
Berlin (dpa) - Kanzlerin Angela Merkel hat Bundesumweltminister Norbert Röttgen nach dem CDU-Wahlfiasko in Nordrhein-Westfalen gefeuert. Es ist das erste Mal, dass Merkel in ihrer siebenjährigen Kanzlerschaft einen Minister aus dem Kabinett wirft.
Nach Angaben aus Koalitionskreisen weigerte sich Röttgen, freiwillig zurückzutreten. Mitauslöser für die harte Entscheidung der Kanzlerin könnte gewesen sein, dass CSU-Chef Horst Seehofer Röttgen heftig für die NRW-Pleite kritisiert und seine Eignung als Minister infrage gestellt hatte. Allerdings erklärte Merkel noch am Montag, Röttgen könne Minister bleiben. Neuer Umweltminister wird nun Merkels Vertrauter Peter Altmaier (CDU).
Röttgen wehrte sich dem Vernehmen nach hartnäckig gegen seinen Rückzug aus dem Kabinett. Er hatte am Sonntagabend direkt nach der verlorenen Wahl den CDU-Landesvorsitz in NRW aufgegeben, wollte aber in der Bundes-CDU präsent bleiben. Daraufhin habe Merkel die Entscheidung getroffen, ihn aus dem Kabinett zu entfernen, hieß es.
Die CDU-Vorsitzende sagte am Mittwoch in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz im Kanzleramt, sie habe Bundespräsident Joachim Gauck gebeten, Röttgen von seinen Aufgaben als Bundesumweltminister zu entbinden - »um so in diesem Amt einen personellen Neuanfang möglich zu machen«.
Die Energiewende mit dem Atomausstieg sei ein zentrales Vorhaben der schwarz-gelben Koalition in dieser Wahlperiode, betonte Merkel. Röttgen wurde in Koalitions- und Regierungskreisen nicht mehr zugetraut, das weltweit beachtete Prestige-Projekt mit der nötigen Autorität durchzusetzen.
Merkels Dank an ihren einstigen Musterschüler - der in Berlin lange den Spitznamen »Muttis Klügster« trug - fiel knapp aus. Röttgen habe als Umweltminister bei den Grundlagen für die Energiewende entscheidend mitgewirkt. Auch habe er großes Engagement beim internationalen Klimaschutz gezeigt. »Für diese Arbeit danke ich ihm«, sagte Merkel. Die Entlassungsurkunde wird Röttgen von Gauck überreicht werden.
Nach Ansicht der Grünen markiert Röttgens Rauswurf einen neuen Höhepunkt in der Dauerkrise von Schwarz-Gelb. »Diese Regierung kann es nicht«, teilten die beiden Fraktionschefs Renate Künast und Jürgen Trittin mit. Schwarz-Gelb sei in zentralen Feldern der Politik handlungsunfähig - von der Energiewende bis zu Bildung und Haushalt. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann meinte: »Der Rausschmiss von Norbert Röttgen ist ein Verzweiflungsakt. Angela Merkel opfert Norbert Röttgen, um sich selbst zu schützen.«
Jetzt soll der bisherige Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Peter Altmaier, die stockende Energiewende vorantreiben. »Peter Altmaier kenne ich sehr lange, ich schätze seine bisherige Arbeit, und ich bin mir ganz sicher, dass er mit voller Kraft sich der neuen Aufgabe zuwenden wird und es eine gute Zusammenarbeit geben wird«, sagte Merkel.
Altmaier betonte, er freue sich auf seine neue Aufgabe: »Die Energiewende ist eine wichtige Aufgabe, von deren Gelingen viel abhängt für die Verbraucher, die Wirtschaft und vor allem auch die Umwelt.« Das seien Schlüsselthemen moderner Politik. Er habe seit 1994 viel mit Röttgen zusammengearbeitet und wünsche seinem Vorgänger politisch und beruflich alles Gute.
Röttgen galt lange Zeit als Merkels »Kronprinz« und möglicher Kanzlerkandidat der CDU in der Zukunft. Der 46-Jährige musste jedoch am Sonntag mit 26,3 Prozent das historisch schlechteste Wahlergebnis der CDU in Nordrhein-Westfalen verantworten. Zu erwarten ist, dass er nun auch seinen Posten als stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender aufgeben wird.
Seehofer hatte Röttgen schwerste Versäumnisse im NRW-Wahlkampf vorgeworfen. Als größten Fehler bezeichnete er die fehlende Bereitschaft Röttgens, sich auch im Falle einer Wahlniederlage auf Nordrhein-Westfalen festzulegen. Er habe Röttgen gewarnt, dass es nicht dessen private Entscheidung sei, sondern die ganze Union betreffe. »Ich habe mit ihm gesprochen, persönlich und über die "Bild"-Zeitung, und persönlich hat er mich dann abtropfen lassen.«
Zuletzt hatte Merkel vor einem Jahr ihr Kabinett umgebildet, als Gesundheitsminister Philipp Rösler ins Wirtschaftsministerium wechselte und Daniel Bahr (beide FDP) ihm ins Gesundheitsressort folgte. Mit der Entlassung ist nun die vierte Kabinettsumbildung verbunden.
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Frankfurt/Main (dpa) - Zum Auftakt der Blockupy-Aktionstage gegen Banken und Kapitalismus in Frankfurt hat die Polizei ein Protest-Camp vor der Europäischen Zentralbank geräumt
Ein Großaufgebot von Beamten führte oder trug am Mittwoch etwa 340 Aktivisten der Occupy-Bewegung aus dem Zeltlager, das Aktivisten vor über einem halben Jahr vor dem EZB-Gebäude errichtet hatten. Die Aktion verlief weitgehend friedlich. Vereinzelt kam es zu Rangeleien. Die Polizei nahm etwa ein Dutzend Menschen fest, weil sie Polizisten mit Farbe bespritzt hatten.
Auch eine Musikdemonstration in der Frankfurter Innenstadt wurde am Mittwochabend zunächst friedlich von der Polizei aufgelöst. Nach Aufforderung der Beamten verließ ein Großteil der rund 500 Teilnehmer den Platz in der Innenstadt noch vor Veranstaltungsbeginn freiwillig. Wie die Polizei mitteilte, kam es bis zum Abend auch im Rest der Stadt nicht zu gewaltsamen Ausschreitungen.
Ob es dabei bleibt, ist fraglich. Das Blockupy-Bündnis rief für Donnerstag trotz Demonstrationsverbots zu einem Marsch durch die Innenstadt auf. »Wir nehmen uns unser Recht auf Versammlungsfreiheit!« und »Die Totalverbotsstrategie durchbrechen!«, hieß es in einer Mitteilung.
Zuvor hatte das Bundesverfassungsgericht am Mittwoch ein weitgehendes Verbot der Stadt Frankfurt für sämtliche Veranstaltungen von Mittwoch bis Freitag bestätigt. Ursprünglich wollten die kapitalismuskritischen Veranstalter das ganze lange Himmelfahrtswochenende für Proteste gegen die europäische Sparpolitik und die Macht der Banken nutzen. Geplant war auch eine Blockade des Bankenviertels. Die Polizei rechnet mit rund 2000 gewaltbereiten Aktivisten.
Zum Blockupy-Bündnis gehören Organisationen aus dem linken politischen Spektrum, darunter die Linkspartei und das globalisierungskritische Netzwerk Attac. Das Bündnis hängt mit der weltweiten Bewegung Occupy zusammen, die zentrale Plätze besetzt und damit Kritik am Kapitalismus übt.
Erlaubt bleibt aber nach einer Entscheidung des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs eine Großdemonstration am Samstag, zu der mehrere zehntausend Teilnehmer in der Main-Metropole erwartet werden.
Das Leben in der Stadt ist durch die Aktionen und die Gegenmaßnahmen der Behörden teilweise beinträchtigt. Die Goethe-Universität will von Donnerstag bis Sonntag vorsorglich ihre Hochschulgebäude schließen - auch am Brückentag am Freitag. Auch eine U-Bahnstation und ein S-Bahnhof im Zentrum sind wegen der Blockupy-Aktionstage dicht. Viele Unternehmen der Bankenstadt haben ihre Mitarbeiter aufgerufen, am Freitag von zu Hause aus zu arbeiten - oder nicht im Anzug zu erscheinen. Die Commerzbank schließt sogar zwei Hochhäuser. Auch einige Geschäftsleute in der City schließen ihre Läden bis Montag - manche schützten ihre Schaufenster mit Sperrholzplatten.

Paris (dpa) - Einen Tag nach seiner Amtseinführung hat der französische Präsident François Hollande seine neue Regierung vorgestellt. Zu den politischen Schwergewichten im Kabinett von Premierminister Jean-Marc Ayrault gehört unter anderem der frühere Premierminister Laurent Fabius, der neuer Außenminister wird.
Hollandes früherer Wahlkampfleiter Pierre Moscovici übernimmt das Wirtschafts- und Finanzressort. Industrieminister in der am Mittwoch vorgestellten Regierung wird Arnaud Montebourg. Die bisherige Grüne-Chefin Cécile Duflout wird Wohnungsministerin. Innenminister wird Manuel Valls, Arbeitsminister Michel Sapin.
Der neue Elysée-Generalsekretär Pierre-René Lemas gab das Kabinett am Mittwochabend mit mehrstündiger Verspätung bekannt. Unklar ist, wie lange die neue Regierung im Amt bleiben wird. Ein konservativer Wahlsieg im Juni bei der Wahl zur Nationalversammlung könnte eine Neubildung notwendig machen. Der neue Premierminister Ayrault war bereits am Vortag ernannt worden. Er folgt auf den konservativen François Fillon, der in den vergangenen fünf Jahren für Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy die Regierungsgeschäfte im Hôtel de Matignon führte.
Ayrault war früher Deutschlehrer und gilt im Lager der Sozialisten als diskrete und pragmatische Führungsperson. Er leitete zuletzt 15 Jahre lang die Fraktion der Parti Socialiste in der Nationalversammlung. Ayrault hat gute Beziehungen zur deutschen Schwesterpartei SPD.

