WESTFALEN-BLATT

MONTAG21. Mai 2012OWL:  heiter, Tag: 28 °C , Nacht: 11 °C

Fußball

Alptraum dahoam: Vize-Bayern in Schockstarre

20.05.12 14:36

München (dpa) - Als Chelsea-Kapitän Frank Lampard den silbernen Pokal siegestrunken im Konfettiregen zum Himmel reckte, mochten die am Boden kauernden Vize-Bayern dem Alptraum dahoam nicht länger zusehen.

Steinheim

Frau mit Messer getötet

21.05.12 06:21

24-Jährige verblutet in ihrer Wohnung – Tatverdächtiger festgenommen

Fußball

Teilen Sie uns Ihre Meinung zum Skandalspiel in Düsseldorf mit!

17.05.12 10:29

Ist die Spielwertung in Ordnung oder sollte die Relegationspartie wiederholt werden?

Bielefeld

Große Bildergalerien vom Leineweber-Markt: Klicken Sie mal rein!

21.05.12 01:30

Leinewebermarkt reißt 300 000 Besucher mit: Dreitägiges Innenstadtfest schreibt Erfolgsgeschichte fort +++ mit großer Bildergalerie

WESTFALEN-BLATT

Gärtner helfen Gärtnern online

18.05.12 09:47

Das neue WESTFALEN-BLATT-Forum »Auf in den Garten!« bietet eine Plattform zum Fachsimpeln und Ideenaustausch: Sie können dort Fragen stellen oder anderen Hobbygärtnern mit Antworten weiterhelfen. Es wird bereits eifrig diskutiert, schauen Sie doch mal rein!

Ostwestfalen-Lippe

Lichtenau
Pferd geht mit Kutsche durch: Mann und drei Kinder verletzt
20.05.12
17:08
14 hrs
21.05.2012
- 04:50
Irrfahrt über die B 68 - Brüder retten sich mit Sprung auf die Straße
Lichtenau (WB). Eine Kutschfahrt hat am Sonntag Nachmittag in Lichtenau (Kreis Paderborn) mit einem schwerverletzten Mann und drei verletzten Kindern ein trauriges Ende genommen. Bei dem Versuch, das Pferd einzuspannen, ging das Tier plötzlich durch. Der 51-Jährige versuchte noch, das Pferd anzuhalten und wurde dabei mitgeschleift. Nach etwa 300 Metern verließen ihn die Kräfte, und er wurde aufgrund der Geschwindigkeit gegen einen Baum geschleudert und schwer verletzt. Die Kutsche mit den drei Brüdern (7, 11 und 13 Jahre alt) raste anschließend führerlos über die B68. Die drei Kinder retteten sich schließlich mit einem Sprung auf die Straße. Einem Nachbarn des Kutschers, der das Unglück beobachtet hatte, gelang es schließlich, das Gespann in Höhe der Gärtnerei Fecke zu stoppen, indem er mit einem Lieferwagen die Straße versperrte. Durch dieses beherzte Eingreifen sei vermutlich Schlimmeres verhindert worden, sagte ein Polizist vor Ort. Der Kutscher wurde ins Paderborner Brüder-Krankenhaus gebracht, die drei Jungen kamen ins Vincenz-Krankenhaus. Neben dem Kutscher wurden auch die beiden jüngsten Kinder schwer verletzt. Lebensgefahr besteht jedoch nach Angaben der Polizei in allen Fällen nicht.
Herzebrock/Bad Oeynhausen
22-Jähriger stirbt bei Unfall
20.05.12
16:44
14 hrs
20.05.2012
- 16:51
Beifahrerin (20) schwer verletzt - Auto prallt gegen Baum - Ursache unklar
Herzebrock-Clarholz (WB). Ein 22-jähriger Mann aus Bad Oeynhausen ist amSonntag auf dem Tecklenburger Weg in Herzebrock-Clarholz (Kreis Gütersloh) bei einem schweren Verkehrsunfall tödlich verunglückt. Seine 20 Jahre alte Beifahrerin aus Detmold wurde mit dem Rettungshubschrauber nach Bielefeld geflogen. Sie erlitt schwerste Verletzungen. Nach Angaben der Polizei war der 22-jährige Fahranfänger gegen 13.40 Uhr mit seinem schwarzen Honda auf dem Tecklenburger Weg, aus Richtung Rheda-Wiedenbrück kommend, unterwegs, als er plötzlich in Höhe der Hausnummer 17 in einer Linkskurve die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor. Der Wagen schleuderte mit der Fahrerseite gegen einen am rechten Fahrbahnrand stehenden Baum. Beide Insassen wurden durch den Aufprall in dem zerquetschten Auto eingeklemmt. Einsatzkräfte der Feuerwehr Herzebrock Clarholz mussten schweres Gerät, wie Schneid- und Spreizwerkzeuge einsetzen, um die jungen Leute zu befreien. Für den Fahrer kam allerdings jede Hilfe zu spät. Feuerwehrmänner bargen den Leichnam aus dem Wrack. Die junge Beifahrerin wurde mit dem Rettungshubschrauber in ein Bielefelder Krankenhaus geflogen. Warum es zu diesem Unfall kam, ist derzeit noch völlig unklar. Sachverständige der Polizei untersuchten die Unfallstelle. Für die Zeit der Unfallaufnahme, Rekonstruktion und Bergung des Fahrzeuges war der Tecklenburger Weg für mehr als zwei Stunden gesperrt. Der Sachschaden wird auf 4.000 Euro beziffert
Verl
Roter Teppich für die Majestäten
20.05.12
14:28
17 hrs
21.05.2012
- 04:28
Tausende Besucher beim Bundesköniginnentag +++ mit Bildergalerie
Hier geht's zur Bildergalerie!

Verl (sab). Bundesköniginnentag in Verl - und die kleine Stadt platzt aus allen Nähten. Das hat es hier in dieser Größenordnung noch nicht gegeben. Tausende Besucher säumen die Straßen, der Festumzug ist mehrere Kilometer lang. Schützen der Diözesanverbände Trier, Münster, Aachen, Köln, Essen und Paderborn marschieren mit, außerdem zahlreiche Musikkapellen. Vor der Ehrentribühne hat die gastgebende St. Hubertus-Schützengilde Verl den roten Teppich für die Königinnen ausgerollt. Schließlich dreht sich heute alles um die Damen. Mit einem feierlichen Gottesdienst im Fußballstadion an der Poststraße hatte der Tag begonnen. Anschließend setzte sich der Zug in Bewegung. Mehr zum Bundesköniginnentag lesen Sie am Montag in der Verler und Gütersloher Ausgabe des WESTFALEN-BLATTES. Hier geht's zur Bildergalerie!
Detmold
Vorwürfe gegen Vater Özmen
20.05.12
11:10
20 hrs
20.05.2012
- 11:16
Anstiftung zum Mord und Geiselnahme?
Detmold (WB/bex). Nach dem Urteil im Fall der von ihren Geschwistern entführten und ermordeten Arzu Özmen (18) haben sich die Vorwürfe gegen den Vater konkretisiert. Sie lauten jetzt auf Anstiftung zum Mord und Geiselnahme. Das hat Oberstaatsanwalt Michael Kempkes bestätigt. Wie berichtet, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den 51-Jährigen, weil er mit der Ermordung etwas zu tun haben soll. Über die weiteren Ermittlungen sowie eine mögliche Revision soll nächste Woche entschieden werden. Lesen Sie auch: den Bericht zur Urteilsverkündung "Das war eine Hinrichtung" (vom 17. Mai) den Bericht zum vierten Prozesstag
»Arzu hat die Ehre der Familie verletzt« (vom 15. Mai 2012)

die Chronologie des vierten Prozesstags
Psychiater: Alle Angeklagten sind voll schuldfähig (vom 14. Mai 2012)
den Bericht zum dritten Prozesstag
Arzu Özmen (18) erkannte in dem Rapper-Video »Köln-Kalk-Ehrenmord« ihr eigenes Leben wieder (vom 10. Mai 2012)

die Chronologie des dritten Prozesstags:

Arzu hatte Angst, Opfer eines Ehrenmordes zu werden (vom 9. Mai 2012)

den Bericht zum zweiten Prozesstag:

Zwei Angeklagte entlastet? (vom 8. Mai 2012)

die Chronologie des zweiten Prozesstags:

Kein Hinweis auf geplanten Mord (vom 7. Mai 2012)

die Berichte zum ersten Prozesstag:

Teil 1:
Bruder gesteht Mord an Arzu Özmen. Geschwister sollen nicht dabei gewesen sein (vom 1. Mai 2012)

Teil 2:
»Das war nicht gewollt« - Angeklagte stellen Verbrechen an ihrer Schwester als spontane Tat eines Einzelnen dar (vom 1. Mai 2012)

die Chronologie:
So verlief der erste Prozesstag (vom 30. April 2012)

den
Vorbericht zum Prozess:
Geschwister wollen Schweigen brechen (vom 26. April 2012)
Vlotho
Fahrer aus dem Auto geschleudert
20.05.12
10:56
20 hrs
20.05.2012
- 11:03
Gegen Böschung geprallt - Mann (22) war alkoholisiert
Vlotho (WB). Bei einem Unfall auf der Herforder Straße in Richtung Vlotho ist am frühen Sonntagmorgen ein 22-jähriger Mann aus Görlitz verletzt worden. Nach Angaben der Polizei befuhr der Mann gegen sechs Uhr mit seinem Opel Corsa die Herforder Straße in Richtung Vlotho. In Höhe "Alte Landstraße" kam der Görlitzer aus bislang unbekannter Ursache nach rechts von der Fahrbahn ab, überfuhr ein Verkehrsschild und prallte gegen eine Böschung. Dadurch überschlug sich das Fahrzeug vermutlich mehrfach und kam anschließend auf dem Dach liegend auf der Fahrbahn zum stehen. Der 22-Jährige wurde aus dem Opel geschleudert und konnte erst durch die Polizei in einem Busch aufgefunden werden. Der 22-Jährige wurde vor Ort ärztlich versorgt und anschließend in ein Krankenhaus gebracht. Bei der Unfallaufnahme wurde zudem Alkoholgenuss bei dem Fahrer festgestellt. Laut Polizei wurde eine Blutprobe angeordnet. Der Sachschaden beträgt 4000 Euro.
Gütersloh
Spekulationen um Täter-DNA
19.05.12
02:10
2 days
20.05.2012
- 12:33
Drei Jahre nach dem Mord an Ingrid Amtenbrink (67) hat die Kripo immer noch keine heiße Spur
Gütersloh (WB). Eine Spermaspur ist möglicherweise der einzige Hinweis auf den Mörder von Ingrid Amtenbrink. Außerdem kann es sein, dass die 67-jährige Witwe nach ihrem Verschwinden doch noch ein oder zwei Tage lang gelebt hat und erst dann umgebracht worden ist. Letzteres glauben zumindest zwei Zeugen, die den Leichnam in einem Kornfeld im Ortsteil Blankenhagen entdeckt haben. Sie sind sich sicher: »Der Täter wird nie mehr gefasst!« Warum ist die Suche nach dem Mörder so schwierig? Warum ziehen sich die Ermittlungen hin? Das WESTFALEN-BLATT ist drei Jahre nach diesem ungelösten Mordfall noch einmal auf Spurensuche gegangen und hat im Umfeld von Ingrid Amtenbrink recherchiert. Dabei ist diese Zeitung auf neue Details gestoßen. Lesen Sie den ausführlichen Bericht in der Gütersloher Wochenend-Ausgabe des WESTFALEN-BLATTES oder in unserem E-Paper.
Bad Driburg/Brakel
Brakel wird zur Feier-Meile
19.05.12
02:09
2 days
20.05.2012
- 12:31
Jugend-Party und Fassanstich eröffnen Stadtfest – Programm bis Sonntag
Brakel (WB). Mit einem Paukenschlag hat das Brakeler Stadtfest am Donnerstag begonnen. Tausende Jugendliche tanzten beim zweiten »Summer City Beats«. Frühlingskirmes und Musik unterhielten die Besucher in der Innenstadt. Bummeln, sich treffen, einkaufen, essen und trinken: Wer sich an diesem Wochenende die Zeit angenehm vertreiben möchte, ist in Brakel gut aufgehoben. Das Stadtfest und die Frühlingskirmes begannen am Donnerstag unter optimalen Bedingungen. »Die Stadt zeigt sich in diesen Tagen von ihrer besten Seite«, kündigte Bürgermeister Hermann Temme auf der Marktplatzbühne an. Viele Vereine, Organisationen und Bürger hätten sich die Vorbereitung zu ihrer ureigensten Sache gemacht, viel Zeit und Elan aufgebracht sowie viel Geld und kreative Ideen beigesteuert. Allen voran dankte Temme den Mitgliedern der Werbegemeinschaft. »Ihr Kraftakt hat sich mehr als gelohnt. Das werden Sie, liebe Gäste, an diesem Wochenende sehen.« Während Bernhard Fischer vom Vorstand der Werbegemeinschaft das Fass Rheder-Pils anstach – gestiftet vom Brauherrn persönlich – hatten die Jugendlichen auf dem Partygelände im Industriegebiet »Königsfeld« schon einige Stunden Tanz in den Beinen. Der erste Bass war um 10 Uhr aus den Boxentürmen gewummert. Dieser animierende Puls riss den ganzen Tag nicht ab und hämmerte bis spät in die Nacht. 47 »House«-Discjockeys aus dem gesamten Hochstift und weiteren Teilen Ostwestfalen-Lippes wechselten sich an den Musikgeräten ab. Veranstalter Jürgen Jäger-Stein und Nils Grewe hatten mehrere tausend Einladungen über das Internetnetzwerk Facebook verteilt. Knapp 3000 hatten ihr Kommen zugesagt. »Wir hoffen, dass die Tanzfläche voll bleibt«, sagten Jäger-Stein und Grewe am Nachmittag im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. Diese Hoffnung erfüllte sich: Weit mehr als 1000 Menschen tanzten und feierten ständig auf dem 8500 Quadratmeter großen Gelände. Den Tag über dürften mehrere tausend Jugendliche die Party genossen haben. Und am Abend statteten selbst Bürgermeister Temme und Landrat Friedhelm Spieker der Feiermeute einen Besuch ab. Alle zusammen dürften das Versprechen eingelöst haben: Die Summer City Beats zum größten Open-Air DJ-Treff in Nordrhein-Westfalen zu machen.
Delbrück
Die Mischung macht's
19.05.12
02:09
2 days
20.05.2012
- 12:32
Stadt- und Spargelfest an diesem Wochenende in Delbrück
Delbrück (spi). Jetzt ist Hochsaison – für Spargel und für Feste gleichermaßen. In einer Kombination wird daraus in Delbrück das Stadt- und Spargelfest, zu dem an diesem Wochenende wieder viele tausend Besucher erwartet werden.Noch ehe am heutigen Samstag um 13 Uhr auf dem hinteren Wiemenkamp das Fest eröffnet wird, sind bereits 50 Oldtimer auf die »Delbrücker Spargelrallye« geschickt worden. Der Startschuss zu dieser Tour für betagte Fahrzeuge fällt um 12 Uhr auf dem Parkplatz der Stadtsparkasse; die Karossen trudeln aber schon im Laufe des Vormittags dort ein. Auf der Schlemmermeile am Wiemenkamp bieten heimische Gastronomen vielseitig zubereitete Spargelgerichte an, die sich in Zelten sowie unter freiem Himmel genießen lassen. Die Spargelanbauer aus dem Delbrücker Land informieren über das Edelgemüse und verkaufen es natürlich auch. Zur Festeröffnung wird die neue NRW-Spargelkönigin Katharina II. (Rau) aus Herne erwartet. Ein Bühnenprogramm mit Musik, Quiz für Familien und Kinder, Kleinkunst und Kochshow tagsüber sowie einem Konzert der Band »Zeitsprung« ab 19.30 Uhr rundet das Samstag-Programm am Wiemenkamp ab. Die Geschäfte sind am Samstag bis 16 Uhr geöffnet. Weiter geht das Fest am verkaufsoffenen Sonntag um 11 Uhr. Die für den Fahrzeugverkehr gesperrte Innenstadt wird dann von 13 bis 18 Uhr zu einer großen Fußgängerzone. In bewährter Weise wollen Kaufleute und viele heimische Vereine wieder an einem Strang ziehen und den Besuchern einige abwechslungsreiche Stunden bescheren. Dass dies seit Jahren so wirkungsvoll klappt, freut insbesondere die Sprecherin des Festausschusses, Mathilde Koch-Grewe. Mitmachaktionen, Modenschauenen, Einkaufsvergnügen, besondere Angebote in den Geschäften, Biergarten-Atmosphäre, Kaffee, Torten und Kuchen in den Straßencafés, Sonntagsmarkt in der Neustadt/Lange Straße und vieles mehr, dazu noch die Fortsetzung der Spargel-Schlemmermeile schaffen eine in der weiten Region einmalige Fest-Mixtur. Vom Wiemenkamp aus starten am Sonntag um 14 und um 16 Uhr außerdem wieder Bustouren in die Spargelanbaugebiete samt Besichtigung eines Spargelhofes. Eingebunden ist auch wieder der Kirchplatz, wo sich der Golfclub Paderborner Land und die DRK-Rettungshundestaffel (15 und 16.30 Uhr) vorstellen. Außerdem findet passend zum Slogan »Delbrück – Paradies für Radler« eine Fahrradbörse statt. Hinweis für Fußballfreunde: Am Samstag wird das Champions-League-Finale zwischen dem FC Bayern München und dem FC Chelsea ab 20 Uhr auf einer Großbildleinwand am Festgelände übertragen.
Kreis Minden-Lübbecke
Planwagenfahrer setzt Pfefferspray gegen Fußgänger ein
18.05.12
14:45
3 days
18.05.2012
- 15:00
[Update] Vatertag: Mann wollte im Sielpark ein Polizeipferd treten - Polizei zieht grundsätzlich aber eine positive Bilanz
Minden-Lübbecke (WB). Die Polizei im Kreis Minden-Lübbecke hat eine »durchaus positive Bilanz« nach den zahlreichen Feiern am Vatertag gezogen. An allen Veranstaltungsorten im Mühlenkreis seien die Feierlichkeiten weitestgehend friedlich verlaufen. Auch die Anzahl der Feiernden habe nicht das Niveau der vergangenen Jahre erreicht. Eine größere Ausnahme ereignete sich in Stemwede-Destel:  Dort hatte eine Gruppe von Fußgängern, die mit einem Bollerwagen einen Vatertagsumzug machte, eine unliebsame Begegnung. Als sie gegen 15 Uhr auf der Straße Harlingerort unterwegs waren, kam ihnen ein Planwagen entgegen, der von einem grünen Unimog gezogen wurde. Die Fußgänger wollten sich einen Spaß erlauben und das Gespann zum Anhalten bringen. Der Fahrer des Unimog verstand diesen Spaß offensichtlich nicht und gab Gas, wobei er auf die Gruppe zuhielt. Die Fußgänger mussten zur Seite springen, um einen Zusammenstoß zu vermeiden.
Im Vorbeifahren spritzte der Fahrer zudem Pfefferspray in Richtung der Fußgänger. Zwei 22 und 23 Jahre alte Mitglieder der Gruppe wurden getroffen. Sie klagten bei der Anzeigenaufnahme über brennende Augen und gereizte Haut. Der Fahrer des Unimog wird als etwa 50 bis 60 Jahre alt beschrieben, schlank, mit Drei-Tage-Bart und kurzen, angegrauten Haaren. Hinweise nimmt die Polizei in Lübbecke unter Telefon 05741/2770 entgegen. Eine außergewöhnliche Straftat leistete sich zudem ein stark alkoholisierter junger Mann gegen 19 Uhr in Bad Oeynhausen: Er war im Begriff,  im Sielpark einem Polizeipferd einen kräftigen Tritt zu verpassen. Polizisten erkannten das Vorhaben rechtzeitig und konnten den Tritt abfangen. »Der Mann hatte Glück, dass das Pferd sich nicht sofort revanchierte und der Reiter sein Dienstpferd beruhigen konnte«, heißt es im Polizeibericht von Donnerstagabend. So erwartet den jungen Mann nun eine Strafanzeige wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz. Die Polizisten nahmen den Mann vorläufig fest. Nachdem die größeren Vatertagsveranstaltungen im Bereich der Gemeinde Hille (Unterlübbe und Südhemmern) abgesagt worden waren, konzentrierte sich das Hauptaugenmerk der Polizei auf die Einsatzorte im Bereich der Städte Bad Oeynhausen und Lübbecke. Der Sielpark erwies sich erneut als größter Anziehungspunkt für die Feiernden im Kreisgebiet. Ein großes Polizeiaufgebot, unterstützt durch die Reiterstaffel Dortmund und Kräfte der Bereitschaftspolizei, sorgte dafür, dass die Vatertagsfeiern in ruhigen Bahnen verliefen. Die Beamten hätten bereits bei kleineren Rangeleien sofort deeskalierend eingegriffen, um Schlägereien größeren Ausmaßes vorzubeugen, teilte die Polizei am Donnerstagabend mit. Im Bereich des Sielparks mussten dennoch rund ein Dutzend Personen in Gewahrsam genommen werden. Die Polizei lobte die gute Zusammenarbeit mit der Ordnungsbehörde der Stadt Bad Oeynhausen aus. Bereits an den Kontrollstellen rund um den Park stellten die Ordnungsbeamten zehn Liter hochprozentigen Schnaps und zehn Grills sicher, die trotz Verbote in den Sielpark eingeschleust werden sollten. Im Bereich der Stadt Lübbecke wurde ebenfalls größtenteils friedlich gefeiert. Bei einer Schlägerei an der Hermann-Löns-Straße gegen 16 Uhr wurden zwei Personen in Gewahrsam genommen. Trotz kühler Wassertemperaturen gab es einige Unvernünftige, die von Kanalbrücken gesprungen waren. Sie wurden durch Beamte der Wasserschutzpolizei und Einsatzkräfte an Land auf die damit verbundenen Gefahren aufmerksam gemacht. Auf Grund zahlreicher weiterer Einsätze im Verlauf des früheren Abend mussten bis 20 Uhr 27 weitere Personen in Gewahrsam genommen werden.
Gütersloh
Mann attackierte Wahlvorsteher
18.05.12
13:00
3 days
19.05.2012
- 10:40
Kreis Gütersloh prüft Strafanzeige
Gütersloh (WB). Sein aggressives Verhalten im Wahllokal könnte für einen Gütersloher noch ein juristisches Nachspiel haben: Gegen 14.30 Uhr kam es im Wahllokal des Stimmbezirks 52 (Volkshochschule Gütersloh) bei der Landtagswahl am 13. Mai zu einem Angriff auf den Wahlvorsteher. Das teilte der Kreis am Freitag mit. Der Wahlvorsteher hatte einen Mann darauf aufmerksam gemacht, dass man allein die Wahlkabine betreten müsse, um das Wahlgeheimnis zu wahren. Der Gütersloher hatte mit seiner weiblichen Begleitung den Stimmzettel ausfüllen wollen. Nachdem der Wahlvorsteher ihn angesprochen hatte, packte der Gütersloher den Mann an den Armen, schubste den Wahlvorsteher an die Wand und beschimpfte ihn lautstark.

