München (dpa) - Als Chelsea-Kapitän Frank Lampard den silbernen Pokal siegestrunken im Konfettiregen zum Himmel reckte, mochten die am Boden kauernden Vize-Bayern dem Alptraum dahoam nicht länger zusehen.
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Belgrad (dpa) - Neuer Staatschef Serbiens wird Tomislav Nikolic. Völlig überraschend konnte sich der Oppositionsführer am Sonntag bei der Stichwahl ums Präsidentenamt gegen den langjährigen Amtsinhaber Boris Tadic durchsetzten.
Noch am Wahlabend räumte Tadic die Niederlage ein und beglückwünschte seinen Nachfolger. »Ein klarer Sieg, die Wahlen waren fair«, sagte der Unterlegene.
»Es gibt doch eine göttliche Gerechtigkeit«, jubelte dagegen Wahlsieger Nikolic in der Parteizentrale seiner Fortschrittspartei (SNS). In vielen Städten des Landes feierten seinen Anhänger den Sieg bis tief in die Nacht auf den Straßen mit Autokorsos und Feuerwerk.
Wie die staatliche Wahlkommission mitteilte, erreichte der 60-jährige Nikolic 49,8 Prozent der Stimmen. Auf den sechs Jahre jüngeren Tadic entfielen demnach 47,2 Prozent. Basis war die Auszählung von 76 Prozent der abgegebenen Stimmen.
Die Wahlbeteiligung war außergewöhnlich niedrig. Nur rund 45 Prozent der 6,8 Millionen Wahlberechtigten waren an die Urnen gegangen. Daneben soll es nach inoffiziellen Informationen bis zu 100 000 ungültig gemachte Stimmzettel gegeben haben.
Nikolic bemühte sich noch in der Wahlnacht, Zweifel an seinem politischen Kurs zu zerstreuen. »Serbien wird nicht vom europäischen Weg abweichen«, sagte er vor seinen jubelnden Anhängern. »Das ist der Gipfel meiner Karriere und ein Wendepunkt für Serbien«. »Sieg, Sieg«, skandierten seine Parteigänger.
Alle Kommentatoren begründeten den völlig unerwarteten Wahlausgang mit der schweren Wirtschaftskrise im Land. Auch der serbische Analytiker Ognjen Pribicevic machte die soziale Misere für Tadics Niederlage verantwortlich: »Eine große Zahl der Bürger hat ein schweres Leben, mit Einkommen von 20 000 oder 25 000 Dinaren (181 bis 227 Euro).«
Das Staatsfernsehen RTS sprach von einem »politischen Erdbeben«. Tadic forderte Nikolic auf, die zu erwartete Kohabitation konstruktiv anzugehen. Denn nach allen Ankündigungen wird die DS-Partei von Tadic wie bisher auch die neue Regierung bilden. Bereits am Montag solle damit begonnen werden, kündigten Tadic und seine Koalitionspartner an. Tadic strebt dabei nach eigenen Angaben aber nicht das Amt des Ministerpräsidenten an.
Vor zwei Wochen hatte die SNS von Nikolic die Parlamentswahlen zwar gewonnen, mangels Bündnisgenossen kann sie aber keine Regierung bilden. Die wird wie bisher von der DS und den Sozialisten (SPS) des früheren serbischen Autokraten Slobodan Milosevic gebildet. Die SPS bestätigte in der Wahlnacht noch einmal, sie wolle mit der Tadic-DS die Regierung bilden und nicht ins Nikolic-Lager umschwenken.
Nato-Raketenabwehr in Teilen einsatzbereit
Chicago (dpa) - Die neue Nato-Raketenabwehr für Europa ist teilweise einsatzbereit. Das erklärten die Staats- und Regierungschefs der Nato-Staaten in Chicago. 2020 soll es dann voll einsetzbar sein. Russland lehnt das Abwehrsystem ab. Der Nato-Gipfel beschloss auch ein neues System zur Bodenüberwachung. Außerdem wollen die Nato-Staaten bei mehr als 20 Rüstungsprojekten sehr eng zusammenarbeiten. Viele tausend Aktivisten gingen in Chicago gegen Krieg und Nato-Politik auf die Straße.
Nikolic Hochrechnungen zufolge neuer Präsident in Serbien
Belgrad (dpa) - Zeitenwende in Serbien: Völlig überraschend bekommt das Balkanland einen neuen Staatspräsidenten. Der langjährige Amtsinhaber Boris Tadic wird vom Oppositionsführer Tomislav Nikolic abgelöst. Wie die staatliche Wahlkommission mitteilte, erreichte der Nikolic 49,8 Prozent der Stimmen. Auf Tadic entfielen demnach 47,2 Prozent. Tadic räumte seine Niederlage bei der Stichwahl am Abend in Belgrad ein. Serbien werde nicht vom europäischen Weg abweichen, versicherte Nikolic. Die EU und die USA stehen dem vom Nationalisten zum Demokraten gewendeten Nikolic skeptisch gegenüber.
Keine Lösung im Machtkampf der Linken in Sicht
Berlin (dpa) - Der Geschäftsführende Parteivorstand der Linken wird sich heute Vormittag erneut mit dem Machtkampf um den Parteivorsitz befassen müssen. Ein Krisentreffen am Abend brachte nach Informationen der »Berliner Zeitung« keine Einigung. Nach wie vor wollen sowohl Bundestagsfraktionsvize Dietmar Bartsch als auch der frühere Parteichef Oskar Lafontaine kandidieren. Lafontaine will aber nur antreten, wenn es keinen anderen männlichen Kandidaten gibt. Bartsch ist nicht zum Rückzug bereit.
IAEA-Chef Amano zu Atomgesprächen in Teheran
Teheran (dpa) - Der Chef der internationalen Atombehörde IAEA, Yukio Amano, ist zu neuen Gesprächen über das iranische Atomprogramm in Teheran eingetroffen. Im Laufe des Tages will Amano mit Außenminister Ali-Akbar Salehi, dem Direktor des iranischen Atomprogramms und Atom-Chefunterhändler sprechen. Vor seinem Abflug nach Teheran hatte sich Amano optimistisch geäußert. Es sei zwar nicht sicher, ob man einen Blick hinter die Kulissen des iranischen Atomprogramms vertraglich vereinbaren könne, aber es sei möglich.
Sechs Verletzte nach Straßenkämpfen in Beirut
Beirut (dpa) - Der blutige Konflikt in Syrien heizt die Gewalt auch im Nachbarland Libanon weiter an: Bei Straßenkämpfen zwischen Gegnern und Anhängern des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad in Beirut wurden in der Nacht nach Angaben von Sicherheitskräften mindestens sechs Menschen verletzt. Zuvor war am Sonntag an einem Kontrollpunkt im Norden des Libanon ein sunnitischer Geistlicher und bekannter Gegner des Assad-Regimes von Soldaten erschossen worden. Auch ein Begleiter des Mannes kam ums Leben.
Regierungskandidat in Führung bei dominikanischen Präsidentenwahlen
Santo Domingo (dpa) - Danilo Medina, Kandidat der Regierungspartei PLD, liegt bei den Präsidentenwahlen in der Dominikanischen Republik in Führung. Nach Auszählung von 8,5 Prozent der Wahllokale kommt der Kandidat des scheidenden Amtsinhabers Leonel Fernandez auf 51,02 Prozent der Stimmen, wie die Zentrale Wahlbehörde (JCE) am Sonntagabend (Ortszeit) in Santo Domingo mitteilte. Für seinen schärfsten Konkurrenten, Hipolito Mejia von der Partei Dominikanischen Revolutionären Partei (PLD), votierten demnach 46,77 Prozent der Wähler. Sollte sich der Trend bestätigen, würde Medina im ersten Wahlgang zum neuen Präsidenten des Karibikstaates gewählt.

