
Von Isa von Bismarck-Osten
Löhne-Melbergen (LZ). Die Branche der Küchenhersteller steckt in einer tiefen Krise. Nur drei Wochen nachdem E + K Küchen aus Hiddenhausen Insolvenz angemeldet hat, sind auch die Geba-Möbelwerke in Löhne-Melbergen zahlungsunfähig. Gestern war die Betriebsversammlung.
»Die Beschäftigten waren schon geschockt. Auch wenn alle gewusst haben, dass Schwierigkeiten in der Vergangenheit da waren«, sagte Uwe Najduk. Kurz nach der Betriebsversammlung gestern Mittag in der Kantine der Geba-Möbelwerke gab der IG-Metall-Gewerkschaftssekretär gegenüber der LÖHNER ZEITUNG seine Eindrücke wieder. Vor den rund 130 Beschäftigten erläuterten gestern demnach Geschäftsführer Markus Ferstera, der vorläufige Insolvenzverwalter Jochen Schnake aus Werther, Betriebsratsvorsitzender Michael Fuchs und Uwe Najduk die neue Situation. Der Hersteller für Premium-Küchenmöbel ist insolvent. Am Montagmorgen ist der Antrag beim Amtsgericht Bielefeld eingegangen. Grund sei die schlechte Auftragslage, sagte Najduk. 2008 war der größte Geba-Kunde, der Schweizer Küchen- und Badspezialist Sanitas Troesch, abgesprungen.
»Wir mobilisieren alle Kräfte, um den Betrieb weiter zu führen«, sagte Jochen Schnake. Direkt nach der Betriebsversammlung wiederholte der vorläufige Insolvenzverwalter die Worte, die er wenige Minuten zuvor den Mitarbeitern gesagt hatte: »Die nächsten Wochen gehen normal weiter.« Die nächsten Wochen. Von Monaten spricht Schnake nicht, dennoch will er Optimismus verbreiten: »Die Mitarbeiter zeigen den Willen, weiter zu machen«, sagte er. Es brauche sich zudem »kein Kunde Sorgen machen, bestellte Küchen nicht geliefert zu bekommen«. Er müsse nun die wirtschaftliche Situation des Unternehmens prüfen. Von Entlassungen sei derzeit keine Rede, sagte Schnake. Nach Lohneinbußen gefragt, sagte er: »Bis zur Insolvenzeröffnung gibt es keine Einschnitte.«
Von Gewerkschaftsseite waren indes andere Töne zu hören: »Die gewerblichen Mitarbeiter haben ihr Februar-Gehalt nicht bekommen«, sagte Uwe Najduk. Der Lohn werde üblicherweise am zehnten des nächsten Monats gezahlt. Doch nun sei die Insolvenz angemeldet worden. Er und der Betriebsratsvorsitzende hätten von Jochen Schnake eine »Vorfinanzierung« für die Betroffenen gefordert. Dabei werde das so genannte Insolvenzgeld vorgestreckt. Bis zu drei Monate nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens haben die Mitarbeiter Anspruch auf ihr volles Gehalt. »Wir hoffen, dass bis Ende nächster Woche klar ist, ob das Geld vorfinanziert wird«, sagte Najduk. Noch befinde sich das Unternehmen im »Vorinsolvenzverfahren«.
Am Montag waren die Mitarbeiter bereits über den Insolvenzantrag informiert worden. Doch spiegelten die Mienen der Mitarbeiter, die nach der Versammlung aus der Kantine auf den Hof strömten, mehr Erleichterung als Verzweiflung wieder. »Der Betrieb läuft weiter«, sagte ein Mitarbeiter aus der Fertigung, der seinen Namen nicht nennen wollte. »Die meisten glauben auch daran, dass es weiter geht«, erklärt er. Und als wolle er seinen Optimismus untermauern, fügte er an: »Wir haben auch noch Aufträge, zwar nicht so viele, aber noch für vier bis sechs Wochen im voraus.«
Optimismus gehört bei Geba offenbar zur Unternehmensphilosophie, selbst in schwierigen Situationen. Im September 2009 erklärte Markus Ferstera noch auf der Hausmesse, er sei »überzeugt, dass sich das Firmenkonzept behaupten wird«. Auch bezüglich der Kurzarbeit in seinem Unternehmen äußerte er sich zuversichtlich, dass ab 2010 wieder normal gearbeitet werde. Rund ein Jahr lang dauerte die Kurzarbeit bei den Geba-Möbelwerken an, während der die Mitarbeiter nur 60 bis 67 Prozent ihres Lohns verdienten. Bis das Insolvenzverfahren eröffnet wird, sollen die Mitarbeiter wieder 100 Prozent arbeiten. »Jetzt will man sehen, dass alle Aufträge ordnungsgemäß ausgeliefert werden«, sagte Najduk.
Ulrich Niemeyer, Wirtschaftsförderer bei der Stadt Löhne, reagierte geschockt auf die Insolvenz: »Das ist schlimm. Die Geba Möbelwerke sind ein großer Arbeitgeber, der in die Insolvenz geht«, sagte er. Niemeyer kündigte an, zeitnah mit Geschäftsführer Markus Ferstera Kontakt aufnehmen zu wollen, »um zu fragen, in welchem Rahmen die Stadt behilflich sein kann«.
Erst vor wenigen Wochen war schon einmal über die Zukunft der Geba-Möbelwerke spekuliert worden. Anlass war Ende Februar der Kauf der Vlothoer Küchenmöbelfabrik Pronorm durch den holländischen Küchenhändler De Mandemakers Group. Da der holländische Konzern auch an dem Löhner Küchenmöbelhersteller beteiligt sein soll, hieß es, Pronorm und Geba könnten möglicherweise künftig enger zusammenarbeiten. Welche Rolle die De Mandemakers Group an der Insolvenz der Geba Möbelwerke spielt, war gestern ebenfalls noch unklar.
KOMMENTAR
Der Industriestandort Löhne geht schweren Zeiten entgegen. Nach zahlreichen Firmeninsolvenzen im vergangenen Jahr und einer kurzen Atempause trifft es nun mit Geba einen großen und wichtigen Arbeitgeber in Löhne. Noch vor wenigen Monaten hatte sich Inhaber Markus Ferstera optimistisch gegeben, trotz oder vielleicht gerade weil er schon damals die ersten drohenden Anzeichen einer Insolvenz spürte. Optimismus ist gut, vor allem in Zeiten einer so tiefen wirtschaftlichen Krise. Der Fall Geba zeigt aber auch, dass das Tal noch nicht durchschritten ist. Unternehmen sollten neben einem gesunden Optimismus auch Wachsamkeit walten lassen, damit sie nicht ein ähnliches Schicksal erleiden müssen wie Geba.
Sonja T ö b i n g
10.03.2010
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