Der stellvertretende Kreiswahlleiter, Michael Hellweg, kündigte in der Sitzung des Kreiswahlausschusses am Freitag, 17. Mai, an, dass man in den nächsten Tagen prüfen werde, ob man eine Strafanzeige stelle. »Ein solches Verhalten gegenüber einem ehrenamtlichen Wahlhelfer ist vollkommen inakzeptabel.«

Die Prüfung der Strafanzeige sei nötig, damit der aggressive Wähler einen Warnschuss erhalte und die ehrenamtlichen Wahlhelfer, die schließlich ihren Sonntag der Allgemeinheit geopfert hätten, von der Wahlleitung im Kreis Gütersloh Rückendeckung erhielten. Helmut Feldmann (CDU) und Liane Fülling (SPD) sicherten diesem Vorgehen im Wahlausschuss ihre Unterstützung zu.
Rheda-Wiedenbrück
6000 Besucher bei »Frühling im Park«
18.05.12
12:33
3 days
18.05.2012
- 12:52
Gartenfestival läuft noch bis zum 20. Mai
Rheda-Wiedenbrück (cabo). Im zehnten Jahr hat sich »Frühling im Park« in Rheda-Wiedenbrück (Kreis Gütersloh) als eine der beliebtesten Veranstaltungen dieser Art in der Region etabliert. Nachdem Gastgeber Maximilian Erbprinz zu Bentheim-Tecklenburg am Donnerstagmorgen das Gartenfestival gemeinsam mit Ehefrau Marissa und Stargast Heikko Deutschmann eröffnet hatte, strömten nach Auskunft von Kanzleidirektor Albrecht Wrede den von der Sonne verwöhnten Feiertag über bis zu 6000 Besucher auf das weitläufige Areal am Schloss zu Rheda. Noch bis zum Sonntag, 20. Mai, läuft das Gartenfestival und entführt nach Ansicht des Erbprinzen in eine andere Welt vor malerischer Kulisse.
Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in der Wochenendausgabe des WESTFALEN-BLATTES, Lokalteil Gütersloh.

Weitere Termine zu Gartenfesten in der Region finden Sie hier!
Lügde/Marienmünster
Auto prallt gegen Baum: Fahrer (82) tot
17.05.12
19:55
3 days
19.05.2012
- 10:43
Mann aus Marienmünster gerät von der Fahrbahn ab
Lügde (WB). Tödlicher Verkehrsunfall in Lippe: Ein 82-jähriger Mann aus Marienmünster (Kreis Höxter) ist am Donnerstagnachmittag mit seinem Auto gegen einen Baum geprallt. Er erlag noch an der Unfallstelle seinen Verletzungen, teilte die Polizei mit. Der Mann war auf der Köterbergstraße in Niese unterwegs. Von Köterberg aus kommend geriet er am Ortseingang Niese aus bislang nicht bekannter Ursache nach links von der Fahrbahn ab und prallte dort gegen einen Baum. Der Fahrer, der alleine im Fahrzeug war, starb.
Bielefeld
Fan-Attacke: Beschuldigte wollen aussagen
17.05.12
12:46
4 days
17.05.2012
- 13:29
Ärzte: Der Zustand des 26 Jahre alten Werder-Fans hat sich leicht stabilisiert
Bielefeld (WB/hz). Fünf weitere Beschuldigte der Hooliganattacke auf Werder-Fans wollen in der kommenden Woche vor Ermittlungsrichtern des Amtsgerichtes aussagen. Das wurde aus Justizkreisen bekannt. Für vier der in Untersuchungshaft sitzenden Beschuldigten haben Anwälte Haftprüfungstermine beantragt, weil sie den Vorwurf der Beihilfe zum versuchten Mord für überzogen halten.

Sollten diese jungen Männer umfassend auspacken, könnten sie darauf hoffen, dass ihre Haftbefehle außer Vollzug gesetzt oder sogar aufgehoben werden. Davon profitierte bereits am vergangenen Freitag ein 20-Jähriger, der als Erster zur Tat und den Hintergründen umfassend aussagte. Derzeit sitzen sieben mutmaßliche Tatverdächtige der Hooliganattacke vom 5. Mai in Untersuchungshaft. Sie sind auf Gefängnisse in NRW bis ins Rheinland verteilt, um mögliche Kontaktaufnahmen der Beschuldigten untereinander zu verhindern.

Dem nach Schlägen und einem Tritt gegen den Kopf lebensgefährlich verletzten Hauptopfer der Hooliganattacke an der Ecke Jöllenbecker-/Wittekindstraße geht es etwas besser. Der Zustand des 26 Jahre alten Werder-Fans aus dem niedersächsischen Landkreis Lüneburg habe sich leicht stabilisiert, hieß es von den behandelnden Ärzten der Klinik Gilead 1. Lesen Sie auch die bisherige Berichterstattung: Fans wollen Gewalt mit Zivilcourage begegnen (15. Mai 2012)

Mutter fordert lange Haftstrafen (vom 14. Mai 2012)

Fan-Attacke: Erster Gewalttäter gesteht (vom 12. Mai 2012)
Opfer nicht mehr in akuter Lebensgefahr (vom 11. Mai 2012) Kommentar: »Attacke auf den Werder-Fan: So schnell weicht der Schock nicht« (vom 11. Mai 2012)

Fan weiter in Lebensgefahr (vom 10. Mai 2012)

Nach Fan-Attacke: Ermittler durchsuchen Wohnungen (vom 9. Mai 2012)

Werder-Fan weiter in Lebensgefahr (vom 8. Mai 2012)

Bremer Fan von Arminia-Anhängern lebensbedrohlich verletzt (vom 7. Mai 2012)
Halle
Mordfall Nelli Graf: Polizei sucht Pärchen als Zeugen
17.05.12
11:43
4 days
17.05.2012
- 12:00
Hinweise auf Spaziergänger an der Hachhowe am Tag des Verschwindens
Von Stefan Küppers

Halle (WB). Kriminalhauptkommissar Ralf Östermann, Chefermittler der Mordkommission im Fall Nelli Graf, ist Überraschungen gewohnt. Darum hat es ihn auch nicht verwundert, dass am letzten Tag des vorläufig abgeschlossenen Massengentests ein Haller bei der Abgabe seiner Speichelprobe mit einer interessanten Aussage aufgewartet hat.


Der Zeuge hat am Tag des Verschwindens von Nelli Graf am Freitag, 14. Oktober 2011, ein Pärchen beobachtet, das etwa zwischen 13.30 und 13.45 Uhr auf dem Waldweg in Höhe des späteren Fundortes des Fahrrades von Nelli Graf spazieren ging. Das Paar kam aus Richtung Wiesenstraße und wanderte in Richtung der Sitzbänke an der Hachhowe, wo Nelli Graf gelegentlich heimlich geraucht haben soll. Die Mordkommission bittet dringend, dass sich dieses Pärchen als Zeugen mit der Polizei in Verbindung setzt.

Nach der Beschreibung soll die Frau etwa 55 Jahre alt sein, etwa 1,75 Meter groß sein und dunkelblonde Haare haben. Die Frau trug eine auffallend rote Wind- beziehungsweise Regenjacke ohne Aufschrift. Der Mann soll etwa 60 Jahre alt sein, zwischen 1,80 und 1,85 Meter groß sein. Er trug einen Schnäuzer und eine auffallend große Brille. Er war bekleidet mit einer Jeans und einer großen Jacke.

Kontakt mit der Mordkommission in Bielefeld unter 0521/5450. Lesen Sie auch die Artikel: Kripo will Alibis der Nichtteilnehmer prüfen (vom 16. Mai 2012)

Erster Tag macht Ermittlern Mut (vom 12. Mai 2012)
Wurde Nelli Graf bedroht? Mordfall in »Aktenzeichen XY« (vom 9. Mai 2012) »DNA-Daten werden vernichtet« (vom 8. Mai 2012) Massengentest im Mordfall Nelli Graf (vom 4. Mai 2012) Mordkommission im Fall Nelli Graf unter Hochdruck (vom 16. März 2012)

Mehr als 500 Bürger nehmen Abschied (vom 23. Februar 2012)
Bielefeld
Kellerbrand in der Innenstadt
17.05.12
11:30
4 days
17.05.2012
- 11:35
Polizei sperrt August-Bebel-Straße
Bielefeld (WB/sb). Brennender Unrat im Keller hat am späten Mittwochabend einen Feuerwehr-Einsatz in der Nähe vom Bielefelder Kesselbrink ausgelöst.

Nach der Alarmierung gegen 23.30 Uhr rückten 23 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr und der Löschabteilung Mitte zum Gebäude an der August-Bebel-Straße 97b an, das an der Ecke zur Heeper Straße liegt. Das Haus wurde evakuiert, so dass sechs Bewohner das Gebäude verließen.

Die Feuerwehr bekam das Feuer schnell unter Kontrolle. »Wir haben das Brandgut aus dem Keller nach draußen gebracht«, berichtet Feuerwehr-Sprecher Ulrich Dreiwes. Und so beendete die Feuerwehr bereits nach einer Stunde den Einsatz.
Den Schaden beziffert Dreiwes auf 1000 Euro. Während der Löscharbeiten sperrte die Polizei ein Teilstück der August-Bebel-Straße. Die Brandursache ist noch unbekannt.
Bielefeld
Brand im Studentenwohnheim
17.05.12
11:07
4 days
18.05.2012
- 12:04
47 Menschen müssen Gebäude verlassen – 50 Feuerwehrleute im Einsatz
Von Stefan Biestmann

Bielefeld (WB). Diese Nacht werden die Bewohner des Studentenwohnheimes an der Stennerstraße 21 so schnell nicht vergessen: Nach einem Brand in einer Wohnung im zweiten Obergeschoss mussten alle 47 anwesenden Studenten teilweise aus dem Schlaf geholt werden und das Gebäude verlassen. Es wurde niemand verletzt.


Etwa 50 Feuerwehrleute waren in der Nacht zu Donnerstag fast dreieinhalb Stunden lang  im Einsatz. Die Brandursache ist noch unbekannt. Der Schaden in dem Gebäude des Studentenwerks liegt bei 75.000 Euro.

Gegen 1.10 Uhr wurde das Feuer gemeldet. Eine Bad-Küchen-Einrichtung war in Brand geraten. »Die Bewohnerin war allerdings nicht anwesend«, berichtet Feuerwehr-Sprecher Ulrich  Dreiwes. Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr sowie der Löschabteilungen West, Theesen und Babenhausen rückten zum Einsatzort an. Mit Unterstützung der Polizei wurde das Gebäude evakuiert. Nicht jeder Bewohner realisierte sofort das Feuer.

»Es mussten einige Wohnungstüren eingetreten werden«, berichtet Dreiwes. Und so standen schließlich 47 Studenten auf der Straße. Die aus 22 Mitarbeitern von  Arbeiter-Samariterbund, Deutschem Roten Kreuz und der Johaniter-Unfallhilfe bestehende Schnelleinsatzgruppe (SEG) betreute die Bewohner und versorgte sie mit Wärmedecken.

Unterdessen bekam ein Trupp der Feuerwehr mit einem C-Rohr den Brand schnell unter Kontrolle. Auch die Drehleiter kam zum Einsatz. »Das Problem war allerdings, dass es durch die Versorgungsschächte eine Rauchausbreitung in die oberen Stockwerke gab«, berichtete Dreiwes. »Deshalb war der Einsatz so langwierig.« Es entstanden große Rauchschäden im Gebäude. »Fünf Wohnungen sind unbewohnbar. Die Mieter fanden aber schnell eine andere vorübergehende Unterkunft.«

Alle anderen Bewohner konnten am frühen Morgen in ihre Wohnungen zurückkehren. Viele von ihnen waren aufgrund der langen Dauer der Arbeiten zwischenzeitlich im Gerätehaus der Feuerwehr Gellershagen betreut worden.

Die Kriminalpolizei will sich nun am Freitag mit der Ermittlung der Brandursache beschäftigen.
Köln/Warburg
»Let's Dance«: Brzeska und Klann tanzen im Finale
17.05.12
10:52
4 days
17.05.2012
- 11:06
Fünf Millionen Zuschauer
Köln/Warburg (dapd/WB). Die 26-malige deutsche Meisterin in der Rhythmischen Sportgymnastik, Magdalena Brzeska (34), und der Warburger Tanzlehrer Erich Klann stehen im Finale der RTL-Tanzshow »Let's Dance«.

Sie setzten sich am Mittwoch im Halbfinale gegen Volksmusikerin Stefanie Hertel (32) durch, die in der zehnten Show der Staffel die Segel streichen musste. Knapp fünf Millionen Zuschauer sahen zu. Im Finale am kommenden Mittwoch treten Brzeska und Klann gegen das Model Rebecca Mir (20) und ihren Tanzpartner Massimo Sinató an. Brzeska und Klann gelten als Favoritin, obwohl sie eigentlich schon ausgeschieden waren. Nur durch den Ausstieg von Sängerin Gitte Haenning, die wegen des Todes ihrer Schwester die Show verließ, kehrten sie im April zurück.