Athen/Brüssel (dpa) - In Griechenland wächst die Angst vor einem Ansturm auf die Banken und dem Kollaps des Finanzsystems. Während des dramatischen Ringens um eine neue Regierung sollen die Bürger Anfang der Woche an einem einzigen Tag fast eine Milliarde Euro abgehoben haben.
Am 17. Juni gibt es nun Neuwahlen. Die zweite Parlamentswahl innerhalb von sechs Wochen dürfte auch über den Verbleib Griechenlands in der Eurozone entscheiden. Ohne internationale Hilfen ist das Land Ende Juni pleite.
Staatspräsident Karolos Papoulias warnte bereits vor einer bedrohlichen Entwicklung. Während der Gespräche über eine tragfähige Regierung seien allein am Montag knapp 900 Millionen Euro abgehoben worden, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus Bankenkreisen. Am Dienstag war der letzte Versuch einer Regierungsbildung, ein von Papoulias vorgeschlagenes Expertenkabinett, endgültig gescheitert.
Nun sollen die Griechen in einem Monat erneut wählen. Darauf verständigte sich Papoulias bei einem Treffen mit den Vorsitzenden der wichtigsten Parteien. Die Übergangsregierung führt bis dahin der höchste Richter des Verwaltungsgerichtshofes, Panagiotis Pikrammenos. Der Vorschlag des Staatspräsidenten, erneut den Finanzexperten Lucas Papademos zu berufen, scheiterte am Widerstand der kleineren Parteien.
Falls radikale Parteien, die das Sparpaket der bisherigen Regierung ablehnen, bei der Wahl am 17. Juni weiter zulegen, droht dem Land ein Stopp der internationalen Hilfen und damit auch der Staatsbankrott. Im Raum steht zudem der Austritt aus der Eurozone. »Ich hoffe nach mir kommen bessere Zeiten für unser Land«, sagte Pikrammenos.
Bereits seit Ausbruch der Schuldenkrise nehmen die Griechen hohe Summen an Bargeld mit nach Hause oder überweisen Erspartes auf ausländische Konten. Sie befürchten, dass die Banken zusammenbrechen oder das Geld bei einer Umwandlung in die alte Währung Drachme stark an Wert verlieren könnte. Von einem klassischen »Bank run« mit langen Schlangen vor den Kassenschaltern ist zwar noch nichts zu spüren, doch bringt die Entwicklung die Banken des Landes in große Schwierigkeiten.
Den griechischen Banken wird jetzt zunächst mit 18 Milliarden Euro aus dem neuen Rettungspaket von EU und IWF unter die Arme gegriffen. Diese Gelder stammen aus dem Hilfsprogramm in Höhe von 130 Milliarden Euro, die der Euro-Rettungsschirm EFSF in mehreren Tranchen auszahlen soll. Die 18 Milliarden Euro seien bereits auf ein Sonderkonto der griechischen Zentralbank überwiesen worden, teilte die Regierung in Athen nach einem Bericht des staatlichen Fernsehens mit. Zudem genehmigte die EU-Kommission am Mittwoch 680 Millionen Euro an Hilfen aus Rettungsfonds-Mitteln zur Abwicklung der griechischen T Bank.
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) schloss Neuverhandlungen mit Griechenland über das europäische Hilfspaket aus. »Es wird durch Wiederholung nicht besser«, sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk. Wenn das Land in der Eurozone bleiben wolle, müsse in Athen eine handlungsfähige Regierung sitzen, die den eingeschlagenen Weg mitgehe. »Jetzt muss Griechenland selber die Entscheidung treffen.«
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso warnte die Griechen davor, sich vom Euro und von der EU abzuwenden. »Alle Verpflichtungen, die Griechenland und die Mitglieder der Eurozone übernommen haben, müssen respektiert werden«, sagte er in Brüssel. »Die Wahrheit ist, dass es keinen leichteren Weg gibt.«
Das Griechenland-Drama macht auch die Finanzmärkte zunehmend nervös. In Italien stieg die Rendite für zehnjährige Staatspapiere am Mittwoch kurzzeitig wieder über die Marke von sechs Prozent. Diese Marke gilt als kritisch, weil eine so teure Staatsrefinanzierung auf Dauer nicht tragbar ist. In Spanien liegt die Zehnjahresrendite mit aktuell 6,48 Prozent schon deutlich über der Sechs-Prozent-Schwelle. Die Risikoaufschläge im Vergleich zu deutschen Staatsanleihen erreichten Rekordhöhe.
Angesichts der Schuldenkrise ziehen immer mehr Menschen aus den südeuropäischen Schuldenstaaten nach Deutschland. Aus Griechenland kamen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vergangenes Jahr rund 23 800 Einwanderer - das waren 90 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Aus Spanien zogen etwa 20 700 Menschen und damit 52 Prozent mehr in die Bundesrepublik um.
Kanzlerin entlässt Röttgen - Konsequenz aus NRW-Pleite
Berlin (dpa) - Norbert Röttgen muss gehen: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihren Bundesumweltminister nach dem CDU-Wahldesaster in Nordrhein-Westfalen entlassen. Sie habe Bundespräsident Joachim Gauck gebeten, Röttgen von seinen Aufgaben zu entbinden, sagte die CDU-Chefin in Berlin. Es ist das erste Mal, dass sie einen Minister feuert. Neuer Umweltminister wird der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Peter Altmaier. Er ist ein enger Vertrauter Merkels. Altmaier werde sich »mit voller Kraft« der neuen Aufgabe zuwenden, sagte Merkel.
Neuwahl in Griechenland am 17. Juni - Angst vor Run auf Banken
Athen (dpa) - In Griechenland wächst die Angst vor einem Ansturm auf die Banken und dem Kollaps des Finanzsystems. Während des dramatischen Ringens um eine neue Regierung sollen die Bürger Anfang der Woche an einem einzigen Tag fast eine Milliarde Euro abgehoben haben. Am 17. Juni gibt es nun Neuwahlen. Die zweite Parlamentswahl innerhalb von sechs Wochen dürfte auch über den Verbleib Griechenlands in der Eurozone entscheiden. Ohne internationale Hilfen ist das Land Ende Juni pleite. Staatspräsident Karolos Papoulias warnte bereits vor einer bedrohlichen Entwicklung.
Kriminalität steigt - Friedrich verurteilt Gewalt in Fußballstadien
Berlin (dpa) - Erstmals seit sieben Jahren ist die Kriminalität in Deutschland wieder leicht angestiegen. Nach der vorgelegten »Polizeilichen Kriminalstatistik« wurden im vergangenen Jahr 5,99 Millionen Straftaten registriert. Dies bedeutet einen Zuwachs um ein Prozent im Vergleich zu 2010. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich verurteilte bei der Vorlage der Zahlen vor allem zunehmende Gewalt gegen Polizisten - und forderte aus aktuellem Anlass die Fußball-Vereine zum Durchgreifen gegen Hooligans auf.
Deutschland und Afghanistan schließen Partnerschaftsabkommen
Berlin - Mit Blick auf den geplanten Abzug der Bundeswehr im übernächsten Jahr haben Deutschland und Afghanistan ihre Zusammenarbeit auf eine neue Grundlage gestellt. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Hamid Karsai unterzeichneten dazu am Mittwoch in Berlin ein Partnerschaftsabkommen. Merkel versprach nochmals deutsche Hilfe auch über das Ende des Kampfeinsatzes hinaus. Für den Aufbau eigener Sicherheitskräfte soll Afghanistan dann etwa 150 Millionen Euro pro Jahr bekommen.
Deutschland schickt nun doch Militärbeobachter nach Syrien
Berlin (dpa) - Deutschland beteiligt sich nun doch mit eigenen Militärbeobachtern an der umstrittenen UN-Mission in Syrien. Das Bundeskabinett beschloss die Entsendung von bis zu zehn deutschen Soldaten, die allerdings unbewaffnet bleiben sollen. Außenminister Guido Westerwelle begründete dies damit, dass Deutschland bei den Bemühungen um eine politische Lösung »nicht abseitsstehen« wolle. In Syrien geht das Regime von Präsident Baschar al-Assad seit März 2011 mit brachialer Gewalt gegen die Oppositionsbewegung vor.
EU will sich bei G8-Gipfel gegen Kritik verteidigen
Brüssel (dpa) - Die Europäer wollen sich beim G8-Gipfel gegen Kritik der USA und anderer Partner am Krisenmanagement in der Schuldenkrise wehren. Man werde das in den richtigen Kontext setzen, sagte ein Diplomat in Brüssel. So gebe es in der EU Wachstumsunterschiede - einige Länder seien in der Rezession, andere legten jedoch zu, beispielsweise Deutschland. Andere Experten wiesen darauf hin, dass die USA und Japan hohe Budgetdefizite von jeweils über 8 Prozent der Wirtschaftsleistung vor sich herschieben. Die Eurozone komme dagegen im Schnitt auf gut 3 Prozent.