Rom/Ferrara (dpa) - Ein heftiges Erdbeben in Norditalien hat mindestens sieben Menschen in den Tod gerissen. Auch eine Deutsche starb nach dem Erdstoß in der Nacht - möglicherweise wegen des panischen Schreckens.
Das schwere Beben erschütterte am Sonntagmorgen um 4.04 Uhr die Region Emilia-Romagna, die mit der Renaissancestadt Ferrara zum Weltkulturerbe der Unesco gehört. An mehreren historischen Gebäuden in der Erdbebenregion entstanden Schäden. Nach Angaben des US-amerikanischen Behörde USGS hatten die Erdstöße eine Stärke von 6,0. Sie waren in weiten Teilen Norditaliens zu spüren.
Besonders betroffen waren Modena, Ferrara, Bologna und Mantua. Mindestens vier Arbeiter starben in den Trümmern ihrer Arbeitsstätten. Das Epizentrum lag in Sant'Agostino in der Provinz Ferrara. Eine Seniorin wurde dem Ort wurde in ihrer Wohnung von Teilen der Decke erschlagen, sie wäre im Juni 103 Jahre alt geworden. Eine 86-Jährige erlitt nach einem Erdbeben einen Schlaganfall.
Mehrere Dutzend Menschen wurden verletzt; der TV-Sender Rai berichtete von etwa 50 Verletzten. Zahlreiche Nachbeben erschütterten die Region, das heftigste hatte eine Stärke von 5,1 und brachte weitere Gebäude zum Einsturz. Am Abend beben die Erde erneut, die Stärke der Erdstöße lag bei 4,8.
Regierungschef Mario Monti sagte den Opfern Hilfe zu. »In diesen Momenten fühlt das ganze Land mit denen, die leiden«, sagte Monti. Er werde vorzeitig von dem Nato-Gipfel in Chicago abreisen, ergänzte er der Nachrichtenagentur Ansa zufolge. Als Grund nannte er auch den tödlichen Anschlag auf eine Berufsschule in Brindisi. »Angesichts der tragischen Tat in Brindisi und des Erdbebens in Emilia Romagna habe ich beschlossen, nur am Anfang an dem Nato-Gipfel teilzunehmen und dann abzureisen, um morgen nachmittag in Italien zu sein.«
Auch Papst Benedikt XVI. gedachte neben den Opfern des Anschlags auch denen des Erdbebens. »Meine Gedanken gelten auch den Menschen in der Emilia Romagna, die vor wenigen Stunden von einem Erdbeben heimgesucht worden sind«, sagte er in Rom. »Ich bin im Geiste bei denen, die von diesem Unglück betroffen sind.«
Mindestens 3000 Menschen sind nach ersten Schätzungen obdachlos geworden, rund 2500 in der Provinz Modena und 500 in der ebenfalls stark betroffenen Provinz von Ferrara. Medienberichten zufolge reichten die Ausläufer des Bebens bis in die Lombardei, in die Toskana sowie nach Venetien. Auch in der Lombardei können 150 Menschen nicht in ihre Wohnungen zurück. Die Obdachlosen sollen in Sporthallen, Pensionen und Zelten untergebracht werden. In den nächsten Tagen werden Regen und Gewitter erwartet.
Die Trümmer einer Keramikfabrik erschlugen den Berichten zufolge zwei 35 und 45 Jahre alte Beschäftigte der Nachtschicht in Sant'Agostino. Ein 57-jähriger Arbeiter wurde dort unter dem eingestürzten Dach einer Gießerei tot gefunden. Ein 29-Jähriger starb in einer eingestürzten Fabrikhalle in Bondeno, etwa 15 Kilometer nördlich von Sant'Agostino.
Eine 37-jährige Deutsche, die sich aus beruflichen Gründen in Sant'Alberto di San Pietro in Casale in der Region von Bologna aufhielt, hat Medienberichten zufolge nach den Erdstößen Atemprobleme bekommen und starb. Sie soll obduziert werden. Die Behörden machten bislang keine Angaben über ihre Heimatstadt. Glück hingegen hatte ein fünfjähriges Mädchen, das bei dem Ort Finale Emilia fast unverletzt aus tonnenschweren Trümmern gerettet wurde.
Das Fernsehen zeigte schwer beschädigte Gebäude, Trümmer lagen auf den Straßen. Der Erdbebenherd habe in einer Tiefe von etwa zehn Kilometern gelegen, teilte das Nationale Geophysikalische und Vulkanologische Institut mit. In San Felice stürzte eine historische Kirche ein. Von dem Turm stand nur noch die Hälfte - das Zifferblatt der Turmuhr war in der Mitte durchgerissen. Viele historische Gebäude wurden schwer beschädigt. In Finale Emilia wurde ein Krankenhaus evakuiert. Auch Straßen waren unpassierbar, Züge waren verspätet.
Nach einem Augenzeugenbericht wurden auch in Ferrara historische Gebäude beschädigt. »Das Schloss hat geringe Schäden abbekommen, es sind einige Mauersteine heruntergefallen«, sagte Guido Barbujani, der im Zentrum der italienischen Stadt wohnt, der Nachrichtenagentur dpa. »Ich habe schon viele Erdbeben erlebt, aber noch nie so ein starkes.« In der Nacht sei er wie viele andere Menschen auf die Straße gerannt. »Viele haben sich nicht mal richtig angezogen.« Panik sei in seiner Umgebung aber nicht ausgebrochen.
Wissenschaftler des Deutschen Geoforschungszentrums in Potsdam zeigten sich von der Stärke des Erdbebens überrascht. Wie Geophysiker Winfried Hanka am Sonntag sagte, gehen die Potsdamer mittlerweile von einer Stärke von 6,1 aus. »Italien ist insgesamt gesehen stets von Erdbeben bedroht. Es gibt jedoch Regionen, wo das Erdbeben-Risiko geringer ausfällt«, erklärte Hanka. Hierzu zähle eigentlich auch Region Emilia-Romagna.
Das Beben war etwa so stark wie das von Aquila, das am 6. April 2009 die Stadt in den Abruzzen erschüttert und schwere Schäden angerichtet hatte. 300 Menschen starben damals. Bis heute sind Teile des historischen Stadtkerns gesperrt - der Wiederaufbau stagniert.

Belgrad (dpa) - Entgegen allen Umfragen und Prognosen hat Serbiens Oppositionsführer Tomislav Nikolic die Stichwahl zur Präsidentschaft gewonnen.
Er liege klar zwei Prozent vor dem langjährigen Amtsinhaber Boris Tadic, teilte die Wahlforschungsgruppe CeSID nach Hochrechnung von 70 Prozent der abgegebenen Stimmen mit. »Die Chancen sind gering, dass sich dieser Trend noch umkehrt«, analysierten die Wahlforscher.
»Serbien hat heute Abend einen neuen Präsidenten bekommen«, beanspruchte die Fortschrittspartei (SNS) von Nikolic den Sieg für ihren Parteichef. Er liege sicher 1,5 Prozent vor Tadic, hätten die Berechnungen der SNS ergeben, sagte Vizeparteichef Aleksandar Vucic in Belgrad.

Essen (dpa) - Beim Essener Spezialchemiekonzern Evonik entscheidet das Kuratorium des Mehrheitseigentümers RAG-Stiftung heute (Montag), ob die Vorbereitungen für einen Börsengang fortgesetzt werden. Schon zwei Mal musste der Gang aufs Parkett wegen der nervösen Märkte abgesagt werden.
Nun fällt der neue Versuch des potenziellen Dax-Kandidaten mitten in die sich weiter verschärfende Schuldenkrise. Sollte das Kuratorium grünes Licht geben, wäre der Evonik-Aufsichtsrat dran. Wenn auch er zustimmt, folgt die offizielle Absichtserklärung (»Intention to float«).
Zweiter Eigentümer ist der britische Finanzinvestor CVC Capital Partners, der 2008 für 2,4 Milliarden Euro 25,01 Prozent erworben hatte und jetzt an die Börse drängt. Geplant ist eine Veräußerung von insgesamt einem Drittel der Evonik-Anteile aus den Portfolios beider Eigentümer. Sie sollen zusammen rund fünf Milliarden Euro einspielen.
Die Bundesregierung - mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) im Kuratorium vertreten - ist hochgradig an einem Erfolg interessiert. Aus den Erlösen des Börsengangs sollen nämlich die Ewigkeitslasten des deutschen Steinkohlebergbaus etwa für das Abpumpen von Wasser in den Abbaugebieten dauerhaft bezahlt werden.

