
DSC Arminia Bielefeld
Von Michael Diekmann und Dirk Schuster
Bielefeld (WB). Fußball-Zweitligist Arminia Bielefeld kennt in der Finanznot keine Tabus mehr. Geschäftsführer Heinz Anders zieht in Erwägung, die repräsentative Schüco-Arena zu verkaufen. Die Nachricht vom Millionenloch in der Vereinskasse hat offenbar auch mögliche Sponsoren aus der Wirtschaft überrascht.
Schüco-Chef Dirk U. Hindrichs sprach am Freitag von »völlig neuen Vorzeichen« für ein Engagement der Wirtschaft. »Die jetzige Entwicklung macht den Willen zu helfen nicht gerade einfacher«, sagte Hindrichs. Der Schüco-Chef koordiniert eine Initiative von etwa 15 Firmen, die ein Engagement für Arminia in Aussicht gestellt hatten. Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen steht eine Summe im Raum, die unter zehn Millionen Euro liegen soll.
Ralf Weber, Sohn des zum möglichen Sponsorenkreis zählenden Textilunternehmers Gerhard Weber, zeigte sich am Freitag ebenfalls überrascht. »Die Situation war in dieser Form nicht bekannt. Es muss jetzt einen Krisenstab geben. Es muss gefragt werden, welche Strukturen geändert werden müssen. Oberstes Ziel muss es sein, die Insolvenz abzuwenden, um den Spielbetrieb aufrecht erhalten zu können«, sagte Ralf Weber. Gleichzeitig sei aber zu prüfen, ob ein Vergleich infrage komme, indem man alle Gläubiger an einen Tisch hole. »Auch mein Vater befürwortet, dass es weitergeht. Es wird wahrscheinlich nicht zu vermeiden sein, dass die Unternehmer das aktuelle Loch stopfen müssen.«
Hinter den Kulissen ist offensichtlich bereits Bewegung in die von allen Seiten als »konstruktiv« bezeichneten Gespräche gekommen. Demnach könnten sich namhafte Mitglieder der Arminia-Aufsichtsgremien vorstellen, relativ schnell zu einer Einigung zu kommen, wenn es um den Verkauf der Schüco-Arena an eine neue Besitzgesellschaft geht, in der sich auch die Wirtschaft beteiligen könnte. Von Arminia zu tilgen sind noch 13 Millionen Euro für das Stadion. Der Wert war von einem Gutachter auf etwa 50 Millionen Euro taxiert worden, investiert wurden etwa 36 Millionen Euro. In einer möglichen Stadion-Besitzgesellschaft engagieren könnte sich auch die Stadt Bielefeld. Oberbürgermeister Peter Clausen (SPD) schließt allerdings Geldzahlungen aus »Unsere eigenen Kassen sind leer. Das könnten wir niemandem vermitteln.«
»Aus meiner Sicht ist es sinnvoller, über den Stadionverkauf nachzudenken, als über den Verkauf von Spielern«, sagte DSC-Geschäftsführer Anders. Die Entscheidung könne aber nur der e.V., der eingetragene Verein als Eigentümer des Stadions, treffen: »Als Geschäftsführer der KGaA könnte ich nur dazu hinleiten.«
Bislang zahlt die für den Profibetrieb zuständige Arminia Bielefeld KGaA jährlich etwa vier Millionen Euro an Pacht und Lizenzgebühren an den Amateurverein Arminia e.V. Im Falle eines Eigentümerwechsels ginge die Pacht an die neue Betriebsgesellschaft. Die könnte das Stadion eines Tages sogar wieder an den Verein zurückgeben. Anders jedenfalls äußert: »Es wäre ja möglich, eine Rückkaufoption zu vereinbaren.«
Aktuell ist Arminia nach eigenen Angaben nicht von der Zahlungsunfähigkeit bedroht. Nach Auskunft von Anders sind alle Steuern sowie Beiträge an Krankenversicherung und Berufsgenossenschaft abgeführt. Die zweitätige vorübergehende Sperrung der Vereinskonten habe mit der verspäteten Zahlung einer größeren Steuersumme zu tun gehabt.
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Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos
Von André Best
Während einige Firmen in Ostwestfalen trotz der immer noch andauernden Krise bereits wieder Hoffnung schöpfen, muss man sich um ein namhaftes Wirtschaftsunternehmen der Region große Sorgen machen: den DSC Arminia Bielefeld. Jedoch haben die finanziellen Probleme des Fußballvereins nur wenig mit der allgemeinen Krise zu tun. Arminia liegt finanziell am Boden, weil die Führung des Klubs seit Jahren nicht erst- und auch nicht zweitligatauglich ist.
In der Vergangenheit sind gravierende Fehler gemacht worden, die sich jetzt bitterböse rächen. Allen voran ist hier die Stadionplanung zu nennen. Die neue Osttribüne hat 18 Millionen Euro verschlungen. Ein Großteil davon musste der Verein selbst berappen. Um so unverständlicher ist es, dass bei der Vollendung des Schmuckkästchens Geld offenbar nur eine Nebenrolle gespielt hat. Keiner kann nachvollziehen, dass die Tribüne unter dem Strich sechs Millionen Euro mehr gekostet hat als geplant. Warum der Business-Bereich, die Logen und die Sky-Offiices so pompös und direkt in einem Zug gebaut worden sind, statt Schritt für Schritt und einer späteren Vermarktung angemessen, wissen wohl nur die DSC-Verantwortlichen selbst.
Der Abstieg und die katastrophale Jahreshauptversammlung führten nicht zu einem Neuanfang. Legitim ist, dass der Verein alles versucht hat, nach dem Abstieg eine schlagkräftige Mannschaft auf die Beine zu stellen. Das ist weitgehend gelungen. Aber nicht nachvollziehbar ist es, dass der Verein sich wochenlang um den Transfer eines Jan Simak bemüht hat. Der Spieler wäre zwar ablösefrei gekommen, hätte aber den Gehaltsetat der Profiabteilung zusätzlich um einen sechsstelligen Betrag belastet. Und das, obwohl dem DSC das Wasser bereits zu diesem Zeitpunkt bis zum Hals stand. Gleiches gilt für die Verpflichtung des neuen Co-Trainers Jörg Böhme und der Neuzugänge Assimiou Touré und Patrick Platins. Sparen sieht anders aus.
Am Wochenende sitzen Führung und Förderer an einem Tisch. Hier müssen die richtigen Weichen gestellt werden. Der Stadionverkauf könnte ein Königsweg sein. Ob sich die Wirtschaft dafür jedoch begeistern lässt, ist fraglich. Fakt ist, dass der DSC Arminia Bielefeld nach wie vor die stärkste Marke Ostwestfalens ist. Es gilt, gemeinsam mit den Unternehmen Wege zu finden, damit die Marke Arminia wieder einen Namen hat. Denn von einem starken und gut geführten DSC Arminia Bielefeld, der über die Stadt hinaus für Furore sorgt, kann die ganze Region profitieren. Es muss sich wieder lohnen, zu den »Blauen« zu gehen. Dazu bedarf es aber nicht nur guter Leistungen auf dem Platz, sondern einer Vision. Am Freitag waren erneut nur 11 000 Zuschauer in der Arena. Zweitligisten wie Fortuna Düsseldorf und Alemannia Aachen werden im Schnitt von 20000 Fans unterstützt. Auch an den Besucherzahlen krankt Arminia. Wenn diese besser werden sollen, muss sich etwas ändern. Dafür ist es jetzt höchste Zeit, bevor der DSC noch tiefer ins Desaster stürzt.
05.02.2010
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