
Von Peter Klute
Paderborn (WV). 4-4-2. Das war die Erfolgsformel des SC Paderborn in der abgelaufenen Saison. Mit diesem System erklomm der Aufsteiger Platz fünf in der Zweiten Bundesliga. Doch was gut war, muss nicht das Beste bleiben. Vor der neuen Spielzeit denkt Trainer Andre Schubert über eine Systemänderung nach.
Zwei Sechser (Kapitän Markus Krösche und Neuzugang Markus Palionis), nur ein Stürmer (Novize Nico Klotz) und Enis Alushi als hängende Spitze: Diese Variante probierte Schubert am Dienstag beim Test gegen Widzew Lodz (0:0) erstmals aus und war sehr zufrieden mit dieser Premiere. »Wir können jederzeit auch mit zwei Angreifern spielen, aber das hat schon richtig gut funktioniert. So groß ist die Umstellung ja auch nicht«, sagte Schubert.
Vor allem in der zweiten Hälfte gegen den polnischen Erstligisten stimmte das Verhältnis zwischen Defensive und Offensive. Hinten ließ der SCP so gut wie nichts zu, vorne gab es durchaus Chancen zum Sieg. Vor dem Wechsel war es nur hinten gut. Da fehlte vorne die Durchschlagskraft, der kleine Klotz war als Alleinunterhalter überfordert und verlor die Bälle zu schnell. »Die Defensive war über 90 Minuten top, vorne sind wir in den ersten 45 Minuten nicht in den gefährlichen Bereich gekommen. Doch diese Tatsache war auch einem guten Gegner geschuldet. Nach dem Wechsel haben es wir es auch offensiv besser gemacht«, analysierte Schubert.
Das lag vor allem an Enis Alushi, der in dem neuen System die entscheidende Rolle einnimmt. Neben Linksaußen Daniel Brückner, der in der Saisonbilanz des Kicker als »herausragend« eingestuft wurde, ist Alushi der Spieler, den Paderborn kaum ersetzen könnte. Im »Blickfeld« tauchte erstmals auch Alushi auf, der ebenfalls eine super Saison spielte.
»Es bedarf natürlich einer gewissen Eingewöhnung, aber Enis hat angedeutet, dass er als hängende Spitze spielen kann. Er ist variabel, kann durch die Mitte kommen, aber auch auch links und rechts auf die Flügel ausweichen. Er ist schnell, findet aufgrund seiner Technik immer wieder spielerische Lösungen und kommt weiter vorne noch häufiger in Positionen, in denen er Tore erzielen kann. Seine Torgefahr hat er mehrfach angedeutet«, sagte sein Coach. Nach einer torlosen ersten Saison in Paderborn traf Alushi in der abgelaufenen Spielzeit dreimal, in der laufenden Vorbereitung ist er mit vier Treffern neben Sven Krause bester Torschütze. Das vermeintlich neue System sieht auf den ersten Blick defensiver aus. Fakt ist, dass der SCP noch kompakter war. Schubert: »Wir haben die Zweikämpfe dominiert und das Zusammenspiel der Sechser hat uns gut gefallen.«
Dass die Variante aktuell geworden ist, liegt - so gibt Schubert zu - auch daran, dass das erfolgreiche Sturmduo der abgelaufenen Saison gesprengt ist. Mahir Saglik ist nach seiner Ausleihe zum VfL Wolfsburg zurückgekehrt. Dort spielt der Türke keine Rolle, aber er möchte in die Erste Liga. Gaetano Manno befindet sich nach seinem Kreuzbandanriss im Aufbautraining, die Saison wird aber definitiv ohne den Deutsch-Italiener beginnen.
Ersatz wurde aus finanziellen Gründen nicht verpflichtet, Probespieler Jorge Mosquera wäre allenfalls eine Ergänzung. Sören Brandy wurde nach seiner Einwechslung gegen Lodz von Schubert bescheinigt, dass er für Belebung gesorgt habe. Auch Nejmeddin Daghfous kann ganz vorne spielen, ist aber wie Klotz eher ein Flügelspieler. Hinten dran scheinen derzeit Sven Krause und Neuzugang David Jansen, die am Dienstag nicht zum Einsatz kamen. Alushi rückte vor, doch auch wenn es dabei bleibt, die Nachverpflichtung eines Stürmers bis zum 31. August scheint unumgänglich.
29.07.2010