Sindelfingen (dpa) - Nach einer Marathonsitzung haben die Metaller im Südwesten ein kräftiges Lohnplus erstritten und damit die Weichen für ein Ende des bundesweit schwelenden Tarifkonflikts gestellt.
Die Gewerkschaft IG Metall und die Arbeitgeber einigten sich am Samstagmorgen in Sindelfingen auf ein Einkommensplus von 4,3 Prozent sowie Verbesserungen für Leiharbeiter und Auszubildende. Die Einigung im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg soll auf Empfehlung der beiden Tarifparteien bundesweit übernommen werden. Mit dem Abschluss ist die Gefahr des ersten groß angelegten Streiks in der Schlüsselbranche seit zehn Jahren gebannt.
Der in Baden-Württemberg erzielte Abschluss sieht vor, dass die rund 800 000 Beschäftigten im Südwesten eine Einkommenserhöhung von 4,3 Prozent erhalten. Der neue Vertrag hat eine Laufzeit von 13 Monaten und greift erst von Mai an - der April ist ein Nullmonat ohne Erhöhung. »Mit dem Abschluss ist die Grenze der Belastbarkeit der Betriebe erreicht«, sagte Südwestmetall-Chef Rainer Dulger.
IG-Metall-Chef Berthold Huber hielt dagegen: »Wir haben damit insgesamt die Inflationsrate deutlich überschritten. Wir haben immer gesagt, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht von der Wohlstandsentwicklung abgekoppelt werden sollten.« Ursprünglich hatte die Gewerkschaft 6,5 Prozent mehr Geld gefordert bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber boten für 14 Monate 3 Prozent mehr Geld.
Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser erklärte nach dem Durchbruch in Sindelfingen, dass sich lediglich der Tarifbezirk Sachsen bei der Abstimmung am Morgen enthalten habe. Der dortige Landesverband will den Abschluss nach Angaben einer Sprecherin aber ungeachtet dieses Votums mittragen. Die Gewerkschaft empfahl einstimmig, die Einigung deutschlandweit zu übernehmen. In der deutschen Schlüsselindustrie arbeiten insgesamt rund 3,6 Millionen Menschen.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt erklärte, die Einigung werde der aktuellen Situation der Branche in vollem Umfang gerecht. Allerdings gehe die beschlossene Tarifanhebung für viele Unternehmen an die Belastungsgrenze. »4,3 Prozent ist ein Scheck auf die Zukunft«, hieß es auch beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Es sei aber ein Abschluss, mit dem ein Großteil der Unternehmen leben könne.
IG-Metall-Bezirkschef Jörg Hofmann betonte, dass der Kompromiss auch neue Regelungen zur Gestaltung der Leiharbeit enthalte sowie die prinzipiell unbefristete Übernahme aller Lehrlinge festschreibe. An diesen Punkten musste die Gewerkschaft kräftig Federn lassen.
Bei der Leiharbeit sollen die Betriebsräte künftig zwar mehr Macht erhalten - der Kompromiss blieb aber weit hinter den ursprünglichen Forderungen der Gewerkschaft zurück. So solle zwar stärker als bisher geregelt werden, dass Leiharbeit nicht zur Selbstverständlichkeit werde, berichtete Huber. Einheitliche und für alle Betriebe geltende Regeln fehlen dabei jedoch meist. Nun sollen die Betriebsräte Schritt für Schritt individuelle Vereinbarungen in den Unternehmen einführen.
Gesamtmetall-Chef Kannegiesser sagte: »In den ersten zwei Jahren kann weiterhin jeder Betrieb selbst entscheiden, ob und wie er Zeitarbeitnehmer einsetzen möchte.« Leiharbeiter, die länger als zwei Jahre beim selben Unternehmen arbeiten, müssten ein Übernahmeangebot erhalten. Jedoch arbeitet die Mehrheit der Leiharbeiter nach Arbeitgeberangaben bundesweit keine zwölf Monate im selben Betrieb - die Zweijahresregel liegt also weit entfernt. Wäre es nach der IG Metall gegangen, hätte diese Regelung mit ihren relativ langen Fristen nicht so großzügig ausfallen dürfen. Jetzt muss die Gewerkschaft ganz auf die Kraft der jeweiligen Betriebsräte setzen.
Für den Nachwuchs gilt der Grundsatz, dass die Lehrlinge nach dem erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung einen unbefristeten Arbeitsvertrag angeboten bekommen. Jedoch gibt es Hintertürchen: So sind Ausnahmen möglich, wenn die persönliche Eignung des Azubis zu wünschen lässt oder im Betrieb »akute Beschäftigungsprobleme« herrschen, etwa wegen einer längeren Auftragsflaute. Zudem legt die Chefetage ohne Mitbestimmungsrecht der Betriebsräte den Bedarf fest, nach dem sich letztendlich die Zahl der Übernahmen ausrichtet.
Ferner einigten sich die Tarifparteien im Südwesten auf ein spezielles Förderprogramm für junge Menschen, die schlechte Chancen auf dem Ausbildungsmarkt haben.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein angelernter Arbeiter ohne Ausbildung monatlich gut 80 Euro brutto mehr bekommt und ein junger Facharbeiter gut 110 Euro. An der Spitze bei den Akademikern mit viel Berufserfahrung - etwa Ingenieuren - sind es gut 200 Euro.
Bis zum Durchbruch am frühen Samstagmorgen hatten die beiden Seiten rund 18 Stunden lang gerungen. Formal muss der Abschluss in den nächsten Tagen noch von den obersten Entscheidungsgremien beider Seiten im Südwesten gebilligt werden. In den übrigen Tarifbezirken müssen nun die dortigen Tarifparteien entscheiden, ob sie die Empfehlungen umsetzen. Viele Bezirke signalisierten bereits Zustimmung.

Bochum/Rüsselsheim/Eisenach (dpa) - Das Management des angeschlagenen Autobauers Opel bekommt bei seinem rigiden Sparkurs kräftigen Gegenwind zu spüren.
An diesem Montag will der Betriebsrat des Bochumer Werks den Vorstand auf einer Belegschaftsversammlung zur Rede stellen. Angesichts immer größer werdender Sorgen um den Standort Bochum werden klare Zusagen gefordert. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa gibt es allerdings noch keine Entscheidung, wie die Zukunft des Werks in Bochum nach 2014 aussehen wird. In die Debatte um die defizitäre General-Motors-Tochter schalten sich auch Politiker ein.
Ähnlich wie beim »Astra« hat Opel laut Bochumer Betriebsrat auch beim »Zafira« eine Produktionsverlagerung in ein kostengünstigeres Werk ausgelotet. »Auslöser unserer Sorgen war der Vorstand selbst, der in Rüsselsheim die Bochumer Produktion angeboten hat«, sagte der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel der dpa am Samstag. Opel dementierte dies umgehend: »Das war nicht ein einziges Mal Gegenstand der Verhandlungen in Rüsselsheim«, ließ Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke über einen Sprecher mitteilen. Zuvor berichtete die »Wirtschaftswoche« unter Berufung auf Einenkel über Hinweise auf Vorbereitungen für eine Produktionsverlagerung des »Zafira«.
Vom Vorstand fordert der Bochumer Betriebsrat, »Planspiele« über eine Produktionsverlagerung an kostengünstige Standorte unverzüglich einzustellen. »Man hat an allen Standorten den gleichen Katalog vorgelegt wie in Ellesmere. In Rüsselsheim hat man im Januar angeboten, wenn das akzeptiert wird, könnt ihr den "Zafira" bekommen ab dem Jahr 2015«, erklärte Einenkel weiter. Der Betriebsrat in Rüsselsheim habe dieses Angebot aber abgelehnt. Der Katalog sehe Verzicht auf Lohnerhöhungen und Tarifleistungen, einen verstärken Einsatz von Leiharbeitern und weitere Auslagerungen von Tätigkeiten sowie auch eine »totale Flexibilisierung« der Arbeitszeit vor.
»Wir werden das nicht zulassen, dass wir gegenseitig ausgespielt werden«, betonte der Bochumer Betriebsratschef. Vom Opel-Vorstand forderten die Arbeitnehmervertreter eine Zusage, dass der »Zafira« für die gesamte Laufzeit des Modells im Bochumer Werk bleibt. An der Belegschaftsversammlung wollen nach früheren Angaben neben Stracke als Gäste auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und NRW-Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (beide SPD) teilnehmen.
Der »Astra«, das mit Abstand wichtigste Fahrzeug von Opel, soll von 2015 an nur noch im britischen Ellesmere Port und in Gliwice (Polen) gefertigt werden. Sollte Bochum im Gegenzug die Produktion des Familienautos »Zafira« an das Stammwerk in Rüsselsheim verlieren, könnte dies nach Befürchtungen von Arbeitnehmervertretern das Aus für das Ruhrgebiets-Werk mit seinen rund 3200 Arbeitsplätzen bedeuten. In Rüsselsheim gibt es nach früheren Angaben Gespräche über eine zukünftige Auslastung. Der »Astra«-Fünftürer wird seit dem August des vergangenen Jahres im »Insignia«-Werk Rüsselsheim gefertigt.
»Opel steht zu allen seinen Zusagen, wie zum Standortsicherungs- Vertrag, der bis Ende 2014 keine Werksschließungen und keine betriebsbedingten Kündigungen zulässt«, betonte ein Sprecher von Opel am Wochenende. Und das obwohl sich die Rahmenbedingungen deutlich verschlechtert hätten. Er verwies auf einen seit Jahren schrumpfenden Automarkt in Westeuropa und eine daraus resultierten Preiskampf.
Der Betriebsrat des Eisenacher Werks sieht die Umbaupläne von Opel gelassen. »Es gibt einen Vertrag, der die Produktion des Kleinwagens "Corsa" auch nach dem Modellwechsel im Thüringer Werk sichert«, sagte der Eisenacher Betriebsratsvorsitzende Harald Lieske am Samstag der dpa. Zum Modellwechsel in zwei Jahren würde die Produktion im spanischen Saragossa zwar aufgestockt, das Thüringer Werk werde jedoch noch 28 Prozent aller »Corsa« produzieren.

