
Der Biohof in Stemwede-Westrup: Hühner sind auf dem Außengelände nicht mehr zu sehen.Foto: Andreas Kokemoor
Von Bernd Bexte
Stemwede/Kiel (WB). Die Dioxin-Eier aus Stemwede werden zum bundesweiten Präzedenzfall. Erstmalig kommt das nach dem Dioxin-Skandal im vergangenen Jahr verschärfte Lebensmittelgesetz zur Anwendung. Wegen eines möglichen Verstoßes gerät auch ein Kieler Labor ins Visier.
Dort waren im Auftrag der Vertriebsfirma aus Euskirchen, Hennes Eierhof, die Eier aus Stemwede untersucht worden. Das Labor (LUFA ITL) hatte am 15. März die über dem zulässigen Höchstwert liegenden Dioxinwerte nach Euskirchen gemeldet, aber nicht den zuständigen Behörden. Das schleswig-holsteinische Landwirtschaftsministerium habe erst am 27. März von den Befunden erfahren, sagt Sprecher Christian Seyfert. Das Ministerium prüft, ob dies ein Verstoß gegen das jüngst verschärfte Lebensmittel- und Futtermittelgesetz ist.
Demnach müssen bei einer »begründeten Annahme« einer Grenzwertüberschreitung auch die Behörden informiert werden. Bislang reichte es, den Auftraggeber – also den Betrieb – zu informieren. Streitpunkt ist, ob diese »begründete Annahme« vorlag. Das Prüflabor sieht kein Versäumnis: »Wir sind der Meldepflicht vorschriftsgemäß nachgekommen«, meint Geschäftsführer Dr. Paul Wimmer.
Eine zweite Probenentnahme vom 15. März hatte Dioxin-Werte über dem Auslösewert, aber unterhalb des Höchstgehaltes aufgewiesen. Nach Informationen dieser Zeitung beruft sich das Labor auf diese niedrigeren Werte, die nach Ansicht des Instituts noch kein Einschalten der Behörden erforderlich gemacht hätten. Zudem habe sich das Labor bestätigen lassen, dass keine Eier aus Stemwede mehr in den Handel gebracht worden seien. Ein Trugschluss: Mindestens 7000 Eier waren, wie berichtet, aufgrund eines »Etikettierungsfehlers« noch von Euskirchen ausgeliefert worden. Das Kieler Ministerium ist alarmiert. »Quelle der Verunreinigung hätte das Futter sein können. Das hätte man dann umgehend sicherstellen müssen«, sagt Ministeriumssprecher Seyfert. Aufgrund der verspäteten Meldung sei dies aber gar nicht möglich gewesen. Wie sich später herausstellte, war das Futter nicht belastet.
Die Herkunft des dioxinähnlichen PCB ist weiterhin unklar. »Mit den Ergebnissen der Bodenproben aus Stemwede ist erst Anfang nächster Woche zu rechnen«, erklärt Wilhelm Deitermann, Sprecher des NRW-Umweltministeriums. Seit Tagen anhaltende Mutmaßungen, dass eine ehemalige Mülldeponie in der Nähe des Hofes Ursache sein könnte, bezeichnete er als »bislang reine Spekulation«.
Lesen Sie dazu auch:
Staatsanwalt prüft Dioxin-Fall (vom 11. April)
Gift-Eier auf Bio-Hof: Ministerium prüft rechtliche Schritte (vom 9. April 2012)
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Aktuelle Mitteilungen des NRW-Verbraucherschutzministeriums:
www.umwelt.nrw.de
Dort findet sich auch eine Chronologie der Funde von Dioxin und dioxinähnlichem PCB in Eiern aus Nordrhein-Westfalen.
Informationen zu Dioxinen in Lebensmittel
finden Sie auf den Internetseiten des Bundesinstitutes für Risikobewertung:
www.bfr.bund.de
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