Detmold
»Das war eine Hinrichtung«
17.05.12
10:00
4 days
19.05.2012
- 20:57
[Update: Do., 10 Uhr]: Landgericht Detmold verhängt im Fall »Arzu Özmen« lange Haftstrafen und spricht von »Ehrenmord«
Von Bernd Bexte
Detmold (WB). Am Ende zeigen sich alle fünf Angeklagten reumütig. »Die Sache ist eskaliert, es tut mir leid«, gibt der 22-jährige Osman Özmen unter Tränen zu Protokoll. Weil er seine Schwester Arzu (18) erschossen hat, ist er zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Auch die tatbeteiligten Geschwister erhielten langjährige Freiheitsstrafen.
Der Andrang vor Saal 165 im Landgericht Detmold ist gewaltig. Beim Einlass in den Zuschauerbereich wird gedrängelt und geschubst. Die Justizbeamten müssen das Chaos ordnen. Alle wollen am fünften und letzten Verhandlungstag das Urteil im Fall Arzu Özmen hören. Die 18-jährige Detmolderin war in der Nacht zum 1. November von ihren Geschwistern aus der Wohnung ihres deutschen Freundes entführt und nahe Lübeck erschossen worden. Die zentrale Frage: War dies eine geplante Tat, um sie zu bestrafen, weil sie die Regeln ihrer Familie und ihrer Religion, dem Jesidentum, verletzt hat? Ein »Ehrenmord« also. So sieht es Oberstaatsanwalt Ralf Vetter. Oder war es die Tat eines Einzelnen, ein aus dem Ruder gelaufener Gewaltexzess bei dem Versuch, sie in den Schoß der kurdischen Familie zurückzuholen, wie die Verteidigung glauben machen will?

Das Gericht schließt sich mit seinem Urteil in großen Teilen der Einschätzung der Anklage an. Der Vorsitzende Richter Michael Reineke findet deutliche Worte: »Arzu ist von ihrem Bruder mit zwei Kopfschüssen hingerichtet worden. Das war ein Mord mit Ansage, es ging nicht darum, ihr den Kopf zu waschen.« Weil sie anders leben wollte, als ihre Familie dies für richtig hielt, war sie zuvor bereits zweimal krankenhausreif geschlagen worden. »Sie war schon ausgestoßen, und die Familie konnte mit dieser Situation nicht leben.«

Die Verteidiger hatten in ihren Plädoyers auf das große Medieninteresse verwiesen. Dies sei für die Angeklagten ein Belastung und erschwere ihnen einen Neuanfang nach der drohenden Haft. Diese Einlassung rügte Reineke scharf: »Es ist gut, dass es diese Öffentlichkeit gibt, denn es geht um Dinge, die direkt neben uns passieren.« Der Fall Arzu sei keine innerfamiliäre Streitigkeit. »Es war ein ›Ehrenmord‹, nichts anderes.« Er betonte, diese furchtbare antiquierte Tradition könne niemand schön reden.

Zuvor hatte Oberstaatsanwalt Ralf Vetter in seinem Plädoyer von einem Mord aus niederen Beweggründen gesprochen: »Dabei hat Arzu nur das getan, was jeder Frau zugebilligt wird: ein selbstbestimmtes Leben führen.« Er forderte hohe Strafen: lebenslang für Osman, Kirer und Sirin Özmen. Kemal und Elvis Özmen, die an der Entführung aus der Wohnung von Arzus Freund, einem Bäckergesellen, beteiligt waren, dann aber nach Hause nach Steinheim fuhren, wollte er für elf beziehungsweise elfeinhalb Jahre hinter Gittern sehen.

Die Verteidiger machten eine andere Rechnung auf. Die Tötung sei zu keinem Zeitpunkt geplant gewesen, die Familie habe Arzu zurückholen wollen, sagte Jerrit Schöll, Verteidiger des Haupttäters Osman Özmen. Er wertete die Erschießung Arzus als Totschlag. In Tateinheit mit einer Geiselnahme sei eine maximal elfjährige Freiheitsstrafe angemessen. Die »nicht zu erklärende Autofahrt« mit Arzu, zunächst nach Hamburg, dann weiter Richtung Lübeck, sei ein Beleg für die konfusen, nicht geplanten Tatumstände.

Andreas Chlosta sah bei seinem Mandanten Kirer Özmen den Tatbestand den Körperverletzung und Freiheitsberaubung erfüllt. Er überließ dem Schwurgericht die Strafbemessung, forderte aber die Aussetzung des Haftbefehls. Der 21-jährige Elvis sei als jüngster Tatbeteiligter in das Geschehen hineingerutscht, argumentierte Verteidigerin Susanne Renner. Sie forderte eine zweijährige Bewährungsstrafe. Strafverteidiger Detlev Binder, der Kemal Özmen vertrat, hielt wegen Freiheitsberaubung und gefährlicher Körperverletzung eine Strafe von unter drei Jahren für angemessen.

Arzus Schwester Sirin sei ein »aktiver Part« gewesen, gestand Verteidiger Carsten Ernst zu. Einen Mordplan habe es aber nicht gegeben. Sirin Özmen habe noch nicht einmal gewusst, dass Osman eine Waffe bei sich hatte. Wegen Geiselnahme sei eine Haftstrafe von sieben Jahren vertretbar. Ankläger Vetter hatte Sirin Özmen als treibende Kraft bezeichnet, die nach dem Bruch Arzus mit ihrer Familie »fanatisch« nach der Schwester gesucht habe. Die Anwälte von Elvis, Kirer und Osman wollen das Urteil mit Revision anfechten. Die Staatsanwaltschaft will das Urteil zunächst prüfen. Die Eltern von Arzu und der fünf Angeklagten waren nicht im Gerichtssaal. Familienangehörige informierten sie per Telefon. (Az.: 4 Ks 31 Js 1086/11-10/12) Die Verurteilten: Kirer Özmen (25) ist wegen Geiselnahme sowie Beihilfe zum Mord zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte eine lebenslange Haft wegen Mord aus niederen Beweggründen gefordert. Sein Verteidiger Andreas Chlosta hatte lediglich auf eine gemeinschaftliche Körperverletzung und Freiheitsberaubung plädiert. Kirer Özmen nutzte gestern zum Ende der Plädoyers die Gelegenheit zu einem letzten Wort. »Ich habe meine Schwester Arzu, mein Gesicht und meine Zukunft verloren«, sagte der 25-Jährige. Er bereue, könne die Tat aber nicht mehr rückgängig machen. Elvis Özmen (21) ist wegen Geiselnahme zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Er hatte an der Entführung von Arzu in der Nacht zum 1. November vergangenen Jahres mitgewirkt. Als seine Geschwister Osman, Kirer und Sirin mit der 18-Jährigen Richtung Hamburg aufbrachen, fuhren er und sein ebenfalls tatbeteiligter Bruder Kemal nach Hause nach Steinheim. Elvis Özmen war an der Ermordung seiner Schwester also nicht direkt beteiligt. Der jüngste der fünf Angeklagten äußerte sich am letzten Verhandlungstag nur kurz zu den Vorwürfen: »Es tut mir leid.« Osman Özmen (22), der Haupttäter, ist zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Er hatte gestanden, seine Schwester Arzu auf dem Weg nach Lübeck in einem Wald mit zwei aufgesetzten Kopfschüssen getötet zu haben. Den letzten Verhandlungstag verfolgte er gestern mit gesenktem Kopf und starrem Blick, wirkte zeitweilig wie paralysiert. Zum Ende der Plädoyers erklärte er mit tränenerstickter Stimme. »Ich bereue, es tut mir leid.« Er sei »außer Kontrolle geraten« und habe Arzu getötet, weil sie ihn und seine Eltern beleidigt habe, hatte er zuvor im Prozess erklärt. Kemal Özmen (24) soll, ebenso wie sein Bruder Elvis, wegen Geiselnahme für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Auch er war an der Mordtat nicht direkt beteiligt, hatte aber an der Entführung Arzus aus der Wohnung ihres Freundes in Detmold mitgewirkt. Oberstaatsanwalt Ralf Vetter hatte für ihn elf Jahre Haft wegen Geiselnahme mit Todesfolge gefordert. Die Gelegenheit zu einem abschließenden Wort ergriff der 24-Jährige gestern nur kurz. Die Beteiligung an der Tat nannte er einen »Riesenfehler«. Er hatte in einer E-Mail Arzu angeblich angeboten, dass sie bei ihm und seiner Frau Unterschlupf finden könne. Sirin Özmen (27): Das Landgericht hat gegen sie eine Haftstrafe von zehn Jahren wegen Geiselnahme sowie Beihilfe zum Mord verhängt. Sirin nutzte ausgiebig die Gelegenheit zu einem letzten Wort. »Ich hätte mich mit Arzus Entscheidung abfinden müssen, ebenso mit der meiner Eltern, sie zu verstoßen«, erklärte die 27-jährige unter Tränen. Die Jesidin bemühte dabei das biblische Gleichnis vom verlorenen Sohn. »Vielleicht wäre Arzu eines Tages wieder zurückgekommen.« Sie wünsche sich, dass Arzu ihr verzeihe. Sie bereue, sich niemandem anvertraut zu haben, der ihr den rechten Weg habe weisen können.
Lesen Sie auch: den Bericht zum vierten Prozesstag
»Arzu hat die Ehre der Familie verletzt« (vom 15. Mai 2012)

die Chronologie des vierten Prozesstags
Psychiater: Alle Angeklagten sind voll schuldfähig (vom 14. Mai 2012)
den Bericht zum dritten Prozesstag
Arzu Özmen (18) erkannte in dem Rapper-Video »Köln-Kalk-Ehrenmord« ihr eigenes Leben wieder (vom 10. Mai 2012)

die Chronologie des dritten Prozesstags:

Arzu hatte Angst, Opfer eines Ehrenmordes zu werden (vom 9. Mai 2012)

den Bericht zum zweiten Prozesstag:

Zwei Angeklagte entlastet? (vom 8. Mai 2012)

die Chronologie des zweiten Prozesstags:

Kein Hinweis auf geplanten Mord (vom 7. Mai 2012)

die Berichte zum ersten Prozesstag:

Teil 1:
Bruder gesteht Mord an Arzu Özmen. Geschwister sollen nicht dabei gewesen sein (vom 1. Mai 2012)

Teil 2:
»Das war nicht gewollt« - Angeklagte stellen Verbrechen an ihrer Schwester als spontane Tat eines Einzelnen dar (vom 1. Mai 2012)

die Chronologie:
So verlief der erste Prozesstag (vom 30. April 2012)

den
Vorbericht zum Prozess:
Geschwister wollen Schweigen brechen (vom 26. April 2012)

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Von Edgar Fels
Tarifabschluss IG Metall: Ein Erfolg für alle Seiten
20.05.12
18:27
13 hrs
20.05.2012
- 18:30
.
Streik abgewendet! Gewerkschaft und Arbeitgeber zufrieden! Der Abschluss in der Metallindustrie ist für alle Seiten ein Erfolg – wenn auch mit Einschränkungen. 4,3 Prozent mehr Geld sind ein Punkt für die Gewerkschaften. Beim Thema Mitbestimmung bei der Zeitarbeit hat sich das Arbeitgeberlager durchgesetzt. Und auch die vereinbarte unbefristete Übernahme der Auszubildenden lässt den Firmen ein Hintertürchen offen – folglich können beide Seiten für sich einen Verhandlungserfolg beanspruchen.
 Für den Industriestandort Deutschland ist der Tarifabschluss insgesamt als Gewinn zu sehen. In Zeiten voller Auftragsbücher wäre ein Streik für alle Parteien schädlich gewesen. Das nun fällige Lohnplus können die Firmen schultern. Nicht nur, weil sie in der Regel gut verdienen, sondern auch, weil sie durch stetig steigende Effizienz – also schnellere und sparsamere Maschinen – ihre Personalkostenquote gering halten. Da sind ein paar zehntel Prozentpunkte mehr Lohn eher zu verkraften als eine teure Maschine, die tagelang stillsteht. Obendrein berücksichtigt die kurze Laufzeit von 13 Monaten den Fall, dass es bei den Unternehmen als Folge der europäischen Finanz- und Währungskrise schon bald nicht mehr so rund läuft wie bisher.
 Aus Arbeitnehmersicht aber ist wichtig, dass (auf zwölf Monate gerechnet) knapp vier Prozent mehr Geld deutlich über der Inflationsrate von derzeit etwa 2,5 Prozent liegen. Höhere Kosten durch steigende Sprit- und Strompreise werden kompensiert und die Kaufkraft gestärkt. Davon können Länder wie Spanien oder Griechenland nur träumen. In diesem Punkt dürfen sich die Gewerkschaften zu Recht auf die Schulter klopfen.
 Anders sieht es bei der Leiharbeit aus. Die von der IG Metall angestrebte Stärkung der Betriebsräte durch mehr Mitbestimmung bei der Beschäftigung von Leiharbeitern ist fehlgeschlagen. Unternehmen haben weiterhin die Flexibilität wie bisher. Dass Leiharbeiter nach zwei Jahren Einsatz vom Betrieb fest übernommen werden müssen, ist wohl eher ein Erfolg auf dem Papier. Denn in der Praxis bleiben die Zeitarbeiter gar nicht so lange im Betrieb.
 Und doch hat die Gewerkschaft hier erstmals ein Zeichen gesetzt: Leiharbeiter, so die Botschaft, gehören zur Gesamtbelegschaft. Eine Zweiklassengesellschaft an der Werkbank soll es nicht geben.
 Auch bei der von der IG Metall geforderten unbefristeten Übernahme der Auszubildenden gibt es eine Einschränkung, die den Verhandlungerfolg relativiert. Wenn ein Betrieb einen Azubi partout nicht übernehmen will, gibt es dafür einen Weg. Die Frage ist, ob es angesichts des vielerorts beklagten Fachkräftemangels dazu überhaupt kommt.
 Â»Dieser Abschluss war eine recht komplizierte Geburt«, fasst Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser das Ergebnis zusammen. Schon deshalb wäre es wünschenswert, wenn der Pilotabschluss nun von allen anderen Verbänden übernommen wird.
Von Bernhard Hertlein
Facebook: »Gefällt mir nicht« gibt es nicht
18.05.12
19:44
2 days
18.05.2012
- 19:47
.
Facebook-Nutzer kennen ihn, den »Gefällt mir«-Button. Rudi findet die Nazis blöd? Gefällt mir. Laura liest gerade zum zweiten Mal »Pigafetta« von Felicitas Hoppe? Gefällt mir. Pedro hat ein Bild von seinem Haus in Acapulco online gestellt? Gefällt mir. Kerstin und Jürgen sind jetzt ein Paar? Gefällt mir.
Facebook ging am Freitag mit großem Tamtam an die Börse? Wer jetzt »Gefällt mir« anklicken möchte, hat es leicht. Den Button »Gefällt mir nicht« gibt es dagegen nicht bei Facebook. Wer trotzdem sein Missfallen kundtun möchte, muss sich schon die Mühe machen, seine Meinung etwas länger in Worte zu fassen.
Facebook gefällt mir. Es ermöglicht auf einfache Weise ständigen Kontakt mit »Freunden« in aller Welt. Nicht-Facebook-Nutzer – und das sind immerhin noch zwei von drei erwachsenen Deutschen – stören sich vor allem an der Nutzung dieses Begriffs. Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen hat 4467 »Freunde«, die Sängerin Anna-Maria Zimmermann sogar 4846. Das können doch nicht alle Freunde sein, sagen die Kritiker von Facebook. Natürlich nicht, antworten die, die mitmachen. Viele sind einfach nur Bekannte. Oder Freunde von Bekannten. Na und?
Die Na-und-Haltung ermöglicht, dass die Facebook-Gemeinde ständig größer wird.
 Facebook ist eine Datenkrake? Na und, mein Nachbar weiß auch alles über mich.
 Mit Hilfe von Facebook erfahren Personalentscheider in Unternehmen alles über meine heimlichen Schwächen? Na und. Da achte ich schon darauf, dass ich keine negativen Fotos oder andere Infos über mich poste.
Eines muss man Facebook zugute halten: Die Manager wissen, dass sie ohne Datenschutz und -sicherheit leicht ihre Geschäftsgrundlage verlieren können. Sie gehen das Thema deshalb neuerdings verstärkt offen an, indem sie die Nutzer informieren und zur Diskussion auffordern. Da könnten sich Google und andere ein Beispiel nehmen.
Wirtschaftlich gesehen sind die Daten bislang allerdings auch fast das einzige Kapital, auf das sich die Gewinnerwartungen der Gründer und Neuaktionäre stützen. Mit ihrer Hilfe kann Facebook Trends früh erkennen und Werbebanner der Kunden gezielt platzieren.
Trotzdem könnten Anleger, die sich jetzt ärgern, weil sie in Deutschland im Vorfeld keine Facebook-Aktien zeichnen konnten, eines Tages noch froh darüber sein. Denn so toll Facebook von seinen Nutzern angenommen wird, es ist nicht ohne Risiken. Fast die Hälfte wählt das Netzwerk vom Smartphone an, das bislang anzeigenfrei ist. Und wie die Community reagiert, wenn sie mit zu viel Werbung konfrontiert wird, lässt sich nur vermuten.
 Die Internet-Welt lässt ihre erfolgreichen Kinder auch schnell wieder fallen. Große Namen wie AOL schreibt man heute nur noch klein. Der Lycos-Chat war einmal der größte in Europa. Und selbst in der eigenen Branche kann Facebook sehen, wie schnell es vom Gipfel abwärts gehen kann. Ob StudiVZ oder Wer kennt wen: Alle früher starken Wettbewerber kämpfen heute ums Überleben.
Von André Best
Röttgen-Rausschmiss: Merkel zieht die Notbremse
16.05.12
19:39
4 days
16.05.2012
- 19:44
.
Merz, Koch, Wulff, zu Guttenberg und nun also Norbert Röttgen. Nur drei Tage nach dem Wahldesaster der CDU in Nordrhein-Westfalen hat die Bundeskanzlerin ihren Umweltminister gefeuert. Das war kein Rücktritt, das war ein glatter Rausschmiss.

