Camp David/Chicago (dpa) - Die führenden Industriestaaten (G8) haben sich endgültig von gemeinsamen Konjunkturprogrammen aus Steuer-Milliarden verabschiedet. Das wurde am Samstag nach der ersten Arbeitssitzung beim G8-Gipfel in Camp David bei Washington deutlich.
St. Gallen (dpa) - Mit dem Fernseh-Klassiker »Verstehen Sie Spaß?« eroberte Kurt Felix vor 30 Jahren die Herzen der Zuschauer. Jetzt starb der Fernsehmoderator im Alter von 71 Jahren im schweizerischen St. Gallen, wie sein Sprecher der Nachrichtenagentur dpa am Samstag sagte. Er erlag demnach schon am Mittwoch seiner langjährigen Krebserkrankung und wurde am Samstag in St. Gallen beigesetzt.
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Frankfurt/Main (dpa) - Zum Höhepunkt der »Blockupy«-Proteste in der Finanzmetropole Frankfurt haben am Samstag mehr als 20 000 Menschen gegen Sparpolitik und Bankenmacht protestiert.
Die von einem Großaufgebot der Polizei begleitete Demonstration war die einzige erlaubte Veranstaltung seit Beginn der Proteste drei Tage zuvor. Sie endete mit einer Kundgebung in Sichtweite der abgeriegelten Europäischen Zentralbank (EZB).
Die Polizei gab die Zahl der Teilnehmer mit 20 000 an, »Blockupy«-Sprecher Werner Rätz sprach von 25 000 Teilnehmern. »Dass trotz der Verbotsorgie im Vorfeld so viele zum Demonstrieren nach Frankfurt gekommen sind, ist ein großer Erfolg«, sagte er. Während des Protestzugs kam es der Polizei zufolge zu »kleineren Rangeleien«, Aktivisten zündeten Feuerwerkskörper. Ein Beamter sei von einem Stein, ein anderer von einem Feuerwerkskörper getroffen worden, sagte ein Sprecher der Polizei. »Aber sonst war wirklich alles friedlich.«
Das »Blockupy«-Bündnis aus linksgerichteten Organisationen erklärte, der bunte und gewaltfreie Protest habe die Gefahrenprognose von Stadt und Polizei als absurd entlarvt. Das Verhalten der Beamten während der Demonstration sei »offenkundig auf Provokation« ausgerichtet gewesen. Die Polizei betonte, sie sei mehr als zufrieden mit dem Verlauf - ihr Einsatz habe Gewaltexzesse verhindert. Unter den Demonstranten seien 1000 gewaltbereite Aktivisten gewesen.
Aus Furcht vor Krawallen hatte die Polizei Teile der Innenstadt sowie mehrere U- und S-Bahn-Stationen gesperrt. Insgesamt wurden seit Mittwoch rund 5000 Beamte aus mehreren Bundesländern eingesetzt. Alle anderen Veranstaltungen des »Blockupy«-Bündnisses hatte die Stadt verboten und dabei auch vor den Gerichten Recht bekommen. Am Samstag kontrollierte die Polizei bei der Anreise hunderte Demonstranten in Zügen und auf Autobahnen.
SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles kritisierte das Verbot fast aller Proteste. »Das lässt die Befürchtung zu, dass hier das Recht auf Versammlungsfreiheit nicht sehr ernst genommen wird«, sagte Nahles einer Mitteilung zufolge. Es sei richtig, in Frankfurt gegen die Übermacht der Banken zu demonstrieren.
Die Bundesgeschäftsführerin der Grünen, Steffi Lemke, bezeichnete die Einschränkung der friedlichen Proteste als überzogen. Die Demonstrationsfreiheit sei eines der höchsten Güter der Demokratie, sagte Lemke einer Mitteilung zufolge. Der Bundesvorsitzende der Linkspartei, Klaus Ernst, kündigte in einer Mitteilung an, die Linke werde für ein parlamentarisches und juristisches Nachspiel sorgen. Der hessische Innenminister Boris Rhein (CDU) hatte das massive Polizeiaufgebot bereits am Freitag als notwendig verteidigt. Ein »Blockupy«-Sprecher entgegnete nach der Demonstration, Rhein habe verloren - »wir haben gewonnen«. Trotz Demonstrationsverbots hatten die Aktivisten seit Mittwoch immer wieder protestiert und Straßen blockiert. Nach Angaben der Polizei verliefen die Aktionen überwiegend friedlich. 600 Aktivisten waren aber zeitweise in Gewahrsam, weil sie das Verbot missachtet hatten.
Die Angst vor Krawallen gründete in Frankfurt vor allem darauf, dass eine Demonstration von Kapitalismuskritikern Ende März äußerst gewalttätig verlaufen war. Daraus seien die richtigen Schlüsse für den neuen Einsatz gezogen worden, betonte ein Sprecher der Polizei.

Beirut (dpa) - Bei einem Selbstmordanschlag auf ein Gebäude des syrischen Geheimdienstes und ein Militärkrankenhaus sind in Deir al-Saur im Osten des Landes mindestens neun Menschen getötet worden.
Rund 100 weitere seien bei der Explosion eines mit 1000 Kilogramm Sprengstoff beladenen Autos verletzt worden, berichtete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana am Samstag.
Wer hinter dem Anschlag steckt, war zunächst unklar. Die Regierung in Damaskus machte Terroristen verantwortlich. Nach Darstellung von Aktivisten der Untergrund-Opposition soll das Regime die Anschläge planen und ausführen. Die Aktivisten geben an, das Gelände um das Hauptquartier des Geheimdienstes sei seit vier Monaten von Militärposten abgeriegelt und nicht für die Öffentlichkeit zugänglich gewesen.
Die Explosion sei so gewaltig gewesen, dass die Druckwelle Fenster und Türen aus umliegenden Gebäuden gerissen und einen fünf Meter tiefen Krater auf der Straße hinterlassen habe, schrieb die Agentur Sana.
Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, in den Gebäuden am Explosionsort seien Zentralen der Geheimdienste, der Luftwaffe und des Heeres sowie ein Lazarett untergebracht.
Der Anschlagsort sei erst kürzlich von UN-Beobachtern besichtigt worden, die die am 12. April verkündete Waffenruhe überwachen sollen. Erst am Freitag soll ein schwerer Selbstmordanschlag in dem Gebiet vereitelt worden sein.
Der zur Freien Syrischen Armee übergelaufene frühere syrische Offizier Abu Mustafa al-Schami bestreitet die Existenz von Al-Kaida-Kämpfer in den Rängen des Widerstands. »Ich kann Ihnen versichern, dass diese Anschläge vom Sicherheitsapparat des Regimes geplant und ausgeführt werden«, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.
Gebäude der Geheimdienste waren schon mehrfach Ziel blutiger Anschläge in Syrien. Die Regierung macht dafür regelmäßig die Opposition und Al-Kaida verantwortlich; die Opposition unterstellt dem Regime, die Attentate selbst zu inszenieren.
Auch am Samstag kam es wieder zu Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Oppositionellen. In Sarmada in der Region Idlib wurden nach Angaben der Opposition mehrere Militärfahrzeuge zerstört. In der Rebellenhochburg Homs sei die Stadt Al-Rastan den fünften Tag in Folge von den Streitkräften beschossen worden.
Der Militärberater des UN-Generalsekretärs Ban Ki Moon traf am Samstag zu einem dreitägigen Besuch in Damaskus ein. Generalleutnant Babacar Gaye werde Gespräche mit der UN-Beobachtermission führen, erklärte ein UN-Sprecher. Auch der UN-Sondergesandte Kofi Annan, der die von Anfang an brüchige Waffenruhe vermittelt hatte, wird demnächst in Syrien erwartet.
Seit Beginn der Unruhen im März 2011 kamen nach Schätzungen der UN 10 000 Menschen in Syrien ums Leben. Die syrische Opposition spricht von mehr als 12 000 Toten.