Düsseldorf (dpa) - Der größte deutsche Energiekonzern Eon hat einen Käufer für sein Ferngasnetz ausgewählt. Das 12 000 Kilometer lange Netz geht wie erwartet für 3,2 Milliarden Euro an ein Konsortium um die australische Bank Macquarie, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte.
Der Kaufpreis beinhaltet unter anderem die Übernahme von Pensionsverpflichtungen. Der Unternehmenswert liegt den Angaben zufolge bei 2,9 Milliarden Euro. Die Transaktion soll im dritten Quartal abgeschlossen werden, das Bundeskartellamt und das Bundeswirtschaftsministerium müssen noch zustimmen.
Eon-Ruhrgas hatte das Netz im Herbst 2010 in die Gesellschaft Open Grid Europe (OGE) ausgegliedert. Das Gasnetz ist das größte in Europa und gilt mit seinen Pipelines in Ost-West- und in Nord-Süd-Richtung als die Drehscheibe für Gas in Europa. Ein weiterer Interessent war der französische Versorger GDF Suez. Auch eine Gruppe um den belgischen Energiekonzern Fluxys sowie ein Konsortium um den Versicherer Allianz sollen Angebote abgegeben haben.
Frankfurt/Main (dpa) - Nach zwei schwachen Tagen hat sich der Dax am Mittwoch etwas stabilisiert. Dank der Beruhigung an einigen europäischen Anleihemärkten machte der deutsche Leitindex seine Anfangsverluste großteils wett, die ihn bei 6297 Punkten auf den niedrigsten Stand seit Mitte Januar gedrückt hatten.
Zum Handelsschluss notierte er noch 0,26 Prozent tiefer bei 6384,26 Punkten, blieb damit aber auch deutlich unter seinem Tageshoch von 6443 Punkten. Der MDax schloss minimale 0,01 Prozent schwächer bei 10 331,43 Punkten. Für den TecDax ging es um 1,29 Prozent auf 759,57 Punkte bergab.
Händler sagten, die wieder fallenden Renditen spanischer und italienischer Geldmarkttitel hätten die Sorgen um Griechenlands mögliches Ausscheiden aus der Eurozone zunächst kompensiert. Zudem hätten unerwartet positive US-Daten vom Immobilienmarkt und aus der Industrieproduktion für etwas Halt gesorgt.
Die Aktien der Deutschen Börse legten nach der Bestätigung der Jahresprognose um 1,59 Prozent auf 45,920 Euro zu. Damit gehörten sie zu den Favoriten der Anleger im Dax. Dass Metro laut einem Bericht des »Manager Magazins« einen Teilverkauf der Lebensmitteltochter Real plant, bescherte den Titeln des Handelskonzerns Gewinne von 1,77 Prozent auf 23,260 Euro. Für die Lufthansa-Aktien ging es indes um 0,11 Prozent nach unten. Die Fluggesellschaft liebäugelt nach ihrer Trennung von der britischen BMI mit der Übernahme von Portugals staatlicher Fluglinie TAP.
Die Papiere des Industrie- und Stahlkonzerns ThyssenKrupp sanken am Dax-Ende um 2,69 Prozent. Am Vortag hatten Überlegungen zu einem möglichen Verkauf der verlustträchtigen Stahlwerke in den USA und Brasilien der Aktie trotz eines enttäuschenden Ausblicks ein Plus beschert. Nun äußerten sich aber Experten kritisch zu Zahlen, Ausblick und Verkaufsplänen des Unternehmens.
Für die EADS-Aktien ging es im MDax um 1,17 Prozent auf 29,370 Euro nach oben. Die Risse in Flügelteilen des Airbus A380 kosteten den Luftfahrt- und Rüstungskonzern zwar im ersten Quartal einen Großteil seines Gewinns. Den Ausblick für den Gewinn vor Einmaleffekten hob das Unternehmen aber an.
Der EuroStoxx 50 schloss 0,15 Prozent schwächer bei 2175,34 Punkten. In Paris ging es moderat nach oben, während die Notierungen in London nachgaben Der New Yorker Leitindex notierte zum europäischen Handelsschluss knapp im Plus.
Am deutschen Rentenmarkt sank die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,20 Prozent am Vortag auf 1,19 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,02 Prozent auf 133,689 Punkte. Der Bund Future verlor 0,13 Prozent auf 143,24 Punkte. Der Kurs des Euro lag fast unverändert bei 1,2730 US-Dollar. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,2738 (Dienstag: 1,2843) Dollar festgesetzt und der Dollar damit 0,7851 (0,7786) Euro gekostet.

Rüsselsheim/Bochum (dpa) - Die Entscheidung über die künftigen Produktionsstandorte für den Opel Astra steht unmittelbar bevor. Ein Sprecher des Autoherstellers bestätigte am Mittwoch, dass den Beschäftigten im britischen Ellesmere Port ein Angebot unterbreitet worden sei.
Jetzt müssten die Gewerkschaften über die Forderungen nach Flexibilität und Verringerung der Strukturkosten entscheiden. Nach einem Bericht der »Wirtschaftswoche« könnte die Entscheidung bei der Europa-Tochter des US-Konzerns General Motors schon am Donnerstag fallen.
Der Astra ist das mit Abstand wichtigste Modell des kriselnden Unternehmens, das beim Absatz wesentlich auf Europa beschränkt ist. Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke hatte angekündigt, die nächste Astra-Generation aus Kostengründen nur noch in zwei Werken mit Dreischichtbetrieb fertigen zu wollen. Das Werk im polnischen Gliwice gilt nach Medienberichten als gesetzt. Sollten Ellesmere Port und Gliwice den Zuschlag bekommen, müsste das Stammwerk Rüsselsheim die erst im vergangenen Jahr aufgenommene Astra-Produktion abgeben.
Bislang wird das aktuelle Astra-Modell in Rüsselsheim, in Ellesmere Port und Gliwice jeweils im Zweischichtbetrieb produziert. Im Bochumer Werk laufen zudem noch Versionen des Vorgängermodells als »Astra Classic« für den Export nach Osteuropa vom Band.
Nach früheren Informationen aus Gewerkschaftskreisen überlegt der Konzern, dem Stammwerk zum Ausgleich den bisher in Bochum gefertigten Zafira zu geben. Das könnte für das Bochumer Werk mit 3200 Opelanern das Aus bedeuten. »Hier wird nicht heimlich die Zafira-Produktion vorbereitet«, sagte der Opel-Sprecher. Eine Entscheidung über die künftige Produktion in Bochum nach Auslaufen des Standortsicherungsvertrages 2014 sei noch nicht getroffen. Der Gesamtbetriebsrat verlangt von der Unternehmensführung die Vorlage eines Gesamtkonzepts und will sich bis dahin zu Fragen einzelner Standorte nicht äußern.
Der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel forderte unterdessen »dringend« Klarheit über die Zukunft des Bochumer Werks. Von der Zukunft des Produktionsstandorts seien in NRW über 45 000 Arbeitsplätze direkt im Werk, in den Partnerbetrieben, bei Dienstleistern und Zulieferbetrieben betroffen. Bereits seit vielen Jahren belaste die ständige Unsicherheit und Unruhe die Menschen im Betrieb, verunsichere die Kunden und schädige nachhaltig die Marke Opel in ganz Deutschland, klagte der Betriebsratschef.
Am Montag findet in Bochum eine Belegschaftsversammlung statt, an der neben Unternehmenschef Karl-Friedrich Stracke auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) als Gast teilnehmen soll.

