
Haiti nach dem Beben
Ein Besuch auf Haiti sieben Wochen nach dem Beben
Von Reinhard Brockmann
Port-au-Prince (WB). »Kabrio-Haus« lautet das erste Wort, dass mir durch den Kopf schießt. Beim letzten Bogen im Anflug der 18-sitzigen Turbo-Prop auf Port-au-Prince geht der Blick steil nach unten auf ein Haus ohne Dach. Je weiter die Maschine sinkt, um so mehr geborstene Wände, eingesackte Dächer und daneben wieder unversehrte Gebäude rücken in den Blick.
Sieben Wochen nach dem Beben hält die Angst der Haitianer an
Von Reinhard Brockmann
Port-au-Prince (WB). Eine Magnitude wird beschrieben als ein zarter hochgezogener Bogen, den ein Erdbebenmessgerät auf Papier kritzelt. Aber eine Magnitude von 7,0 auf der Richterskala kann auch Häuser bersten und Omnibusse tanzen lassen. Wer durch Haitis zerstörte Hauptstadt Port-au-Prince fährt, sieht total demolierte Autos auf dem Dach liegen, einen Bus am Hang oberhalb der Straße oder armstarke Risse im Parterre eines 12-stöckigen Gebäudes.
In Petit-Goave sackte der Küstenstreifen ab - »Nur« 500 Tote
Von Reinhard Brockmann
Port-au-Prince (WB). Petit-Goave weit im Westen Haitis hat Glück gehabt. Der 254 000 Einwohner zählende Bezirk hat nicht so viele Opfer zu beklagen, 15 Prozent der Häuser sind zerstört, statt 90 Prozent wie 30 Kilometer weiter in Leogane. Glück gehabt, das heißt in Haiti »nur« 500 Tote.
Im Gespräch: Wolfgang Jamann, Generalsekretär der Welthungerhilfe
Port-au-Prince (WB). Die Hilfsorganisationen stehen auf Haiti vor einer gigantischen Aufgabe. Aus schneller Nothilfe muss ein neuer Anfang werden, der mehr ist als ein bloßer Wiederaufbau. Dieses Fazit zieht Wolfgang Jamann, Generalsekretär der Deutschen Welthungerhilfe, sieben Wochen nach dem Beben im Interview mit Reinhard Brockmann.
Bautrupps reißen ab, räumen auf und schaffen Raum für den Neuanfang
Von Reinhard Brockmann
Jacmel (WB). Jean Veas Hausname lautet »Dieudonné«, auf Deutsch »Gottgegeben«. Der 46-jährige Agronom und Bauleiter ist ein mitreißender Macher und ein Geschenk des Himmels. Für das kleine, schwer erdbebengeschädigte Städten Jacmel im Süden Haitis ist er ein Glücksfall.
Ministerien sind zerstört, und Minister und Ministeriale improvisieren
Von Reinhard Brockmann
Port-au-Prince (WB). Selbst die ärmsten Länder der Welt haben ein Finanzamt. Nicht so Haiti: Finanzbehörden, Polizeistationen, fast alle Ministerialgebäude wurden beim Beben am 12. Januar so stark zerstört, dass ihr Betreten verboten ist. Allein das Landwirtschaftsministerium ist weniger beschädigt. Die Staatskasse ist leer, Rechnungen werden nicht mehr bezahlt, Staatsdiener warten auf ihr Gehalt.