Athen (dpa) - Nach der Entrüstung über Kanzlerin Merkel in Griechenland hüllt sich das Kanzleramt in Schweigen. Hat Merkel den Griechen ein Referendum über den Verbleib im Euroland nahegelegt? Rede steht gegen Widerrede.
Interims-Ministerpräsident Panagiotis Pikrammenos erklärte die Debatte über den angeblichen Vorschlag der Kanzlerin, die Griechen über den Verbleib im Euro-Raum abstimmen zu lassen, kurzerhand für beendet.
Das griechische Parlament wurde am Samstag wie erwartet aufgelöst, um den Weg für Neuwahlen am 17. Juni freizumachen. Das erst am Donnerstag zusammengetretene Parlament sei das kurzlebigste seit dem Zweiten Weltkrieg in Griechenland, berichteten griechische Medien.
Für Verwirrung und Entrüstung in Athen hatte ein Telefonat gesorgt, das Kanzlerin Merkel am Freitag mit dem griechischen Präsidenten geführt hatte. Die Bundesregierung hat »scharf dementiert«, dass die Kanzlerin darin ein Referendum zum Euroverbleib Griechenlands vorgeschlagen habe. Dies hatte die griechische Regierung erklärt.
Pikrammenos sagte am Samstag, über das Thema sei genug geredet worden. »Die Debatte ist abgeschlossen. Wir schauen jetzt nach vorn zum EU-Gipfel am 23. Mai.« Darüber hinaus hat die Übergangsregierung in Griechenland keine Befugnis, eine Volksabstimmung einzuleiten.
Wie die Nachrichtenagentur dpa am Samstag erfuhr, soll Merkel Papoulias in dem Telefonat gefragt haben, was dieser von einem möglichen Referendum halte, nachdem dies zuvor als Idee unter Euro-Finanzministern aufgekommen sei. Der Präsident habe dies abgelehnt, berichtete auch die »Bild«-Zeitung (Samstag).
Laut »Süddeutscher Zeitung« hatten die Euro-Finanzminister Anfang der Woche in Brüssel »in aller Stille« den griechischen Kollegen Philippos Sachinidis beauftragt, »die Möglichkeit eines Referendums in Athen zur Sprache zu bringen«. Kein Politiker habe die Frage offen ansprechen wollen. Merkel habe sich am Freitag die Zeit genommen, »um sich bei Papoulias über die Lage zu informieren«.
Laut »Spiegel« wurde Sachinidis bei dem Ministertreffen der Ernst der Lage deutlich gemacht. »Wenn wir jetzt eine geheime Abstimmung über den Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone machen würden, dann gäbe es eine überwältigende Mehrheit dagegen«, warnte Eurogruppen- Chef Jean-Claude Juncker dem Magazin zufolge den griechischen Kollegen. Besonders die Krisenstaaten Portugal und Irland kritisierten demnach Athen. Es sei inakzeptabel, dass sie selbst sich große Mühe gäben, die EU-Vorgaben für die Sanierung ihrer Etats zu erfüllen, während Griechenland die Reformzusagen unentwegt breche.
Juncker sagte laut »Spiegel«, die Neuwahl sei Griechenlands »letzte Chance«. Sollte dann keine Regierung zustandekommen, die die Bedingungen von EU, Internationalem Währungsfond und Europäischer Zentralbank erfülle, »dann ist es aus«. Bei der Sitzung habe Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ein Referendum über den Verbleib Griechenlands in der Währungsunion ins Gespräch gebracht, das zeitgleich mit der Neuwahl stattfinden könnte.
In Griechenland verurteilten alle Parteien - angefangen von der Schwesterpartei der CDU, Nea Dimokratia, bis hin zu den Kommunisten - das Ansinnen eines Referendums als Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes. Die konservative Zeitung »Eleftheros Typos« titelte: »Noch nie dagewesene politische Intervention untergräbt das politische Klima.« Die Parteizeitung der Linksradikalen »Avgi« schrieb: »Grobe Erpressung - Nein zum Ultimatum Merkels.« Ein Kommentator des griechischen Radios fragte: »Wer lügt?«
Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel warnte vor »unabsehbaren Folgen auch für Deutschland«, sollte Griechenland aus dem Euro ausscheiden. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles warf der Kanzlerin vor, »mitten in der Krise langsam den Überblick zu verlieren«. »Was auch immer sie mit Papoulias besprochen hat, besonders klar war es wohl nicht.« In der Krise schaffe vor allem Klarheit Stabilität, sagte Nahles. »Dazu trägt die Bundeskanzlerin nicht gerade bei.«
Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn wandte sich gegen Überlegungen, die Neuwahl am 17. Juni zu einem Referendum über den Verbleib in der Euro-Zone umzufunktionieren. »Wenn man von einem Referendum sprechen würde, fände ich das jetzt nicht so gut. Diese entscheidende Wahl darf durch nichts verwässert werden«, sagte er dem »Tagesspiegel am Sonntag«.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach, ein Gegner weiterer Griechenland-Hilfen, plädierte für einen Austritt Athens aus der Eurozone. »Dann wäre der Weg frei für neues Wachstum. Auch könnte man dann über eine Art europäischen Marshall-Plan für Griechenland verhandeln«, sagte er dem Magazin »Wirtschaftswoche«.
Nach Einschätzung von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann haben es die Griechen selbst in der Hand, ob ihr Land im Euro-Raum bleibt. Die Europäische Währungsunion bestehe aus eigenverantwortlichen Staaten, sagte er der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung«. »Diese entscheiden letztlich über ihr eigenes Schicksal und ob sie getroffene Vereinbarungen einhalten oder nicht.« Ex- Bundesbank- Vorstand Thilo Sarrazin hält Griechenland für einen hoffnungslosen Fall, wie er in seinem neuen Buch schreibt, aus dem »Focus« zitiert. Das Land werde »für den Euroraum (...) ein ewiges Zuschussgebiet ohne Perspektive und ohne innere Kraft zur eigenen Regeneration« werden.
Über 20 000 Teilnehmer bei »Blockupy«-Demonstration in Frankfurt
Frankfurt/Main (dpa) - Zum Höhepunkt der »Blockupy«-Aktionen in Frankfurt haben mehr als 20 000 Menschen gegen Sparpolitik und Bankenmacht protestiert. Die von einem Großaufgebot der Polizei begleitete Demonstration war die einzige erlaubte Veranstaltung seit Beginn der Proteste drei Tage zuvor. Sie soll mit einer Kundgebung in Sichtweite der abgeriegelten Europäischen Zentralbank zu Ende gehen. Während der Demo kam es zu Rangeleien. Aktivisten zündeten Feuerwerkskörper. Laut Polizei flogen auch Steine, im Prinzip sei es aber friedlich geblieben.
Nach Kritik an Merkel erklärt Athen Streit um Referendum für beendet
Athen (dpa) - Nach der harschen Kritik an Kanzlerin Angela Merkel in Griechenland bemüht sich Athen, die erhitzten Gemüter zu besänftigen. Interims-Ministerpräsident Panagiotis Pikrammenos erklärte die Debatte über den angeblichen Vorschlag der Kanzlerin, die Griechen über den Verbleib im Euro-Raum abstimmen zu lassen, kurzerhand für beendet. Das griechische Parlament wurde inzwischen wie erwartet aufgelöst, um den Weg für Neuwahlen am 17. Juni freizumachen.
Chinesischer Bürgerrechtler mit Familie in die USA ausgereist
Peking (dpa) - Der blinde chinesische Bürgerrechtler Chen Guangcheng und seine Familie sind von China in die USA ausgereist. Vier Wochen nach seiner Flucht aus 19 Monaten Hausarrest in die US-Botschaft in Peking endet damit das diplomatische Tauziehen zwischen den USA und China um den Aktivisten. Die Ausreise kam am Ende schneller als erwartet. Chen hatte sich mit seinem Einsatz für Opfer von Machtwillkür einen Namen gemacht. In den USA will Chen zunächst Urlaub machen und dann Jura studieren.
Obama: Druck auf Iran aufrechterhalten
Camp David (dpa) - US-Präsident Barack Obama hat beim G8-Gipfel in Camp David dazu aufgerufen, den Druck auf den Iran aufrecht zu erhalten. Zugleich sagte er, die G8-Führer sähen den bevorstehenden Atomgesprächen mit dem Iran in Bagdad hoffnungsvoll entgegen. Es herrsche Einigkeit, mit der »Doppelstrategie« gegenüber dem Iran fortzufahren, die aus einer Kombination aus Sanktionen und Gesprächen bestehe. In der Vergangenheit hatten sich vor allem Russland und China einer härteren Gangart gegenüber Iran widersetzt.
Gabriel: Neuwahl wäre gut für Deutschland
Berlin (dpa) - SPD-Chef Sigmar Gabriel hält angesichts des Zustands der schwarz-gelben Koalition eine Neuwahl im Bund für sinnvoll. Es wäre für Deutschland gut, wenn diese Selbstblockade der Bundesregierung endlich beendet würde, sagte er der »Welt am Sonntag«. Allerdings werde es dazu wohl nicht kommen. Bei wichtigen Themen wie Bildung, Pflege oder Atomausstieg stünden daher weitere eineinhalb verlorene Jahre bevor. Zur Entlassung von Umweltminister Norbert Röttgen sagte Gabriel, es sei bezeichnend, dass Merkel durch die Demütigung eines alten Weggefährten Stärke zu zeigen versuche.
80 000 beim Katholikentag
Mannheim (dpa) - Zum Abschluss des 98. Katholikentags in Mannheim haben die Veranstalter eine überwiegend positive Bilanz gezogen und hoffen auf Impulse bei der Suche nach Auswegen aus der Kirchenkrise. »Wir haben eine lebendige, glaubensstarke und vitale Kirche erlebt«, sagte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück. Allerdings sei bei vielen der 80 000 Besucher auch Unruhe und Spannung deutlich geworden, wie es mit ihrer Kirche weitergeht. Prominente Katholiken und Reformgruppen übten massive Kritik an den Bischöfen und erhielten Unterstützung von Protestanten.