Sindelfingen (dpa) - Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie starten IG Metall und Arbeitgeber an diesem Freitag einen neuen Anlauf, um den ersten groß angelegten Streik seit zehn Jahren zu verhindern.
Die Tarifgespräche im möglichen Pilotbezirk Baden-Württemberg endeten am frühen Mittwochmorgen nach 18 Stunden Marathonverhandlung zwar ohne eine wegweisende Annäherung, wie IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann erklärte.
Die Gewerkschaft ist aber bereit, die Verhandlungen fortzusetzen. Laut Mitteilung gab es Fortschritte bei den Themen unbefristete Übernahme der Ausgebildeten und Leiharbeit. Hofmann sagte nach einer Sitzung der Tarifkommission, es seien noch einige dicke Brocken aus dem Weg zu räumen. Details wurden nicht genannt. Die Gespräche am Freitag dürften bundesweite Signalwirkung für alle 3,6 Millionen Beschäftigten in Deutschlands Schlüsselbranche haben. Sollte es zu keiner Einigung kommen will die IG Metall das Scheitern der Gespräche erklären.
Hofmann warnte davor, die Annäherung so zu interpretieren, als wäre der Konflikt schon beigelegt. »Das ist nicht der Fall. Wir sind noch immer in einer Phase, an deren Ende womöglich doch noch über eine Urabstimmung und unbefristeten Arbeitskampf entschieden werden muss.« Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Rainer Dulger, sagte, in einigen wesentlichen Punkten seien Annäherungen erzielt worden - über Details hätten die beiden Seiten aber Stillschweigen vereinbart.
Knackpunkt bei den nächtlichen Gesprächen waren weiterhin die Themen unbefristete Azubi-Übernahme und Regelungen für die umstrittene Leiharbeit. Zu Diskussionen über die Entgeltforderungen sei es noch nicht gekommen. Die IG Metall will 6,5 Prozent mehr Geld. Die Arbeitgeber hatten drei Prozent für 14 Monate geboten und gehen davon aus, dass das Thema auch am Freitag auf der Agenda steht. Dulger meinte: »Auch hier sollte eine faire Lösung möglich sein.« Dann könne ein Gesamtpaket geschnürt werden. Auch Hofmann betonte: »Wir haben neben den qualitativen Themen weiter vollkommen offen die Frage der Entwicklung der Entgelte.«
Die Gewerkschaft hatte wiederholt bekräftigt, dass in der inzwischen fünften Runde die Fronten brechen müssten, um das letzte Mittel Arbeitskampf noch abzuwenden. Zuletzt hatte es Urabstimmungen und tagelange Streiks im Jahr 2002 gegeben.
Aus Sicht des Arbeitgeberverbandes ist eine friedliche Einigung aber in »greifbare Nähe« gerückt. Einen anderen Zungenschlag hat die Bewertung der Gewerkschaft, die betont, dass man sich in einigen wichtigen Punkten noch nicht geeinigt habe. Hofmann sagte vor Journalisten nach Unterbrechung der Gespräche: »Ich bedauere es außerordentlich, dass wir nicht zum Punkt gekommen sind, dass ich Ihnen heute sagen kann: "Wir haben belastbare und für beide Seiten tragbare Ergebnisse erreicht".«
Kurz vor der Unterbrechung hatten die Delegationen Papier ausgetauscht, hektisch telefoniert und Gespräche in den unterschiedlichsten Zusammensetzungen geführt. Dabei berieten Dulger und Hofmann auch unter vier Augen und hielten Rücksprache mit ihren jeweiligen Bundesspitzen, Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser und IG-Metall-Chef Berthold Huber, die beide nach Sindelfingen gekommen waren.
Woran genau es bei den Streitthemen Leiharbeit und Azubi-Übernahme noch hakt, ist nicht bekanntgeworden. Die Arbeitgeber fühlen sich aber generell durch diese Ziele in ihrer unternehmerischen Freiheit zu stark beschnitten und pochen darauf, die Belegschaft möglichst flexibel halten zu können - das sei für die Wettbewerbsfähigkeit unerlässlich. Sie hatten in die Gespräche sogar eigene Forderungen nach mehr Flexibilität eingebracht.
Die IG Metall will beim Thema Azubi-Übernahme erreichen, dass die jungen Menschen in der Regel unbefristet übernommen werden. Aber bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Unternehmens, bei Ausbildung über Bedarf und bei personenbedingten Problemen könne davon abgewichen werden. Die Arbeitgeber wollen sich zwar Nachwuchskräfte sichern, lehnen bislang aber jeglichen Zwang ab - über die bisherige Übernahme nach der Lehre für zwölf Monate hinaus.

Leipzig (dpa) - Die SG Flensburg-Handewitt spielt in der kommenden Saison in der Handball-Champions-League. Der Tabellenzweite in der Bundesliga siegte bei den Rhein-Neckar Löwen mit 34:27 (14:18) und ist in den verbleibenden zwei Spieltagen nicht mehr aus den Top Drei zu verdrängen.
Die Flensburger, die schon mit 12:18 (28.) zurückgelegen hatten, feierten damit eine gelungene Generalprobe für das Europacup-Finale gegen den VfL Gummersbach.
Der entthronte Meister HSV Hamburg hat sich die Chance auf die Champions League-Teilnahme erhalten. Der Tabellenvierte besiegte in eigener Halle Gummersbach mit 37:30 (18:13). Durch den Erfolg verkürzte das Team von Trainer Martin Schwalb den Rückstand auf die Füchse Berlin auf einen Punkt. Der Tabellendritte tritt am Freitag bei HBW Balingen-Weilstetten an.
Unterdessen ist der bereits seit zwei Wochen als deutscher Meister feststehende THW Kiel weiter auf dem Weg zu einer makellosen Saison. Der Spitzenreiter gewann gegen die HSG Wetzlar mit 33:27 (19:16). Der Doublegewinner tat sich auf dem Weg zum 31. Sieg im 31. Bundesliga-Spiel allerdings unerwartet schwer und gab nach dem 23:17 (34.) bis zum 23:23 (42.) eine Sechs-Tore-Führung aus der Hand.
Im Kampf um den sechsten Platz und damit verbunden die Hoffnung auf einen Startplatz im neuen EHF-Pokal hat der TBV Lemgo einen wichtigen Erfolg eingefahren. Gegen den einen Rang vor ihm liegenden SC Magdeburg gewann der Tabellensiebte mit 37:29 (21:14). Eine gelungene Generalprobe für das Final-Hinspiel im EHF-Pokal bei Dünkirchen HB feierte Frisch Auf Göppingen mit dem 32:24 (14:9) bei MT Melsungen.

Düsseldorf (dpa) - Nach einem Fußball-Abend zwischen Himmel und Hölle fällt für Fortuna Düsseldorf die Entscheidung über den Bundesliga-Aufstieg am grünen Tisch.
Hertha BSC legte einen Tag nach den skandalösen Fan-Tumulten im Relegations-Rückspiel (2:2) beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) Einspruch gegen die Wertung der Partie ein. Nach Angaben von Hertha-Anwalt Christoph Schickhardt strebt der Club ein Wiederholungsspiel an. Der DFB-Kontrollausschuss leitete gegen beide Vereine Ermittlungen ein - wie auch gegen vier Hertha-Profis und Fortuna-Kapitän Andreas Lambertz.
»Ein regulärer Spielbetrieb war für uns nicht mehr möglich«, begründete Manager Michael Preetz am Mittwoch in Berlin den Protest des Clubs, »mit einem sportlichen Geschehen hatte dies nichts mehr zu tun.« Es gehe darum, dass die »irregulär zustande gekommene Spielwertung« aufgehoben werde. Die Partie war am Dienstag unter unwürdigen Umständen zu Ende gegangen. Weil Fortuna-Anhänger schon vor dem Abpfiff den Rasen stürmten, musste Schiedsrichter Wolfgang Stark das Spiel für 21 Minuten unterbrechen.
Über den Einspruch und damit auch den Aufstieg der Düsseldorfer entscheidet nun das DFB-Sportgericht, die Verhandlung beginnt an diesem Freitag um 13.30 Uhr in der Frankfurter Verbandszentrale. »Wir können bestätigen, dass Hertha BSC Einspruch gegen die Spielwertung eingelegt hat«, sagte Mediendirektor Ralf Köttker. Gegen eine Entscheidung des Sportgerichts können beide Vereine Einspruch einlegen, das Verfahren würde dann vor das DFB-Bundesgericht gehen.
Schickhardt rechnet mit einer zeitnahen Entscheidung und wertet die Chancen des Einspruchs als »absolut groß. Das DFB-Sportgericht wendet die eigene Satzung an und da steht drin, dass ein Spiel, das unter solchen Umständen stattfindet, nicht gewertet wird.« Fortuna- Manager Wolf Werner war zuvor anderer Ansicht. »Ich sehe keinen Handlungsbedarf für einen Protest und gehe fest davon aus, dass wir aufgestiegen sind«, sagte er.
Doch auch den Berlinern droht Ärger: Der DFB-Kontrollausschuss ermittelt nicht nur gegen beide Clubs, sondern auch gegen die Hertha-Spieler Lewan Kobiaschwili, Thomas Kraft, Christian Lell und André Mijatovic. Kobiaschwili wird vergeworfen, Schiedsrichter Stark nach Spielende in den Nacken geschlagen zu haben. Seine Teamkollegen sollen den Referee nach Abpfiff beleidigt haben. Zudem laufen Untersuchungen gegen Düsseldorfs Lambertz. Er soll im Anschluss an die Partie ein »Bengalisches Feuer« im Innenraum gehalten haben.
Bereits nach dem 2:1 in der 59. Minute musste Referee Stark die Partie erstmals unterbrechen, weil aus dem Hertha-Block Feuerwerkskörper auf den Rasen geworfen wurden. Richtiges Chaos brach jedoch in der Nachspielzeit beim Stande von 2:2 durch Raffael (85.) aus. Sieben Minuten Verlängerung hatte der Linienrichter angezeigt, doch schon nach knapp sechs stürmten Hunderte Fortuna-Anhänger in den Innenraum. »Ich weiß gar nicht, ob ich mich nach diesen Bildern am Schluss des Spiels freuen soll«, sagte Düsseldorfs Vorstandsvorsitzender Peter Frymuth zu den Krawallszenen in der Esprit-Arena.
»Die Fans sind nach einem geglaubten Abpfiff auf das Spielfeld gelaufen. Wir haben dann aber alles getan, um sie wieder aus dem Innenraum zu bringen«, erklärte Werner. Da Stark dennoch nach langer Unterbrechung das Spiel fortsetzte, ist für ihn die Sachlage klar: »Damit ist die Spielwertung nicht gefährdet.«
Dafür bangte Hertha-Manager Preetz um das Leben seiner Profis. »Ich glaube, die Sicherheit für die Spieler war nicht mehr gewährleistet. Da ist es schwierig für sie, wieder aus der Kabine zu kommen«, sagte Preetz. Stark musste die Berliner dazu bewegen, wieder aus den Katakomben zu kommen. Zuvor hatte er sich bei der Polizei versichert, ob eine gefahrlose Fortsetzung gewährleistet werden könnte.
»Der Schiedsrichter hat die Mannschaft nicht wegen des Fußballs auf den Platz zurückgeführt, sondern nur auf Bitten der Polizei, um eine Eskalation - man hat von einem Blutbad gesprochen - zu verhindern«, behauptete Hertha-Anwalt Schickhardt im »Morgenmagazin« von ARD und ZDF. »Ich finde das total überzogen«, entgegnete Werner ungehalten. Lob erhielt Stark vom Chef der DFB-Schiedsrichter für sein umsichtiges Handeln. »Aus unserer Sicht hat er das sauber bis zum Ende abgewickelt«, erklärte Herbert Fandel.
Die Berliner hatten das Hinspiel mit 1:2 verloren und sind nach dem 2:2 - vorbehaltlich einer DFB-Entscheidung - zum sechsten Mal aus der Bundesliga abgestiegen. Die für Samstag geplante Aufstiegsfeier, für die Maximilian Beister mit seinem Führungstor nach 25 Sekunden den Grundstein gelegt hatte, sagten die Düsseldorfer allerdings ab. Nach dpa-Informationen reagierte der Verein damit auf den Einspruch von Hertha.
Für Manager Werner ist der Höhenflug - von 2002 bis 2004 spielte Fortuna noch in der viertklassigen Oberliga - kaum zu glauben: »Ich hatte vor Jahren eine Vision aufgezeigt, wie wir in den Profi-Fußball zurückkehren können. Da hat man mir gesagt, wer Visionen hat, gehört ins Krankenhaus.«
Für Otto Rehhagel fand seine mutmaßliche letzte Traineraufgabe ein erfolgloses Ende. »Jetzt können wir eine Nacht weinen, dann müssen die Augen nach vorne gerichtet und die Mannschaft verstärkt werden, um einen Neustart zu machen«, sagte der 73-Jährige. Die Tumulte bezeichnete er als Katastrophe. »Ich habe so etwas noch nie erlebt.«
Die anhaltenden Vorfälle in deutschen Stadien könnten für deutsche Zuschauer einschneidende Konsequenzen haben. Bislang sei man immer für Stehplätze eingetreten und habe den Fans »viele andere Dinge« als Privileg zugestanden, sagte DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock im ARD-Brennpunkt. »Da darf es erlaubt sein, dass wir neben anderen Dingen, die wir zu betrachten haben, auch über die Privilegien der Fans - Stichwort Fankultur - nachzudenken haben.«