Die CDU verliert erneut einen ihrer besten Politiker – aber er war nicht mehr zu retten. Zu groß war der Druck aus den eigenen Reihen. Zu groß war der Frust nach dem Debakel in Nordrhein-Westfalen. Nicht nur in Düsseldorf, sondern auch in Berlin. Als CSU-Chef Horst Seehofer sich den Wahlverlierer am Montagabend im »heute-journal« heftigst vorknöpfte und indirekt seinen Rücktritt forderte – spätestens nach diesem Interview mit Claus Kleber war klar, dass eine Zusammenarbeit nicht mehr möglich ist.

Röttgen wurde vor die Tür gesetzt, weil er die gesamte Partei nach unten gezogen hat. Weil er nicht hören wollte. Merkel und auch Seehofer hatten auf ihn eingeredet, nach Düsseldorf zu gehen. Er sollte mit Haut und Haar und nicht nur mit halbem Herzen versuchen, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft abzulösen. Doch Röttgen hörte nicht, obwohl man ihn gewarnt hatte. Seine schwere Schlappe als Bundesumweltminister bei der Kürzung der Solarförderung kam noch erschwerend hinzu. »Muttis Klügster« wurde plötzlich als »Muttis Dümmster« verspottet. Röttgen hat nicht nur sein Image, sondern das der gesamten Union und vor allem das der Bundeskanzlerin nachhaltig beschädigt. Und deshalb musste er gehen.

Angela Merkel ist in die Offensive gegangen. Sie hat kurzen Prozess gemacht. Eigentlich ist das nicht ihre Art. Erst recht nicht in wichtigen Personalangelegenheiten. Doch wenn es um ihre eigene Macht geht, ist die Bundeskanzlerin zu allem fähig und immer wieder für eine Überraschung gut. Dann spricht sie ein Machtwort.

Mit der Entlassung Röttgens schlägt die Kanzlerin mehrere Fliegen mit einer Klappe. Angela Merkel hat Norbert Röttgen geopfert, um damit die CSU zu besänftigen. Die Kanzlerin kommt somit Horst Seehofer entgegen, der Röttgen vor laufender Kamera rücktrittsreif gegrantelt hatte. Obwohl sie den CSU-Chef noch immer hasst, musste Merkel so reagieren. Auch deshalb, um bei den Themen Betreuungsgeld und Vorratsdatenspeicherung endlich Ruhe zu bekommen.

Merkels künftiger Umweltminister Peter Altmaier ist ein ganz enger Vertrauter der Kanzlerin. Mit ihm soll die Umsetzung der Energiewende vorangetrieben werden. Das war mit Röttgen nicht mehr möglich.

Fazit: Seehofer zufrieden, die FDP nach ihren zwei Wahlerfolgen im siebten Himmel, der Problem-Minister entsorgt. Und ganz nebenbei: Über Hannelore Kraft, ihren großartigen Erfolg bei der NRW-Wahl und die trommelnde SPD-Troika spricht seit Mittwoch niemand mehr.

Von Christian Althoff
Mordfall Arzu Özmen: eine Frage der Ehre
15.05.12
19:17
5 days
15.05.2012
- 19:22
.
Das Bestreben des Detmolder Schwurgerichts, den Mord an der 18 Jahre alten Jesidin Arzu Özmen aufzuklären, ist nur zum Teil von Erfolg gekrönt. Wie will man auch in einer Parallelgesellschaft ermitteln, in der sich die Menschen abschotten, in der alles auf den Erhalt der sogenannten Familienehre, auf das Vermeiden eines Gesichtsverlustes ausgerichtet ist?

Wenn das Gericht am Mittwoch sein Urteil spricht und die fünf Geschwister ins Gefängnis schickt, können wir sicher sein, dass die Richtigen hinter Gittern sitzen. Was jedoch genau in der Tatnacht geschehen ist, werden wir nie erfahren. Auch wird niemals herauskommen, ob die Eltern eine Rolle gespielt haben.

Den fünf angeklagten Geschwistern des erschossenen Mädchens war nicht daran gelegen, im Prozess reinen Tisch zu machen. Ihnen ging es um Schadensbegrenzung. Vater und Mutter wurden ganz herausgehalten: An den vier Verhandlungstagen ist nicht ein einziges Mal das Wort »Eltern« gefallen. Stattdessen war immer nur von der Familie die Rede.

Und als Osman Özmen die tödlichen Schüsse abgegeben hat, will niemand in der Nähe gewesen sein. Ja, man will nicht einmal geahnt haben, dass er eine Pistole besaß. Und die Tat soll nichts mit der Ehrverletzung der Familie zu tun gehabt haben, sondern passiert sein, weil das entführte Mädchen seinen Bruder angeblich angespuckt und beleidigt hat.

Diese Version ist nicht zu widerlegen, aber man muss sie auch nicht glauben. Denn wenn es so gewesen wäre: Warum verrät Sirin Özmen nicht, wo ihr iPhone ist, auf dem die Polizei aufschlussreiche SMS vermutet? Warum sagt Osman Özmen nicht, wo er die Pistole weggeworfen hat?

Es gibt noch viele Fragen in diesem Fall, deren Klärung für eine Verurteilung nicht notwendig war, die aber einen schalen Geschmack zurücklassen. Wie glaubhaft ist es, dass in einer patriarchischen Familie, in einer Macho-Welt, ein junger Mann eine scharfe Waffe besitzt und seinen Brüdern nichts davon erzählt haben will? Worum ging es in jenen fünf Telefongesprächen, die Sirin Özmen in der Tatnacht mit ihrem Elternhaus geführt hat? Und wie wahrscheinlich ist es, dass Arzu den Bruder, der sie schon zweimal ins Krankenhaus geprügelt hatte, nachts in einem Wald bis aufs Blut reizt?

Die letzten Wochen haben bei den Angeklagten mehr Scheinheiligkeit als Ehrbewusstsein offenbart. Arzu wurde als schwarzes Schaf hingestellt, das die sogenannte Familienehre beschmutzt hat, doch ihre Geschwister sind selbst nicht ohne: Sirin hat versucht, Geld aus der Familienkasse zur Seite zu schaffen, ein Bruder besaß illegal eine Pistole, und bei zwei Brüdern wird geprüft, ob sie ihre Arbeitgeber bestohlen haben.

Es hätte für alle fünf eine Frage der Ehre sein können, sich der eigenen Verantwortung zu stellen. Aber soweit ging das Streben nach Ehre dann doch nicht.

Specials

Arminia Bielefeld
DSC trennt sich von Krücken
16.05.12
08:07
5 days
16.05.2012
- 08:11
Jugendleiter verlässt den Verein.
Jugendleiter verlässt den Verein
Bielefeld (WB/wie). Der DSC Arminia Bielefeld und Nachwuchsleiter Thomas Krücken gehen ab dem 30. Juni getrennte Wege. Darauf haben sich der Verein und der 34-Jährige verständigt.»Die Trennung erfolgt einvernehmlich. Es gibt auch keine atmosphärischen Störungen oder irgendwelche Scharmützel«, betont DSC-Geschäftsführer Marcus Uhlig, der sich bei Krücken in einer offiziellen Stellungnahme »für die gute Zusammenarbeit in den vergangenen zwei Jahren« bedankt. Arminias Vizepräsident Hans-Jürgen Laufer würdigt die Arbeit des Jugendleiters: »Thomas ist ein absoluter Fachmann. Er hat viele Projekte angestoßen und maßgeblich zur weiteren Professionalisierung des Nachwuchsleistungszentrums beigetragen.« Thomas Krücken, der im Sommer 2010 von Hertha BSC Berlin nach Bielefeld gekommen war, bedankte sich ebenfalls für die »gute Zusammenarbeit« und sieht den Verein für die Zukunft gut aufgestellt: »Mit den geschaffenen Strukturen ist der Club im Nachwuchsbereich auf einem guten Weg, den ich mit Interesse weiter verfolgen werde.« Wohin es Thomas Krücken ziehen wird, steht noch nicht fest. Arminia wird die Position, die Krücken eingenommen hat, in dieser Form nicht neu besetzen. »Es wird strukturelle und personelle Änderungen geben«, sagt Marcus Uhlig. Die Sparzwänge, denen der Verein unterworfen ist, haben offenbar dazu geführt, dass beide Seiten nicht weiter zueinander gefunden haben. Nach Informationen dieser Zeitung sollte Krücken auf Wunsch des Vereins zur neuen Saison auch eine der Leistungsmannschaften im Jugendbereich als Trainer übernehmen, was aber zu keiner Einigung geführt hat. Als neuer Jugendkoordinator im Gespräch ist Armin Perrey, der nach dieser Saison die U23 als Trainer an Daniel Scherning übergeben wird. Wer künftig die U19 und U17 coachen wird, soll erst nach Saisonende bekannt gegeben werden. Arminias U23 hat das NRW-Liga-Heimspiel gegen SSVg Velbert auf Wunsch des Gastes von Sonntag auf kommenden Samstag, 19. Mai, vorverlegt. Anstoß an der Rußheide ist um 14 Uhr.

SC Paderborn
Rolf-Christel Guié-Mien blickt zurück
11.05.12
01:59
10 days
11.05.2012
- 16:42
»Ich war schon weg vom Fenster«, sagt der 34-Jährige, der 15 Profijahre in der Bundesliga verbracht hat.
»Ich war schon weg vom Fenster«, sagt der 34-Jährige, der 15 Profijahre in der Bundesliga verbracht hat
Paderborn (WB). 81 Erstligaspiele, 180 Zweitligapartien: So oft wie Rolf-Christel Guié-Mien (34) war noch nie ein Spieler des SC Paderborn am Bundesliga-Ball. Seit Sonntag ist seine Zeit beim SCP vorbei. Ob auch die Bundesliga-Karriere des 34-Jährigen zu Ende ist, bleibt offen. Für das WESTFALEN-BLATT blickt Guié-Mien schon mal auf 15 Profijahre zurück.


Karrierebeginn

Ich habe immer von Deutschland geträumt. Da Kongo eine französische Kolonie ist, hatte ich viele Angebote aus Frankreich, aber auch aus Italien. Da ist es viel wärmer, dennoch war ich von Deutschland am meisten begeistert. Da wollte ich hin. Ich dachte, wenn ich als Techniker mit meinen 67 Kilogramm noch die deutsche Power bekomme, bin ich ein kompletter Spieler. So hat damals beim Karlsruher SC alles angefangen.


SC Paderborn 07


Als ich 2008 zum SCP kam, war ich schon fast weg vom Fenster. Bei Sachsen Leipzig hatte ich in der 4. Liga gekickt, danach mit RW Essen die Qualifikation für die 3. Liga verpasst. Dann kam der Anruf von Pavel Dotchev, Paderborn war gerade in die 3. Liga abgestiegen. Ich habe gehofft, dass ich mit viel Wille und harter Arbeit noch mal in die Bundesliga zurückkehren kann. Das wollte der Verein auch und das hat mir gut gefallen. Es war für beide Seiten der richtige Moment, auch wenn ich, ganz ehrlich, damals nicht gedacht hätte, dass ich so lange bleibe. Inzwischen ist der SCP der Klub, bei dem ich am längsten gespielt habe.


Saison 2011/2012


Wir haben eine tolle Mannschaft mit super Kollegen. Dass wir in dieser Saison sogar um den Aufstieg mitgespielt haben, kommt für mich total überraschend. Mit so einem geringen Etat darfst du von der 1. Liga eigentlich nicht reden. Aber die Ergebnisse sprechen für sich, die Relegation wäre die Krönung einer großartigen Saison gewesen. Dass ich an diesem erfolgreichsten Abschneiden in der Vereinsgeschichte wenig mitwirken konnte, ist natürlich sehr enttäuschend. 15 Einsätze und nur ein Mal von Beginn an – das ist zu wenig. Menschlich komme ich mit unserem Trainer Roger Schmidt sehr gut aus, doch sportlich hat er andere Vorstellungen und mir leider keine Chance gegeben.


Lieblingsverein


Borussia Dortmund, obwohl ich nie dort gespielt habe. Als ich nach Deutschland kam, spielten dort Matthias Sammer und Andreas Möller. Die haben mich begeistert.


Schönster Moment


Mein erstes Profi-Tor zum 1:0-Sieg für den Karlsruher SC gegen den 1. FC Köln. Das werde ich nie vergessen.


Mein bester Trainer

Der leider schon verstorbene Jörg Berger. Ihm habe ich am meisten zu verdanken. Er hat mich in Karlsruhe entdeckt und mir die Chance gegeben, in der Bundesliga zu spielen. Später hat er mich dann auch zu Eintracht Frankfurt geholt.


Schlimmstes Erlebnis


In der Qualifikation für den Afrika-Cup habe ich für Kongo gegen Burkina Faso einen Elfmeter verschossen und am Ende haben wir nur 0:0 gespielt. Die Fans waren sauer, hatten Hass auf mich und wollten mein Haus zerstören. Zum Glück hatte ich Unterstützung seitens der Polizei, aber das war eine schwere Zeit.


Aufhören oder weitermachen?

Ich fühle mich körperlich gut, möchte gerne noch zwei Jahre Fußball spielen und warte auf Angebote. Ich weiß, dass es aufgrund meines Alters und da ich in dieser Saison wenig gespielt habe, schwer wird, in der Bundesliga zu bleiben, aber die Liga ist mir nicht so wichtig. Es geht auch nicht so sehr ums Geld. Ich möchte Spaß haben. Ideal wäre es, wenn ich einen interessanten Klub finden würde, der in der Nähe meiner Familie liegt.


Zeit nach der Karriere

Klar ist, dass meine Familie in Deutschland bleibt. Meine drei Kinder sind hier geboren, wir haben ein Haus in Wesseling, zwischen Köln und Bonn, gekauft. Da sind wir gut aufgehoben. Da ist Multikulti, viele Leute kommen aus unserem Land und wir haben sogar eine afrikanische Kirchengemeinde. Wir sind dort sehr zufrieden und es gibt keinen Grund, wegzugehen. Ich möchte gerne die Trainerlizenz erwerben. Ich könnte mir auch gut vorstellen, als Manager zu arbeiten und Talente von Afrika nach Europa zu holen. Auf jeden Fall wird es mir auch in Zukunft um Fußball gehen, denn ich habe in meinem Leben noch nie etwas anderes gemacht.

Der Bundesliga-Tipp

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Ressorts

Politik

Anhänger feiern Nikolic-Sieg
Wahlen
Serbien: Oppositionsführer Nikolic gewinnt Präsidentenwahl
21.05.12
06:44
17 min
21.05.2012
- 07:00
Belgrad (dpa) - Neuer Staatschef Serbiens wird Tomislav Nikolic.
Völlig überraschend konnte sich der Oppositionsführer am Sonntag bei der Stichwahl ums Präsidentenamt gegen den langjährigen Amtsinhaber Boris Tadic durchsetzten.

Belgrad (dpa) - Neuer Staatschef Serbiens wird Tomislav Nikolic. Völlig überraschend konnte sich der Oppositionsführer am Sonntag bei der Stichwahl ums Präsidentenamt gegen den langjährigen Amtsinhaber Boris Tadic durchsetzten.

Noch am Wahlabend räumte Tadic die Niederlage ein und beglückwünschte seinen Nachfolger. »Ein klarer Sieg, die Wahlen waren fair«, sagte der Unterlegene.

»Es gibt doch eine göttliche Gerechtigkeit«, jubelte dagegen Wahlsieger Nikolic in der Parteizentrale seiner Fortschrittspartei (SNS). In vielen Städten des Landes feierten seinen Anhänger den Sieg bis tief in die Nacht auf den Straßen mit Autokorsos und Feuerwerk.

Wie die staatliche Wahlkommission mitteilte, erreichte der 60-jährige Nikolic 49,8 Prozent der Stimmen. Auf den sechs Jahre jüngeren Tadic entfielen demnach 47,2 Prozent. Basis war die Auszählung von 76 Prozent der abgegebenen Stimmen.

Die Wahlbeteiligung war außergewöhnlich niedrig. Nur rund 45 Prozent der 6,8 Millionen Wahlberechtigten waren an die Urnen gegangen. Daneben soll es nach inoffiziellen Informationen bis zu 100 000 ungültig gemachte Stimmzettel gegeben haben.

Nikolic bemühte sich noch in der Wahlnacht, Zweifel an seinem politischen Kurs zu zerstreuen. »Serbien wird nicht vom europäischen Weg abweichen«, sagte er vor seinen jubelnden Anhängern. »Das ist der Gipfel meiner Karriere und ein Wendepunkt für Serbien«. »Sieg, Sieg«, skandierten seine Parteigänger.

Alle Kommentatoren begründeten den völlig unerwarteten Wahlausgang mit der schweren Wirtschaftskrise im Land. Auch der serbische Analytiker Ognjen Pribicevic machte die soziale Misere für Tadics Niederlage verantwortlich: »Eine große Zahl der Bürger hat ein schweres Leben, mit Einkommen von 20 000 oder 25 000 Dinaren (181 bis 227 Euro).«

Das Staatsfernsehen RTS sprach von einem »politischen Erdbeben«. Tadic forderte Nikolic auf, die zu erwartete Kohabitation konstruktiv anzugehen. Denn nach allen Ankündigungen wird die DS-Partei von Tadic wie bisher auch die neue Regierung bilden. Bereits am Montag solle damit begonnen werden, kündigten Tadic und seine Koalitionspartner an. Tadic strebt dabei nach eigenen Angaben aber nicht das Amt des Ministerpräsidenten an.

Vor zwei Wochen hatte die SNS von Nikolic die Parlamentswahlen zwar gewonnen, mangels Bündnisgenossen kann sie aber keine Regierung bilden. Die wird wie bisher von der DS und den Sozialisten (SPS) des früheren serbischen Autokraten Slobodan Milosevic gebildet. Die SPS bestätigte in der Wahlnacht noch einmal, sie wolle mit der Tadic-DS die Regierung bilden und nicht ins Nikolic-Lager umschwenken.

