
DSC Arminia Bielefeld
Von Michael Diekmann
Bielefeld (WB). Der Zweitligist DSC Arminia Bielefeld kämpft wirtschaftlich ums Überleben. Der Klub steht, das wurde gestern im Gespräch mit dem kaufmännischen Geschäftsführer Heinz Anders deutlich, mit dem Rücken zur Wand. Das viel zu teure und luxuriös zu Ende gebaute Stadion könnte dem Verein das Genick brechen.
Arminia, Bielefelds Werbefaktor Nummer eins, geht finanziell auf dem Zahnfleisch. Und Heinz Anders hat von seinem Vorgänger Roland Kentsch ein wirtschaftliches Konstrukt geerbt, das er in seinen schlimmsten Albträumen nicht erwartet hatte. Am 4. Februar 2010 sitzt Anders vor einem Scherbenhaufen, vor dem andere nur weglaufen würden. Arminias Konten waren zwischenzeitlich gesperrt. Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen waren gestern Mitarbeiter des Finanzamtes auf der Geschäftsstelle, um einen Pfändungsbescheid zu übergeben. Die eben noch konsolidierte Basis des Erstligisten Anfang 2009 ist in weniger als einem Jahr auf den Kopf gestellt: Drei Millionen Rücklagen aufgebraucht, operatives Minus von knapp drei Millionen und noch 13 Millionen Euro Schulden vom Stadionendausbau offen. Macht zusammen fast 16 Millionen Euro Verbindlichkeiten.
Dem gegenüber stehen beim Zweitligisten mit Ausnahme der noch steigenden Mitgliederzahl nur Minuszeichen: Deutlich weniger Fernsehgelder und Lizenzgebühren, um 1,5 Millionen gesunkene Sponsoreneinnahmen, Minus im Kartenverkauf, gekündigter Trikotsponsor. Fest steht auch: Bis 2018 muss Arminia jährlich allein 1,2 Millionen Euro für den Stadionendausbau an die Banken zahlen. Weil Arminia auch sportlich aktuell nicht wie ein Aufstiegskandidat agiert und Ostwestfalen, wie Aufsichtsratschef Norbert Leopoldseder es ausdrückt, nicht gerade begeistert Kopf stehe für den Klub, ist die Einnahmesituation kurzfristig kaum zu verbessern.
Mit offenen Karten spielen sowohl Anders wie Leopoldseder, wenn es um die Schüco-Arena geht: »Viel zu teuer, für unsere Verhältnisse viel zu exklusiv.« Die Suche nach Einzelverantwortlichen möchte Anders indes nicht betreiben. »Schuld ist Arminia«, sagt er. Allerdings wird das Bild von der Vollgasfahrt sehenden Auges vor die Wand greifbar. Am Lenkrad: Roland Kentsch. Im Klartext: Wären die quasi im Handstreich zusätzlich verbauten sechs Millionen Euro für Business-Bereich, Logen und Sky-Office noch da, hätte der Klub etwas mehr Luft zum Atmen, müsste Heinz Anders nicht sportlich und wirtschaftlich die Existenzfrage stellen und hoffen, dass nicht irgendein bislang noch stets erfolgreich vertrösteter Lieferant oder Handwerker doch die Nerven verliert und einen Insolvenzantrag stellt.
Die Zeitbombe an der Melanchthonstraße tickt. Gut 1,2 Millionen Euro an Leistungen hat Arminia laut Anders noch nicht bezahlt. Da wird deutlich, was Norbert Leopoldseder mit dem städtischen Nothaushalt Bielefelds vergleicht. Und: Sowohl Wirtschaftsprüfer, Fußball-Liga und Arminia-Gremien haben das zu erwartende Desaster wohl durchgewunken. Noch in der Bilanz-Pressekonferenz 2009 schilderte Roland Kentsch, gestern nicht zu erreichen, blumig die Erstliga-Zukunft. Laut Gutachten für die Feuerversicherung sollte die Schüco-Arena 50 Millionen Euro wert sein. Kaufen kann man sich dafür nichts. Anders: »Unser wichtigstes Ziel ist, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten.«
Schüco-Chef Dirk U. Hindrichs sagte dem WDR, es müsse »eine professionelle Ausrichtung« im Verein geben. Wechsel an der Klubspitze schloss er nicht aus.
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05.02.2010
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