Frankfurt/Main (dpa) - Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes hat nach den Vorkommnissen beim Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC Ermittlungen gegen beide Vereine eingeleitet.
Darüber hinaus ermittelt das Gremium auch gegen die vier Hertha-Spieler Lewan Kobiaschwili, Thomas Kraft, Christian Lell und Andre Mijatovic sowie Fortuna-Profi Andreas Lambertz. Dies teilte der DFB mit.
Kobiaschwili wird vorgeworfen, Schiedsrichter Wolfgang Stark nach Spielschluss in den Nacken geschlagen zu haben. Seine drei Teamkollegen sollen den Referee nach dem Abpfiff beleidigt haben. Düsseldorfs Kapitän Lambertz soll im Anschluss an die Partie ein »Bengalisches Feuer« im Innenraum gehalten haben.
Die Clubs und die Spieler werden nun vom Kontrollausschuss zu zeitnahen Stellungnahmen aufgefordert. Nach Auswertung dieser Stellungnahmen entscheidet das Gremium über den Fortgang der Verfahren. Zuvor hatten die Berliner Einspruch gegen die Wertung des 2:2 ausgegangenen Spiels eingelegt. Dieser wird am Freitag vor dem DFB-Sportgericht verhandelt. Sportlich war Düsseldorf in die Bundesliga aufgestiegen.

Berlin (dpa) - Hertha BSC legt beim Deutschen Fußball-Bund Einspruch gegen die Wertung des Relegations-Rückspiels bei Fortuna Düsseldorf ein. Dies gab der Berliner Club bekannt.
»Ein regulärer Spielbetrieb war für uns nicht mehr möglich«, begründete Manager Michael Preetz diesen Schritt, »mit einem sportlichen Geschehen hatte dies nichts mehr zu tun.« Es gehe darum, dass die »irregulär zustande gekommene Spielwertung« aufgehoben werde.
Über den Einspruch und damit auch den Aufstieg der Düsseldorfer entscheidet nun das DFB-Sportgericht. Bis Freitag, 24.00 Uhr, muss dafür eine schriftliche Begründung beim Verband eingehen. Der DFB-Kontrollausschuss hat bereits Ermittlungen aufgenommen.
Die Partie war unter skandalösen Umständen zu Ende gegangen. Weil Fortuna-Anhänger schon vor dem Abpfiff den Rasen stürmten, musste Schiedsrichter Wolfgang Stark das Spiel für rund 20 Minuten unterbrechen. Sportlich hatte Düsseldorf mit dem 2:2 die Rückkehr in die Bundesliga geschafft.

Cannes (dpa) - Bruce Willis gab das Familienoberhaupt, das sich im Hintergrund hält und beobachtet. Bill Murray wirkte wie der schräge Onkel im wild-karierten Hemd und noch wilder karierten Sakko, und Edward Norton erinnerte an den euphorisierten Neffen, der aus dem Schwärmen gar nicht mehr herauskam.
»Es war wie ein Sommerferien-Lager«, erzählte der Schauspieler über die Dreharbeiten zu dem Film »Moonrise Kingdom«. Die sind zwar längst vorbei und der Film fertig, doch die Stars stellten die Tragikomödie von Regisseur Wes Anderson nun am Mittwoch in Cannes vor. Das Werk eröffnete dort am Abend die 65. Internationalen Filmfestspiele.
Zur Gala liefen nicht nur die Stars dieses Films über den roten Teppich. Jane Fonda kam in einer glitzernden Robe und kuschelte mit Alec Baldwin. Eva Longoria posierte in einem mit Spitzen verzierten Kleid, dessen lange Schleppe ihr beim Aufstieg in den Festivalpalais einige Mühe machte.
Im Mittelpunkt des Abends stand jedoch der erste Film des diesjährigen Wettbewerbs, »Moonrise Kingdom«. Die Schauspieler verglichen die Arbeit an dem Werk immer wieder mit einem Familientreffen. »Wes Anderson hat über die Jahre eindeutig so etwas wie eine Familie geschaffen«, fand zum Beispiel Tilda Swinton. »Ich war sehr froh, dass ich da mitmachen konnte - es war wie ein Campingtrip.« Einer der beiden Jungdarsteller, Jared Gilman, erzählte gar, wie ihm Murray fast väterlich das Krawatte-Binden beibrachte. »Er hat sich vor mir hingekniet und sie mir gebunden.«
Auch Willis berichtete auf der Pressekonferenz ein bisschen von seinen Erfahrungen beim Dreh: Er habe die Arbeit mit Anderson sehr »erfrischend« gefunden, sagte er, habe der doch klare Anweisungen gegeben - anders als manch anderer Regisseur. Dann fasste der 57-Jährige den Film noch schnell zusammen: »Es geht um Liebe, um alte und um junge. Es ist also die alte Geschichte: Jeder will geliebt werden, selbst die Polizisten!«
Nicht nur bei den Dreharbeiten, auch in »Moonrise Kingdom« dreht sich alles Familie und Zusammenhalt, weswegen sich das Werk als der perfekte Eröffnungsfilm für das Festival entpuppte: Für die Premiere waren nicht nur die Stars nach Südfrankreich gereist, Anderson legte auch erneut einen kunstvollen, unterhaltsamen und zugleich tiefgründigen Film vor. In wunderbar komponierten und detailreichen Bildern erzählt er in »Moonrise Kingdom« von dem zwölfjährigen Pfadfinder Sam, der auf einer Insel vor der Küste Neuenglands mit seiner Freundin Suzy durchbrennt. Das ruft nicht nur Suzys Eltern (Murray und Frances McDormand) auf den Plan, sondern auch den Insel-Sheriff (Willis) und den Pfadfinderlager-Leiter (Norton).
Anderson (»Die Royal Tennenbaums«) verbindet dabei schräg-komische Einfälle mit einer liebevollen Charakterzeichnung. Die beiden Protagonisten sind eher Sonderlinge, Außenseiter, die in ihren eigenen Fantasiewelten leben und auch deswegen wie füreinander gemacht scheinen. Zusammen bilden sie eine starke Einheit, nicht nur gegen die besorgten Erwachsenen. »Moonrise Kingdom« wird so zu einem Plädoyer für Zusammenhalt, Freundschaft und kindliche Verspieltheit - und damit hoffentlich zum guten Omen für die kommenden Festivaltage.
Welchen Film die Jury dann am Pfingstsonntag mit der Goldenen Palme auszeichnen wird, wird sicher noch für einige Spekulationen sorgen. Auf was sie bei den 22 Werken im Wettbewerb achten wollen, verriet kaum eines der neun Jurymitglieder, auch nicht der Präsident Nanni Moretti. Die meisten - darunter »Star Wars«-Star Ewan McGregor - betonten unisono, offen und unvoreingenommen an die Filme herangehen zu wollen.
Die Deutsche Diane Kruger zum Beispiel, die in Cannes einst erste große Erfolge mit dem Historienepos »Troja« feierte, freute sich darauf, tagelang nur Filme gucken zu können und unter Filmliebhabern zu sein. Nur Designer Jean-Paul Gaultier gab ein bisschen mehr preis: »Ein Film muss mich berühren und bewegen, das ist wichtig. Ich hoffe, dass ich viele Emotionen und Überraschungen erlebe!«