Berlin/München (dpa) - Die Deutsche Bahn fordert von Siemens für die verspätete Auslieferung von 16 ICE-3-Zügen laut »Bild am Sonntag« jetzt 45 bis 50 Millionen Euro Schadenersatz - deutlich mehr als bisher.
Die ersten acht bis zehn Züge will Siemens mit einjähriger Verspätung zum Winterfahrplan im Dezember an die Bahn ausliefern, der Rest soll nächstes Jahr folgen. Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube hatte am Mittwoch gesagt, als Ausgleich für die Verspätung werde über einen zusätzlichen 17. Gratis-ICE für die Bahn verhandelt. Ein solcher Zug kostet aber nur etwa 30 Millionen Euro.
Sprecher der Bahn und von Siemens lehnten am Sonntag eine Stellungnahme zu dem Bericht ab und verwiesen auf die seit längerem laufenden Gespräche. »Bild am Sonntag« berief sich auf Informationen aus Industriekreisen.
Hintergrund der Lieferverzögerungen sind ungeklärte technische Fragen und neue Genehmigungsauflagen. Diese betreffen laut Grube etwa Radsatzdrehgestelle, Klimaanlagen und Bremsen. Damit die ersten ICE am 9. Dezember fahren können, wird für den 23. November die Zulassung des Eisenbahn-Bundesamts angestrebt, die für den Inlandsbetrieb mit zwei zusammengekoppelten Zugteilen nötig ist.
Die Bahn hatte die ICE-3-Züge eigentlich für Einsätze auf internationalen Strecken bestellt, sie sollen aber jetzt zunächst die Winterreserve im Inland verstärken. Wann die ICE dann wie geplant auch in Belgien, Frankreich und nach London fahren können, ist noch offen. Laut Siemens sind alle Züge gebaut, aber das Zulassungsverfahren für Frankreich beginnt erst nächstes Jahr.

Paris (dpa) - Der HSC Montpellier ist zum ersten Mal in der 93-jährigen Clubgeschichte französischer Fußball-Meister geworden.
Die Südfranzosen gewannen am letzten Spieltag der Ligue 1 in einer tumultreichen Begegnung beim Absteiger AJ Auxerre mit 2:1 (1:1), verteidigten den Drei-Punkte-Vorsprung auf Verfolger Paris Saint-Germain und traten die Nachfolge des OSC Lille an. Die Hauptstädter setzten sich beim FC Lorient mit 2:1 (0:1) durch, zogen aber mit 79 Punkten aus 38 Runden gegen Montpellier (82 Punkte) den Kürzeren. Neben Paris qualifizierte sich auch Vorjahresmeister OSC Lille als Tabellendritter für die nächste Champions League.
Das Spiel im Stadion l'Abbé-Deschamps von Auxerre musste in der 79. Minute für fast eine halbe Stunde unterbrochen werden, nachdem Heimzuschauer Leuchtraketen und Böller aufs Feld geworfen hatten. »Chaos total«, klagte das Fachmagazin »France Football« in der Onlineausgabe.
Olivier Kapo hatte die Hausherren in der 20. Minute in Führung gebracht. John Utaka glich in der 32. aus, und der Stürmer aus Nigeria war es auch, der nach der Unterbrechung das Siegtor in der 86. Minute erzielte. Nach dem Schlusspfiff stürmten Hunderte Fans von Montpellier jubelnd aufs Feld und sorgten erneut für Chaos.
Bester Spieler von Montpellier war in dieser Saison der vom FC Bayern München umworbene Mittelstürmer Olivier Giroud. Der 24-Jährige wurde mit 21 Treffern zusammen mit dem Brasilianer Nené von Paris Torschützenkönig.
Der Titelgewinn von Montpellier ist eine große Überraschung, da der Club mit dem vierzehnthöchsten Etat der französischen Liga auskommen musste. Der Hérault Sport Club hatte diese Saison nur 33 Millionen Euro zur Verfügung - gerade mal ein Fünftel des Budgets von Rivale Paris, der seit Saisonanfang vom Öl- und Wüstenstaat Katar aus geführt wird.
Beste Platzierung Montpelliers in der Liga war bisher ein 3. Rang in der Saison 1987/88, Titel holte man nur im Pokal (1929, 1990) sowie im Ligapokal (1992). Die »Fahrstuhlmannschaft« war seit den 30er Jahren neunmal aus der ersten Liga abgestiegen und spielt erst seit 2009 wieder ganz oben mit.


Hamburg (dpa) - Als er das letzte Hindernis im Stechparcours überwunden hatte, blickte Nisse Lüneburg ein wenig ungläubig. Auf seinem Wallach Calle Cool gewann der 23-Jährige das 83. deutsche Spring-Derby in Hamburg und damit erstmals das Blaue Band.
»Natürlich habe ich davon geträumt, einmal hier zu gewinnen. Dass es wahr geworden ist, ist einfach unglaublich«, sagte der Reiter, der in Hetlingen in der Nähe von Hamburg lebt. Lüneburg setzte sich vor 25 500 Zuschauern im Stechen des mit 100 000 Euro dotierten Klassikers gegen Torben Köhlbrandt aus Ibbenbüren auf C-Trenton Z durch. Während der 32-jährige Köhlbrandt, der schon im Vorjahr Zweiter geworden war, einen Abwurf hatte, kassierte Lüneburg nur einen Strafpunkt für die Überschreitung der Zeit.
Ein Erfolg ohne Training, wie der Sieger versicherte. »Ich habe mich auf die Erfahrung meines Pferdes verlassen«, meinte Lüneburg, der den 16-jährigen Calle Cool von seinem Nachbarn, dem Mannschafts-Welt- und Europameister Carsten-Otto Nagel (Wedel), übernommen hatte. »Das ist auch sein Erfolg«, meinte Lüneburg.
Er und Köhlbrandt hatten als einzige den 1230 Meter langen und seit 1920 beinahe unveränderten Parcours ohne Abwurf bewältigt. Dritte wurde Judith Emmers aus Marl mit Papillon (4/156,86) vor dem erst 19-jährigen Friso Bormann (Harsum) auf A Crazy Spirit (4/160,77). Der dreimalige Gewinner Andre Thieme blieb mit Nacorde nur Platz fünf. Der 17 Jahre alte Hengst hatte dennoch seinen großen Auftritt. Er wurde nach der Prüfung offiziell aus dem Sport verabschiedet. »Einen Nachfolger für Nacorde zu finden wird sehr, sehr schwer«, meinte der Reiter aus Plau am See.