Bochum (dpa) - Ähnlich wie beim Erfolgsmodell »Astra« hat Opel laut Bochumer Betriebsrat auch beim »Zafira« eine Produktionsverlagerung in ein kostengünstigeres Werk ausgelotet.
»Auslöser unserer Sorgen war der Vorstand selbst, der in Rüsselsheim die Bochumer Produktion angeboten hat«, sagte der Betriebsratschef des Opel-Werkes Bochum, Rainer Einenkel, der Nachrichtenagentur dpa am Samstag. Opel dementierte dies umgehend: »Das war nicht ein einziges Mal Gegenstand der Verhandlungen in Rüsselsheim«, ließ Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke auf dpa-Anfrage über einen Sprecher mitteilen. Zuvor hatte die »Wirtschaftswoche« unter Berufung auf Einenkel über Hinweise auf Vorbereitungen für eine Produktionsverlagerung des »Zafira« berichtet.
Der »Astra«, das mit Abstand wichtigste Fahrzeug von Opel, soll von 2015 an nur noch im britischen Ellesmere Port und in Gliwice (Polen) gefertigt werden. Sollte Bochum im Gegenzug die Produktion des Familienautos Zafira an das Stammwerk in Rüsselsheim verlieren, könnte dies nach Befürchtungen von Arbeitnehmervertretern das Aus für das Ruhrgebiets-Werk mit rund 3200 Arbeitsplätzen bedeuten. In Rüsselsheim gibt es nach früheren Angaben Gespräche über eine zukünftige Auslastung, weil bei der nächsten Generation des »Astra« ab 2015 keine Modellvariante im Stammwerk produziert werden soll.
Der Bochumer Betriebsratschef Einenkel schilderte: »Man hat an allen Standorten den gleichen Katalog vorgelegt wie in Ellesmere. In Rüsselsheim hat man im Januar angeboten, wenn das akzeptiert wird, könnt ihr den "Zafira" bekommen ab dem Jahr 2015.«. Der Betriebsrat in Rüsselsheim habe dies aber abgelehnt. »Wir werden das nicht zulassen, dass wir gegenseitig ausgespielt werden. Wir haben uns sofort ausgetauscht.«
Der Katalog sehe Verzicht auf Lohnerhöhungen und Tarifleistungen, einen verstärken Einsatz von Leiharbeitern und weitere Auslagerungen von Tätigkeiten sowie eine »totale Flexibilisierung« der Arbeitszeit vor. »Durch den Verlust der Astra-Produktion in Rüsselsheim hat diese Gefahr neue Nahrung bekommen«, erläuterte Einenkel die Sorgen.
Vom Opel-Vorstand fordert der Betriebsrat, »diese Planspiele unverzüglich einzustellen«. Außerdem fordere man die Zusage, dass der »Zafira« für die gesamte Laufzeit des Modells in Bochum bleibe. Dies wolle der Betriebsrat des Bochumer Werkes an diesem Montag auf der mit Spannung erwarteten Betriebsversammlung deutlich machen.

Sindelfingen (dpa) - Der Metall-Tarifkonflikt im Südwesten ist beendet: Die Vereinbarungen für gut 4 Prozent mehr Geld, unbefristete Azubi-Übernahme und mehr Regeln bei der Leiharbeit sollen in ganz Deutschland gelten. Damit ist die Gefahr für einen Streik in der Schlüsselbranche gebannt.
Nach einem Verhandlungsmarathon wurde der Tarifstreit im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg mit seinen 800 000 Beschäftigten beigelegt. Die Gewerkschaft IG Metall und die Arbeitgeber einigten sich am Samstagmorgen in Sindelfingen unter anderem auf ein Einkommensplus von 4,3 Prozent. Die Einigung soll auf Empfehlung der beiden Tarifparteien bundesweit übernommen werden. Mit dem Abschluss ist die Gefahr des ersten groß angelegten Streiks in der Schlüsselbranche seit zehn Jahren gebannt.
Der in Baden-Württemberg erzielte Abschluss sieht vor, dass die rund 800 000 Beschäftigten im Südwesten eine Einkommenserhöhung von 4,3 Prozent erhalten. Der neue Vertrag hat eine Laufzeit von 13 Monaten und greift erst von Mai an - der April ist ein Nullmonat ohne Erhöhung. »Mit dem Abschluss ist die Grenze der Belastbarkeit der Betriebe erreicht«, sagte Südwestmetall-Chef Rainer Dulger.
IG-Metall-Chef Berthold Huber hielt dagegen: »Wir haben damit insgesamt die Inflationsrate deutlich überschritten. Wir haben immer gesagt, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht von der Wohlstandsentwicklung abgekoppelt werden sollten.« Ursprünglich hatte die Gewerkschaft 6,5 Prozent mehr Geld gefordert bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber boten für 14 Monate 3 Prozent mehr Geld.
Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser erklärte nach dem Durchbruch in Sindelfingen, dass sich lediglich der Tarifbezirk Sachsen bei der Abstimmung am Morgen enthalten habe. Der dortige Landesverband will den Abschluss nach Angaben einer Sprecherin aber ungeachtet dieses Votums mittragen. Die Gewerkschaft empfahl einstimmig, die Einigung deutschlandweit zu übernehmen. In der deutschen Schlüsselindustrie arbeiten insgesamt rund 3,6 Millionen Menschen.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt erklärte, die Einigung werde der aktuellen Situation der Branche in vollem Umfang gerecht. Allerdings gehe die beschlossene Tarifanhebung für viele Unternehmen an die Belastungsgrenze. »4,3 Prozent ist ein Scheck auf die Zukunft«, hieß es auch beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Es sei aber ein Abschluss, mit dem ein Großteil der Unternehmen leben könne.
IG-Metall-Bezirkschef Jörg Hofmann betonte, dass der Kompromiss auch neue Regelungen zur Gestaltung der Leiharbeit enthalte sowie die prinzipiell unbefristete Übernahme aller Lehrlinge festschreibe. An diesen Punkten musste die Gewerkschaft kräftig Federn lassen.
Bei der Leiharbeit sollen die Betriebsräte künftig zwar mehr Macht erhalten - der Kompromiss blieb aber weit hinter den ursprünglichen Forderungen der Gewerkschaft zurück. So solle zwar stärker als bisher geregelt werden, dass Leiharbeit nicht zur Selbstverständlichkeit werde, berichtete Huber. Einheitliche und für alle Betriebe geltende Regeln fehlen dabei jedoch meist. Nun sollen die Betriebsräte Schritt für Schritt individuelle Vereinbarungen in den Unternehmen einführen.
Gesamtmetall-Chef Kannegiesser sagte: »In den ersten zwei Jahren kann weiterhin jeder Betrieb selbst entscheiden, ob und wie er Zeitarbeitnehmer einsetzen möchte.« Leiharbeiter, die länger als zwei Jahre beim selben Unternehmen arbeiten, müssten ein Übernahmeangebot erhalten. Jedoch arbeitet die Mehrheit der Leiharbeiter nach Arbeitgeberangaben bundesweit keine zwölf Monate im selben Betrieb - die Zweijahresregel liegt also weit entfernt. Wäre es nach der IG Metall gegangen, hätte diese Regelung mit ihren relativ langen Fristen nicht so großzügig ausfallen dürfen. Jetzt muss die Gewerkschaft ganz auf die Kraft der jeweiligen Betriebsräte setzen.
Für den Nachwuchs gilt der Grundsatz, dass die Lehrlinge nach dem erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung einen unbefristeten Arbeitsvertrag angeboten bekommen. Jedoch gibt es Hintertürchen: So sind Ausnahmen möglich, wenn die persönliche Eignung des Azubis zu wünschen lässt oder im Betrieb »akute Beschäftigungsprobleme« herrschen, etwa wegen einer längeren Auftragsflaute. Zudem legt die Chefetage ohne Mitbestimmungsrecht der Betriebsräte den Bedarf fest, nach dem sich letztendlich die Zahl der Übernahmen ausrichtet.
Ferner einigten sich die Tarifparteien im Südwesten auf ein spezielles Förderprogramm für junge Menschen, die schlechte Chancen auf dem Ausbildungsmarkt haben.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein angelernter Arbeiter ohne Ausbildung monatlich gut 80 Euro brutto mehr bekommt und ein junger Facharbeiter gut 110 Euro. An der Spitze bei den Akademikern mit viel Berufserfahrung - etwa Ingenieuren - sind es gut 200 Euro.
Bis zum Durchbruch am frühen Samstagmorgen hatten die beiden Seiten rund 18 Stunden lang gerungen. Formal muss der Abschluss in den nächsten Tagen noch von den obersten Entscheidungsgremien beider Seiten im Südwesten gebilligt werden. In den übrigen Tarifbezirken müssen nun die dortigen Tarifparteien entscheiden, ob sie die Empfehlungen umsetzen. Eine Annahme gilt in der Regel als sicher.