Frankfurt/Main (dpa) - Der Historiker und Publizist Arno Lustiger ist tot. Er starb am Dienstag im Alter von 88 Jahren, wie die jüdische Gemeinde in Frankfurt mitteilte. Lustiger hatte den Holocaust überlebt und galt als wichtige akademische Instanz für die Geschichte der Juden in dieser Zeit.
»Seine größte Leistung war es, den jüdischen Widerstand während der Shoa dem Vergessen entrissen zu haben«, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch. »Ich habe sehr viel von ihm gelernt, er wird uns fehlen.« Lustiger, der seit einiger Zeit krank war, wird am kommenden Freitag (18.5.) in Frankfurt beigesetzt.
Lustiger wurde am 7. Mai 1924 im oberschlesischen Bedzin in Polen geboren. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen ging er in den Widerstand und wurde verhaftet. Er überlebte sechs Konzentrationslager und zwei Todesmärsche. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs blieb er in Frankfurt und war maßgeblich am Aufbau der dortigen jüdischen Gemeinde beteiligt. Auch die Gemeinde sprach am Mittwoch von einem großen Verlust.
Nicht zuletzt das eigene Schicksal hatte den einstigen Textilhändler dazu bewogen, sich wissenschaftlich mit der Geschichte des Holocaust und der Juden zu befassen. Erst im Alter entwickelte er sich trotz fehlender Hochschulbildung zu einem anerkannten Historiker. Er wollte unter anderem die These widerlegen, dass die Juden in der Nazi-Zeit willenlose Opfer waren. Bekannt wurde Lustiger mit Werken wie »Zum Kampf auf Leben und Tod« und »Rotbuch - Stalin und die Juden«.
Das Internationale Auschwitz-Komitee reagierte »mit großem Schmerz« auf die Nachricht vom Tod Lustigers. »Arno Lustiger hat als Zeuge und als Mitbürger die Wahrheit über die Geschichte von Auschwitz und den Holocaust an die Menschen in Deutschland und Europa weitergegeben«, sagte Vizepräsident Christoph Heubner laut Mitteilung. Seine Arbeit habe Deutschland zur Ehre gereicht.
Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) zeigte sich betroffen. »Die dunkelste Epoche unserer Geschichte hat Arno Lustiger als Zeitzeuge auf kluge und tiefgründige Art und Weise beleuchtet«, sagte Bouffier laut Mitteilung in Wiesbaden. »Wir trauern um einen charismatischen Aufklärer, der alle Grausamkeiten des Holocausts überlebt hat.«
Die Grünen erinnerten an die Rede Lustigers im Bundestag zum 60. Gedenktag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Januar 2005. Darin hatte er auf die sogenannten Todesmärsche hingewiesen, denen Tausende KZ-Häftlinge zum Opfer fielen. »Mit Arno Lustiger verlieren wir einen aufrechten Streiter für die Menschenrechte und die Aufarbeitung der Geschichte«, sagten die Fraktionsvorsitzenden Renate Künast und Jürgen Trittin in einer Mitteilung. Grünen-Vorsitzende Claudia Roth sagte, Lustiger habe die Spuren der Menschlichkeit und der Hoffnung im Kampf gegen die Barbarei dokumentiert.
Die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) würdigte Lustiger als einen bedeutenden Historiker, der sich um die Erinnerungskultur in Deutschland verdient gemacht habe. An den Schulen des Rhein-Main-Gebiets habe er als Zeitzeuge über seine Kindheit in Polen, die Besetzung des Landes durch die Deutschen und die Zeit in den Arbeits- und Konzentrationslagern berichtet. Die Stadt hatte Lustiger 1998 mit der Goetheplakette ausgezeichnet.

Mexiko-Stadt (dpa) - Der mexikanische Schriftsteller Carlos Fuentes, einer der größten lateinamerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts, ist tot. Er starb überraschend am Dienstag im Alter von 83 Jahren in Mexiko-Stadt. Staatspräsident Felipe Calderón bedauerte den Verlust des »geliebten und bewunderten« Autors.
Fuentes gehörte zu den ganz Großen der spanischsprachigen Gegenwartsliteratur und wurde oft in einem Atemzug mit den Nobelpreisträgern Gabriel García Márquez (85) oder Octavio Paz (1914-1998) genannt. Wie viele mexikanische Dichter setzte er sich in seinem Schaffen in erster Linie mit der Geschichte seines Landes auseinander, um dessen Vergangenheit zu analysieren, diese mit der Gegenwart zu konfrontieren und die Frage nach der mexikanischen Identität zu beantworten.
Nach Aussage seines Arztes starb Fuentes an einer inneren Blutung im Verdauungstrakt. Wie der Gastroenterologe Arturo Ballesteros mexikanischen Medien sagte, war Fuentes im Bad seines Hauses im Süden von Mexiko-Stadt zusammengebrochen, nachdem er Blut gespuckt hatte. Er wurde in das nahe gelegene Krankenhaus Ángeles del Pedregal gebracht, wo er kurz darauf verstarb. Ursache der Blutung sei vermutlich ein Magengeschwür gewesen.
Der Tod kam für die mexikanische Öffentlichkeit überraschend, denn bis dahin war nichts von gesundheitlichen Problemen des Autors bekanntgewesen. Noch Anfang Mai hatte Fuentes an der Internationalen Buchmesse in Buenos Aires teilgenommen.
Der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa würdigte Person und Werk seines Kollegen. »Ich habe ihn vor 50 Jahren kennengelernt. Seither waren wir Freunde und nichts hat diese Freundschaft jemals getrübt«, schrieb der Literatur-Nobelpreisträger in der Nacht zum Mittwoch im Kurznachrichtendienst Twitter über das Konto seiner Tochter Morgana. »Er hinterlässt ein gewaltiges Werk, das ein ausdrucksvolles Zeugnis aller großen politischen Probleme und des kulturellen Lebens unserer Zeit darstellt«, ergänzte der 76-jährige Autor (»Der Traum des Kelten«).
Eines von Fuentes wichtigsten Büchern, der 1962 erschienene Roman »La muerte de Artemio Cruz« (Deutscher Titel: »Nichts als das Leben«), schildert stilistisch brillant die blutige Geschichte der mexikanischen Revolution und geht bitter mit dem Verrat an deren Idealen ins Gericht. Zugleich schildert er den moralischen Verfall derjenigen, die dank der Revolution zu Reichtum und Macht kamen.
Fuentes, der nach eigenen Worten am liebsten in den Morgenstunden in die Tasten oder zum Füllfederhalter griff, um nachmittags »zu lesen, ins Kino zu gehen, Freunde zu treffen, Kaffee zu trinken...«, schrieb nicht immer so düster und schwer wie in seinem Hauptwerk »Terra Nostra«. In dem Roman »Christóbal Nonato« zum Beispiel beschrieb er durchaus humoristisch das Alltagsleben Mexikos, seine Politik und seine sozialen Strukturen.
Obwohl Mexiko in den meisten seiner Romane, Erzählungen oder Essays die Hauptrolle spielte, entschied sich der in Panama geborene Diplomatensohn, der erst als 16-Jähriger zum ersten Mal in das Land seiner Eltern kam, für räumliche Distanz. Er war Botschafter in Paris, lehrte lange an den Universitäten Harvard und Columbia in den USA und besaß Wohnungen in Buenos Aires, Madrid oder London.
Stark beeinflusst wurde Fuentes - der Cervantes' »Don Quijote« liebte - auch von der deutschen Literatur, nach seiner Meinung die »reichste des 20. Jahrhunderts«. Thomas Manns »Doktor Faustus« sei für ihn »vielleicht der größte europäische Roman«.
Fuentes war immer auch ein politischer Mensch, mit gewissen Sympathien für den Sozialismus. Das kommunistische Regime in Kuba kritisierte er aber ebenso entschieden wie den linkspopulistischen Präsidenten Hugo Chávez in Venezuela, den er einmal einen »tropischen Mussolini« nannte. Fuentes bezeichnete sich als Freund des früheren US-Präsidenten Bill Clinton und als »Feind« von dessen Nachfolger George W. Bush.