Nachrichtenüberblick
dpa-Nachrichtenüberblick Politik
21.05.12
06:22
39 min
21.05.2012
- 07:00
Nato-Raketenabwehr in Teilen einsatzbereit.
Nato-Raketenabwehr in Teilen einsatzbereit

Nato-Raketenabwehr in Teilen einsatzbereit

Chicago (dpa) - Die neue Nato-Raketenabwehr für Europa ist teilweise einsatzbereit. Das erklärten die Staats- und Regierungschefs der Nato-Staaten in Chicago. 2020 soll es dann voll einsetzbar sein. Russland lehnt das Abwehrsystem ab. Der Nato-Gipfel beschloss auch ein neues System zur Bodenüberwachung. Außerdem wollen die Nato-Staaten bei mehr als 20 Rüstungsprojekten sehr eng zusammenarbeiten. Viele tausend Aktivisten gingen in Chicago gegen Krieg und Nato-Politik auf die Straße.

Nikolic Hochrechnungen zufolge neuer Präsident in Serbien

Belgrad (dpa) - Zeitenwende in Serbien: Völlig überraschend bekommt das Balkanland einen neuen Staatspräsidenten. Der langjährige Amtsinhaber Boris Tadic wird vom Oppositionsführer Tomislav Nikolic abgelöst. Wie die staatliche Wahlkommission mitteilte, erreichte der Nikolic 49,8 Prozent der Stimmen. Auf Tadic entfielen demnach 47,2 Prozent. Tadic räumte seine Niederlage bei der Stichwahl am Abend in Belgrad ein. Serbien werde nicht vom europäischen Weg abweichen, versicherte Nikolic. Die EU und die USA stehen dem vom Nationalisten zum Demokraten gewendeten Nikolic skeptisch gegenüber.

Keine Lösung im Machtkampf der Linken in Sicht

Berlin (dpa) - Der Geschäftsführende Parteivorstand der Linken wird sich heute Vormittag erneut mit dem Machtkampf um den Parteivorsitz befassen müssen. Ein Krisentreffen am Abend brachte nach Informationen der »Berliner Zeitung« keine Einigung. Nach wie vor wollen sowohl Bundestagsfraktionsvize Dietmar Bartsch als auch der frühere Parteichef Oskar Lafontaine kandidieren. Lafontaine will aber nur antreten, wenn es keinen anderen männlichen Kandidaten gibt. Bartsch ist nicht zum Rückzug bereit.

IAEA-Chef Amano zu Atomgesprächen in Teheran

Teheran (dpa) - Der Chef der internationalen Atombehörde IAEA, Yukio Amano, ist zu neuen Gesprächen über das iranische Atomprogramm in Teheran eingetroffen. Im Laufe des Tages will Amano mit Außenminister Ali-Akbar Salehi, dem Direktor des iranischen Atomprogramms und Atom-Chefunterhändler sprechen. Vor seinem Abflug nach Teheran hatte sich Amano optimistisch geäußert. Es sei zwar nicht sicher, ob man einen Blick hinter die Kulissen des iranischen Atomprogramms vertraglich vereinbaren könne, aber es sei möglich.

Sechs Verletzte nach Straßenkämpfen in Beirut

Beirut (dpa) - Der blutige Konflikt in Syrien heizt die Gewalt auch im Nachbarland Libanon weiter an: Bei Straßenkämpfen zwischen Gegnern und Anhängern des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad in Beirut wurden in der Nacht nach Angaben von Sicherheitskräften mindestens sechs Menschen verletzt. Zuvor war am Sonntag an einem Kontrollpunkt im Norden des Libanon ein sunnitischer Geistlicher und bekannter Gegner des Assad-Regimes von Soldaten erschossen worden. Auch ein Begleiter des Mannes kam ums Leben.

Regierungskandidat in Führung bei dominikanischen Präsidentenwahlen

Santo Domingo (dpa) - Danilo Medina, Kandidat der Regierungspartei PLD, liegt bei den Präsidentenwahlen in der Dominikanischen Republik in Führung. Nach Auszählung von 8,5 Prozent der Wahllokale kommt der Kandidat des scheidenden Amtsinhabers Leonel Fernandez auf 51,02 Prozent der Stimmen, wie die Zentrale Wahlbehörde (JCE) am Sonntagabend (Ortszeit) in Santo Domingo mitteilte. Für seinen schärfsten Konkurrenten, Hipolito Mejia von der Partei Dominikanischen Revolutionären Partei (PLD), votierten demnach 46,77 Prozent der Wähler. Sollte sich der Trend bestätigen, würde Medina im ersten Wahlgang zum neuen Präsidenten des Karibikstaates gewählt.

Abbruchreif
Erdbeben
Schock und Trümmer: Sieben Tote bei Erdbeben in Italien
20.05.12
21:59
9 hrs
20.05.2012
- 22:52
Rom/Ferrara (dpa) - Ein heftiges Erdbeben in Norditalien hat mindestens sieben Menschen in den Tod gerissen.
Auch eine Deutsche starb nach dem Erdstoß in der Nacht - möglicherweise wegen des panischen Schreckens.

Rom/Ferrara (dpa) - Ein heftiges Erdbeben in Norditalien hat mindestens sieben Menschen in den Tod gerissen. Auch eine Deutsche starb nach dem Erdstoß in der Nacht - möglicherweise wegen des panischen Schreckens.

Das schwere Beben erschütterte am Sonntagmorgen um 4.04 Uhr die Region Emilia-Romagna, die mit der Renaissancestadt Ferrara zum Weltkulturerbe der Unesco gehört. An mehreren historischen Gebäuden in der Erdbebenregion entstanden Schäden. Nach Angaben des US-amerikanischen Behörde USGS hatten die Erdstöße eine Stärke von 6,0. Sie waren in weiten Teilen Norditaliens zu spüren.

Besonders betroffen waren Modena, Ferrara, Bologna und Mantua. Mindestens vier Arbeiter starben in den Trümmern ihrer Arbeitsstätten. Das Epizentrum lag in Sant'Agostino in der Provinz Ferrara. Eine Seniorin wurde dem Ort wurde in ihrer Wohnung von Teilen der Decke erschlagen, sie wäre im Juni 103 Jahre alt geworden. Eine 86-Jährige erlitt nach einem Erdbeben einen Schlaganfall.

Mehrere Dutzend Menschen wurden verletzt; der TV-Sender Rai berichtete von etwa 50 Verletzten. Zahlreiche Nachbeben erschütterten die Region, das heftigste hatte eine Stärke von 5,1 und brachte weitere Gebäude zum Einsturz. Am Abend beben die Erde erneut, die Stärke der Erdstöße lag bei 4,8.

Regierungschef Mario Monti sagte den Opfern Hilfe zu. »In diesen Momenten fühlt das ganze Land mit denen, die leiden«, sagte Monti. Er werde vorzeitig von dem Nato-Gipfel in Chicago abreisen, ergänzte er der Nachrichtenagentur Ansa zufolge. Als Grund nannte er auch den tödlichen Anschlag auf eine Berufsschule in Brindisi. »Angesichts der tragischen Tat in Brindisi und des Erdbebens in Emilia Romagna habe ich beschlossen, nur am Anfang an dem Nato-Gipfel teilzunehmen und dann abzureisen, um morgen nachmittag in Italien zu sein.«

Auch Papst Benedikt XVI. gedachte neben den Opfern des Anschlags auch denen des Erdbebens. »Meine Gedanken gelten auch den Menschen in der Emilia Romagna, die vor wenigen Stunden von einem Erdbeben heimgesucht worden sind«, sagte er in Rom. »Ich bin im Geiste bei denen, die von diesem Unglück betroffen sind.«

Mindestens 3000 Menschen sind nach ersten Schätzungen obdachlos geworden, rund 2500 in der Provinz Modena und 500 in der ebenfalls stark betroffenen Provinz von Ferrara. Medienberichten zufolge reichten die Ausläufer des Bebens bis in die Lombardei, in die Toskana sowie nach Venetien. Auch in der Lombardei können 150 Menschen nicht in ihre Wohnungen zurück. Die Obdachlosen sollen in Sporthallen, Pensionen und Zelten untergebracht werden. In den nächsten Tagen werden Regen und Gewitter erwartet.

Die Trümmer einer Keramikfabrik erschlugen den Berichten zufolge zwei 35 und 45 Jahre alte Beschäftigte der Nachtschicht in Sant'Agostino. Ein 57-jähriger Arbeiter wurde dort unter dem eingestürzten Dach einer Gießerei tot gefunden. Ein 29-Jähriger starb in einer eingestürzten Fabrikhalle in Bondeno, etwa 15 Kilometer nördlich von Sant'Agostino.

Eine 37-jährige Deutsche, die sich aus beruflichen Gründen in Sant'Alberto di San Pietro in Casale in der Region von Bologna aufhielt, hat Medienberichten zufolge nach den Erdstößen Atemprobleme bekommen und starb. Sie soll obduziert werden. Die Behörden machten bislang keine Angaben über ihre Heimatstadt. Glück hingegen hatte ein fünfjähriges Mädchen, das bei dem Ort Finale Emilia fast unverletzt aus tonnenschweren Trümmern gerettet wurde.

Das Fernsehen zeigte schwer beschädigte Gebäude, Trümmer lagen auf den Straßen. Der Erdbebenherd habe in einer Tiefe von etwa zehn Kilometern gelegen, teilte das Nationale Geophysikalische und Vulkanologische Institut mit. In San Felice stürzte eine historische Kirche ein. Von dem Turm stand nur noch die Hälfte - das Zifferblatt der Turmuhr war in der Mitte durchgerissen. Viele historische Gebäude wurden schwer beschädigt. In Finale Emilia wurde ein Krankenhaus evakuiert. Auch Straßen waren unpassierbar, Züge waren verspätet.

Nach einem Augenzeugenbericht wurden auch in Ferrara historische Gebäude beschädigt. »Das Schloss hat geringe Schäden abbekommen, es sind einige Mauersteine heruntergefallen«, sagte Guido Barbujani, der im Zentrum der italienischen Stadt wohnt, der Nachrichtenagentur dpa. »Ich habe schon viele Erdbeben erlebt, aber noch nie so ein starkes.« In der Nacht sei er wie viele andere Menschen auf die Straße gerannt. »Viele haben sich nicht mal richtig angezogen.« Panik sei in seiner Umgebung aber nicht ausgebrochen.

Wissenschaftler des Deutschen Geoforschungszentrums in Potsdam zeigten sich von der Stärke des Erdbebens überrascht. Wie Geophysiker Winfried Hanka am Sonntag sagte, gehen die Potsdamer mittlerweile von einer Stärke von 6,1 aus. »Italien ist insgesamt gesehen stets von Erdbeben bedroht. Es gibt jedoch Regionen, wo das Erdbeben-Risiko geringer ausfällt«, erklärte Hanka. Hierzu zähle eigentlich auch Region Emilia-Romagna.

Das Beben war etwa so stark wie das von Aquila, das am 6. April 2009 die Stadt in den Abruzzen erschüttert und schwere Schäden angerichtet hatte. 300 Menschen starben damals. Bis heute sind Teile des historischen Stadtkerns gesperrt - der Wiederaufbau stagniert.

Tomislav Nikolic
Wahlen
Oppositionschef Nikolic gewinnt Präsidentenwahl in Serbien
20.05.12
21:46
9 hrs
20.05.2012
- 22:39
Belgrad (dpa) - Entgegen allen Umfragen und Prognosen hat Serbiens Oppositionsführer Tomislav Nikolic die Stichwahl zur Präsidentschaft gewonnen.

Belgrad (dpa) - Entgegen allen Umfragen und Prognosen hat Serbiens Oppositionsführer Tomislav Nikolic die Stichwahl zur Präsidentschaft gewonnen.

Er liege klar zwei Prozent vor dem langjährigen Amtsinhaber Boris Tadic, teilte die Wahlforschungsgruppe CeSID nach Hochrechnung von 70 Prozent der abgegebenen Stimmen mit. »Die Chancen sind gering, dass sich dieser Trend noch umkehrt«, analysierten die Wahlforscher.

»Serbien hat heute Abend einen neuen Präsidenten bekommen«, beanspruchte die Fortschrittspartei (SNS) von Nikolic den Sieg für ihren Parteichef. Er liege sicher 1,5 Prozent vor Tadic, hätten die Berechnungen der SNS ergeben, sagte Vizeparteichef Aleksandar Vucic in Belgrad.

Wirtschaft

Evonik-Börsengang
Chemie
Evonik: Wichtige Entscheidung über Börsenpläne erwartet
20.05.12
21:03
10 hrs
20.05.2012
- 21:52
Essen (dpa) - Beim Essener Spezialchemiekonzern Evonik entscheidet das Kuratorium des Mehrheitseigentümers RAG-Stiftung heute (Montag), ob die Vorbereitungen für einen Börsengang fortgesetzt werden.
Schon zwei Mal musste der Gang aufs Parkett wegen der nervösen Märkte abgesagt werden.

Essen (dpa) - Beim Essener Spezialchemiekonzern Evonik entscheidet das Kuratorium des Mehrheitseigentümers RAG-Stiftung heute (Montag), ob die Vorbereitungen für einen Börsengang fortgesetzt werden. Schon zwei Mal musste der Gang aufs Parkett wegen der nervösen Märkte abgesagt werden.

Nun fällt der neue Versuch des potenziellen Dax-Kandidaten mitten in die sich weiter verschärfende Schuldenkrise. Sollte das Kuratorium grünes Licht geben, wäre der Evonik-Aufsichtsrat dran. Wenn auch er zustimmt, folgt die offizielle Absichtserklärung (»Intention to float«).

Zweiter Eigentümer ist der britische Finanzinvestor CVC Capital Partners, der 2008 für 2,4 Milliarden Euro 25,01 Prozent erworben hatte und jetzt an die Börse drängt. Geplant ist eine Veräußerung von insgesamt einem Drittel der Evonik-Anteile aus den Portfolios beider Eigentümer. Sie sollen zusammen rund fünf Milliarden Euro einspielen.

Die Bundesregierung - mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) im Kuratorium vertreten - ist hochgradig an einem Erfolg interessiert. Aus den Erlösen des Börsengangs sollen nämlich die Ewigkeitslasten des deutschen Steinkohlebergbaus etwa für das Abpumpen von Wasser in den Abbaugebieten dauerhaft bezahlt werden.

Metall-Tarifverhandlungen
Tarife
Tarifkonflikt beendet: Metaller erhalten 4,3 Prozent mehr Geld
20.05.12
14:23
17 hrs
20.05.2012
- 15:13
Sindelfingen (dpa) - Nach einer Marathonsitzung haben die Metaller im Südwesten ein kräftiges Lohnplus erstritten und damit die Weichen für ein Ende des bundesweit schwelenden Tarifkonflikts gestellt.

Sindelfingen (dpa) - Nach einer Marathonsitzung haben die Metaller im Südwesten ein kräftiges Lohnplus erstritten und damit die Weichen für ein Ende des bundesweit schwelenden Tarifkonflikts gestellt.

Die Gewerkschaft IG Metall und die Arbeitgeber einigten sich am Samstagmorgen in Sindelfingen auf ein Einkommensplus von 4,3 Prozent sowie Verbesserungen für Leiharbeiter und Auszubildende. Die Einigung im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg soll auf Empfehlung der beiden Tarifparteien bundesweit übernommen werden. Mit dem Abschluss ist die Gefahr des ersten groß angelegten Streiks in der Schlüsselbranche seit zehn Jahren gebannt.

Der in Baden-Württemberg erzielte Abschluss sieht vor, dass die rund 800 000 Beschäftigten im Südwesten eine Einkommenserhöhung von 4,3 Prozent erhalten. Der neue Vertrag hat eine Laufzeit von 13 Monaten und greift erst von Mai an - der April ist ein Nullmonat ohne Erhöhung. »Mit dem Abschluss ist die Grenze der Belastbarkeit der Betriebe erreicht«, sagte Südwestmetall-Chef Rainer Dulger.

IG-Metall-Chef Berthold Huber hielt dagegen: »Wir haben damit insgesamt die Inflationsrate deutlich überschritten. Wir haben immer gesagt, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht von der Wohlstandsentwicklung abgekoppelt werden sollten.« Ursprünglich hatte die Gewerkschaft 6,5 Prozent mehr Geld gefordert bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber boten für 14 Monate 3 Prozent mehr Geld.

Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser erklärte nach dem Durchbruch in Sindelfingen, dass sich lediglich der Tarifbezirk Sachsen bei der Abstimmung am Morgen enthalten habe. Der dortige Landesverband will den Abschluss nach Angaben einer Sprecherin aber ungeachtet dieses Votums mittragen. Die Gewerkschaft empfahl einstimmig, die Einigung deutschlandweit zu übernehmen. In der deutschen Schlüsselindustrie arbeiten insgesamt rund 3,6 Millionen Menschen.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt erklärte, die Einigung werde der aktuellen Situation der Branche in vollem Umfang gerecht. Allerdings gehe die beschlossene Tarifanhebung für viele Unternehmen an die Belastungsgrenze. »4,3 Prozent ist ein Scheck auf die Zukunft«, hieß es auch beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Es sei aber ein Abschluss, mit dem ein Großteil der Unternehmen leben könne.

IG-Metall-Bezirkschef Jörg Hofmann betonte, dass der Kompromiss auch neue Regelungen zur Gestaltung der Leiharbeit enthalte sowie die prinzipiell unbefristete Übernahme aller Lehrlinge festschreibe. An diesen Punkten musste die Gewerkschaft kräftig Federn lassen.

Bei der Leiharbeit sollen die Betriebsräte künftig zwar mehr Macht erhalten - der Kompromiss blieb aber weit hinter den ursprünglichen Forderungen der Gewerkschaft zurück. So solle zwar stärker als bisher geregelt werden, dass Leiharbeit nicht zur Selbstverständlichkeit werde, berichtete Huber. Einheitliche und für alle Betriebe geltende Regeln fehlen dabei jedoch meist. Nun sollen die Betriebsräte Schritt für Schritt individuelle Vereinbarungen in den Unternehmen einführen.

