»Kulisse wird sich wohl noch ändern«
11.02.12
01:16
96 days
16.02.2012
- 09:57
Schlangen (WB). Viel Gegenwind erfährt Landrat Friedel Heuwinkel derzeit in der Nationalpark-Diskussion. Selbst CDU-Bezirksvorsitzender Elmar Brok hat sich bei einer Kundgebung in Detmold öffentlich gegen das Projekt ausgesprochen. Warum er nach wie vor an die Nationalpark-Idee glaubt, erzählt Heuwinkel im Gespräch mit Maike Stahl , Redakteurin der SCHLÄNGER ZEITUNG.Was ärgert Sie im Moment beim Thema Nationalpark besonders? Friedel Heuwinkel: Wir haben das Thema Nationalpark als strategische Überlegung mit vielen anderen Aufgaben entwickelt. Wer nachhaltige Entwicklung in einer Region will, muss ganzheitliche Ansätze haben und kann nicht nur in eine Richtung diskutieren. Der Nationalpark wird jetzt aber, aus dem Zusammenhang gerissen, zu dem einen Thema gemacht.
Dabei stört mich der in der Diskussion ausschließlich negativ besetzte Begriff der Betroffenheit. Natürlich gibt es Einzelpersonen, die in ihren Aufgabenbereichen vielleicht etwas ändern müssen. Darüber wollen wir mit denen sprechen. Die Landwirtschaft ist aber zum Beispiel an keiner Stelle eingeschränkt, auch wenn einige einen anderen Eindruck erwecken wollen. Ich würde mich freuen, wenn diejenigen, die nicht betroffen sind, sich darauf konzentrieren, inhaltlich zu diskutieren.
Kann die Diskussion überhaupt noch von dieser hochemotionalen auf eine sachliche Ebene zurückgeführt werden? Friedel Heuwinkel: Deshalb haben wir im Kreistag mit großer Mehrheit beschlossen, einen externen Schlichter einzubinden, der uns einen Vorschlag zur Gebietskulisse macht. Wenn wir eine Gebietskulisse vorgestellt kriegen, hinter der der Kreistag mit großer Mehrheit stehen kann, dann wäre das ein weiterer Meilenstein unserer Diskussion. Große Hoffnung setze ich außerdem in die Runden Tische, die Ende Februar mit Unterstützung externer Partner einberufen werden. Wenn wir uns dann alle wieder mit Inhalten beschäftigen, können wir die Bürger auch sachlich informieren. Anders können wir sie nicht für die Sache gewinnen.
Die Gegner haben bereits angekündigt, den Runden Tischen fern bleiben zu wollen. Wie bewerten Sie das? Friedel Heuwinkel: Ich würde mich sehr freuen, wenn sie diese Haltung überdenken. Denn sie verkörpern eine bestimmte Gruppe unserer Gesellschaft. Man kann aber nur gute Argumente pro und contra finden, wenn man sich mit den Inhalten auch intensiv auseinandersetzt. Außerdem dienen die Runden Tische dazu, zu sehen, welche Einschränkungen es möglicherweise gibt, und was eventuell verändert werden kann. Das gilt für die Jagd wie für das Holzsammeln. Da werden wir Lösungen finden müssen. Wenn wir die nicht finden, ist es doch klar, dass es Widerstand gibt.