Neustadt/Wied (dpa) - Vor dem Abflug in das weit entfernte Baku ist der deutsche Grand-Prix-Teilnehmer Roman Lob am Mittwoch in seiner rheinland-pfälzischen Heimatgemeinde gefeiert worden.
Neustadt (Wied) ehrte den 21-Jährigen mit einem offiziellen Empfang. »Wir sind auch total stolz auf den Roman Lob, dass er das so toll meistert und seinen Traum versucht zu leben und so charmant dabei bleibt«, sagte Ortsbürgermeisterin Jutta Wertenbruch (CDU) der dpa. Lob wird Deutschland beim Eurovision Song Contest in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku am 26. Mai vertreten. Vor voller Halle sang der 21-Jährige in Neustadt mehrere Songs, darunter auch sein Baku-Lied »Standing Still«.
Die überwiegend jugendlichen Fans waren begeistert, schwenkten selbst gebastelte Plakate mit den Parolen »12 Points für Roman« und »Du schaffst das!«. Roman Lob - im roten Karohemd und mit Schirmmütze - unterschrieb nicht nur zahllose Autogramme, er trug sich auch in das goldene Buch der Gemeinde ein und bedankte sich für »die große Unterstützung«. Wertenbruch gab ihm ganz offiziell die besten Wünsche seiner Heimat mit auf den Weg. Lobs Bekanntheit sei schon außergewöhnlich. »Pressemäßig war noch keiner so berühmt«, sagte sie. »Wir hatten natürlich auch Leute, die man im Fernsehen öfter mal gesehen hat. Aber da ist nicht so viel Rummel drum gemacht worden wie jetzt.«
An die Zeit, in der Lob in der Show »Unser Star für Baku« um die Teilnahme am Eurovision Song Contest kämpfte, kann sich die Ortsbürgermeisterin noch gut erinnern. »Ich hatte auch selber den Eindruck, er kann gut singen, und er macht das superschön, und er kommt auch gut an, und dann haben wir gehofft, er könnte es schaffen bis ins Finale«, erinnert sie sich. Sein Gewinn beim Vorentscheid habe die Gemeinde »total stolz« gemacht. Denn immerhin hätten hinter manchen anderen Kandidaten große Städte gestanden und für sie abgestimmt. »Wir mussten ja zum Teil dann hier von unserem Ort aus gegen Berlin voten.«
Am 26. Mai - dem Tag der Entscheidung - ist in Neustadt (Wied) ein Public Viewing geplant. Die 1250 Karten waren schon am ersten Tag alle weg. Jutta Wertenbruch weiß jetzt schon, wo sie dann sein wird: Bei den anderen in der Halle: »Auf jeden Fall.«
Wiesbaden (dpa) - Wegen einer möglichen Verunreinigung mit Keimen wird der griechische Schafskäse »Manouri« zurückgerufen. Die Keime können grippeähnliche Symptome oder Durchfall verursachen.
Betroffen sein kann das Produkt mit der Bezeichnung Molkeneiweißkäse, Doppelrahmstufe in der 200-Gramm-Packung mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 21.9.2012, wie das hessische Verbraucherschutzministerium am Mittwoch (16. Mai) in Wiesbaden mitteilte. Verpackt wurde der Käse für »SHM Hellas - Pilion S.A.«. Bei Kontrollen des Vertreibers aus dem hessischen Altenstadt sei der Verdacht aufgekommen, dass der Käse mit »Listeria monocytogenes« verunreinigt sein könnte. Verkauft wurde die Ware laut Ministerium deutschlandweit sowie in Österreich und der Schweiz.
Das Bakterium könne grippeähnliche Symptome oder Durchfall verursachen, bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem wie Schwangeren, Säuglingen oder Älteren seien auch schwere Verläufe möglich. Verbraucher sollten die betroffene Charge nicht essen und im Laden zurückgeben, hieß es.

München (dpa/tmn) - Nur sehr wenige Menschen mögen keine Erdbeeren. Bei allen anderen wecken die Früchte Sommergefühle und verführen mit Farbe und Duft zum Zugreifen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Naschereien ist das auch noch gesund.
Mittlerweile gibt es sie ganzjährig im Supermarkt zu kaufen. Trotzdem ist die Erdbeere untrennbar mit dem Lebensgefühl der ersten Sommertage verbunden. »Sie ist die erste richtig süße Frucht des Jahres«, sagt Karl Newedel, Koch und Lebensmittelfotograf aus München. Andere süße Beeren und Steinfrüchte werden erst später im Jahr reif, schon deswegen sei die Erdbeere etwas Besonderes. »Sie verströmt einen angenehmen Duft und hat eine gewisse Ästhetik. Das steigert das sinnliche Erlebnis noch.«
Ab Ende Mai sind in Deutschland die ersten Erdbeeren reif und können geerntet werden. »Je reifer die Erdbeere geerntet wird, desto mehr Aroma kann sie entwickeln«, erklärt Markus Grimmig, der auf einem Hof im badischen Oberkirch Erdbeeren anbaut. Nach dem Pflücken reifen Erdbeeren nicht mehr nach - anders als zum Beispiel Äpfel oder Bananen. Wer sie kauft, sollte also darauf achten, dass sie möglichst vollständig rot sind. »Wenn die Erdbeeren noch grüne Stellen haben, wurden sie einen Tick zu früh gepflückt.«
Allerdings sei die rote Färbung nicht immer ein eindeutiges Indiz für den Reifegrad, oft hat sie mit der Sorte zu tun. Mehr als 1000 Erdbeersorten sind bekannt, doch nur wenige werden flächendeckend angebaut. Vor allem in Süddeutschland setzen die Obstbauern auf früh reifende Erdbeersorten: zum Beispiel die aus Italien stammende Sorte Clery oder Darselect aus Frankreich. »Sie haben einen schönen Glanz und eine eher helle rote Farbe«, erklärt Grimmig.
Vor dem Kauf mal eine Frucht zu probieren, sei sinnvoll. »Um sicher zu sein, dass die Qualität stimmt«, erklärt Anja Bath vom Verband der Oecotrophologen in Bonn. Je reifer die Früchte sind, desto süßer schmecken sie und eignen sich auch besser zur weiteren Verarbeitung. Bei vielen Speisen müsse so kein Zucker zugefügt werden. Wer einen möglichst hohen Vitamingehalt möchte, sollte aber unbedingt auf die Frische der Erdbeeren achten. »Gerade bei Vitamin C ist es ja so, dass es verfällt, je älter das Obst ist«, erklärt die Ernährungswissenschaftlerin. Bei Erdbeeren ist die Frische gut an ihrem Blattkelch erkennbar. Ist er schon trocken und schlapp, liegen die Früchte schon länger im Laden.
Neben Vitaminen stecken noch viele weitere gesunde Nähr- und Mineralstoffe in Erdbeeren - Magnesium, Kalium und Eisen. Aber auch die sogenannten sekundären Pflanzenstoffe der Erdbeere können positiv wirken: zum Beispiel Ferulasäure und Ellagsäure, die im Ruf stehen, Krebs zu hemmen. »Je intensiver die Farbe ist, desto mehr sekundäre Inhaltsstoffe sind in der Frucht«, gibt Bath als Faustregel an.
Die Unterschiede im Geschmack sind zwar klein, trotzdem lohnt manchmal die Suche nach einer bestimmten Erdbeersorte. Wer sie zu Marmelade verarbeiten will, sollte nach dunkelroten Exemplaren fragen. »Auch eine Frucht, die ein bisschen mehr Säure hat, wäre gut. Denn in die Marmelade kommt ja sowieso schon viel Zucker«, erklärt Grimmig. Für Kuchen, Torten, Quark und die zahllosen weiteren Süßspeisen mit Erdbeeren spiele die Sorte dagegen eine geringere Rolle.
Von Erdbeeren in herzhaften Gerichten allerdings hält Newedel wenig. Viele Köche hätten sich bereits daran versucht, ein wirklich gutes Gericht habe er noch nicht entdeckt. »Meist verliert bei diesen Experimenten die Erdbeere und auch das Gericht«, sagt er. Wer trotzdem etwas Ausgefallenes probieren wolle, dem empfiehlt er Ravioli mit Erdbeer-Mandel-Füllung mit Portwein-Sabayon. »Das ist als Dessert zu einem frühsommerlichen Menü toll geeignet.« Er selbst esse Erdbeeren gerne schnörkellos. »Vielleicht noch etwas aufgepeppt mit Minze, Zitronenverbene oder Waldmeister, das reicht schon.« Erdbeeren sind eben schon ganz für sich eine süße Versuchung.
Literatur:
Karl Newedel: Erdbeere & Rhabarber. Bassermann Inspiration. 80 S., 9,99 Euro, ISBN-13: 978-3572080410

Hamburg (dpa/tmn) - Es gibt nichts Herrlicheres für den Frühstückstisch als die selbstgemachte Marmelade. Für die Zubereitung gibt es einiges zu beachten, um sich lange am Ergebnis zu erfreuen.
Beim Einkochen von Konfitüre sollte die Fruchtmasse im Topf immer mit einem Rührlöffel umgesetzt werden. Denn ein Schneebesen schlägt Luftblasen in die Konfitüre, die dadurch weniger haltbar wird, wie die Zeitschrift »essen und trinken« (Ausgabe 6/2012) erläutert. Generell wird geraten, lieber mehrere kleinere Gläser als große zu verwenden - am besten Behältnisse mit rund 200 Milliliter Fassungsvermögen. In den kleinen Gläsern geliere die Masse besser, so die Zeitschrift. Außerdem könne man so eine größere Auswahl Konfitüre auf den Tisch stellen, da kleinere Mengen schneller verbraucht werden.