Düsseldorf (dpa) - Überbordende Bürokratie ist für viele Unternehmen einer Umfrage zufolge eine der gefährlichsten Bremsen für Innovation in Deutschland. Fast 40 Prozent sehen die Überregulierung als große Gefahr für die Weiterentwicklung.
Das ergab eine Umfrage der Verbände »Die Familienunternehmer-ASU« und »Die Jungen Unternehmer-BJU« für die »Wirtschaftswoche«. Vergleichbar schädlich ist demnach nach Ansicht der Unternehmer nur eine unberechenbare Wirtschaftspolitik. Eigenkapitalmangel zählen hingegen nur 12 Prozent der Firmenchefs zu den größten Hindernissen für ihr Unternehmen.
Besonders hoch ist der Umfrage zufolge der bürokratische Aufwand im Steuerrecht: »Es ist ein politisches Armutszeugnis, dass wir vor allem bei den Steuergesetzen sowie den arbeits- und sozialversicherungsrechtlichen Regelungen nicht vorankommen«, kritisierte Familienunternehmer-Präsident Lutz Goebel. »Alle Entbürokratisierungsinitiativen erinnern an die Sisyphos-Sage: Der Stein rollt immer wieder den Berg hinunter, weil Brüssel, Berlin, Länder und Kommunen immer neue Gesetze und Auflagen erlassen.«

London (dpa) - Deutschland verliert einen wichtigen Posten an der Spitze der Osteuropabank in London. Die 65 Mitglieder wählten mit Sir Suma Chakrabarti erstmals einen Briten zum Nachfolger des deutschen Amtsinhabers Thomas Mirow.
Merkel hatte den Kandidaten aus dem eigenen Land nicht unterstützt und stattdessen nach Angaben aus Bankkreisen inoffiziell die französische Bewerbung befürwortet. Der französische Kandidat Philippe de Fontaine Vive Curtaz konnte jedoch nicht die nötige Stimmenmehrheit erzielen.
Mirow, der der SPD angehört und im seinerzeit von Peer Steinbrück geführten Finanzministerium als Staatssekretär tätig war, hatte sich als einer von fünf Kandidaten um eine weitere Amtszeit beworben, obwohl ihm die Unterstützung aus dem eigenen Land versagt worden war. Suma Chakrabarti ist bisher als Spitzenbeamter im britischen Justizministerium tätig.
Die Personalie bei der Bank ist einer von mehreren politischen Posten, die in den nächsten Wochen international zu vergeben sind. Deutschland will, dass Finanzminister Wolfgang Schäuble künftig die Eurogruppe als Nachfolger des Luxemburgers Jean-Claude Juncker führt. Ein deutscher an der Spitze der Osteuropabank hätte nach Meinung von Experten dies möglicherweise aus Proporzgründen erschwert.
Die Bank unterstützt mit gezielten Krediten an Privatleute in Mittel- und Osteuropa den Aufbauprozess in der Region. Inzwischen wurde das Wirkungsgebiet auf die Türkei und die Länder des Arabischen Frühlings ausgeweitet. Jährlich werden derzeit neun Milliarden Euro ausgereicht. Der Betrag soll in den nächsten Jahren auf elf Milliarden steigen.

Frankfurt/Main (dpa) - Warten, hoffen, bangen: Für Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC ist es das längste Wochenende der Vereinsgeschichte, für den deutschen Fußball eine einmalige Hängepartie.
Nachdem das DFB-Sportgericht die Urteilsverkündung im Relegations-Skandalspiel von Düsseldorf auf verschoben hat, üben sich beide Parteien in Zweckoptimismus. Derweil hat die Fortuna seine Mallorca-Reise abgesagt und trainiert wieder. Die Berliner entschuldigten sich für die Entgleisungen gegenüber Schiedsrichter Wolfgang Stark. Das Verhalten einiger Spieler entspreche nicht den »Grundsätzen« des Clubs, hieß es in einer Vereinsmitteilung.
Nach der sechseinhalbstündigen Verhandlung in der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main hatten am Freitagabend alle Beteiligten sichtlich geschafft den Saal geräumt. »Wir wollen die Sache nicht übers Knie brechen«, sagte der Vorsitzende Richter Hans E. Lorenz, bevor er sich auf den Weg zum letzten Flieger nach München machte. Der 60-Jährige betonte aber ausdrücklich, dass man den Prozessverlauf trotz des »ungeheuren Zeitdrucks« nicht von Flugplänen abhängig mache. »Ich denke, der Einspruch von Hertha BSC war unbegründet«, sagte Fortuna-Rechtsanwalt Horst Kletke. Berlins Präsident Werner Gegenbauer meinte: »Wir werden jetzt optimistisch der Entscheidung harren.«
Während die anderen Erst- und Zweitliga-Profis längst im Urlaub sind und die heiße Transferphase ansteht, sitzen Hertha und Fortuna möglicherweise noch länger im Wartesaal zur neuen Saison. Denn mit dem Urteilsspruch am Montag ist die juristische Aufarbeitung des Relegationsrückspiels (2:2) vom vergangenen Dienstag noch nicht beendet. Beide Clubs können vor das DFB-Bundesgericht ziehen, das dann ebenfalls noch nächste Woche tagen soll. Zudem stehen die Verfahren gegen die beiden Clubs wegen der Zuschauerausschreitungen an und gegen die Hertha-Profis Lewan Kobiaschwili, Thomas Kraft, Christian Lell und Andre Mijatovic sowie den Düsseldorfer Spieler Andreas Lambertz.
Anton Nachreiner, Vorsitzender des Kontrollausschusses, plädierte dafür, den Einspruch der Berliner gegen die Spielwertung zurückzuweisen. Schiedsrichter Stark hatte die Nachspielzeit für 21 Minuten unterbrechen müssen, weil Tausende von Fortuna-Fans den Platz gestürmt hatten. Hertha versuchte in der Verhandlung mit aller Macht zu beweisen, dass die restlichen 1:33 Minuten unter irregulären Bedingungen stattfanden und die Spieler schlichtweg Angst hatten. In seinem leidenschaftlichen Schlussplädoyer forderte Anwalt Christoph Schickhardt das Gericht dazu auf, »den DFB vor Verrohung, Gewalt und Anarchie zu schützen«.
Selbst wenn der Hauptstadtclub ein Wiederholungsspiel (unter Ausschluss der Öffentlichkeit?) bekäme - was DFB-intern als unwahrscheinlich gilt - kann er sich nicht als Gewinner fühlen. Denn was in den Katakomben des Stadions nach diesem schlagzeilenträchtigen Spiel ablief, beschrieb WM-Referee Stark als »Hetzjagd« und dürfte den Berlinern noch deftige Strafen einbringen: Hertha-Spieler hätten ihn in massiver Weise bedrängt und beleidigt, Kobiaschwili habe ihn sogar geschlagen. Bei Tätlichkeiten gegen Schiedsrichter sind Sperren von sechs Monaten bis zwei Jahren vorgesehen, in leichteren Fällen von mindestens acht Wochen. Der 34-jährige Georgier hat sich dazu bisher nicht geäußert, Stark stellte auch Strafanzeige.
»Nach den Angaben des Schiedsrichters soll es dabei innerhalb einer verständlicherweise allseits emotionalisierten Atmosphäre auch zu Beleidigungen und anderen, zum Teil schwerwiegenden Unsportlichkeiten gekommen sein. Wir entschuldigen uns deshalb bei allen Beteiligten, insbesondere auch bei den Schiedsrichtern«, teilte Hertha mit. Einzelheiten seien noch aufzuklären.
Die verbalen Scharmützel sind erst einmal ausgesetzt: Beide Vereine halten sich vor dem Urteilsspruch zurück, damit das Gericht nicht den Eindruck gewinnt, es werde über die Öffentlichkeit Druck gemacht. Hertha-Manager Michael Preetz sagte nach der Verhandlung gar nichts, Clubchef Gegenbauer (»Wir sollten nicht in Einzelheiten gehen und alle gemeinsam abwarten«) äußerte sich nur diplomatisch und wollte auch nicht Starks Vorwürfe gegen seine Spieler kommentieren: »Das ist das zweite Thema, jetzt machen wir erstmal das erste Thema.« In der Nachspielzeit von Düsseldorf, so Fortuna-Rechtsbeistand Kletke, sei niemand behindert worden: »Die Zeugen, die Hertha hier hatte, haben solche Ängste nicht bekundet.«
Während die Berliner schon am Freitag trainierten, nahmen die Düsseldorfer am Samstag den Übungsbetrieb wieder auf. Die von diesem Sonntag an geplante fünftägige Saisonabschlussreise nach Mallorca wurde abgesagt. »Wir haben diese Maßnahmen beschlossen aus Respekt vor der Unabhängigkeit der DFB-Gerichtsbarkeit und dem Umstand, dass das Urteil am Montag verkündet wird«, sagte Manager Wolf Werner. Auch am Sonntag und Montag sollen unter komplettem Ausschluss der Öffentlichkeit in Düsseldorf trainiert werden.