Wie ist der weitere zeitliche Ablauf in der Planung? Friedel Heuwinkel: Sobald die Eckpunkte der Vereinbarung mit dem Landesverband und dem Land in Bezug auf Flächentausch feststehen, erhalten wir vom Schlichter eine Empfehlung für das weitere Vorgehen. Wenn wir die auf dem Tisch haben, werden wir darüber beraten und uns mit dem weiteren Verfahren der Bürgerbeteiligung auseinandersetzen. Das wird vermutlich nicht bis zur Kreistagssitzung am 12. März gelingen, sondern Thema einer Sondersitzung um die Osterzeit herum werden. Wenn ich dann den Auftrag erhalte, eine Bürgerbefragung vorzubereiten, werde ich nach den Kriterien eines Bürgerbegehrens, das in der Kommunalverfassung verankert ist, vorgehen. Damit wären die Kriterien für alle klar nachvollziehbar. Was bedeutet für Sie Konsens? Friedel Heuwinkel: In jedem Beschluss steht, dass es einen Konsens mit den Eigentümern geben muss. Dazu zählen, der Landesverband, das Haus zur Lippe und die Stadt Horn-Bad Meinberg. Alle weiteren, wie die Kommunen Augustdorf und Schlangen, beziehen wir selbstverständlich mit ein und wägen alle Argumente ab. Doch es wird sicherlich keine Entscheidung geben können, mit der alle einverstanden sind.
Glauben Sie, dass der Konsens mit den Eigentümern noch zu erreichen ist? Friedel Heuwinkel: Wenn mit den betroffenen Eigentümern kein Konsens zu erreichen ist, dann müssen wir Lösungen finden. Dann müssen wir sie aus der Gebietskulisse herausnehmen mit allen Konsequenzen. Dann gibt es später auch keine Ansprüche, über den Nationalpark zum Beispiel in Sachen Möglichkeiten für Projekte.
Gibt es dann überhaupt noch eine Chance für die Ausweisung eines Nationalparks in der geplanten Gebietskulisse? Friedel Heuwinkel: Ich glaube, dass wir eine geänderte Gebietskulisse bekommen werden, um ein Einvernehmen erzielen zu können. Ob diese im Bereich der Flächen des Prinzen und des Stadtwaldes nun vollständig oder teilweise verändert werden muss, wird sich zeigen. Auch ein kleinerer Nationalpark bietet große Chancen.
Wie bedeutet es für Sie, wenn Ihnen der Bezirksvorsitzende der CDU bei einer Kundgebung in puncto Nationalpark öffentlich in den Rücken fällt? Friedel Heuwinkel: Das ist für mich natürlich schwierig, da ich in meiner Partei groß geworden bin. Es ist aber guter demokratischer Brauch, dass man auch innerhalb der Partei deutlich und lautstark seine Meinung sagen kann und unterschiedliche Meinungen gelten lässt. Sicherlich wäre es leichter, wenn diese Diskussionen nicht auch lautstark in der Öffentlichkeit geführt würden, aber wir haben uns deshalb nicht zerstritten.
Was antworten Sie der FDP, die die Zuständigkeit des Kreises in der Nationalparkfrage in Frage stellt? Friedel Heuwinkel: So lange ich im Kreis bin, bin ich es gewohnt, dass seitens der FPD fast alles, was wir tun, sehr kritisch gesehen wird. Dass man nun die Zuständigkeit prüft, ist der letzte Strohhalm um zu gucken, ob man nicht doch auf anderer Ebene entscheiden kann, und das frei gewählte Parlament des Kreistages außen vor bleibt.
Es ist aber mit der alten wie auch der derzeitigen Landesregierung abgesprochen, dass wir vor Ort die Kulisse erarbeiten und das Einvernehmen herstellen. Erst dann wird vom Land die Nationalparkverordnung erstellt, die noch einmal offengelegt wird, damit jeder seine Meinung dazu sagen kann. Dann erst entscheidet der Landtag über eine Ausweisung.
Glaubwürdigkeit ist ein Problem in der öffentlichen Debatte. Wie wollen Sie Vertrauen zurückgewinnen? Friedel Heuwinkel: Das kann man nur, wenn sich wirklich beide Parteien sachlich an einen Tisch setzen, die Inhalte miteinander besprechen, Vor- und Nachteile abwägen und dann über die Ergebnisse informieren.
Was wünschen sie sich für die Nationalpark-Diskussion? Friedel Heuwinkel: Ich wünsche mir, das alle Parteien an den Runden Tischen teilnehmen, jedes einzelne Problem auf den Tisch legen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Wir wollen alle das Beste für unsere Region erreichen, und das kann auch gelingen.