Mainz (dpa/tmn) - Wer Wein jenseits einer klassischen Weinprobe kosten möchte, sollte in Weinbauregionen jetzt die Augen nach Straußwirtschaften offen halten. Was das ist, erklärt das Deutsche Wein-Institut.
Straußwirtschaften sind kleine Lokale, in denen ein Winzer selbst erzeugten Wein in eigenen Räumlichkeiten ausschenkt, erläutert das Deutsche Wein-Institut (DWI) in Mainz. Zu erkennen sind sie an einem Strauß, Besenreisig oder Kranz, den der Winzer an seiner Tür aufhängt, wenn seine Stube geöffnet hat. Je nach Region ist auch die Bezeichnung Besenschänke oder Besen-, Rädle- und Heckenwirtschaft gebräuchlich. Serviert werden meist rustikale regionale Speisen.
Wie viele Straußwirtschaften es in Deutschland gibt, ist dem DWI nur schwer zu sagen. Das hänge damit zusammen, dass für sie eine Sonderregel im Gaststättenrecht gilt. Danach müssen die Behörden über einen solchen Ausschank nur zwei Wochen vor Eröffnung informiert werden. Dann dürfe in der Regel längstens vier Monate geöffnet sein, entweder zusammenhängend oder in zwei Phasen im Jahr. Das führe dazu, dass die Kleinwirtschaften meist im Frühjahr ein bis zwei Monate und dann nochmals im Herbst zur Weinlese geöffnet sein.
Wiesbaden (dpa) - Dass sich soziale Netzwerke weiterhin großer Beliebtheit erfreuen, ist nicht überraschend. Aber das jeder zweite Onlinenutzer darin aktiv ist, mag erstaunen. Besonders beliebt sind Facebook, Twitter und Co. bei jungen Usern.
Gut jeder zweite Internetnutzer in Deutschland kommuniziert privat in Sozialen Netzwerken. Rund 29,6 Millionen Erwachsene sowie Jugendliche und Kinder ab zehn Jahren nutzen Facebook, Twitter, Xing, Google+, SchülerVZ und andere Online-Netzwerke. Das teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden anlässlich des Welt-Telekommunikationstages am Donnerstag (17. Mai) mit.
Besonders beliebt sind die Plattformen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen: 91 Prozent der Nutzer zwischen 16 und 24 Jahren waren 2011 in den Netzwerken unterwegs. Mit zunehmendem Alter nimmt die Zahl der Nutzer deutlich ab. Bei den 45- bis 64-Jährigen waren es noch 33 Prozent. Frauen, die im Internet unterwegs sind, kommunizieren häufiger privat über Soziale Netzwerke als Männer. Plattformen für berufsbezogene Kontakte nutzen dagegen mehr Männer. Insgesamt beteiligt sich lediglich knapp jeder zehnte Internetnutzer aus beruflichen Gründen an den Netzwerken.
Sowohl bei der Nutzung der Online-Plattformen für private als auch für berufliche Zwecke liegt Deutschland in Europa im Mittelfeld. Letten und Ungarn sind Spitzenreiter bei der privaten Kommunikation. Bei der beruflichen Kommunikation haben Niederländer und Finnen die Nase vorn.

Berlin (dpa/tmn) - Eine neue Version des Browsers Chrome kann offene Tabs zwischen mehreren Rechnern synchronisieren. Wer sich zum Beispiel auf seinem Arbeitsrechner bei Chrome anmeldet, bekommt genau die Seiten angezeigt, die er vorher zu Hause geöffnet hatte.
Die Übertragung von Tabs funktioniert auch mit der Betaversion von Chrome für Android-Smartphones, erklärt Chrome-Entwickler Google. Bereits mit älteren Versionen des Browsers war es möglich, Lesezeichen und Einstellungen zwischen mehreren Rechnern zu übertragen.
Die Installation der neuen Chrome-Version empfiehlt sich auch aus Sicherheitsgründen. Google habe damit mehrere Lücken in der Abwehr gegen Schadsoftware geschlossen, teilt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik mit. Nutzer können das Update entweder direkt über die Aktualisierungsfunktion des Programms einspielen oder Chrome 19 bei Google herunterladen.

Berlin (dpa/tmn) - »Hallo«, »Tschüss«, »Bitte« und »Danke«: Wer im Urlaub mehr als nur diese Sprachfetzen beherrschen will, kann fremde Begriffe und Vokabeln mit elektronischen Helfern lernen. Unter den neuen Programmen gibt es auch Angebote für Kinder.
Der Flug ist gebucht, die Impfungen und Reiseunterlagen komplett, jetzt fehlt nur noch die richtige Vorbereitung in Sachen Sprache. Wer im Urlaubsland nicht nur Bahnhof verstehen möchte, braucht ein wenig Vorbereitung. Unterstützung dabei gibt es mit Apps, Programmen und anderen technischen Helfern, die den richtigen Umgang mit fremden Sprachen vermitteln - in vielen Fällen auf spielerische Art und auch für jüngere Reisende.
Eine gute Lernhilfe für Kinder ab neun Jahren, mit der noch nicht vertrauten Sprache klarzukommen, sind die Kinder-Sprachreiseführer der Reihe »Unterwegs in...« aus dem Cornelsen Verlag. Richtig zum Leben erwachen die Bücher in Verbindung mit dem Ting Hörstift. Werden bestimmte Flächen in dem bebilderten Reisebegleiter damit angetippt, bekommen die Kinder die einzelnen Vokabeln oder Redewendungen vorgesprochen und erweitern so ihren Wortschatz.
Der Reisebegleiter für Kinder kann aber noch mehr: In kleinen Übungen erfahren die Nutzer Wissenswertes über Land und Leute, dazu gilt es kleine Rätsel und Aufgaben zu lösen. Der Sprachführer ist für die Länder Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien erhältlich und kostet inklusive Audio-CD jeweils knapp 13 Euro. Den Ting Hörstift gibt es für etwa 30 Euro.
Rätsel und Spiele für unterwegs bietet auch die App »Englisch Rätsel« aus dem Pons Verlag. Neben Englisch ist die App auch für die Sprachen Italienisch, Spanisch und Französisch erschienen. In zwölf verschiedenen Rätselvarianten können sich Jugendliche und Erwachsene der Sprache nähern. Die Möglichkeiten reichen vom Rebus, bei denen ein Bilderrätsel gelöst werden muss, bis hin zu Anagrammen, Silbenrätsel oder Wortgittern. Bei einem anderen Spiel geht es darum, sich gesprochene Wörter genau anzuhören und herauszufinden, welche Vokabel vom Klang her nicht zu den anderen passt.
Jedes Rätsel ist in drei Schwierigkeitsstufen spielbar und damit auch für Spracheinsteiger geeignet. Für jede richtige Lösung erhalten die Spieler Punkte. Bis zu sechs Mitspieler können parallel um die höchste Punktzahl streiten. Das App steht im App Store zum Download für iPod touch, iPhone und iPad zur Verfügung, jede Sprachversion kostet 1,59 Euro.
Der Sprachkurs »First Class Sprachkurs 12.0« von Digital Publishing ist in den vier klassischen Sprachen Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch für jeweils rund 15 Euro erschienen. Der Kurs richtet sich zunächst an Anfänger und Wiedereinsteiger. Auf zwei CD-ROMs steht das Training von Aussprache und Grammatik im Vordergrund. Für die Überprüfung ihrer Kenntnisse können die Nutzer das integrierte Sprachlabor nutzen und ihre eigene Aussprache mit den vertonten Sätzen vergleichen. Zu dem Programm gehört auch ein mobiler Audio-Vokabeltrainer mit dem Grund- und Aufbauwortschatz zum Zuhören und Nachsprechen für unterwegs.
Ebenfalls von Digital Publishing kommen die Audio-CDs der Reihe »Englisch lernen mit The Grooves«, die in verschiedenen Varianten wie »Travelling« oder »Small Talk« erschienen sind. Die Mischung aus Musik, Sprachtrainer und Hörbuch vermittelt nicht nur wichtige Vokabeln und Redewendungen, sondern erklärt zum Beispiel auch die typischen Fettnäpfchen im Englischen. Insgesamt 200 Vokabeln und Spracheigentümlichkeiten werden auf diese Weise vermittelt. Die Macher wollen dabei keinen trockenen Sprachkurs, sondern ein unterhaltsames Hörerlebnis bieten und neue Sprachkenntnisse über den sogenannten Ohrwurm-Effekt vermitteln. Die Audio-CDs kosten jeweils um die 17 Euro.
Wer im Urlaub direkt eine schnelle Übersetzung sucht, kann zum Beispiel auf die Wörterbuch-Apps von Langenscheidt zurückgreifen, die für verschiedene mobile Systeme wie iOS, Android, Symbian, Windows Phone und Blackberry erhältlich sind. Die Nachschlagewerke gibt es in den Varianten Basic, Standard und Professional, die sich durch die Anzahl der enthaltenen Stichwörter und den Preis unterscheiden. Praktisch für Auslandsreisen: Bei der Installation bringen die Apps alle Daten mit, eine Internetverbindung wird nicht mehr benötigt. Das erspart teures Nachladen von Vokabeln am Urlaubsort.
Wer die Apps zum Lernen benutzen will, kann einzelne Begriffe als Vokabelkarte speichern und sich anschließend abfragen lassen. Zur Verbesserung der Aussprache können sich Nutzer einzelne Wörter vorlesen lassen. Die intelligente Suchfunktion der Software findet auch Wörter, deren Schreibweise der Nutzer nicht genau kennt - praktisch zum Nachschlagen aufgeschnappter Wörter. Die Preise für die Apps liegen je nach Variante und Betriebssystem zwischen 12 und 50 Euro.

Münster (dpa/tmn) - Wege für Fußgänger zeigt das vielgenutzte Google Maps hierzulande bereits an. Eine spezielle Routenplanung für Radfahrer ist bislang noch Nutzern in den USA vorbehalten.
In diese Lücke stößt das Projekt naviki.org der Fachhochschule Münster. Es basiert auf dem Kartenmaterial von Open Street Map und zeigt Routen für Radler an - auf Wunsch entweder die fahrradfreundlichere, sprich die verkehrsärmere und weniger steile Route oder die kürzere Strecke.
In einem Infofenster werden unter anderem Distanz, zu überwindende Höhenmeter und die geschätzte Fahrzeit bei 15 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit angezeigt. Die GPS-Wegpunkte der Strecke lassen sich auch herunterladen. Für Android und iOS gibt es eine kostenlose Naviki-App, mit der man ebenfalls planen und sich Routen unterwegs anzeigen lassen kann. Die Anwendungen zeichnen auch gefahrene Wege auf, die registrierte Nutzer dann als Tourempfehlung auf die Plattform hochladen können.