Rom (dpa) - Angelique Kerber hat den Einzug ins Finale des WTA-Tennisturniers in Rom verpasst. Die Kielerin musste sich gegen die Russin Maria Scharapowa mit 3:6, 4:6 geschlagen geben.
»Ich habe mein Bestes gegeben, aber sie hat sehr gut gespielt. Sie war die bessere Spielerin heute«, sagte Kerber, die noch »etwas müde« von ihrem Viertelfinalsieg gegen Petra Kvitova war. Durch die Qualifikation für das Halbfinale bei der mit 2,17 Millionen Dollar dotierten Sandplatzveranstaltung hatte Kerber allerdings bereits den erstmaligen Sprung unter die Top Ten der Welt sicher.
Titelverteidigerin Scharapowa trifft im Endspiel auf Li Na. Die Chinesin war kampflos ins Finale eingezogen, weil Serena Williams wegen einer Rückenverletzung nicht antrat. Für Scharapowa war es im dritten Vergleich mit Kerber in diesem Jahr der zweite Sieg. Die Weltranglisten-Zweite erreichte damit bereits ihr viertes Finale in diesem Jahr und könnte nach dem Erfolg in Stuttgart ihren zweiten Turniersieg feiern.
Kerber konnte sich indes mit einem Platz unter den besten Zehn der Weltrangliste trösten. Das war ihr schon nach ihrem Viertelfinal-Erfolg gegen Wimbledonsiegerin Kvitova aus Tschechien am Freitag sicher gewesen. Nach WTA-Angaben ist Kerber in der Geschichte nun die siebte Deutsche unter den besten Zehn der Welt. »Das hört sich sehr gut an und es ist natürlich ein Traum in den Top Ten zu sein«, sagte die 24-Jährige.
Für die Amerikanerin Williams endete mit dem Verzicht auf das Halbfinale indes eine Siegesserie. Zuletzt hatte die ehemalige Weltranglisten-Erste die Turniere in Charleston und Madrid gewonnen. »Ich hatte diese Woche etwas Schmerzen und es steht ein harter Terminplan an«, erklärte Williams die Vorsichtsmaßnahme mit Blick auf das in einer Woche beginnende Grand-Slam-Turnier in Paris. »Es geht mir gut, ich werde bei 100 Prozent für die French Open sein«, fügte Williams hinzu.

Bamberg (dpa) - Titelverteidiger Brose Baskets Bamberg hat den ersten Schritt auf dem Weg ins erneute Finale um die deutsche Basketball-Meisterschaft geschafft.
Die Oberfranken unter Trainer Chris Fleming bezwangen zum Halbfinal-Auftakt in heimischer Halle die Artland Dragons sehr deutlich mit 103:70 (55:37) und stellten damit die Weichen für den erneuten Sprung in die Endspiel-Serie.
Bester Punktesammler bei den Hausherren war PJ Tucker mit 21 Zählern, bei den Gästen kam Anthony King auf 14 Punkte. Die zweite Partie der Best-of-Five-Serie steigt am Dienstag in Quakenbrück. Zum Start des anderen Halbfinals empfängt am Sonntag ratiopharm Ulm das Überraschungsteam der Würzburg Baskets.
Vier Tage nach dem entscheidenden Sieg im Viertelfinale bei den Telekom Baskets Bonn trumpften die Bamberger vor ihren Fans in der Stechert Arena von Beginn an stark auf. Schon im Verlauf des ersten Viertels setzte sich der Meister deutlich ab.
Im zweiten Durchgang hielten die Gäste aus Niedersachsen, die erst am Donnerstag im entscheidenden fünften Spiel den ambitionierten Neuling Bayern München niedergekämpft hatten, zunächst besser mit. Doch Bamberg nutzte jede Schwäche und baute seinen Vorsprung zur scheinbar beruhigenden Pausenführung aus.
Zwei Tage weniger Pause hatten die Gäste, Quakenbrück stemmte sich allerdings noch einmal gegen die drohende Auftaktniederlage in der Vorschlussrunde. Bis auf sieben Punkte kam die Auswahl von Trainer Stefan Koch im dritten Viertel heran, doch Bamberg fing sich gerade rechtzeitig. Im letzten Abschnitt machte Bamberg dann rasch alles klar - und die Gäste gaben sich nicht einmal 48 Stunden nach dem Viertelfinale gegen München geschlagen.

Le Mans (dpa) - Stefan Bradl hat nach einem Sturz im Qualifying zum Motorrad-WM-Lauf von Frankreich den Sprung in die Top Ten verpasst. Der Moto2-Weltmeister der vergangenen Saison geriet in Le Mans beim Beschleunigen aus einer Kurve heraus ins Schlingern und flog von seiner Honda.
Zunächst humpelte der Zahlinger von der Strecke. Nach einer Pause in der Box biss der zudem von Unterarmproblemen geplagte Bradl auf die Zähne und kehrte zurück. Am Ende reichte es für den 22-Jährigen für Startplatz 13, nachdem er zum Zeitpunkt seines Sturzes nach einem Reifenwechsel sogar in Front lag.
»Zunächst dachte ich, dass etwas mit meinem Knie sei. Aber es ist nichts kaputt und ich fühle mich gut. Morgen kann es nur besser werden«, sagte Bradl nach seinem ersten Sturz in der Königsklasse. Die Pole Position fuhr der Spanier Dani Pedrosa ein.
Schadensbegrenzung statt Pole Position hieß es für Sandro Cortese in der Moto3. Nach einem Sturz musste der WM-Spitzenreiter wie Bradl in die Box. Der Berkheimer landete am Ende auf Rang sechs, nachdem er eine Runde vor Schluss noch auf Position drei lag. »Auch von Platz sechs kann man aufs Podium fahren«, sagte Cortese.
Jonas Folger aus Schwindegg wurde bei seinem Comeback nach der Pause wegen Pfeifferschem Drüsenfieber Elfter. Der wie Marcel Schrötter (Pflugdorf) auf der nassen Strecke gestürzte Toni Finsterbusch (Hohenossig) wurde 30. vor Kevin Hanus (Nürnberg). Schrötter verpasste aufgrund der Zeitregel als 33. jedoch die Qualifikation und muss auf die nachträgliche Zulassung durch die Rennjury hoffen. Die Pole Position holte sich der Spanier Maverick Viñales.
Max Neukirchner aus Stollberg, in den Trainingstagen bereits dreimal gestürzt, wurde in der Moto2-Klasse nur 27. Ihn behindert zudem ein Bruch des linken Handwurzelknochens. Startplatz eins schnappte sich WM-Spitzenreiter Marc Marquez (Spanien).