Gesamtmetall-Chef Kannegiesser sagte: »In den ersten zwei Jahren kann weiterhin jeder Betrieb selbst entscheiden, ob und wie er Zeitarbeitnehmer einsetzen möchte.« Leiharbeiter, die länger als zwei Jahre beim selben Unternehmen arbeiten, müssten ein Übernahmeangebot erhalten. Jedoch arbeitet die Mehrheit der Leiharbeiter nach Arbeitgeberangaben bundesweit keine zwölf Monate im selben Betrieb - die Zweijahresregel liegt also weit entfernt. Wäre es nach der IG Metall gegangen, hätte diese Regelung mit ihren relativ langen Fristen nicht so großzügig ausfallen dürfen. Jetzt muss die Gewerkschaft ganz auf die Kraft der jeweiligen Betriebsräte setzen.

Für den Nachwuchs gilt der Grundsatz, dass die Lehrlinge nach dem erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung einen unbefristeten Arbeitsvertrag angeboten bekommen. Jedoch gibt es Hintertürchen: So sind Ausnahmen möglich, wenn die persönliche Eignung des Azubis zu wünschen lässt oder im Betrieb »akute Beschäftigungsprobleme« herrschen, etwa wegen einer längeren Auftragsflaute. Zudem legt die Chefetage ohne Mitbestimmungsrecht der Betriebsräte den Bedarf fest, nach dem sich letztendlich die Zahl der Übernahmen ausrichtet.

Ferner einigten sich die Tarifparteien im Südwesten auf ein spezielles Förderprogramm für junge Menschen, die schlechte Chancen auf dem Ausbildungsmarkt haben.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein angelernter Arbeiter ohne Ausbildung monatlich gut 80 Euro brutto mehr bekommt und ein junger Facharbeiter gut 110 Euro. An der Spitze bei den Akademikern mit viel Berufserfahrung - etwa Ingenieuren - sind es gut 200 Euro.

Bis zum Durchbruch am frühen Samstagmorgen hatten die beiden Seiten rund 18 Stunden lang gerungen. Formal muss der Abschluss in den nächsten Tagen noch von den obersten Entscheidungsgremien beider Seiten im Südwesten gebilligt werden. In den übrigen Tarifbezirken müssen nun die dortigen Tarifparteien entscheiden, ob sie die Empfehlungen umsetzen. Viele Bezirke signalisierten bereits Zustimmung.

Opel
Auto
Neuer Wirbel um Opel
20.05.12
14:22
17 hrs
20.05.2012
- 15:13
Bochum/Rüsselsheim/Eisenach (dpa) - Das Management des angeschlagenen Autobauers Opel bekommt bei seinem rigiden Sparkurs kräftigen Gegenwind zu spüren.

Bochum/Rüsselsheim/Eisenach (dpa) - Das Management des angeschlagenen Autobauers Opel bekommt bei seinem rigiden Sparkurs kräftigen Gegenwind zu spüren.

An diesem Montag will der Betriebsrat des Bochumer Werks den Vorstand auf einer Belegschaftsversammlung zur Rede stellen. Angesichts immer größer werdender Sorgen um den Standort Bochum werden klare Zusagen gefordert. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa gibt es allerdings noch keine Entscheidung, wie die Zukunft des Werks in Bochum nach 2014 aussehen wird. In die Debatte um die defizitäre General-Motors-Tochter schalten sich auch Politiker ein.

Ähnlich wie beim »Astra« hat Opel laut Bochumer Betriebsrat auch beim »Zafira« eine Produktionsverlagerung in ein kostengünstigeres Werk ausgelotet. »Auslöser unserer Sorgen war der Vorstand selbst, der in Rüsselsheim die Bochumer Produktion angeboten hat«, sagte der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel der dpa am Samstag. Opel dementierte dies umgehend: »Das war nicht ein einziges Mal Gegenstand der Verhandlungen in Rüsselsheim«, ließ Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke über einen Sprecher mitteilen. Zuvor berichtete die »Wirtschaftswoche« unter Berufung auf Einenkel über Hinweise auf Vorbereitungen für eine Produktionsverlagerung des »Zafira«.

Vom Vorstand fordert der Bochumer Betriebsrat, »Planspiele« über eine Produktionsverlagerung an kostengünstige Standorte unverzüglich einzustellen. »Man hat an allen Standorten den gleichen Katalog vorgelegt wie in Ellesmere. In Rüsselsheim hat man im Januar angeboten, wenn das akzeptiert wird, könnt ihr den "Zafira" bekommen ab dem Jahr 2015«, erklärte Einenkel weiter. Der Betriebsrat in Rüsselsheim habe dieses Angebot aber abgelehnt. Der Katalog sehe Verzicht auf Lohnerhöhungen und Tarifleistungen, einen verstärken Einsatz von Leiharbeitern und weitere Auslagerungen von Tätigkeiten sowie auch eine »totale Flexibilisierung« der Arbeitszeit vor.

»Wir werden das nicht zulassen, dass wir gegenseitig ausgespielt werden«, betonte der Bochumer Betriebsratschef. Vom Opel-Vorstand forderten die Arbeitnehmervertreter eine Zusage, dass der »Zafira« für die gesamte Laufzeit des Modells im Bochumer Werk bleibt. An der Belegschaftsversammlung wollen nach früheren Angaben neben Stracke als Gäste auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und NRW-Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (beide SPD) teilnehmen.

Der »Astra«, das mit Abstand wichtigste Fahrzeug von Opel, soll von 2015 an nur noch im britischen Ellesmere Port und in Gliwice (Polen) gefertigt werden. Sollte Bochum im Gegenzug die Produktion des Familienautos »Zafira« an das Stammwerk in Rüsselsheim verlieren, könnte dies nach Befürchtungen von Arbeitnehmervertretern das Aus für das Ruhrgebiets-Werk mit seinen rund 3200 Arbeitsplätzen bedeuten. In Rüsselsheim gibt es nach früheren Angaben Gespräche über eine zukünftige Auslastung. Der »Astra«-Fünftürer wird seit dem August des vergangenen Jahres im »Insignia«-Werk Rüsselsheim gefertigt.

»Opel steht zu allen seinen Zusagen, wie zum Standortsicherungs- Vertrag, der bis Ende 2014 keine Werksschließungen und keine betriebsbedingten Kündigungen zulässt«, betonte ein Sprecher von Opel am Wochenende. Und das obwohl sich die Rahmenbedingungen deutlich verschlechtert hätten. Er verwies auf einen seit Jahren schrumpfenden Automarkt in Westeuropa und eine daraus resultierten Preiskampf.

Der Betriebsrat des Eisenacher Werks sieht die Umbaupläne von Opel gelassen. »Es gibt einen Vertrag, der die Produktion des Kleinwagens "Corsa" auch nach dem Modellwechsel im Thüringer Werk sichert«, sagte der Eisenacher Betriebsratsvorsitzende Harald Lieske am Samstag der dpa. Zum Modellwechsel in zwei Jahren würde die Produktion im spanischen Saragossa zwar aufgestockt, das Thüringer Werk werde jedoch noch 28 Prozent aller »Corsa« produzieren.

Deutsche Bahn
Bahn
Bahn fordert 50 Millionen Euro Schadensersatz von Siemens
20.05.12
13:41
17 hrs
20.05.2012
- 14:26
Berlin/München (dpa) - Die Deutsche Bahn fordert von Siemens für die verspätete Auslieferung von 16 ICE-3-Zügen laut »Bild am Sonntag« jetzt 45 bis 50 Millionen Euro Schadenersatz - deutlich mehr als bisher.

Berlin/München (dpa) - Die Deutsche Bahn fordert von Siemens für die verspätete Auslieferung von 16 ICE-3-Zügen laut »Bild am Sonntag« jetzt 45 bis 50 Millionen Euro Schadenersatz - deutlich mehr als bisher.

Die ersten acht bis zehn Züge will Siemens mit einjähriger Verspätung zum Winterfahrplan im Dezember an die Bahn ausliefern, der Rest soll nächstes Jahr folgen. Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube hatte am Mittwoch gesagt, als Ausgleich für die Verspätung werde über einen zusätzlichen 17. Gratis-ICE für die Bahn verhandelt. Ein solcher Zug kostet aber nur etwa 30 Millionen Euro.

Sprecher der Bahn und von Siemens lehnten am Sonntag eine Stellungnahme zu dem Bericht ab und verwiesen auf die seit längerem laufenden Gespräche. »Bild am Sonntag« berief sich auf Informationen aus Industriekreisen.

Hintergrund der Lieferverzögerungen sind ungeklärte technische Fragen und neue Genehmigungsauflagen. Diese betreffen laut Grube etwa Radsatzdrehgestelle, Klimaanlagen und Bremsen. Damit die ersten ICE am 9. Dezember fahren können, wird für den 23. November die Zulassung des Eisenbahn-Bundesamts angestrebt, die für den Inlandsbetrieb mit zwei zusammengekoppelten Zugteilen nötig ist.

Die Bahn hatte die ICE-3-Züge eigentlich für Einsätze auf internationalen Strecken bestellt, sie sollen aber jetzt zunächst die Winterreserve im Inland verstärken. Wann die ICE dann wie geplant auch in Belgien, Frankreich und nach London fahren können, ist noch offen. Laut Siemens sind alle Züge gebaut, aber das Zulassungsverfahren für Frankreich beginnt erst nächstes Jahr.

Sport

Doppelpack
Fußball
Montpellier erstmals französischer Fußball-Meister
20.05.12
23:44
7 hrs
21.05.2012
- 00:39
Paris (dpa) - Der HSC Montpellier ist zum ersten Mal in der 93-jährigen Clubgeschichte französischer Fußball-Meister geworden.

Paris (dpa) - Der HSC Montpellier ist zum ersten Mal in der 93-jährigen Clubgeschichte französischer Fußball-Meister geworden.

Die Südfranzosen gewannen am letzten Spieltag der Ligue 1 in einer tumultreichen Begegnung beim Absteiger AJ Auxerre mit 2:1 (1:1), verteidigten den Drei-Punkte-Vorsprung auf Verfolger Paris Saint-Germain und traten die Nachfolge des OSC Lille an. Die Hauptstädter setzten sich beim FC Lorient mit 2:1 (0:1) durch, zogen aber mit 79 Punkten aus 38 Runden gegen Montpellier (82 Punkte) den Kürzeren. Neben Paris qualifizierte sich auch Vorjahresmeister OSC Lille als Tabellendritter für die nächste Champions League.

Das Spiel im Stadion l'Abbé-Deschamps von Auxerre musste in der 79. Minute für fast eine halbe Stunde unterbrochen werden, nachdem Heimzuschauer Leuchtraketen und Böller aufs Feld geworfen hatten. »Chaos total«, klagte das Fachmagazin »France Football« in der Onlineausgabe.

Olivier Kapo hatte die Hausherren in der 20. Minute in Führung gebracht. John Utaka glich in der 32. aus, und der Stürmer aus Nigeria war es auch, der nach der Unterbrechung das Siegtor in der 86. Minute erzielte. Nach dem Schlusspfiff stürmten Hunderte Fans von Montpellier jubelnd aufs Feld und sorgten erneut für Chaos.

Bester Spieler von Montpellier war in dieser Saison der vom FC Bayern München umworbene Mittelstürmer Olivier Giroud. Der 24-Jährige wurde mit 21 Treffern zusammen mit dem Brasilianer Nené von Paris Torschützenkönig.

Der Titelgewinn von Montpellier ist eine große Überraschung, da der Club mit dem vierzehnthöchsten Etat der französischen Liga auskommen musste. Der Hérault Sport Club hatte diese Saison nur 33 Millionen Euro zur Verfügung - gerade mal ein Fünftel des Budgets von Rivale Paris, der seit Saisonanfang vom Öl- und Wüstenstaat Katar aus geführt wird.

Beste Platzierung Montpelliers in der Liga war bisher ein 3. Rang in der Saison 1987/88, Titel holte man nur im Pokal (1929, 1990) sowie im Ligapokal (1992). Die »Fahrstuhlmannschaft« war seit den 30er Jahren neunmal aus der ersten Liga abgestiegen und spielt erst seit 2009 wieder ganz oben mit.

Pott
Eishockey
Russland zum 26. Mal Eishockey-Weltmeister
20.05.12
23:32
7 hrs
21.05.2012
- 04:16
Helsinki (dpa) - Die russischen Eishockey-Superstars um NHL- und WM-Topscorer Jewgeni Malkin haben die Nerven behalten und den 26.
Weltmeistertitel für ihr Land errungen.
Helsinki (dpa) - Die russischen Eishockey-Superstars um NHL- und WM-Topscorer Jewgeni Malkin haben die Nerven behalten und den 26. Weltmeistertitel für ihr Land errungen. Der Rekordchampion blieb seiner haushohen Favoritenrolle in einem lange verbissen geführten Finale der 76. Eishockey-WM in Helsinki gerecht und besiegte Außenseiter Slowakei am Ende standesgemäß mit 6:2 (1:1, 3:0, 2:1) vor 13 300 Zuschauern in der ausverkauften Hartwall Areena. Zweimal Alexander Sjomin (10. Minute/16.), Alexander Pereschogin (27.), Alexej Tereschenko (34.), Pawel Dazjuk (44.) und Malin (59.) schossen die Sbornaja erstmals seit 2009 wieder zum verdienten Erfolg. Für das WM-Überraschungsteam Slowakei traf lediglich Zdeno Chara zur zwischenzeitlichen Führung und zum Abschluss in Überzahl (2./50.). Zuvor hatte Tschechien ebenfalls in Helsinki das Spiel um Platz drei gegen Titelverteidiger und Gastgeber Finnland mit 3:2 gewonnen. Russland, die ihre größten NHL-Stars bei dieser WM zur Verfügung hatten, legten im Mitteldrittel den Grundstein für die Revanche für 2002, als die Slowakei mit 4:3 in Göteborg erstmals und bislang zum letzten Mal Weltmeister wurde. Diesmal nutze vor allem die russische NHL-Superreihe um die Topstars Sjomin und Alexander Owetschkin von den Washington Capitals, sowie Detroits Dazjuk auch kleinste slowakische Fehler mit gnadenloser Effizienz aus. Der zum besten WM-Spieler gekürte Malkin, der noch im Halbfinale am Vortag mit drei Toren beim 6:2 gegen Finnland gezaubert hatte, schoss kurz vor Schluss noch seinen elftes Turnier-Tor. Die Russen, die in Sjomin und Owetschkin während des WM-Turniers noch zwei der weltbesten Eishockey-Spieler nachnominieren konnten, machten so das halbe Dutzend voll. Trotz der zweiten Niederlage im bislang dritten WM-Finale war der Weltranglisten-Sechste Slowakei die große WM-Überraschung. Nach einer eher durchschnittlichen Vorrunde, in der sich das Team von Trainer Vladimir Vujtek erst im letzten Spiel durch ein 5:4 gegen Außenseiter Frankreich zum ersten Mal seit 2007 wieder ins Viertelfinale zitterte, schalteten die Slowaken erst Olympiasieger Kanada und im Halbfinale auch noch Tschechien aus. Auch am Sonntag überraschten die Slowaken Russland mit einem Blitzstart und gingen durch Charas Gewaltschuss aus der Distanz nach nur 66 Sekunden in Führung. Russlands Torhüter Semjon Warlamow hatte beim Geschoss des ins WM-Allstar-Team gewählten NHL-Verteidigers aus Boston keine Chance. Der große Favorit blieb indes unbeeindruckt. In der 10. Minute glich die Sbornaja nach einer Traumkombination des Paradesturms Sjomin, Owetschkin und Dazjuk aus. Sjomin, der zusammen mit Owetschkin erst nach Washingtons Playoff-Aus zum Viertelfinale nachgereist war, schoss nach sehenswerter Vorarbeit seines Capitals-Kollegen sein erstes WM-Tor. Das zweite legte er im zweiten Drittel zum vorentscheidenden 4:1, ebenfalls nach Owetschkins Vorarbeit nach.
Überraschung
Pferdesport
Deutsches Derby: Lüneburg gewinnt vor Köhlbrandt
20.05.12
19:11
12 hrs
20.05.2012
- 20:00
Hamburg (dpa) - Als er das letzte Hindernis im Stechparcours überwunden hatte, blickte Nisse Lüneburg ein wenig ungläubig.
Auf seinem Wallach Calle Cool gewann der 23-Jährige das 83. deutsche Spring-Derby in Hamburg und damit erstmals das Blaue Band.

Hamburg (dpa) - Als er das letzte Hindernis im Stechparcours überwunden hatte, blickte Nisse Lüneburg ein wenig ungläubig. Auf seinem Wallach Calle Cool gewann der 23-Jährige das 83. deutsche Spring-Derby in Hamburg und damit erstmals das Blaue Band.

»Natürlich habe ich davon geträumt, einmal hier zu gewinnen. Dass es wahr geworden ist, ist einfach unglaublich«, sagte der Reiter, der in Hetlingen in der Nähe von Hamburg lebt. Lüneburg setzte sich vor 25 500 Zuschauern im Stechen des mit 100 000 Euro dotierten Klassikers gegen Torben Köhlbrandt aus Ibbenbüren auf C-Trenton Z durch. Während der 32-jährige Köhlbrandt, der schon im Vorjahr Zweiter geworden war, einen Abwurf hatte, kassierte Lüneburg nur einen Strafpunkt für die Überschreitung der Zeit.

Ein Erfolg ohne Training, wie der Sieger versicherte. »Ich habe mich auf die Erfahrung meines Pferdes verlassen«, meinte Lüneburg, der den 16-jährigen Calle Cool von seinem Nachbarn, dem Mannschafts-Welt- und Europameister Carsten-Otto Nagel (Wedel), übernommen hatte. »Das ist auch sein Erfolg«, meinte Lüneburg.

