
Von Ernst-Wilhelm Pape und Jens Heinze
Bielefeld (WB). Nach einem Defekt an der Klimaanlage eines ICE-Zuges haben am Samstagabend zahlreiche Fahrgäste einen Hitzekollaps erlitten. Der Zug wurde in Bielefeld evakuiert. Die Bundespolizei leitete Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung ein.
Der Zug war mit mehr als 500 Reisenden besetzt, darunter zwei Schülergruppen. Nach dem Ausfall der Klimaanlage kippten reihenweise Fahrgäste in den Waggons um und mussten sich auf den Boden legen. In dem überfüllten Zug herrschten Temperaturen von mehr als 50 Grad.
In Bielefeld wurde Großalarm für die Rettungskräfte ausgelöst. Nachdem der ICE in den Hauptbahnhof eingefahren war, mussten 44 Reisende ärztlich versorgt werden, darunter 27 Schüler. Neun Schülerinnen wurden mit Kreislaufproblemen in Bielefelder Kliniken gebracht.
Nach Angaben der Bahn hat es an dem heißen Wochenende in mindesten zehn der 252 ICE-Züge, in denen sich die scheiben nicht mehr öffnen lassen, Probleme mit der Klimaanlage gegeben. Betroffen waren unter anderem die Verbindungen Duisburg-Köln, Berlin-Karlsruhe sowie Berlin-Amsterdam. In drei Fällen, wie in Bielefeld, wurden Züge in Bahnhöfen gestoppt und evakuiert. Zwei weitere ICE-Züge mussten am Samstagin Hannover geräumt werden. Alle drei Züge waren auf der Fahrt von Berlin-Ostbahnhof nach Köln. Die 1000 Reisenden wurden auf andere Züge verteilt oder mit Bussen zu ihrem Zielort gebracht.
Die Bundespolizei hatte am Samstag beantragt, den ICE-Zug in Bielefeld zu beschlagnahmen. Dies wurde von der Staatsanwaltschaft als unverhältnismäßig abgelehnt. Nach Angaben der Bundespolizei war in dem ICE, der später in Bielefeld strandete, bereits kurz nach der Abfahrt in Berlin in einem Abteil (Wagen 23) die Klimaanlage ausgefallen.
Im Laufe der Fahrt waren zwei weitere Abteile betroffen. Obwohl diese Schwierigkeiten bekannt waren, wurden in Hannover Fahrgäste aufgenommen, die die beiden anderen defekten ICE-Züge verlassen mussten. Auch deshalb seien Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen Bahnmitarbeiter eingeleitet worden, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Bahnchef Rüdiger Grube hat sich persönlich bei betroffenen Reisenden für die Vorfälle im ICE nach Bielefeld entschuldigt. Zudem wurden Entschädigungszahlungen angekündigt.
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