München (dpa) - In der Kabine tanzten sie um Mitternacht auf dem Tisch, im Luxushotel gegenüber dem Münchner Hofbräuhaus feierten Didier Drogba & Co den Champions-League-Triumph des FC Chelsea bis in die Morgenstunden.
»Ich denke, dass wir ein großartiger Champion sind. Wir haben es verdient«, betonte Matchwinner Drogba nach dem 4:3-Erfolg im Elfmeterschießen gegen den FC Bayern München. Der 34 Jahre alte Ivorer wurde mit Lob überschüttet. »Ein Bravo dem unglaublichen Didier Drogba«, twitterte sogar FIFA-Präsident Joseph Blatter.
Der Verein bestätigte, dass in dieser Woche Gespräche um einen möglicherweise neuen Vertrag geführt werden sollen. »Wir müssen machen, was das beste für Chelsea ist und Didier muss machen, was für ihn das Beste ist«, wurde der Vorstandsvorsitzende Bruce Buck in britischen Medien zitiert. Knackpunkt soll die Laufzeit sein: Drogba will einen Zweijahresvertrag, Chelsea bot bislang dem Vernehmen nach nur eine 12-Monatsfrist.
Mit seinem Ausgleichstreffer durch einen brachialen Kopfball zwei Minuten vor Schluss und dem entscheidenden Elfmeter stärkte »Held« (Mitspieler Frank Lampard) Drogba nicht nur seine Verhandlungsposition. Er machte gleich mehrere Märchen wahr. Drogba besiegte sein Finaltrauma, der FC Chelsea feierte angeführt von der alten Garde den größten Erfolg in der 107-jährigen Vereinsgeschichte, und Trainer Roberto di Matteo wurde binnen gut zwei Monaten vom Gehilfen zum Gekrönten.
Der Interimscoach formte eine Einheit aus dem gealterten Starensemble des FC Chelsea, aus dem viele schon beim ebenfalls dramatischen Elfmeter-Finale vor vier Jahren gegen Manchester United dabei gewesen waren. Damals verlor Chelsea. Diesmal nutzten die Londoner auch im Finale ihre Möglichkeiten optimal. Nach dem FC Barcelona zermürbten sie auch den FC Bayern mit ihrer Defensivtaktik.
»Der Fußball und das Leben sind manchmal unvorhersehbar und verrückt«, sagte di Matteo, der erst am 4. März nach dem Rauswurf von André Villas-Boas vom Assistenz- zum Interimstrainer aufgestiegen war. Vor drei Monaten hätte das niemand vorhergesagt.
Er stärkte die alten Haudegen um Drogba, Kapitän John Terry, Frank Lampard und Ashley Cole. Der Plan ging auf, Chelsea wurde FA-Cupsieger und nun in München auch erstmals Gewinner der europäischen Königsklasse. Nicht schön, aber unglaublich effizient. »Man muss das Beste aus seinen Möglichkeiten machen«, betonte di Matteo. Ein Fernseh-Interview brach er entgeistert und abrupt ab, als er auf den unschönen Stil seiner Mannschaft angesprochen wurde.
Von schrecklich bis unansehnlich reichten die Attribute für Chelseas defensives Spielsystem. »Ein Team mit einem ranzigen Parfüm und einer 20 Jahre alten Spielart hat es so weit gebracht«, befand das spanische Sportblatt »As«. Dennoch solle man die Teams aufgrund ihrer Kapazität beurteilen, ihr Potenzial maximal auszunutzen. »Dieser Stil ist nicht in Mode, ist jedoch genau so zweckmäßig wie der Minimalismus der 90er Jahre.«
Chelsea war da, wenn es drauf ankam. Die späte Führung durch Thomas Müller (83.) glich Drogba (88.) aus. In der Verlängerung wehrte Torwart Petr Cech den schwachen Foulelfmeter von Arjen Robben ab. Und im Elfmeterschießen ließen sich die »Blues« selbst vom verschossenen Auftakt-Elfer Juan Matas nicht aus der Fassung bringen.
Als Drogba dann den alles entscheidenden Elfmeter cool reinmachte, war auch für Clubbesitzer Roman Abramowitsch eine lange Wartezeit vorbei. Nach Ausgaben von über einer Milliarde Euro seit 2003 machte sich das Engagement des Russen an der Stamford Bridge endlich bezahlt. »Der Besitzer hat an uns geglaubt, Hut ab vor ihm und den Spielern«, betonte Terry, der wegen einer Roten Karte in München nicht spielen, die Trophäe aber in Empfang nehmen durfte.
In die bisherigen Trainer hatte Abramowitsch nicht immer soviel Vertrauen: Di Matteo ist der achte Coach seit der Übernahme durch den Oligarchen. Ob zur neuen Spielzeit Nummer neun folgt, ist nach wie vor offen. Abramowitsch äußerte sich auch am Rande des Finales nicht, stattdessen schlenderte er am Sonntagmorgen leger mit T-Shirt und Chelsea-blau umrandeter Sonnenbrille noch kurz durch die Münchner City.
Die Mannschaft brach gegen Mittag mit Geleitschutz auf zum Flughafen, von dort ging es weiter nach London zur großen Parade in den Straßen der englischen Hauptstadt. Dort feierten zehntausende Fans die Finalhelden, die in einem eigens hergerichteten Cabrio-Bus durch die Metropole gefahren wurden. Da war manch einem Teil eins der Party schon anzumerken. »Wir hatten eine lange Nacht«, gab Cech noch in München zu. Gerade er hatte aber auch allen Grund zum Feiern: Der Elfmeter-Killer wurde 30 Jahre alt. »Ich habe vor dem Spiel gesagt, dass ich keinen Kuchen haben will, wenn wir gewinnen«, sagte er. Die Trophäe sei das beste Geschenk.


Baku (dpa) - Roter Teppich für Roman Lob: »Unser Star für Baku« hat die ersten Proben beim Eurovision Song Contest (ESC) in der sonnigen aserbaidschanischen Hauptstadt hinter sich.
Der gelernte Industriemechaniker ist begeistert vom Glamour der Stadt am Kaspischen Meer, die Besucher gern als eine Mischung aus Paris und Dubai loben. Die Proteste der Opposition gegen die autoritäre Führung in Baku sind für ihn wie für alle anderen ESC-Teilnehmer aber weit weg. Der 21-jährige Sänger aus Neustadt (Wied) in Rheinland-Pfalz lief bei der ESC-Eröffnungszeremonie am Samstag im Euroclub über einen roten Teppich vorbei an jubelnden Fans. Wie sich Roman Lob beim Finale am 26. Mai unter den 26 Anwärtern schlägt, wird sich zeigen. Er selbst nennt als Ziel die ersten Zehn. Da sehen ihn auch die Experten.
Doch die Konkurrenz in diesem Jahr etwa aus Russland, Schweden und Norwegen gilt als extrem stark - traditionell mit einem musikalischen Mix aus härterem und weicherem Rock, Balladen, Discosound und Folklore-Pop. Allein ums Singen und um die Stimme ging es aber bei dieser Musikolympiade noch nie. Grand Prix ist vor allem auch Showtime.
Bei der Eröffnungsparty rissen vor dem ersten Halbfinale an diesem Dienstag (22. Mai) auch die österreichische Combo Trackshittaz mit der Gaudinummer »Woki mit deim Popo« das Publikum mit. Bei einem stimmgewaltigen Auftritt überzeugte Rona Nishliu mit ihrer Ballade »Suus« für Albanien. In der von Deutschen gebauten neuen überdachten Arena Crystal Hall direkt am Meeresufer haben inzwischen alle 42 Kandidaten ihre ersten Proben gemeistert.
Auch Engelbert Humperdinck, der international mit Abstand bekannteste ESC-Teilnehmer, studierte seine Ballade »Love Will Set You Free« auf der Riesenbühne ein. Mit seinen 76 Jahren ist Humperdinck nicht der einzige Grand-Prix-Star im Seniorenalter.
Für deutlich mehr Aufsehen sorgen sechs russische Omas aus dem Wolga-Dorf Buranowo. Die Buranowskije Babuschki zwischen 43 bis 76 Jahren sagen zwar, dass ihnen der Sieg nicht wichtig sei. Dabei sein ist für sie alles. Aber die schrille Ethno-Pop-Nummer »Party for Everybody« wird von vielen hoch gehandelt. Auf dem Roten Teppich zeigten sich die Omis trotz sommerlicher Temperaturen mit dicken leuchtenden Trachtenkostümen und Kopftüchern der Region Udmurtien.
Die politische Prominenz verzichtete auf einen Bühnenauftritt bei der Eröffnungszeremonie. Wegen der internationalen Aufmerksamkeit zum ESC hatten die Opposition sowie westliche Politiker der autoritären Führung schwere Menschenrechtsverstöße vorgeworfen. Der Deutsche Ingo Petz von der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) sagte in Baku, dass aserbaidschanische Journalisten weiter Gewalt ausgesetzt seien und in einem Klima der Angst und Selbstzensur arbeiten müssen.
»Es ist richtig, dass diejenigen, die sich für Meinungsfreiheit und Demokratie in Aserbaidschan einsetzen, den ESC als Bühne nutzen, um auf Missstände hinweisen«, sagte Petz. Abseits der Partystimmung beim ESC besuchten zuletzt mehrere deutsche Politiker Baku. Das öl- und gasreiche Aserbaidschan leiste sich zwar eine glänzende Innenstadt mit Fußgängertunnels aus Marmor, doch komme von dem Reichtum bei den Menschen kaum etwas an, sagte der Bundestagsabgeordnete Heinrich Frank (CDU).
»Dabei gehören diese Rohstoffe allen im Land als körperschaftliches Eigentum«, betonte der Politiker. Frank hatte vor seiner Abreise am Samstag auch einige Regierungskritiker in einem Außenbezirk Bakus besucht, die dort aus Protest gegen die Inhaftierung von Oppositionellen seit Tagen im Hungerstreik sind. Der Westen hatte vor dem ESC immer die Freilassung der politischen Gefangenen gefordert. Zwölf von ihnen sitzen aber weiter. Der ESC und die Zeit danach würden zeigen, sagte Frank, ob es die autokratische Führung ernst meint mit ihrer Orientierung nach Westen.