Er und Köhlbrandt hatten als einzige den 1230 Meter langen und seit 1920 beinahe unveränderten Parcours ohne Abwurf bewältigt. Dritte wurde Judith Emmers aus Marl mit Papillon (4/156,86) vor dem erst 19-jährigen Friso Bormann (Harsum) auf A Crazy Spirit (4/160,77). Der dreimalige Gewinner Andre Thieme blieb mit Nacorde nur Platz fünf. Der 17 Jahre alte Hengst hatte dennoch seinen großen Auftritt. Er wurde nach der Prüfung offiziell aus dem Sport verabschiedet. »Einen Nachfolger für Nacorde zu finden wird sehr, sehr schwer«, meinte der Reiter aus Plau am See.

Matchwinner
Fußball
Über eine Milliarde für den Titel - Chelsea feiert
20.05.12
17:42
13 hrs
20.05.2012
- 18:26
München (dpa) - In der Kabine tanzten sie um Mitternacht auf dem Tisch, im Luxushotel gegenüber dem Münchner Hofbräuhaus feierten Didier Drogba & Co den Champions-League-Triumph des FC Chelsea bis in die Morgenstunden.

München (dpa) - In der Kabine tanzten sie um Mitternacht auf dem Tisch, im Luxushotel gegenüber dem Münchner Hofbräuhaus feierten Didier Drogba & Co den Champions-League-Triumph des FC Chelsea bis in die Morgenstunden.

»Ich denke, dass wir ein großartiger Champion sind. Wir haben es verdient«, betonte Matchwinner Drogba nach dem 4:3-Erfolg im Elfmeterschießen gegen den FC Bayern München. Der 34 Jahre alte Ivorer wurde mit Lob überschüttet. »Ein Bravo dem unglaublichen Didier Drogba«, twitterte sogar FIFA-Präsident Joseph Blatter.

Der Verein bestätigte, dass in dieser Woche Gespräche um einen möglicherweise neuen Vertrag geführt werden sollen. »Wir müssen machen, was das beste für Chelsea ist und Didier muss machen, was für ihn das Beste ist«, wurde der Vorstandsvorsitzende Bruce Buck in britischen Medien zitiert. Knackpunkt soll die Laufzeit sein: Drogba will einen Zweijahresvertrag, Chelsea bot bislang dem Vernehmen nach nur eine 12-Monatsfrist.

Mit seinem Ausgleichstreffer durch einen brachialen Kopfball zwei Minuten vor Schluss und dem entscheidenden Elfmeter stärkte »Held« (Mitspieler Frank Lampard) Drogba nicht nur seine Verhandlungsposition. Er machte gleich mehrere Märchen wahr. Drogba besiegte sein Finaltrauma, der FC Chelsea feierte angeführt von der alten Garde den größten Erfolg in der 107-jährigen Vereinsgeschichte, und Trainer Roberto di Matteo wurde binnen gut zwei Monaten vom Gehilfen zum Gekrönten.

Der Interimscoach formte eine Einheit aus dem gealterten Starensemble des FC Chelsea, aus dem viele schon beim ebenfalls dramatischen Elfmeter-Finale vor vier Jahren gegen Manchester United dabei gewesen waren. Damals verlor Chelsea. Diesmal nutzten die Londoner auch im Finale ihre Möglichkeiten optimal. Nach dem FC Barcelona zermürbten sie auch den FC Bayern mit ihrer Defensivtaktik.

»Der Fußball und das Leben sind manchmal unvorhersehbar und verrückt«, sagte di Matteo, der erst am 4. März nach dem Rauswurf von André Villas-Boas vom Assistenz- zum Interimstrainer aufgestiegen war. Vor drei Monaten hätte das niemand vorhergesagt.

Er stärkte die alten Haudegen um Drogba, Kapitän John Terry, Frank Lampard und Ashley Cole. Der Plan ging auf, Chelsea wurde FA-Cupsieger und nun in München auch erstmals Gewinner der europäischen Königsklasse. Nicht schön, aber unglaublich effizient. »Man muss das Beste aus seinen Möglichkeiten machen«, betonte di Matteo. Ein Fernseh-Interview brach er entgeistert und abrupt ab, als er auf den unschönen Stil seiner Mannschaft angesprochen wurde.

Von schrecklich bis unansehnlich reichten die Attribute für Chelseas defensives Spielsystem. »Ein Team mit einem ranzigen Parfüm und einer 20 Jahre alten Spielart hat es so weit gebracht«, befand das spanische Sportblatt »As«. Dennoch solle man die Teams aufgrund ihrer Kapazität beurteilen, ihr Potenzial maximal auszunutzen. »Dieser Stil ist nicht in Mode, ist jedoch genau so zweckmäßig wie der Minimalismus der 90er Jahre.«

Chelsea war da, wenn es drauf ankam. Die späte Führung durch Thomas Müller (83.) glich Drogba (88.) aus. In der Verlängerung wehrte Torwart Petr Cech den schwachen Foulelfmeter von Arjen Robben ab. Und im Elfmeterschießen ließen sich die »Blues« selbst vom verschossenen Auftakt-Elfer Juan Matas nicht aus der Fassung bringen.

Als Drogba dann den alles entscheidenden Elfmeter cool reinmachte, war auch für Clubbesitzer Roman Abramowitsch eine lange Wartezeit vorbei. Nach Ausgaben von über einer Milliarde Euro seit 2003 machte sich das Engagement des Russen an der Stamford Bridge endlich bezahlt. »Der Besitzer hat an uns geglaubt, Hut ab vor ihm und den Spielern«, betonte Terry, der wegen einer Roten Karte in München nicht spielen, die Trophäe aber in Empfang nehmen durfte.

In die bisherigen Trainer hatte Abramowitsch nicht immer soviel Vertrauen: Di Matteo ist der achte Coach seit der Übernahme durch den Oligarchen. Ob zur neuen Spielzeit Nummer neun folgt, ist nach wie vor offen. Abramowitsch äußerte sich auch am Rande des Finales nicht, stattdessen schlenderte er am Sonntagmorgen leger mit T-Shirt und Chelsea-blau umrandeter Sonnenbrille noch kurz durch die Münchner City.

Die Mannschaft brach gegen Mittag mit Geleitschutz auf zum Flughafen, von dort ging es weiter nach London zur großen Parade in den Straßen der englischen Hauptstadt. Dort feierten zehntausende Fans die Finalhelden, die in einem eigens hergerichteten Cabrio-Bus durch die Metropole gefahren wurden. Da war manch einem Teil eins der Party schon anzumerken. »Wir hatten eine lange Nacht«, gab Cech noch in München zu. Gerade er hatte aber auch allen Grund zum Feiern: Der Elfmeter-Killer wurde 30 Jahre alt. »Ich habe vor dem Spiel gesagt, dass ich keinen Kuchen haben will, wenn wir gewinnen«, sagte er. Die Trophäe sei das beste Geschenk.

Aus aller Welt / Kultur

Mark Zuckerberg & Priscilla Chan
Computer
Mark Zuckerberg heiratet langjährige Freundin
20.05.12
15:40
15 hrs
21.05.2012
- 04:19
Berlin/Palo Alto (dpa) - Erst der Mega-Börsengang, dann das Jawort: Facebook-Gründer und Multimilliardär Mark Zuckerberg hat seine Langzeitfreundin Priscilla Chan geheiratet..
Berlin/Palo Alto (dpa) - Erst der Mega-Börsengang, dann das Jawort: Facebook-Gründer und Multimilliardär Mark Zuckerberg hat seine Langzeitfreundin Priscilla Chan geheiratet. Ein Hochzeitsfoto veröffentlichte Zuckerberg am Samstag standesgemäß auf seiner Facebook-Seite. Innerhalb weniger Stunden bekam die Ehe den Segen von etwa 600 000 Facebook-Nutzern, die den »Gefällt mir«-Knopf daneben drückten. Der 28-Jährige besitzt nach dem spektakulären Börsengang am Freitag gut 19 Milliarden Dollar (rund 15 Mrd Euro). Für den großen Tag schlüpfte Mark Zuckerberg in Anzug und Krawatte statt der üblichen T-Shirts und Kapuzenpullis, mit denen er zuletzt noch die Kulturwächter der Wall Street erzürnte. Auf dem Hochzeitsfoto steht er schüchtern lächelnd im dunkelblauen Anzug und dunkler Krawatte neben seiner Frau. Die Braut ganz schlicht in Weiß, das Kleid ist ärmellos und spitzenbesetzt, dazu ein Schleier. Auf der Seite der 27-jährigen Chan steht unter »Beziehungsstatus« jetzt ebenfalls der Vermerk: »Seit dem 19. Mai 2012 verheiratet mit Mark Zuckerberg.« Zuckerberg und Chan sind schon lange ein Paar. Sie lernten sich 2003 auf der Eliteuni Harvard kennen, dem Buch »The Facebook Effect« zufolge war es auf einer Party. Facebook war da noch nicht mal geplant. Sie hat chinesische Wurzeln, mindestens zweimal reisten die beiden schon nach China. Auch für die knapp 100 Gäste in Zuckerbergs Haus im kalifornischen Palo Alto soll die Hochzeit eine Überraschung gewesen sein: Sie hätten gedacht, dass der Abschluss von Chans Medizinstudium als Kinderärztin gefeiert werden solle, berichteten unter anderem die BBC und das Magazin »People«. Das Magazin »Forbes« hatte zwar am Freitag Partyvorbereitungen an dem sieben Millionen Dollar teuren Haus mitbekommen - sie aber eher mit dem Börsengang in Verbindung gebracht. Den Ring habe der Bräutigam selbst entworfen, er sei mit einem »ganz einfachen Rubin« besetzt, meldete das Promi-Portal »tmz.com« unter Berufung auf eine Facebook-Sprecherin. Zuckerberg und Chan hätten die Zeremonie rund vier Monate geplant, erfuhr »People.com«. Das Essen kam demnach aus deren Lieblingsrestaurants »Fuki Sushi« und »Palo Alto Sol«, einem Mexikaner. Zum Dessert gab es kleine Mäuse aus Schokolade - wie einst beim ersten Date des Paares. Erst am Freitag hatte der 28-jährige Zuckerberg Facebook an die Börse gebracht und den größten Börsengang eines Internet-Unternehmens gelandet. Zwar blieb das von vielen erwartete Kursfeuerwerk aus - das Online-Netzwerk ist jetzt aber ganz offiziell mehr als 100 Milliarden Dollar wert. Zuckerbergs Anteil ist nicht nur der größte - er hat auch »Super-Aktien« mit zehnmal mehr Stimmrechten, die ihm auf Dauer die volle Kontrolle über das Unternehmen mit zuletzt über 900 Millionen Mitgliedern geben. Gemeinsam mit Kommilitonen hatte Zuckerberg das soziale Netzwerk 2004 als digitales Jahrgangsbuch für Studenten auf die Beine gestellt. Schon im ersten Jahr zog es rund eine Million Nutzer an. Noch in diesem Jahr dürfte die Milliardenmarke geknackt werden.
Roman Lob
Medien
Roman Lob will beim ESC unter die ersten Zehn
20.05.12
14:26
17 hrs
20.05.2012
- 15:13
Baku (dpa) - Roter Teppich für Roman Lob: »Unser Star für Baku« hat die ersten Proben beim Eurovision Song Contest (ESC) in der sonnigen aserbaidschanischen Hauptstadt hinter sich. .

Baku (dpa) - Roter Teppich für Roman Lob: »Unser Star für Baku« hat die ersten Proben beim Eurovision Song Contest (ESC) in der sonnigen aserbaidschanischen Hauptstadt hinter sich.

Der gelernte Industriemechaniker ist begeistert vom Glamour der Stadt am Kaspischen Meer, die Besucher gern als eine Mischung aus Paris und Dubai loben. Die Proteste der Opposition gegen die autoritäre Führung in Baku sind für ihn wie für alle anderen ESC-Teilnehmer aber weit weg. Der 21-jährige Sänger aus Neustadt (Wied) in Rheinland-Pfalz lief bei der ESC-Eröffnungszeremonie am Samstag im Euroclub über einen roten Teppich vorbei an jubelnden Fans. Wie sich Roman Lob beim Finale am 26. Mai unter den 26 Anwärtern schlägt, wird sich zeigen. Er selbst nennt als Ziel die ersten Zehn. Da sehen ihn auch die Experten.

Doch die Konkurrenz in diesem Jahr etwa aus Russland, Schweden und Norwegen gilt als extrem stark - traditionell mit einem musikalischen Mix aus härterem und weicherem Rock, Balladen, Discosound und Folklore-Pop. Allein ums Singen und um die Stimme ging es aber bei dieser Musikolympiade noch nie. Grand Prix ist vor allem auch Showtime.

Bei der Eröffnungsparty rissen vor dem ersten Halbfinale an diesem Dienstag (22. Mai) auch die österreichische Combo Trackshittaz mit der Gaudinummer »Woki mit deim Popo« das Publikum mit. Bei einem stimmgewaltigen Auftritt überzeugte Rona Nishliu mit ihrer Ballade »Suus« für Albanien. In der von Deutschen gebauten neuen überdachten Arena Crystal Hall direkt am Meeresufer haben inzwischen alle 42 Kandidaten ihre ersten Proben gemeistert.

Auch Engelbert Humperdinck, der international mit Abstand bekannteste ESC-Teilnehmer, studierte seine Ballade »Love Will Set You Free« auf der Riesenbühne ein. Mit seinen 76 Jahren ist Humperdinck nicht der einzige Grand-Prix-Star im Seniorenalter.

Für deutlich mehr Aufsehen sorgen sechs russische Omas aus dem Wolga-Dorf Buranowo. Die Buranowskije Babuschki zwischen 43 bis 76 Jahren sagen zwar, dass ihnen der Sieg nicht wichtig sei. Dabei sein ist für sie alles. Aber die schrille Ethno-Pop-Nummer »Party for Everybody« wird von vielen hoch gehandelt. Auf dem Roten Teppich zeigten sich die Omis trotz sommerlicher Temperaturen mit dicken leuchtenden Trachtenkostümen und Kopftüchern der Region Udmurtien.

Die politische Prominenz verzichtete auf einen Bühnenauftritt bei der Eröffnungszeremonie. Wegen der internationalen Aufmerksamkeit zum ESC hatten die Opposition sowie westliche Politiker der autoritären Führung schwere Menschenrechtsverstöße vorgeworfen. Der Deutsche Ingo Petz von der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) sagte in Baku, dass aserbaidschanische Journalisten weiter Gewalt ausgesetzt seien und in einem Klima der Angst und Selbstzensur arbeiten müssen.

»Es ist richtig, dass diejenigen, die sich für Meinungsfreiheit und Demokratie in Aserbaidschan einsetzen, den ESC als Bühne nutzen, um auf Missstände hinweisen«, sagte Petz. Abseits der Partystimmung beim ESC besuchten zuletzt mehrere deutsche Politiker Baku. Das öl- und gasreiche Aserbaidschan leiste sich zwar eine glänzende Innenstadt mit Fußgängertunnels aus Marmor, doch komme von dem Reichtum bei den Menschen kaum etwas an, sagte der Bundestagsabgeordnete Heinrich Frank (CDU).

»Dabei gehören diese Rohstoffe allen im Land als körperschaftliches Eigentum«, betonte der Politiker. Frank hatte vor seiner Abreise am Samstag auch einige Regierungskritiker in einem Außenbezirk Bakus besucht, die dort aus Protest gegen die Inhaftierung von Oppositionellen seit Tagen im Hungerstreik sind. Der Westen hatte vor dem ESC immer die Freilassung der politischen Gefangenen gefordert. Zwölf von ihnen sitzen aber weiter. Der ESC und die Zeit danach würden zeigen, sagte Frank, ob es die autokratische Führung ernst meint mit ihrer Orientierung nach Westen.

Roman Lob
Medien
Roman Lob will beim ESC unter die ersten Zehn
20.05.12
14:26
17 hrs
20.05.2012
- 15:26
Baku (dpa) - Roter Teppich für Roman Lob: »Unser Star für Baku« hat die ersten Proben beim Eurovision Song Contest (ESC) in der sonnigen aserbaidschanischen Hauptstadt hinter sich. .

Baku (dpa) - Roter Teppich für Roman Lob: »Unser Star für Baku« hat die ersten Proben beim Eurovision Song Contest (ESC) in der sonnigen aserbaidschanischen Hauptstadt hinter sich.

Der gelernte Industriemechaniker ist begeistert vom Glamour der Stadt am Kaspischen Meer, die Besucher gern als eine Mischung aus Paris und Dubai loben. Die Proteste der Opposition gegen die autoritäre Führung in Baku sind für ihn wie für alle anderen ESC-Teilnehmer aber weit weg. Der 21-jährige Sänger aus Neustadt (Wied) in Rheinland-Pfalz lief bei der ESC-Eröffnungszeremonie am Samstag im Euroclub über einen roten Teppich vorbei an jubelnden Fans. Wie sich Roman Lob beim Finale am 26. Mai unter den 26 Anwärtern schlägt, wird sich zeigen. Er selbst nennt als Ziel die ersten Zehn. Da sehen ihn auch die Experten.

Doch die Konkurrenz in diesem Jahr etwa aus Russland, Schweden und Norwegen gilt als extrem stark - traditionell mit einem musikalischen Mix aus härterem und weicherem Rock, Balladen, Discosound und Folklore-Pop. Allein ums Singen und um die Stimme ging es aber bei dieser Musikolympiade noch nie. Grand Prix ist vor allem auch Showtime.

Bei der Eröffnungsparty rissen vor dem ersten Halbfinale an diesem Dienstag (22. Mai) auch die österreichische Combo Trackshittaz mit der Gaudinummer »Woki mit deim Popo« das Publikum mit. Bei einem stimmgewaltigen Auftritt überzeugte Rona Nishliu mit ihrer Ballade »Suus« für Albanien. In der von Deutschen gebauten neuen überdachten Arena Crystal Hall direkt am Meeresufer haben inzwischen alle 42 Kandidaten ihre ersten Proben gemeistert.

Auch Engelbert Humperdinck, der international mit Abstand bekannteste ESC-Teilnehmer, studierte seine Ballade »Love Will Set You Free« auf der Riesenbühne ein. Mit seinen 76 Jahren ist Humperdinck nicht der einzige Grand-Prix-Star im Seniorenalter.

