
Von Annika von Hollen
Bad Oeynhausen (WB). Lampenfieber, kalte Hände und Herzklopfen - hinter den Kulissen sind die Kinder so nervös, dass sie kaum noch sprechen können. Als dann aber die Musik beginnt und das Licht die Bühne erhellt, rasen sie auf ihren Rollschuhen hinaus zum Publikum und begeistern mit ihren einstudierten Choreografien.
Am Samstagnachmittag hat der Radsport- und Rollschuh-Club »Zur Höhe« von der Lohe zum ersten Mal das Stück »Notre Dames Glöckner« aufgeführt. 78 Jungen und Mädchen sowie einige Erwachsene im Alter von drei bis 40 Jahren erzählten die Geschichte des entstellten, buckeligen Mannes Quasimodo, der zwischen den Glocken von Notre Dame wohnte.
Dazu hatten die Akteure die Dreifach-Turnhalle des Immanuel-Kant-Gymnasiums in das Paris des 17. Jahrhunderts verwandelt. Erst einen Tag vor der Premiere waren die Kulissen mit Lastwagen angeliefert und bis spät in die Nacht aufgebaut worden. Von einem kleinen Bäckerladen bis zur großen Kirche Notre Dame ließ das Bühnenbild keine Wünsche offen.
»Wir konnten erst heute Morgen die Generalprobe machen, da die Kinder sich an die Kulisse gewöhnen mussten«, erzählte die Rollschuhtrainerin Daniela Strunk am Samstag. Sie hatte nicht nur die Choreografien mit den 78 Darstellern einstudiert, sondern übernahm auch die Rolle der hübschen Zigeunerin Esmeralda.
Diese beschützte Quasimodo, der von Janina Apke gespielt wurde, als er auf dem Narrenfest von den übrigen Menschen wegen seines Aussehens verspottet und ausgelacht wurde. Prompt verliebte sich der Glöckner in die Zigeunerin und beschützte sie vor dem bösen Richter Frollo.
Während der Aufführung lief ein Band ab, von dem der Text abgespielt wurde. Die Akteure in den Hauptrollen mussten dazu ihre Lippen bewegen und mit Mimik und Gestik ihren Charakter überzeugend darstellen. Zu den bekannten Liedern des Disney-Filmes »Der Glöckner von Notre Dame« zeigten die Darsteller ihr Können auf den Rollschuhen. Für die vielen Drehungen und Pirouetten ernteten besonders Janina Apke und Daniela Strunk reichlich Applaus. Speziell die Szene in der Kirche hatten die Läufer mit Schwarzlicht und Kerzen eindrucksvoll umgesetzt. »Ich bin jedes Jahr begeistert, was der Rollschuhclub wieder auf die Beine gestellt hat. Ich hätte nicht gedacht, dass schon so kleine Kinder so gut Rollschuhlaufen können«, sagte Karl-Heinz Koch. Er schaute sich das Rollkunst-Schaulaufen zusammen mit seiner Enkeltochter an, die auch begeistert war.
Die zehnjährige Rieke Regel hatte sich ebenfalls die Show angeschaut. Sie war besonders auf ihren Bruder stolz, der eine Taube und einen Zigeuner dargestellt hatte. »Außerdem fand ich die Musik und die Sprünge der Rollschuhfahrer toll«, erzählte sie.
Kirchenmäuse, Feuergeister, Nonnen und Tauben - jedes Kind brauchte sein eigenes Kostüm und musste passend geschminkt werden. »Ich bin den vielen Müttern, die uns geholfen haben, sehr dankbar. Ohne sie könnte das Schaulaufen nicht stattfinden«, erzählte Daniela Strunk. Durch den Eintritt und den Erlös der angebotenen Getränke und Speisen wird das Training der Rollschuhläufer bezahlt. Deshalb kann der Verein die Mitgliedsgebühren sehr gering halten.
Nach der Generalprobe und der Aufführung am Nachmittag folgte eine weitere Vorstellung am Abend. »Die Kleinsten müssten nicht mehr unbedingt bis zum Schluss dabei bleiben. Die meisten sind aber so begeistert, dass sie immer wieder auf die Bühne wollen«, erzählte Daniela Strunk.
Am Samstag, 13. Februar, um 18 Uhr und Sonntag, 14. Februar, um 17 Uhr führen die jungen Rollschuhartisten das Stück ein weiteres Mal auf. Für die Aufführungen sind noch Karten erhältlich.
25.01.2010
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