Moskau (dpa) - Hollywoodstar Will Smith (43, »Ali«) hat mit einer Backpfeife einen zudringlichen Fernsehmoderator in Moskau abgewehrt.
Der ukrainische TV-Mann Witali Serdjuk, der für seine Show bereits Kylie Minogue und Madonna bewusst nervte, hatte den Schauspieler bei der Russland-Filmpremiere von »Men in Black 3« vor laufenden Kameras umarmt und geküsst. Ein Videomitschnitt zeigte am Samstag, wie Smith auf dem Roten Teppich zwar zunächst amüsiert reagiert, dann Serdjuk aber mit den Worten »Was zum Teufel ist dein Problem, Mann« wegstößt und ihm mit dem Handrücken eine Ohrfeige verpasst. Mit seiner Show beim Sender 1+1 gilt Serdjuk als »ukrainischer Sacha Baron Cohen«.

Hamburg/Berlin (dpa) - Wenn eine 22-Jährige Sätze sagt wie »Aus meinen ersten Songs bin ich herausgewachsen« und »Ich hab mich gefunden durch mein Album«, dann klingt das durchaus etwas befremdlich. Schmidt sagt solche Sätze und bei dieser 22-Jährigen scheinen sie fast selbstverständlich und doch ein wenig einstudiert.
Schmidt heißt mit bürgerlichem Namen Elisa Schmidt und hat gerade (18. Mai) ihr Debütalbum »Femme Schmidt« veröffentlicht, produziert von Guy Chambers, der bereits mit Robbie Williams mehrere Alben aufgenommen hat.
»Ich wollte schon mit zehn Jahren Sängerin werden, habe damals Jugendtheater gespielt und mit elf Gesangsunterricht bekommen. Mit 15 hat es mich dann in die Ferne gezogen«, sagt sie, während sie sich lasziv auf einem Ledersofa in einer Hamburger Hotellobby räkelt und sich eine lange Pony-Strähne aus dem Gesicht streicht. Lasziv, das ist auch Schmidts Musik, die sie als »Pop Noir« bezeichnet. Es ist eine Mischung aus Jazz, New Burlesque und Cabaret, modern interpretiert und als Reminiszenz an die verruchten 20er und 30er Jahre angelegt, mit kräftiger, voller Stimme gesungen, mal auch gehaucht.
Dazu passen die auftoupierten, langen braunen Haare, die Smockey-Eyes mit dichten, langen künstlichen Wimpern, das sexy Outfit. »Ich bin dann auf ein Musikinternat südlich von London gegangen und nach fünf Monaten hat es mich in die USA verschlagen, wo ich in einer Familie gelebt habe und dann noch mit einer Freundin quer durchs Land gereist bin«, erzählt sie freundlich und doch stets darauf bedacht, die unnahbare, geheimnisvolle junge Frau zu geben - »verletzlich, aber selbstbewusst und fordernd«, wie es auf ihrer Homepage heißt. Schmidt beherrscht das perfekt.
Nach ihrer Zeit im Ausland kehrt sie nach Deutschland zurück, nach München, wo ihre Eltern inzwischen hingezogen sind. Sie macht ihr Abitur - und Musik. »Im Internat hatte ich ja begonnen, Songs zu schreiben und irgendwann habe ich einen davon ins Internet gestellt. So kam der Kontakt zu meinem heutigen Manager. Ich bin also eine "Internet-Entdeckung".« Schmidt, damals hieß sie noch für alle Elisa, zieht nach Berlin, besucht Songwritercamps. Und dann geht alles ganz schnell. Plötzlich hat Warner Music Entertainment Interesse an Schmidt.
Die Plattenfirma ist es dann auch, die Schmidt mit Guy Chambers bekanntmacht. Chambers, der nach seinem Bruch mit Robbie Williams nie wieder ein ganzes Album mit einem Künstler machen wollte, ist begeistert, arbeitet in seinem Londoner Studio mit der Sängerin. Die streift abends durch Bars und Clubs, darunter »Ronnie Scott's«, wo schon Jimi Hendrix, Ella Fitzgerald und Jamie Cullum auf der Bühne standen.
In einer solchen Bar in Notting Hill trifft Schmidt auch Hugh Grant. »Ich hatte mein Handy auf dem Tresen liegen und er hatte es genommen und mich dann nach dem PIN-Code gefragt und wir sind ins Gespräch gekommen«, erzählt sie fast beiläufig. Als sie einige Monate später mit ihm in Berlin Essen geht, sind die Paparazzi gleich zur Stelle. Die Klatschpresse dichtet den beiden eine Affäre an. »Wir sind nur sehr gut befreundet. Er ist ein wahnsinnig aufregender Mensch.«
Schmidt ist ein Gesamtkunstwerk: jung, schön, mit einer rauchigen Stimme, perfekt inszeniert. Ihre Musik erinnert ein wenig an Katie Melua, manchmal an Adele oder auch Amy Winehouse, nur eleganter, geheimnisvoller. »Ich hab' mit meiner Musik etwas Eigenes geschaffen, was mir keiner wegnehmen kann«, wehrt sie jeden Vergleich ab. »In dieser Musik stecken alle meine Emotionen, Träume und Wünsche.« Auch so ein Satz. Aber wenn dabei ihr Koblenzer Dialekt ganz leicht zu hören ist, sie an ihrem ultrakurzen, engen Mini zuppelt, dann kommt hinter der perfekten Figur Schmidt auch noch die 22-jährige Elisa zum Vorschein. Und das ist sympathisch.

New York (dpa) - Musikalisches Tribut für Whitney Houston: Grammy-Gewinnerin Chaka Khan (59) will ihre verstorbene Kollegin mit einem Auftritt beim Spring Gala Benefit im New Yorker Apollo Theater ehren, bestätigte eine Apollo-Sprecherin der Presseagentur dpa.
Bei der Gala am 4. Juni soll der US-Sänger Lionel Richie in die Apollo Legends Hall of Fame aufgenommen werden - ebenso wie Blues-Sängerin Etta James, die posthum geehrt wird. James war am 20. Januar im Alter von 73 Jahren gestorben.
Während der jährlichen Zeremonie werden die Namen der geehrten Musikgrößen auf Plaketten verewigt und unter dem Vordach des geschichtsträchtigen Musiktempels in Harlem angebracht. Vor James und Richie wurden unter anderem Stevie Wonder, Michael Jackson, Aretha Franklin, Quincy Jones und Patti LaBelle ausgezeichnet.
Neben der Aufnahme in die Ruhmeshalle stehen Tribute für verstorbene Stars im Mittelpunkt. In diesem Jahr sollen neben Houston auch Don Cornelius und Nick Ashford mit Musikeinlagen gedacht werden. Houston war am 11. Februar mit 48 Jahren leblos in der Badewanne in einem Hotelzimmer in Beverly Hills entdeckt worden.
Im Apollo Theater gibt es seit Jahrzehnten Talentabende für unbekannte Nachwuchskünstler. Einer war Ende der 60er Jahre der damals etwa zehnjährige Michael Jackson mit der Familienband »Jackson Five«.

New York (dpa) - Musikalisches Tribut für Whitney Houston: Grammy-Gewinnerin Chaka Khan (59) will ihre verstorbene Kollegin mit einem Auftritt beim Spring Gala Benefit im New Yorker Apollo Theater ehren, bestätigte eine Apollo-Sprecherin der Presseagentur dpa.
Bei der Gala am 4. Juni soll der US-Sänger Lionel Richie in die Apollo Legends Hall of Fame aufgenommen werden - ebenso wie Blues-Sängerin Etta James, die posthum geehrt wird. James war am 20. Januar im Alter von 73 Jahren gestorben.
Während der jährlichen Zeremonie werden die Namen der geehrten Musikgrößen auf Plaketten verewigt und unter dem Vordach des geschichtsträchtigen Musiktempels in Harlem angebracht. Vor James und Richie wurden unter anderem Stevie Wonder, Michael Jackson, Aretha Franklin, Quincy Jones und Patti LaBelle ausgezeichnet.
Neben der Aufnahme in die Ruhmeshalle stehen Tribute für verstorbene Stars im Mittelpunkt. In diesem Jahr sollen neben Houston auch Don Cornelius und Nick Ashford mit Musikeinlagen gedacht werden. Houston war am 11. Februar mit 48 Jahren leblos in der Badewanne in einem Hotelzimmer in Beverly Hills entdeckt worden.
Im Apollo Theater gibt es seit Jahrzehnten Talentabende für unbekannte Nachwuchskünstler. Einer war Ende der 60er Jahre der damals etwa zehnjährige Michael Jackson mit der Familienband »Jackson Five«.

