
Von Karl Pickhardt
Schloß Neuhaus (WV). Wie gefährlich ist ein Mobilfunkturm für unsere Gesundheit? Erstmals im Kreis Paderborn sollen Bluttests nachweisen, ob Elektrosmog den menschlichen Organismus schädigen. International tätige Wissenschaftler renommierter Universitäten starten in Mastbruch eine Studie, die bis zu 500 000 Euro kosten soll.
Eine Mutter von sechs Kindern will sich in Sorge um die Gesundheit ihrer Mitbürger nicht mit einem Mobilfunkturm vor ihrer Haustür in der Husarenstraße in Mastbruch abfinden. Ellen Zajonz hat als Vorsitzende der Bürgerinitiative »Gegenwelle« den Bau der Mobilfunkbasisstation nicht verhindern können. Dafür hat die 44-Jährige einen anderen Erfolg gelandet: Sie hat Wissenschaftler aus Österreich, Schweden und Deutschland gewonnen, die sich zu einem Konsortium zusammenschließen und in einer zweijährigen Studie das Blutbild von Menschen in einem 700-Meter-Umfeld des neuen Mobilfunkturms in Mastbruch fortlaufend untersuchen. Ellen Zajonz spricht von einer Pilotstudie auf europäischer Ebene, die bundespolitische Auswirkungen haben könnte.
Das Konsortium unter Federführung von Professor Dr. med Franz Adlkofer (Uni Berlin und München) sucht in Mastbruch mehrere hundert Kinder und Erwachsene im Schatten des etwa 30 Meter hohen Funkturms. Das Blutbild dieser Menschen wird regelmäßig untersucht, ob sich in den nächsten zwei Jahren Veränderungen an Chromosomen und Zellfunktionen ergeben.
Adlkofer: »Uns, einem Team von Wissenschaftlern, bietet sich nun die besondere Gelegenheit, dass wir alle Anwohner in einem reinen Wohngebiet in Mastbruch sowohl vor als auch nach Inbetriebnahme einer Basisstation sorgfältig untersuchen können.«
Die Familie Zajonz macht mit. Interessenten können sich bei der Vorsitzenden von »Gegenwelle« unter v 05254/9306671 melden. Die Teilnahme ist kostenlos und auf freiwilliger Basis: Allerdings sollten teilnehmende Mastbrucher auch regelmäßig zu den Bluttests kommen.
Die Bluttest werden in den zwei Jahren mehrfach wiederholt, um festzustellen, welche Einwirkungen elektromagnetische Frequenzen (EMF) auf den menschlichen Organismus haben. Die Ergebnisse, so Ellen Zajonz, könnten später eventuelle rechtliche Ansprüche begründen. Die Mastbrucherin erinnert an historische Beispiele: So seien bei Röntgen, Radarstrahlen und Asbest auch erst später die gefährdenden Folgen bewiesen worden.
Die EMF-Pilotstudie in Mastbruch lenkt Professor Adlkofer aus München. Beteiligt sind auch der Physiker Dr. Peter Neitzke vom Ecolog-Institut Hannover, Professor Dr. med Wilhelm Mosgöller aus der Abteilung Krebsforschung der Universität Wien, Professor Dr. med. Michael Kundi aus dem Institut für Umwelthygiene der Universität Wien sowie der Genetiker, Mikrobiologe und Toxikologe Dr. Igor Beljaev von der Universität Stockholm. Finanziert wird die 300 000 bis 500 000 Euro teure Langzeit-Untersuchung von der Stiftung Pandora, die aus Spendengeldern (Konto 4144341 bei der Deutschen Bank mit der BLZ 10070000) die Wissenschaft fördert.
Gegenwelle-Sprecherin Ellen Zajonz hat übrigens auch den Mobilfunkbetreiber O 2 eingeladen, sich an der Studie zu beteiligen. Eine Antwort stehe noch aus.
Zur Teilnahme an der EMF-Studie in Mastbruch sind Bewohner eingeladen, die im Viertel wohnen, das im Norden von den Straßen mit Vogelbezeichnungen, im Westen von der Albert-Schweitzer-Straße, im Süden vom Ziethenweg und im Osten vom Marschallteich eingegrenzt ist.
22.02.2010
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