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Bielefeld
Nachbarn sind nach Wohnhaus-Explosion geschockt
42-Jähriger lagert offensichtlich explosives Material − zwölf Verletzte − mehrere 100.000 Euro Schaden +++ mit Bildergalerie

Nachdem sich die dichten Rauchschwaden verzogen haben, wird auf der Rückseite des Wohnhauses das ganze Ausmaß der Zerstörung sichtbar. Einen einstöckigen Anbau hat die Explosion regelrecht weggesprengt, in der Fassade des Haupthauses klaffen große Löcher. Foto: Thomas F. Starke

Montag, 04. Juni 2012
- 16:35 Uhr
1 year
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 05. Juni 2012
um 18:10 Uhr
Von Hendrik Uffmann und Uwe Koch
42-Jähriger lagert offensichtlich explosives Material − zwölf Verletzte − mehrere 100.
000 Euro Schaden − Spezialisten im Einsatz +++ mit Bildergalerie

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Bielefeld (WB). Nach der Explosion des Wohnhauses an der Engerschen Straße 70 in Bielefeld-Schildesche sind die Nachbarn entsetzt. Heftige Detonationen, die weit im Stadtgebiet zu hören waren, haben sie am Sonntagnachmittag in Schrecken versetzt.

Der 42-jährige Malermeister ist im Besitz einer Erlaubnis nach dem Sprengstoffgesetz. Sie ist ausgestellt im Jahr 2009. Demnach darf er bis zu 15 kg pyrotechnische Gegenstände erwerben und sie nur kurzfristig bis zum Abbrennen lagern. Dass er eine eine Lizenz zum Abbrennen von Feuerwerken besaß und explosives Material in seinem Haus gelagert hatte, hatte niemand der Nachbarn geahnt. Der Mann wurde erst in Bielefeld versorgt und dann mit lebensgefährlichen Brandverletzungen in die Medizinische Hochschule Hannover geflogen. Sein Zustand habe sich stabilisiert, sagte ein Polizeisprecher am Montag.

Christel Obermann, die auf der anderen Straßenseite wohnt, hat die Explosionen unmittelbar erlebt. Herumfliegende Trümmerteile haben ein Loch in das Dach ihres Hauses geschlagen, die Wucht der Detonation hat mehrere Rollädenkästen aus den Angeln gehoben. »Wir sind völlig geschockt«, sagt Christel Obermann kurz nach dem Unglück.

Auch Thomas Oller, der an der Engerschen Straße 62 wohnt, war Zeuge des Geschehens. »Die Erde hat vibriert, dann kam der Trümmerregen«, berichtet er von »richtig schweren Detonationen«. Anschließend habe er einen Mann um Hilfe rufen gehört, wenig später seien auf der Straße mehrere Menschen verwirrt umhergeirrt. Zu Silvester, sagt Thomas Oller, habe der Malermeister jeweils ein großes Feuerwerk abgebrannt. Oller: »Mit normalen Raketen kriegt man so etwas nicht hin.«

Auch die 150 Einsatzkräfte der Feuerwehr staunen über das Ausmaß der Verwüstung. »Das sieht aus wie in Enschede«, sagt Peter Zapf von der Bielefelder Berufsfeuerwehr, den die Bilder an die Explosion einer Feuerwerksfabrik in der niederländischen Stadt erinnern.

Der 42-jährige Malermeister hatte mit seiner Frau (42) und seiner Tochter (14) in der ersten Etage des Haues gewohnt, die Mutter der Ehefrau (66) bewohnte das Erdgeschoss. Den 42-Jährigen bergen die ersten Angriffstrupps der Feuerwehr unter Einsatz ihres Lebens aus dem brennenden und rauchenden Trümmerhaufen, der einmal der Anbau war, er schwebt in Lebensgefahr. Die drei Frauen sind zum Zeitpunkt der Explosion ebenfalls im Gebäude. Die 66-Jährige rettet sich mit einem Sprung aus dem Fenster und zieht sich dabei mittelschwere Verletzungen zu, Ehefrau und Tochter können ins Freie laufen.

Noch zwei Stunden nach den ersten Explosionen steigen dicke Rauchwolken von der Rückseite des Haues auf. Feuerwehrleute löschen mit Schaum die Reste des Anbaus, von dem nur noch Schuttreste übrig geblieben sind. Auch die Rückfront des eigentlichen Gebäudes ist schwer beschädigt, in der Fassade klaffen zwei große Löcher. »Es besteht Einsturzgefahr«, sagt Jörn Bielinski von der Berufsfeuerwehr.

100 Meter vom Unglücksort entfernt haben die Einsatzkräfte des Rettungsdienstes sowie der Schnellen Einsatzgruppe von DRK, Johannitern und Arbeiter-Samariter-Bund – insgesamt weitere rund 100 Helfer – ein Betreuungszelt aufgebaut. Dort werden acht Menschen versorgt, darunter auch mehrere Polizisten, die Rauchgase eingeatmet haben. Durch die umherfliegende Trümmer kommt wie durch ein Wunder niemand zu Schaden.
Im Gerätehaus der Löschabteilung Schildesche werden unterdessen elf Bewohner aus zwei benachbarten Häusern untergebracht, die ihre Wohnungen verlassen mussten. Zumindest sechs Bewohner des Hauses Engersche Straße 68, darunter zwei Kinder, können in der Nacht nicht in ihr Zuhause.
 Gegen 17 Uhr hat die Feuerwehr den Brand in dem zerstörten Anbau soweit im Griff, dass keine akute Gefahr weiterer Explosionen mehr besteht. Dennoch dauern die Löscharbeiten unvermindert an.

Noch während der Einsatz der Feuerwehr läuft, machen sich Ermittler der Kriminalpolizei ein Bild von der Lage. Die Ursache für die Reihe an Explosionen ist jedoch zunächst unklar. Da die Feuerwehr befürchtet, dass das Wohnhaus in sich zusammenbrechen könnte, werden auch Fachleute vom städtischen Bauamt hinzugezogen. Statiker Jona Brechmann nimmt das beschädigte Gebäude in Augenschein. »Vermutlich ist das Haus ein Totalverlust. Der Sachschaden könnte insgesamt mehrere 100.000 Euro betragen«, sagt Feuerwehrsprecher Jörn Bielinski gegen 20.45 Uhr, während die etwa 30 vor Ort verbliebenen Einsatzkräfte immer wieder kleinere Glutnester löschen müssen. Erschwert wird ihre Arbeit dadurch, dass sie aus Sicherheitsgründen dabei auf Abstand bleiben müssen. Die Engersche Straße bleibt bis Montagvormittag gesperrt.

Update 16.35 Uhr:


Am Montag sammelten Speziallisten des Landeskriminalamtes und der Bielefelder Polizei vor Ort erste Erkenntnisse. Unterstützt wurden sie auf der Suche nach der Brandursache von drei  Diensthundeführern mit ihren Sprengstoffspürhunden. Eingesammelt  wurde von ihnen zahlreiche Pyrotechnik jeglicher Art. Ein Polizeihubschrauber fertigte heute Nachmittag Bilder vom Explosionsort an.
 
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Lesen Sie dazu auch:

Feuerwerk gelagert: Haus explodiert (vom 4. Juni 2012)
 

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