Heidelberg (dpa/tmn) - Küchenkräuter können Desserts eine besondere Note geben. Martin Scharff von den Restaurants auf dem Schloss Heidelberg empfiehlt zum Beispiel Ananas- oder Honigmelonensalbei wegen des tollen Duftes.
Eine Crème pâtissière, eine Art edler Vanillepudding, etwa lasse sich mit einzelnen Blättern dieser Salbeiarten hübsch dekorieren. »Lutschen Sie die Blätter wie ein Bonbon, dann entfalten sie am meisten Aroma«, rät der Sternekoch. Gekaut bleibe davon leider nur wenig erhalten. Außerdem seien die Bitterstoffe zu stark, wenn man direkt mit dem Kauen anfange.
Ähnlich verhalte es sich mit Marzipan-Gewürzsalbei. Der sei »von der Nase her am interessantesten«. Wegen seiner schönen blau-roten Blüten sehe er zudem besonders dekorativ auf einer Nachspeise aus, sagt Scharff. Aber er bedauert: »Leider essen unsere Gäste selten die Blüten und Blätter.«
Aus dem Norden Deutschlands stammt dieser Eintopf. Fernsehkoch Nelson Müller hat ihn als Kind bei seiner Oma gegessen. Das war so lecker, dass er das Rezept zum Nachkochen weiterempfiehlt.
Kategorie: Eintopf
Zutaten für 4 Personen:
Für den Eintopf:
1/2 Zwiebel
1 Möhre
100 g Knollensellerie
1 Petersilienwurzel
200 g festkochende Kartoffeln
1/2 Stange Lauch
8 Wirsingblätter
300 g durchwachsener
geräucherter Schweinebauch
4 EL Rapsöl (oder Schweineschmalz)
1 l Hühner- oder Rinderbrühe
100 ml Weißwein
4 Mettwürstchen
Salz
Pfeffer aus der Mühle
Einige Petersilienblätter zum Garnieren
Für die Klößchen:
2 Eier
300 g Mehl
100 ml Milch
Salz
Pfeffer aus der Mühle
frisch geriebene Muskatnuss
Zubereitung:
Für den Eintopf die Zwiebel schälen und in Streifen schneiden. Die Möhre, den Sellerie und die Petersilienwurzel putzen und schälen, die Kartoffeln schälen und waschen. Alles in Scheiben bzw. haselnussgroße Würfel schneiden. Den Lauch putzen, waschen und den weißen Teil in etwa 1 cm dicke Scheiben schneiden. Die Wirsingblätter waschen, die harte Mittelrippe entfernen und den Rest in etwa 1/2 cm breite Streifen schneiden.
Den Schweinebauch quer in dünne Streifen schneiden. Das Öl in einem Topf erhitzen und den Speck darin anbraten. Die Zwiebel hinzufügen und kurz mitbraten. Mit der Brühe und dem Weißwein ablöschen und zugedeckt etwa 10 Minuten kochen lassen.
Währenddessen für die Klößchen alle Zutaten zu einem glatten Teig verrühren bis er Blasen wirft.
Nun die Möhre, den Sellerie, die Petersilienwurzel, die Kartoffeln, den Lauch sowie die Wirsingstreifen zur Brühe hinzufügen und weitere 10 Minuten köcheln lassen. Die Mettwurst nach Belieben in Scheiben schneiden und 5 Minuten vor Ende der Garzeit in der Suppe erwärmen. Abschließend mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Während die Suppe kocht, vom Klößchenteig mit zwei Esslöffeln kleine Portionen abnehmen und in kochendem Salzwasser etwa 4 Minuten garen.
Den Dithmarscher Eintopf in vorgewärmten Schalen oder Tellern zusammen mit den Klößchen anrichten. Mit den gewaschenen Petersilienblättern garnieren.
Literatur:
Nelson Müller: Meine Rezepte für Body und Soul, 160 Seiten, Verlag Zabert Sandmann, 2011, 19,95 Euro, ISBN-13: 978-3-89883-300-4

Oldenburg (dpa/tmn) - Es ist angerichtet - zum Grillen darf das Fleisch ruhig ein wenig fettiger sein. Ist es zu mager, wird das Grillgut auf dem Feuer leicht trocken. Hier gibt's Tipps für Grillfans.
Zum Grillen eignen sich am besten mit feinen Fettadern durchzogene Fleischstücke. Das Fett schütze vor dem Austrocknen und sei außerdem Geschmacksträger, erläutert die Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Wen ein Fettrand am gegrillten Fleisch aus Kaloriengründen stört, der schneidet es auf dem Teller einfach ab. Zum Grillen empfiehlt sich vor allem Hüft-, Rumpf- und Lendensteak vom Rind, Schnitzel, Nacken und Filet vom Schwein und Geflügel im Ganzen oder Teilstücke davon.
Fleisch am Knochen sei besonders aromatisch, daher bieten sich auch Rippchen oder Koteletts von Schwein oder Lamm an. Außerdem schütze der Knochen vor dem Austrocknen, so die Kammer. Kalb- und Wildfleisch ist recht mager, trocknet daher schnell aus und kommt deshalb besser nicht auf den Grill.

Kassel (dpa/tmn) - Den Unterschied merkt man erst beim Reinbeißen: Wenn das Fleisch schlachtwarm verarbeitet wird, müssen weniger Zusatzstoffe in die Wurst. Dabei muss sich der Fleischer aber beeilen.
Die Scheibe sieht fast aus wie konventionelle Jagdwurst. Auch der Fleischkäse unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von handelsüblicher Ware. Doch spätestens beim Reinbeißen merken Verbraucher, dass die Fleisch- und Wurstwaren von Dieter Rohde aus Kassel weicher und zarter sind als andere. Das liegt an der Herstellungsweise: Rohde ist Mitglied der Genießervereinigung Slow Food und verarbeitet wie nur wenige andere Produzenten in Deutschland das Fleisch noch schlachtwarm. Dadurch kann er auf bestimmte Zusatzstoffe verzichten, die sonst nötig sind, damit die fertige Wurst fest wird.
Schon während der Schlachtung und amtstierärztlichen Fleischbeschau verlädt er die Ware und bringt sie vom Schlachthof in seinen zehn Minuten Fahrt entfernten Betrieb. Dort muss schnell gearbeitet werden. Denn nur kurz sei im Fleisch noch Adenosin-Tri-Phosphat (ATP) vorhanden, erklärt er. »Im lebenden Organismus ist es an jeder Muskelbewegung beteiligt. Beim zusammengezogenen Muskel sorgt das ATP dafür, dass er wieder erschlafft.« Es trenne die Eiweiße wieder voneinander, die den Muskel zusammenziehen.
Diesen Effekt machen sich Metzger zunutze, die Fleisch warm verarbeiten: Solange im toten Muskelgewebe noch ATP vorhanden ist, bleiben Rohde zufolge die Eiweiße unverbunden, und dazwischen kann sich viel körpereigenes Wasser im zerkleinerten Fleisch anlagern. »Es entsteht eine gelartige Masse, in die sich wiederum Fett sehr gut und gleichmäßig einlagern kann. Und dieses Fett bindet die fleischeigenen Aromastoffe«, erklärt der Fleischer. »Die Wurstmasse wird auf natürliche Weise aromatisch.« Nur natürliche Gewürze und Pökelsalz kämen dann noch hinzu.
Um das ATP zu nutzen, bleiben bei einem Schwein zwei bis drei, bei einem Rind vier bis sechs Stunden, bei Geflügel nur 30 Minuten Zeit. Danach sind die Stoffwechselprozesse abgeschlossen, das Fleisch wird kalt und starr. Die Eiweiße sind längst verbunden und halten nur wenig Wasser, Fett und Aromen. Daher setzt die Industrie der Wurstmasse künstliche Bindemittel wie Phosphate oder Citrate zu. Aromen und Geschmacksverstärker sind ebenfalls gängige Zusätze. Die Konsistenz solcher Wurst ist in der Regel fester.
Der Aufwand, den Warmfleisch verarbeitende Betriebe betreiben, macht sich aber nicht nur an Konsistenz und Aroma bemerkbar. Auch der Preis ist höher: Er liegt Rohde zufolge um 18 bis 20 Prozent über dem Normalpreis. Das hängt darüber hinaus damit zusammen, dass er ausschließlich Biofleisch verwendet. »Sie sprechen damit nicht die Masse an«, sagt er.