Baku (dpa) - Roter Teppich für Roman Lob: »Unser Star für Baku« hat die ersten Proben beim Eurovision Song Contest (ESC) in der sonnigen aserbaidschanischen Hauptstadt hinter sich.
Der gelernte Industriemechaniker ist begeistert vom Glamour der Stadt am Kaspischen Meer, die Besucher gern als eine Mischung aus Paris und Dubai loben. Die Proteste der Opposition gegen die autoritäre Führung in Baku sind für ihn wie für alle anderen ESC-Teilnehmer aber weit weg. Der 21-jährige Sänger aus Neustadt (Wied) in Rheinland-Pfalz lief bei der ESC-Eröffnungszeremonie am Samstag im Euroclub über einen roten Teppich vorbei an jubelnden Fans. Wie sich Roman Lob beim Finale am 26. Mai unter den 26 Anwärtern schlägt, wird sich zeigen. Er selbst nennt als Ziel die ersten Zehn. Da sehen ihn auch die Experten.
Doch die Konkurrenz in diesem Jahr etwa aus Russland, Schweden und Norwegen gilt als extrem stark - traditionell mit einem musikalischen Mix aus härterem und weicherem Rock, Balladen, Discosound und Folklore-Pop. Allein ums Singen und um die Stimme ging es aber bei dieser Musikolympiade noch nie. Grand Prix ist vor allem auch Showtime.
Bei der Eröffnungsparty rissen vor dem ersten Halbfinale an diesem Dienstag (22. Mai) auch die österreichische Combo Trackshittaz mit der Gaudinummer »Woki mit deim Popo« das Publikum mit. Bei einem stimmgewaltigen Auftritt überzeugte Rona Nishliu mit ihrer Ballade »Suus« für Albanien. In der von Deutschen gebauten neuen überdachten Arena Crystal Hall direkt am Meeresufer haben inzwischen alle 42 Kandidaten ihre ersten Proben gemeistert.
Auch Engelbert Humperdinck, der international mit Abstand bekannteste ESC-Teilnehmer, studierte seine Ballade »Love Will Set You Free« auf der Riesenbühne ein. Mit seinen 76 Jahren ist Humperdinck nicht der einzige Grand-Prix-Star im Seniorenalter.
Für deutlich mehr Aufsehen sorgen sechs russische Omas aus dem Wolga-Dorf Buranowo. Die Buranowskije Babuschki zwischen 43 bis 76 Jahren sagen zwar, dass ihnen der Sieg nicht wichtig sei. Dabei sein ist für sie alles. Aber die schrille Ethno-Pop-Nummer »Party for Everybody« wird von vielen hoch gehandelt. Auf dem Roten Teppich zeigten sich die Omis trotz sommerlicher Temperaturen mit dicken leuchtenden Trachtenkostümen und Kopftüchern der Region Udmurtien.
Die politische Prominenz verzichtete auf einen Bühnenauftritt bei der Eröffnungszeremonie. Wegen der internationalen Aufmerksamkeit zum ESC hatten die Opposition sowie westliche Politiker der autoritären Führung schwere Menschenrechtsverstöße vorgeworfen. Der Deutsche Ingo Petz von der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) sagte in Baku, dass aserbaidschanische Journalisten weiter Gewalt ausgesetzt seien und in einem Klima der Angst und Selbstzensur arbeiten müssen.
»Es ist richtig, dass diejenigen, die sich für Meinungsfreiheit und Demokratie in Aserbaidschan einsetzen, den ESC als Bühne nutzen, um auf Missstände hinweisen«, sagte Petz. Abseits der Partystimmung beim ESC besuchten zuletzt mehrere deutsche Politiker Baku. Das öl- und gasreiche Aserbaidschan leiste sich zwar eine glänzende Innenstadt mit Fußgängertunnels aus Marmor, doch komme von dem Reichtum bei den Menschen kaum etwas an, sagte der Bundestagsabgeordnete Heinrich Frank (CDU).
»Dabei gehören diese Rohstoffe allen im Land als körperschaftliches Eigentum«, betonte der Politiker. Frank hatte vor seiner Abreise am Samstag auch einige Regierungskritiker in einem Außenbezirk Bakus besucht, die dort aus Protest gegen die Inhaftierung von Oppositionellen seit Tagen im Hungerstreik sind. Der Westen hatte vor dem ESC immer die Freilassung der politischen Gefangenen gefordert. Zwölf von ihnen sitzen aber weiter. Der ESC und die Zeit danach würden zeigen, sagte Frank, ob es die autokratische Führung ernst meint mit ihrer Orientierung nach Westen.

Berlin (dpa) - Provozierend und polarisierend - so präsentierte sich das 49. Berliner Theatertreffen. Selten überschritten die gezeigten Inszenierungen so viele Grenzen - mitunter auch die des guten Geschmacks.
Und selten war auch die Meinung des Publikums über die von einer Jury aus Theaterkritikern ausgewählten zehn »bemerkenswertesten« Regiearbeiten der Saison so gespalten.
An diesem Montag geht das knapp dreiwöchige Festival zu Ende. Bereits am Sonntag wurde der mit 5000 Euro dotierte Alfred-Kerr-Darstellerpreis an das beste Nachwuchstalent verliehen. Jurorin war die Schauspielerin Nina Hoss. Sie entschied sich für den Schauspieler Fabian Hinrichs, der in René Polleschs Stück »Kill your Darlings! Streets of Berladelphia« (Volksbühne Berlin) eine furiose Solo-Rolle spielt.
»Ein Mensch mit Haltung, einem Selbstverständnis, der sich ganz meiner Einordnung entzieht und von dem man immer mehr auf der Bühne sehen will, weil er einen "entdecken" lässt«, begründete Hoss ihre Entscheidung. »Er spielt mit dem Publikum mit einer bemerkenswerten Leichtigkeit und Selbstsicherheit und bleibt dabei gänzlich uneitel.« Wegen Stimmproblemen konnte Hinrichs beim Theatertreffen allerdings nur einmal auftreten.
Den Schocker des Festivals hatte es gleich zu Beginn gegeben. Mehr als zwölf Stunden dauerte die Ibsen-Performance »John Gabriel Borkman« des deutsch-norwegischen Theaterkollektivs Vegard Vinge, Ida Müller und Trond Reinholdtsen - Gewaltexzesse und eklige Fäkal-Spielereien inklusive. Ein Spektakel aus der eigentlich längst zugeklappten Mottenkiste der 70er-Jahre-Provokations-Performance-Kunst.
Auf andere Art sprengten zwei Stücke freier Gruppen den Rahmen traditioneller Theateraufführungen. In »Before Your Very Eyes« ließ die deutsch-britische Performance-Truppe Gob Squad ausschließlich »echte lebende Kinder« auftreten. Im Zeitraffer von einer Stunde und zehn Minuten sah der Zuschauer sieben Kindern zu, wie sie in einem Glascontainer Erwachsenwerden spielen - angeleitet von einer Stimme aus dem Off.
Weg vom Privaten hin zum Politischen ging es mit »Hate Radio« von Milo Rau. Der Schweizer Regisseur setzte das Publikum ebenfalls vor einen verglasten Container, der dieses Mal ein Radiostudio darstellte. Nur über an das Publikum verteilte Kopfhörer konnte die dort produzierte Propaganda-Sendung ruandischer Hutu mitverfolgt werden.
Der Sender RTLM hatte sich im Jahr 1994 zum Sprachrohr und Einpeitscher fanatisierter Hutus gemacht, die rund eine Million Tutsi ermordeten. Aus Mitschnitten spielten ruandische Schauspieler eine der Sendungen nach. In Videoaufnahmen erzählten Zeitzeugen von den Grausamkeiten. Ein erschütternder Abend.
Großes Schauspieler-Theater bot Alvis Hermanis' knapp fünfstündige Version von Tschechows »Platonov«. Martin Wuttke in der Titelrolle sowie seine Mitspieler Johanna Wokalek, Dörte Lyssewski und Peter Simonischek zeichneten facettenreiche Charaktere - das Publikum feierte die Aufführung mit begeistertem Applaus.
Das 49. Theatertreffen war auch ein Festival der Längen. Dem »Borkman«-Rekord von zwölf Stunden dicht auf den Fersen war Nicolas Stemann, der Goethes »Faust I + II« in achteinhalb Stunden zeigte. Sechs Schauspieler teilten sich alle Rollen. Heraus kam trotz reichlich Chaos ein ungewöhnlich luzider Blick auf das Mammutwerk.
Stemann erhielt dafür den mit 10 000 Euro dotierten 3sat-Preis. »Seine Inszenierung ist selber ein Faustisches Ereignis, ein Grübeln und Ergründen, was dieses Drama im Innersten zusammenhält, was es bereithält - für uns heute«, urteilte die Jury. »Gedankenscharf und gedankenklar eröffnet die Inszenierung ungeahnte Perspektiven auf Goethes Text. Eine spielerische und intellektuelle Freude!«
Egal ob Performance-Spektakel oder hohe Schauspielkunst - die rund 20 000 Theatertreffen-Tickets waren auch in diesem Jahr wieder heiß begehrt. Vor den Festivaltheatern waren bei fast jeder Aufführung hoffnungsvolle Menschen mit »Suche Karte«-Schildern in der Hand zu sehen.

