für Gemeinschaft und den Karneval mitgebracht aus ihrer Heimat. 1971 gründete sie mit acht anderen Frauen den Mütterverein (heute kfd) in der Abtei Marienmünster. 17 Jahre lang war sie Vorsitzende, organisierte Ausflüge, Fahrten und eben die Karnevalsfeiern. Als Büttenrednerin hat sie einen legendären Ruf. »Beim nächsten Karneval werde ich noch einmal eine Rede halten. Das wird aber meine letzte sein, ich will ja nicht wie der Jopi von der Bühne getragen werden«, sagt sie und lacht herzhaft. Im Dichten ist sie unschlagbar. Zum Dorffest 2003 hat sie das »Kleinenbredener Lied« geschrieben. Inzwischen hat es 25 Strophen und so gut wie jeder Bewohner kommt darin vor. Nicht ausgeschlossen, dass sie weiter daran schreibt. Ganze Fotoalben hat sie mit Erinnerungen gefüllt. Einige Seiten darin sind ihrem großen Idol gewidmet: Willy Millowitsch. Sie hat Fotos, Zeitungsausschnitte und Autogramme von ihm gesammelt – und die Post, die er ihr einmal aus dem Urlaub von der Insel Elba schickte.
Und so wie Willy Millowitsch nach Köln gehört, so ist das auch mit Resi Leßmann und Kleinenbreden. »Sie gehört einfach ins Dorf«, sagen die Kleinenbredener – und feiern »Oma Resi« deshalb in ganz großem Stil. Herzlichen Glückwunsch auch vom WESTFALEN-BLATT.