Berlin (dpa/tmn) - Rund eine halbe Milliarde Nutzer wählen sich jeden Tag bei Facebook ein. Aber oft ist es nicht der übliche Austausch mit Freunden, der die Mitglieder auf die Plattform zieht, viele reizen eher Spiele.
Social Games heißen die Applikationen, die Begeisterte teilweise stundenlang vor den Monitoren bannen. Der Klassiker ist »Farmville«, bei dem Spieler ihren eigenen Bauernhof aufbauen können. Doch inzwischen gibt es weit mehr Games auf Facebook.
»Die Programme haben nichts mit aufwendigen Action-Spielen zu tun, sondern sind ein einfacherer und entspannter Zeitvertreib«, sagte der Marketingchef des Spieleherstellers King.com, Alex Dale. Genau das mache den Reiz aus.
Der große Renner von King.com ist »Bubble Witch Saga«, bei dem die Spieler Hexen beim Brauen von Zaubertränken helfen. Dazu müssen Kugeln auf einem Spielfeld Schritt für Schritt abgeräumt werden, ähnlich wie in einem 4-Gewinnt-Spiel. »Eigentlich müssen Sie nur lernen, Kugeln mit einem Finger abzuschießen«, sagte Dale. Der Berliner Spiele-Entwickler Wooga lockt Nutzer mit »Diamond Dash«, bei dem es Punkte gibt, wenn man Steine antippt.
Ähnliche Knobelprogramme gibt es auf Facebook haufenweise. Das Prinzip ist meistens ähnlich. Die Aufgaben sind simpel und setzen auch auf Mitglieder, die nicht viel Zeit haben, sich in eine aufwendige Steuerung reinzudenken. Oft werden schon kleine Aufgaben mit Punkten belohnt. Und viele Programme beziehen den sozialen Kontext mit ein, denn die Zocker können sich mit ihren Freunden messen und um neue Punkterekorde konkurrieren.
Facebook hat eine eigene Seite für Spiele eingerichtet. Aus einer großen Liste können sich dort Mitglieder die passende Applikation für ihren Zeitvertreib aussuchen. Vor dem Knobeln wollen die Programme jedoch erst einen Zugriff auf das eigene Facebook-Konto. Und darin liegt eine entscheidende Hürde.
Michaela Zinke vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) mahnt zur Vorsicht: »Schwierig ist, dass viele Daten an Dritte weitergegeben werden.« Name, Geschlecht, Freundesliste, Profilbild und vieles mehr wollten die Spielefirmen einsehen. »Meistens geht es nur ganz oder gar nicht.« Wer die Daten nicht weitergeben will, muss oft ganz auf das Spielen verzichten. Entwarnung gibt es derzeit nicht: »Es gibt kein Spiel, dass ich bedenkenlos empfehlen kann.«
Mountain View (dpa) - Google hat seine Internet-Suche um eine Datenbank mit abgesicherten Fakten, Biografien und Bildern erweitert. Die neue Suchfunktion heißt »Knowledge Graph« und ist eine echte Wissensfundgrube.
Die neue semantische Suchfunktion mit dem Namen »Knowledge Graph« ist in der Lage, Suchbegriffe nach unterschiedlichen Bedeutungen zu gruppieren und inhaltliche Zusammenhänge zu verwandten Themen herzustellen.
Google-Manager Amit Singhal erläuterte die neue Funktion in einem Blog-Eintrag am Beispiel der Suche nach dem Begriff »Taj Mahal«. Der Knowledge Graph erkennt, dass diese beiden Worte zum einen das berühmte Mausoleum im indischen Bundesstaat Uttar beschreiben. Er kennt aber auch den US-amerikanischen Blues-Musiker Taj Mahal und das gleichnamige Casino-Hotel in Atlantic City (USA) als populäre Suchanfragen.
Zu der Sehenswürdigkeit in Indien präsentiert Google nun nicht nur die Kernfakten zu dem Mausoleum (aus Wikipedia) und ein Foto, sondern bietet auch bebilderte Links zu anderen herausragenden Sehenswürdigkeiten wie der Chinesischen Mauer oder dem Delhi Fort an. Anwender, die nicht nach dem Taj Mahal in Indien, sondern nach dem Musiker oder Casino gesucht haben, gelangen mit einem weiteren Klick zu ihren Ergebnissen.
Zum Aufbau des Knowledge Graph hat Google in den vergangenen zwei Jahren eine Sammlung von 500 Millionen Personen, Plätzen und Dingen zusammengestellt, die eindeutig identifiziert und in inhaltliche Zusammenhänge gestellt wurden. So weiß das System, dass Leonardo da Vinci als Maler und Bildhauer der Kunstepoche der Renaissance zuzuordnen ist und zeigt im Knowledge Graph auch bekannte Werke des Universalgelehrten.

Berlin (dpa/tmn) - Durch den Börsengang von Facebook könnte sich für die Nutzer des sozialen Netzwerks in Zukunft einiges ändern. Was das konkret bedeutet, erklärt eine Expertin.
»Die persönlichen Daten der Mitglieder sind die Grundlage für Facebooks Geschäftsmodell«, erklärt Michaela Zinke vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). »Wir rechnen damit, dass diese in Zukunft noch viel intensiver ausgewertet werden.« Für die Nutzer heißt das: Mehr personalisierte Werbung und mehr Apps und Dienste, die gezielt persönliche Informationen abgreifen.
Profile für individuelle Werbung zu erstellen, sei an sich noch nichts Schlechtes, sagt Zinke: »Bei anderen Diensten und Onlineshops ist es ja völlig normal, dass mir zum Beispiel bestimmte Produkte empfohlen werden.« Allerdings kritisiert die Verbraucherschützerin, dass Facebook nicht transparent mache, was mit welchen Daten passiert und wie lang bestimmte Informationen gespeichert werden. Wer Facebook oder anderen Firmen wie Google nicht zu viel über sich preisgeben möchte, sollte daher genau überprüfen, welche Informationen er wo hinterlässt.
Denn persönliche Daten gelangen nicht nur direkt über Facebook in die Datenspeicher des Unternehmens. Bei vielen Webseiten können sich Nutzer zum Beispiel mit ihrem Facebook-Profil einloggen, bei Anbietern wie dem Musikstreamer Spotify ist das sogar Pflicht. »Was höre ich, wo gehe ich hin, mit wem rede ich? Solche Daten sind für Unternehmen wie Facebook besonders wertvoll«, erklärt Zinke. Bei solchen Angeboten sollten Nutzer sich daher - wenn möglich - lieber regulär und nicht über Facebook registrieren. Auch die Suche nach Alternativen ohne Anbindung an soziale Netzwerke kann es anderen erschweren, der eigenen Datenspur im Netz zu folgen.
Hamburg (dpa/tmn) - Neue WLAN-Router schaffen theoretisch Datenraten von bis zu 450 Megabit pro Sekunde (MBit/s) - in der Praxis liegen die Werte aber deutlich niedriger. Ein Test zeigt, was Nutzer sonst noch wissen sollten.
In einem Test der Zeitschrift »Computer Bild« von fünf aktuellen WLAN-Routern schaffte selbst der beste Kandidat unter Idealbedingungen nur 125 Mbit/s. Muss das Signal zum Beispiel durch Wände oder Decken, sinken die Werte noch einmal deutlich.
Für den Kauf eines aktuellen, schnellen WLAN-Routers müssen Kunden etwa 130 bis 170 Euro einplanen. Neben der Geschwindigkeit sollten aber auch andere Features eine Rolle spielen, schreibt die Zeitschrift: Wichtig ist zum Beispiel, dass das Gerät neben der üblichen Frequenz von 2,4 Gigahertz zusätzlich auf 5 Gigahertz funkt. Hierbei läuft der drahtlose Datenverkehr in der Regel störungsfreier ab. Für den Aufbau eines Heimnetzwerks sollte ein Router unbedingt den Standard DLNA unterstützen. Eine Kindersicherungsfunktion kann dabei helfen, die Surfzeiten des Nachwuchses zu begrenzen.
Nur die wenigsten Router haben dagegen heute Telefonanschlüsse und ein DSL-Modem an Bord. Stattdessen sollten Nutzer das Modem ihres Providers weiterbenutzen und den neuen Router daran anschließen. Hat das alte Modem ein eigenes, schlechteres WLAN, wird es besser abgeschaltet - ansonsten kommen sich die Netzwerke womöglich gegenseitig in die Quere.