Heidelberg (dpa/tmn) - Küchenkräuter können Desserts eine besondere Note geben. Martin Scharff von den Restaurants auf dem Schloss Heidelberg empfiehlt zum Beispiel Ananas- oder Honigmelonensalbei wegen des tollen Duftes.
Eine Crème pâtissière, eine Art edler Vanillepudding, etwa lasse sich mit einzelnen Blättern dieser Salbeiarten hübsch dekorieren. »Lutschen Sie die Blätter wie ein Bonbon, dann entfalten sie am meisten Aroma«, rät der Sternekoch. Gekaut bleibe davon leider nur wenig erhalten. Außerdem seien die Bitterstoffe zu stark, wenn man direkt mit dem Kauen anfange.
Ähnlich verhalte es sich mit Marzipan-Gewürzsalbei. Der sei »von der Nase her am interessantesten«. Wegen seiner schönen blau-roten Blüten sehe er zudem besonders dekorativ auf einer Nachspeise aus, sagt Scharff. Aber er bedauert: »Leider essen unsere Gäste selten die Blüten und Blätter.«
Aus dem Norden Deutschlands stammt dieser Eintopf. Fernsehkoch Nelson Müller hat ihn als Kind bei seiner Oma gegessen. Das war so lecker, dass er das Rezept zum Nachkochen weiterempfiehlt.
Kategorie: Eintopf
Zutaten für 4 Personen:
Für den Eintopf:
1/2 Zwiebel
1 Möhre
100 g Knollensellerie
1 Petersilienwurzel
200 g festkochende Kartoffeln
1/2 Stange Lauch
8 Wirsingblätter
300 g durchwachsener
geräucherter Schweinebauch
4 EL Rapsöl (oder Schweineschmalz)
1 l Hühner- oder Rinderbrühe
100 ml Weißwein
4 Mettwürstchen
Salz
Pfeffer aus der Mühle
Einige Petersilienblätter zum Garnieren
Für die Klößchen:
2 Eier
300 g Mehl
100 ml Milch
Salz
Pfeffer aus der Mühle
frisch geriebene Muskatnuss
Zubereitung:
Für den Eintopf die Zwiebel schälen und in Streifen schneiden. Die Möhre, den Sellerie und die Petersilienwurzel putzen und schälen, die Kartoffeln schälen und waschen. Alles in Scheiben bzw. haselnussgroße Würfel schneiden. Den Lauch putzen, waschen und den weißen Teil in etwa 1 cm dicke Scheiben schneiden. Die Wirsingblätter waschen, die harte Mittelrippe entfernen und den Rest in etwa 1/2 cm breite Streifen schneiden.
Den Schweinebauch quer in dünne Streifen schneiden. Das Öl in einem Topf erhitzen und den Speck darin anbraten. Die Zwiebel hinzufügen und kurz mitbraten. Mit der Brühe und dem Weißwein ablöschen und zugedeckt etwa 10 Minuten kochen lassen.
Währenddessen für die Klößchen alle Zutaten zu einem glatten Teig verrühren bis er Blasen wirft.
Nun die Möhre, den Sellerie, die Petersilienwurzel, die Kartoffeln, den Lauch sowie die Wirsingstreifen zur Brühe hinzufügen und weitere 10 Minuten köcheln lassen. Die Mettwurst nach Belieben in Scheiben schneiden und 5 Minuten vor Ende der Garzeit in der Suppe erwärmen. Abschließend mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Während die Suppe kocht, vom Klößchenteig mit zwei Esslöffeln kleine Portionen abnehmen und in kochendem Salzwasser etwa 4 Minuten garen.
Den Dithmarscher Eintopf in vorgewärmten Schalen oder Tellern zusammen mit den Klößchen anrichten. Mit den gewaschenen Petersilienblättern garnieren.
Literatur:
Nelson Müller: Meine Rezepte für Body und Soul, 160 Seiten, Verlag Zabert Sandmann, 2011, 19,95 Euro, ISBN-13: 978-3-89883-300-4

Oldenburg (dpa/tmn) - Es ist angerichtet - zum Grillen darf das Fleisch ruhig ein wenig fettiger sein. Ist es zu mager, wird das Grillgut auf dem Feuer leicht trocken. Hier gibt's Tipps für Grillfans.
Zum Grillen eignen sich am besten mit feinen Fettadern durchzogene Fleischstücke. Das Fett schütze vor dem Austrocknen und sei außerdem Geschmacksträger, erläutert die Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Wen ein Fettrand am gegrillten Fleisch aus Kaloriengründen stört, der schneidet es auf dem Teller einfach ab. Zum Grillen empfiehlt sich vor allem Hüft-, Rumpf- und Lendensteak vom Rind, Schnitzel, Nacken und Filet vom Schwein und Geflügel im Ganzen oder Teilstücke davon.
Fleisch am Knochen sei besonders aromatisch, daher bieten sich auch Rippchen oder Koteletts von Schwein oder Lamm an. Außerdem schütze der Knochen vor dem Austrocknen, so die Kammer. Kalb- und Wildfleisch ist recht mager, trocknet daher schnell aus und kommt deshalb besser nicht auf den Grill.

Kassel (dpa/tmn) - Den Unterschied merkt man erst beim Reinbeißen: Wenn das Fleisch schlachtwarm verarbeitet wird, müssen weniger Zusatzstoffe in die Wurst. Dabei muss sich der Fleischer aber beeilen.
Die Scheibe sieht fast aus wie konventionelle Jagdwurst. Auch der Fleischkäse unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von handelsüblicher Ware. Doch spätestens beim Reinbeißen merken Verbraucher, dass die Fleisch- und Wurstwaren von Dieter Rohde aus Kassel weicher und zarter sind als andere. Das liegt an der Herstellungsweise: Rohde ist Mitglied der Genießervereinigung Slow Food und verarbeitet wie nur wenige andere Produzenten in Deutschland das Fleisch noch schlachtwarm. Dadurch kann er auf bestimmte Zusatzstoffe verzichten, die sonst nötig sind, damit die fertige Wurst fest wird.
Schon während der Schlachtung und amtstierärztlichen Fleischbeschau verlädt er die Ware und bringt sie vom Schlachthof in seinen zehn Minuten Fahrt entfernten Betrieb. Dort muss schnell gearbeitet werden. Denn nur kurz sei im Fleisch noch Adenosin-Tri-Phosphat (ATP) vorhanden, erklärt er. »Im lebenden Organismus ist es an jeder Muskelbewegung beteiligt. Beim zusammengezogenen Muskel sorgt das ATP dafür, dass er wieder erschlafft.« Es trenne die Eiweiße wieder voneinander, die den Muskel zusammenziehen.
Diesen Effekt machen sich Metzger zunutze, die Fleisch warm verarbeiten: Solange im toten Muskelgewebe noch ATP vorhanden ist, bleiben Rohde zufolge die Eiweiße unverbunden, und dazwischen kann sich viel körpereigenes Wasser im zerkleinerten Fleisch anlagern. »Es entsteht eine gelartige Masse, in die sich wiederum Fett sehr gut und gleichmäßig einlagern kann. Und dieses Fett bindet die fleischeigenen Aromastoffe«, erklärt der Fleischer. »Die Wurstmasse wird auf natürliche Weise aromatisch.« Nur natürliche Gewürze und Pökelsalz kämen dann noch hinzu.
Um das ATP zu nutzen, bleiben bei einem Schwein zwei bis drei, bei einem Rind vier bis sechs Stunden, bei Geflügel nur 30 Minuten Zeit. Danach sind die Stoffwechselprozesse abgeschlossen, das Fleisch wird kalt und starr. Die Eiweiße sind längst verbunden und halten nur wenig Wasser, Fett und Aromen. Daher setzt die Industrie der Wurstmasse künstliche Bindemittel wie Phosphate oder Citrate zu. Aromen und Geschmacksverstärker sind ebenfalls gängige Zusätze. Die Konsistenz solcher Wurst ist in der Regel fester.
Der Aufwand, den Warmfleisch verarbeitende Betriebe betreiben, macht sich aber nicht nur an Konsistenz und Aroma bemerkbar. Auch der Preis ist höher: Er liegt Rohde zufolge um 18 bis 20 Prozent über dem Normalpreis. Das hängt darüber hinaus damit zusammen, dass er ausschließlich Biofleisch verwendet. »Sie sprechen damit nicht die Masse an«, sagt er.

Berlin (dpa/tmn) - Rund eine halbe Milliarde Nutzer wählen sich jeden Tag bei Facebook ein. Aber oft ist es nicht der übliche Austausch mit Freunden, der die Mitglieder auf die Plattform zieht, viele reizen eher Spiele.
Social Games heißen die Applikationen, die Begeisterte teilweise stundenlang vor den Monitoren bannen. Der Klassiker ist »Farmville«, bei dem Spieler ihren eigenen Bauernhof aufbauen können. Doch inzwischen gibt es weit mehr Games auf Facebook.
»Die Programme haben nichts mit aufwendigen Action-Spielen zu tun, sondern sind ein einfacherer und entspannter Zeitvertreib«, sagte der Marketingchef des Spieleherstellers King.com, Alex Dale. Genau das mache den Reiz aus.
Der große Renner von King.com ist »Bubble Witch Saga«, bei dem die Spieler Hexen beim Brauen von Zaubertränken helfen. Dazu müssen Kugeln auf einem Spielfeld Schritt für Schritt abgeräumt werden, ähnlich wie in einem 4-Gewinnt-Spiel. »Eigentlich müssen Sie nur lernen, Kugeln mit einem Finger abzuschießen«, sagte Dale. Der Berliner Spiele-Entwickler Wooga lockt Nutzer mit »Diamond Dash«, bei dem es Punkte gibt, wenn man Steine antippt.
Ähnliche Knobelprogramme gibt es auf Facebook haufenweise. Das Prinzip ist meistens ähnlich. Die Aufgaben sind simpel und setzen auch auf Mitglieder, die nicht viel Zeit haben, sich in eine aufwendige Steuerung reinzudenken. Oft werden schon kleine Aufgaben mit Punkten belohnt. Und viele Programme beziehen den sozialen Kontext mit ein, denn die Zocker können sich mit ihren Freunden messen und um neue Punkterekorde konkurrieren.
Facebook hat eine eigene Seite für Spiele eingerichtet. Aus einer großen Liste können sich dort Mitglieder die passende Applikation für ihren Zeitvertreib aussuchen. Vor dem Knobeln wollen die Programme jedoch erst einen Zugriff auf das eigene Facebook-Konto. Und darin liegt eine entscheidende Hürde.
Michaela Zinke vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) mahnt zur Vorsicht: »Schwierig ist, dass viele Daten an Dritte weitergegeben werden.« Name, Geschlecht, Freundesliste, Profilbild und vieles mehr wollten die Spielefirmen einsehen. »Meistens geht es nur ganz oder gar nicht.« Wer die Daten nicht weitergeben will, muss oft ganz auf das Spielen verzichten. Entwarnung gibt es derzeit nicht: »Es gibt kein Spiel, dass ich bedenkenlos empfehlen kann.«
Mountain View (dpa) - Google hat seine Internet-Suche um eine Datenbank mit abgesicherten Fakten, Biografien und Bildern erweitert. Die neue Suchfunktion heißt »Knowledge Graph« und ist eine echte Wissensfundgrube.
Die neue semantische Suchfunktion mit dem Namen »Knowledge Graph« ist in der Lage, Suchbegriffe nach unterschiedlichen Bedeutungen zu gruppieren und inhaltliche Zusammenhänge zu verwandten Themen herzustellen.
Google-Manager Amit Singhal erläuterte die neue Funktion in einem Blog-Eintrag am Beispiel der Suche nach dem Begriff »Taj Mahal«. Der Knowledge Graph erkennt, dass diese beiden Worte zum einen das berühmte Mausoleum im indischen Bundesstaat Uttar beschreiben. Er kennt aber auch den US-amerikanischen Blues-Musiker Taj Mahal und das gleichnamige Casino-Hotel in Atlantic City (USA) als populäre Suchanfragen.
Zu der Sehenswürdigkeit in Indien präsentiert Google nun nicht nur die Kernfakten zu dem Mausoleum (aus Wikipedia) und ein Foto, sondern bietet auch bebilderte Links zu anderen herausragenden Sehenswürdigkeiten wie der Chinesischen Mauer oder dem Delhi Fort an. Anwender, die nicht nach dem Taj Mahal in Indien, sondern nach dem Musiker oder Casino gesucht haben, gelangen mit einem weiteren Klick zu ihren Ergebnissen.
Zum Aufbau des Knowledge Graph hat Google in den vergangenen zwei Jahren eine Sammlung von 500 Millionen Personen, Plätzen und Dingen zusammengestellt, die eindeutig identifiziert und in inhaltliche Zusammenhänge gestellt wurden. So weiß das System, dass Leonardo da Vinci als Maler und Bildhauer der Kunstepoche der Renaissance zuzuordnen ist und zeigt im Knowledge Graph auch bekannte Werke des Universalgelehrten.

Berlin (dpa/tmn) - Durch den Börsengang von Facebook könnte sich für die Nutzer des sozialen Netzwerks in Zukunft einiges ändern. Was das konkret bedeutet, erklärt eine Expertin.
»Die persönlichen Daten der Mitglieder sind die Grundlage für Facebooks Geschäftsmodell«, erklärt Michaela Zinke vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). »Wir rechnen damit, dass diese in Zukunft noch viel intensiver ausgewertet werden.« Für die Nutzer heißt das: Mehr personalisierte Werbung und mehr Apps und Dienste, die gezielt persönliche Informationen abgreifen.
Profile für individuelle Werbung zu erstellen, sei an sich noch nichts Schlechtes, sagt Zinke: »Bei anderen Diensten und Onlineshops ist es ja völlig normal, dass mir zum Beispiel bestimmte Produkte empfohlen werden.« Allerdings kritisiert die Verbraucherschützerin, dass Facebook nicht transparent mache, was mit welchen Daten passiert und wie lang bestimmte Informationen gespeichert werden. Wer Facebook oder anderen Firmen wie Google nicht zu viel über sich preisgeben möchte, sollte daher genau überprüfen, welche Informationen er wo hinterlässt.
Denn persönliche Daten gelangen nicht nur direkt über Facebook in die Datenspeicher des Unternehmens. Bei vielen Webseiten können sich Nutzer zum Beispiel mit ihrem Facebook-Profil einloggen, bei Anbietern wie dem Musikstreamer Spotify ist das sogar Pflicht. »Was höre ich, wo gehe ich hin, mit wem rede ich? Solche Daten sind für Unternehmen wie Facebook besonders wertvoll«, erklärt Zinke. Bei solchen Angeboten sollten Nutzer sich daher - wenn möglich - lieber regulär und nicht über Facebook registrieren. Auch die Suche nach Alternativen ohne Anbindung an soziale Netzwerke kann es anderen erschweren, der eigenen Datenspur im Netz zu folgen.
Hamburg (dpa/tmn) - Neue WLAN-Router schaffen theoretisch Datenraten von bis zu 450 Megabit pro Sekunde (MBit/s) - in der Praxis liegen die Werte aber deutlich niedriger. Ein Test zeigt, was Nutzer sonst noch wissen sollten.
In einem Test der Zeitschrift »Computer Bild« von fünf aktuellen WLAN-Routern schaffte selbst der beste Kandidat unter Idealbedingungen nur 125 Mbit/s. Muss das Signal zum Beispiel durch Wände oder Decken, sinken die Werte noch einmal deutlich.
Für den Kauf eines aktuellen, schnellen WLAN-Routers müssen Kunden etwa 130 bis 170 Euro einplanen. Neben der Geschwindigkeit sollten aber auch andere Features eine Rolle spielen, schreibt die Zeitschrift: Wichtig ist zum Beispiel, dass das Gerät neben der üblichen Frequenz von 2,4 Gigahertz zusätzlich auf 5 Gigahertz funkt. Hierbei läuft der drahtlose Datenverkehr in der Regel störungsfreier ab. Für den Aufbau eines Heimnetzwerks sollte ein Router unbedingt den Standard DLNA unterstützen. Eine Kindersicherungsfunktion kann dabei helfen, die Surfzeiten des Nachwuchses zu begrenzen.
Nur die wenigsten Router haben dagegen heute Telefonanschlüsse und ein DSL-Modem an Bord. Stattdessen sollten Nutzer das Modem ihres Providers weiterbenutzen und den neuen Router daran anschließen. Hat das alte Modem ein eigenes, schlechteres WLAN, wird es besser abgeschaltet - ansonsten kommen sich die Netzwerke womöglich gegenseitig in die Quere.