Für deutlich mehr Aufsehen sorgen sechs russische Omas aus dem Wolga-Dorf Buranowo. Die Buranowskije Babuschki zwischen 43 bis 76 Jahren sagen zwar, dass ihnen der Sieg nicht wichtig sei. Dabei sein ist für sie alles. Aber die schrille Ethno-Pop-Nummer »Party for Everybody« wird von vielen hoch gehandelt. Auf dem Roten Teppich zeigten sich die Omis trotz sommerlicher Temperaturen mit dicken leuchtenden Trachtenkostümen und Kopftüchern der Region Udmurtien.

Die politische Prominenz verzichtete auf einen Bühnenauftritt bei der Eröffnungszeremonie. Wegen der internationalen Aufmerksamkeit zum ESC hatten die Opposition sowie westliche Politiker der autoritären Führung schwere Menschenrechtsverstöße vorgeworfen. Der Deutsche Ingo Petz von der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) sagte in Baku, dass aserbaidschanische Journalisten weiter Gewalt ausgesetzt seien und in einem Klima der Angst und Selbstzensur arbeiten müssen.

»Es ist richtig, dass diejenigen, die sich für Meinungsfreiheit und Demokratie in Aserbaidschan einsetzen, den ESC als Bühne nutzen, um auf Missstände hinweisen«, sagte Petz. Abseits der Partystimmung beim ESC besuchten zuletzt mehrere deutsche Politiker Baku. Das öl- und gasreiche Aserbaidschan leiste sich zwar eine glänzende Innenstadt mit Fußgängertunnels aus Marmor, doch komme von dem Reichtum bei den Menschen kaum etwas an, sagte der Bundestagsabgeordnete Heinrich Frank (CDU).

»Dabei gehören diese Rohstoffe allen im Land als körperschaftliches Eigentum«, betonte der Politiker. Frank hatte vor seiner Abreise am Samstag auch einige Regierungskritiker in einem Außenbezirk Bakus besucht, die dort aus Protest gegen die Inhaftierung von Oppositionellen seit Tagen im Hungerstreik sind. Der Westen hatte vor dem ESC immer die Freilassung der politischen Gefangenen gefordert. Zwölf von ihnen sitzen aber weiter. Der ESC und die Zeit danach würden zeigen, sagte Frank, ob es die autokratische Führung ernst meint mit ihrer Orientierung nach Westen.

Fabian Hinrichs
Theater
49. Theatertreffen geht zu Ende
20.05.12
14:24
17 hrs
20.05.2012
- 15:13
Berlin (dpa) - Provozierend und polarisierend - so präsentierte sich das 49. Berliner Theatertreffen.
Berliner Theatertreffen. Selten überschritten die gezeigten Inszenierungen so viele Grenzen - mitunter auch die des guten Geschmacks.

Berlin (dpa) - Provozierend und polarisierend - so präsentierte sich das 49. Berliner Theatertreffen. Selten überschritten die gezeigten Inszenierungen so viele Grenzen - mitunter auch die des guten Geschmacks.

Und selten war auch die Meinung des Publikums über die von einer Jury aus Theaterkritikern ausgewählten zehn »bemerkenswertesten« Regiearbeiten der Saison so gespalten.

An diesem Montag geht das knapp dreiwöchige Festival zu Ende. Bereits am Sonntag wurde der mit 5000 Euro dotierte Alfred-Kerr-Darstellerpreis an das beste Nachwuchstalent verliehen. Jurorin war die Schauspielerin Nina Hoss. Sie entschied sich für den Schauspieler Fabian Hinrichs, der in René Polleschs Stück »Kill your Darlings! Streets of Berladelphia« (Volksbühne Berlin) eine furiose Solo-Rolle spielt.

»Ein Mensch mit Haltung, einem Selbstverständnis, der sich ganz meiner Einordnung entzieht und von dem man immer mehr auf der Bühne sehen will, weil er einen "entdecken" lässt«, begründete Hoss ihre Entscheidung. »Er spielt mit dem Publikum mit einer bemerkenswerten Leichtigkeit und Selbstsicherheit und bleibt dabei gänzlich uneitel.« Wegen Stimmproblemen konnte Hinrichs beim Theatertreffen allerdings nur einmal auftreten.

Den Schocker des Festivals hatte es gleich zu Beginn gegeben. Mehr als zwölf Stunden dauerte die Ibsen-Performance »John Gabriel Borkman« des deutsch-norwegischen Theaterkollektivs Vegard Vinge, Ida Müller und Trond Reinholdtsen - Gewaltexzesse und eklige Fäkal-Spielereien inklusive. Ein Spektakel aus der eigentlich längst zugeklappten Mottenkiste der 70er-Jahre-Provokations-Performance-Kunst.

Auf andere Art sprengten zwei Stücke freier Gruppen den Rahmen traditioneller Theateraufführungen. In »Before Your Very Eyes« ließ die deutsch-britische Performance-Truppe Gob Squad ausschließlich »echte lebende Kinder« auftreten. Im Zeitraffer von einer Stunde und zehn Minuten sah der Zuschauer sieben Kindern zu, wie sie in einem Glascontainer Erwachsenwerden spielen - angeleitet von einer Stimme aus dem Off.

Weg vom Privaten hin zum Politischen ging es mit »Hate Radio« von Milo Rau. Der Schweizer Regisseur setzte das Publikum ebenfalls vor einen verglasten Container, der dieses Mal ein Radiostudio darstellte. Nur über an das Publikum verteilte Kopfhörer konnte die dort produzierte Propaganda-Sendung ruandischer Hutu mitverfolgt werden.

Der Sender RTLM hatte sich im Jahr 1994 zum Sprachrohr und Einpeitscher fanatisierter Hutus gemacht, die rund eine Million Tutsi ermordeten. Aus Mitschnitten spielten ruandische Schauspieler eine der Sendungen nach. In Videoaufnahmen erzählten Zeitzeugen von den Grausamkeiten. Ein erschütternder Abend.

Großes Schauspieler-Theater bot Alvis Hermanis' knapp fünfstündige Version von Tschechows »Platonov«. Martin Wuttke in der Titelrolle sowie seine Mitspieler Johanna Wokalek, Dörte Lyssewski und Peter Simonischek zeichneten facettenreiche Charaktere - das Publikum feierte die Aufführung mit begeistertem Applaus.

Das 49. Theatertreffen war auch ein Festival der Längen. Dem »Borkman«-Rekord von zwölf Stunden dicht auf den Fersen war Nicolas Stemann, der Goethes »Faust I + II« in achteinhalb Stunden zeigte. Sechs Schauspieler teilten sich alle Rollen. Heraus kam trotz reichlich Chaos ein ungewöhnlich luzider Blick auf das Mammutwerk.

Stemann erhielt dafür den mit 10 000 Euro dotierten 3sat-Preis. »Seine Inszenierung ist selber ein Faustisches Ereignis, ein Grübeln und Ergründen, was dieses Drama im Innersten zusammenhält, was es bereithält - für uns heute«, urteilte die Jury. »Gedankenscharf und gedankenklar eröffnet die Inszenierung ungeahnte Perspektiven auf Goethes Text. Eine spielerische und intellektuelle Freude!«

Egal ob Performance-Spektakel oder hohe Schauspielkunst - die rund 20 000 Theatertreffen-Tickets waren auch in diesem Jahr wieder heiß begehrt. Vor den Festivaltheatern waren bei fast jeder Aufführung hoffnungsvolle Menschen mit »Suche Karte«-Schildern in der Hand zu sehen.

Fit + aktiv

Mit Salbeiduft Desserts aufpeppen
Ernährung
Mit Salbeiduft Desserts aufpeppen
18.05.12
12:33
3 days
18.05.2012
- 14:00
Heidelberg (dpa/tmn) - Küchenkräuter können Desserts eine besondere Note geben. Martin Scharff von den Restaurants auf dem Schloss Heidelberg empfiehlt zum Beispiel Ananas- oder Honigmelonensalbei wegen des tollen Duftes.
Martin Scharff von den Restaurants auf dem Schloss Heidelberg empfiehlt zum Beispiel Ananas- oder Honigmelonensalbei wegen des tollen Duftes.

Heidelberg (dpa/tmn) - Küchenkräuter können Desserts eine besondere Note geben. Martin Scharff von den Restaurants auf dem Schloss Heidelberg empfiehlt zum Beispiel Ananas- oder Honigmelonensalbei wegen des tollen Duftes.

Eine Crème pâtissière, eine Art edler Vanillepudding, etwa lasse sich mit einzelnen Blättern dieser Salbeiarten hübsch dekorieren. »Lutschen Sie die Blätter wie ein Bonbon, dann entfalten sie am meisten Aroma«, rät der Sternekoch. Gekaut bleibe davon leider nur wenig erhalten. Außerdem seien die Bitterstoffe zu stark, wenn man direkt mit dem Kauen anfange.

Ähnlich verhalte es sich mit Marzipan-Gewürzsalbei. Der sei »von der Nase her am interessantesten«. Wegen seiner schönen blau-roten Blüten sehe er zudem besonders dekorativ auf einer Nachspeise aus, sagt Scharff. Aber er bedauert: »Leider essen unsere Gäste selten die Blüten und Blätter.«

Dithmarscher Eintopf mit Klößchen und Mettwurst
Ernährung
Dithmarscher Eintopf mit Klößchen und Mettwurst
18.05.12
09:39
3 days
18.05.2012
- 11:00
Aus dem Norden Deutschlands stammt dieser Eintopf. Fernsehkoch Nelson Müller hat ihn als Kind bei seiner Oma gegessen.
Fernsehkoch Nelson Müller hat ihn als Kind bei seiner Oma gegessen. Das war so lecker, dass er das Rezept zum Nachkochen weiterempfiehlt.

Aus dem Norden Deutschlands stammt dieser Eintopf. Fernsehkoch Nelson Müller hat ihn als Kind bei seiner Oma gegessen. Das war so lecker, dass er das Rezept zum Nachkochen weiterempfiehlt.

Kategorie: Eintopf

Zutaten für 4 Personen:

Für den Eintopf:

1/2 Zwiebel

1 Möhre

100 g Knollensellerie

1 Petersilienwurzel

200 g festkochende Kartoffeln

1/2 Stange Lauch

8 Wirsingblätter

300 g durchwachsener

geräucherter Schweinebauch

4 EL Rapsöl (oder Schweineschmalz)

1 l Hühner- oder Rinderbrühe

100 ml Weißwein

4 Mettwürstchen

Salz

Pfeffer aus der Mühle

Einige Petersilienblätter zum Garnieren

Für die Klößchen:

2 Eier

300 g Mehl

100 ml Milch

Salz

Pfeffer aus der Mühle

frisch geriebene Muskatnuss

Zubereitung:

Für den Eintopf die Zwiebel schälen und in Streifen schneiden. Die Möhre, den Sellerie und die Petersilienwurzel putzen und schälen, die Kartoffeln schälen und waschen. Alles in Scheiben bzw. haselnussgroße Würfel schneiden. Den Lauch putzen, waschen und den weißen Teil in etwa 1 cm dicke Scheiben schneiden. Die Wirsingblätter waschen, die harte Mittelrippe entfernen und den Rest in etwa 1/2 cm breite Streifen schneiden.

Den Schweinebauch quer in dünne Streifen schneiden. Das Öl in einem Topf erhitzen und den Speck darin anbraten. Die Zwiebel hinzufügen und kurz mitbraten. Mit der Brühe und dem Weißwein ablöschen und zugedeckt etwa 10 Minuten kochen lassen.

Währenddessen für die Klößchen alle Zutaten zu einem glatten Teig verrühren bis er Blasen wirft.

Nun die Möhre, den Sellerie, die Petersilienwurzel, die Kartoffeln, den Lauch sowie die Wirsingstreifen zur Brühe hinzufügen und weitere 10 Minuten köcheln lassen. Die Mettwurst nach Belieben in Scheiben schneiden und 5 Minuten vor Ende der Garzeit in der Suppe erwärmen. Abschließend mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Während die Suppe kocht, vom Klößchenteig mit zwei Esslöffeln kleine Portionen abnehmen und in kochendem Salzwasser etwa 4 Minuten garen.

Den Dithmarscher Eintopf in vorgewärmten Schalen oder Tellern zusammen mit den Klößchen anrichten. Mit den gewaschenen Petersilienblättern garnieren.

Literatur:

Nelson Müller: Meine Rezepte für Body und Soul, 160 Seiten, Verlag Zabert Sandmann, 2011, 19,95 Euro, ISBN-13: 978-3-89883-300-4

Grillen mit Fleisch
Ernährung
Zum Grillen nicht zu mageres Fleisch nehmen
18.05.12
09:26
3 days
18.05.2012
- 11:00
Oldenburg (dpa/tmn) - Es ist angerichtet - zum Grillen darf das Fleisch ruhig ein wenig fettiger sein. Ist es zu mager, wird das Grillgut auf dem Feuer leicht trocken.
Ist es zu mager, wird das Grillgut auf dem Feuer leicht trocken. Hier gibt's Tipps für Grillfans.

Oldenburg (dpa/tmn) - Es ist angerichtet - zum Grillen darf das Fleisch ruhig ein wenig fettiger sein. Ist es zu mager, wird das Grillgut auf dem Feuer leicht trocken. Hier gibt's Tipps für Grillfans.

Zum Grillen eignen sich am besten mit feinen Fettadern durchzogene Fleischstücke. Das Fett schütze vor dem Austrocknen und sei außerdem Geschmacksträger, erläutert die Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Wen ein Fettrand am gegrillten Fleisch aus Kaloriengründen stört, der schneidet es auf dem Teller einfach ab. Zum Grillen empfiehlt sich vor allem Hüft-, Rumpf- und Lendensteak vom Rind, Schnitzel, Nacken und Filet vom Schwein und Geflügel im Ganzen oder Teilstücke davon.

Fleisch am Knochen sei besonders aromatisch, daher bieten sich auch Rippchen oder Koteletts von Schwein oder Lamm an. Außerdem schütze der Knochen vor dem Austrocknen, so die Kammer. Kalb- und Wildfleisch ist recht mager, trocknet daher schnell aus und kommt deshalb besser nicht auf den Grill.

Schlachtwarm verarbeitetes Fleisch
Ernährung
Schlachtwarm verarbeitetes Fleisch braucht weniger Zusätze
18.05.12
09:25
3 days
18.05.2012
- 11:00
Kassel (dpa/tmn) - Den Unterschied merkt man erst beim Reinbeißen: Wenn das Fleisch schlachtwarm verarbeitet wird, müssen weniger Zusatzstoffe in die Wurst. Dabei muss sich der Fleischer aber beeilen.
Dabei muss sich der Fleischer aber beeilen.

Kassel (dpa/tmn) - Den Unterschied merkt man erst beim Reinbeißen: Wenn das Fleisch schlachtwarm verarbeitet wird, müssen weniger Zusatzstoffe in die Wurst. Dabei muss sich der Fleischer aber beeilen.

Die Scheibe sieht fast aus wie konventionelle Jagdwurst. Auch der Fleischkäse unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von handelsüblicher Ware. Doch spätestens beim Reinbeißen merken Verbraucher, dass die Fleisch- und Wurstwaren von Dieter Rohde aus Kassel weicher und zarter sind als andere. Das liegt an der Herstellungsweise: Rohde ist Mitglied der Genießervereinigung Slow Food und verarbeitet wie nur wenige andere Produzenten in Deutschland das Fleisch noch schlachtwarm. Dadurch kann er auf bestimmte Zusatzstoffe verzichten, die sonst nötig sind, damit die fertige Wurst fest wird.

Schon während der Schlachtung und amtstierärztlichen Fleischbeschau verlädt er die Ware und bringt sie vom Schlachthof in seinen zehn Minuten Fahrt entfernten Betrieb. Dort muss schnell gearbeitet werden. Denn nur kurz sei im Fleisch noch Adenosin-Tri-Phosphat (ATP) vorhanden, erklärt er. »Im lebenden Organismus ist es an jeder Muskelbewegung beteiligt. Beim zusammengezogenen Muskel sorgt das ATP dafür, dass er wieder erschlafft.« Es trenne die Eiweiße wieder voneinander, die den Muskel zusammenziehen.

Diesen Effekt machen sich Metzger zunutze, die Fleisch warm verarbeiten: Solange im toten Muskelgewebe noch ATP vorhanden ist, bleiben Rohde zufolge die Eiweiße unverbunden, und dazwischen kann sich viel körpereigenes Wasser im zerkleinerten Fleisch anlagern. »Es entsteht eine gelartige Masse, in die sich wiederum Fett sehr gut und gleichmäßig einlagern kann. Und dieses Fett bindet die fleischeigenen Aromastoffe«, erklärt der Fleischer. »Die Wurstmasse wird auf natürliche Weise aromatisch.« Nur natürliche Gewürze und Pökelsalz kämen dann noch hinzu.

Um das ATP zu nutzen, bleiben bei einem Schwein zwei bis drei, bei einem Rind vier bis sechs Stunden, bei Geflügel nur 30 Minuten Zeit. Danach sind die Stoffwechselprozesse abgeschlossen, das Fleisch wird kalt und starr. Die Eiweiße sind längst verbunden und halten nur wenig Wasser, Fett und Aromen. Daher setzt die Industrie der Wurstmasse künstliche Bindemittel wie Phosphate oder Citrate zu. Aromen und Geschmacksverstärker sind ebenfalls gängige Zusätze. Die Konsistenz solcher Wurst ist in der Regel fester.

Der Aufwand, den Warmfleisch verarbeitende Betriebe betreiben, macht sich aber nicht nur an Konsistenz und Aroma bemerkbar. Auch der Preis ist höher: Er liegt Rohde zufolge um 18 bis 20 Prozent über dem Normalpreis. Das hängt darüber hinaus damit zusammen, dass er ausschließlich Biofleisch verwendet. »Sie sprechen damit nicht die Masse an«, sagt er.

Multimedia

»FarmVille«
Internet
Spielen auf Facebook - Mehr als Farmville
18.05.12
16:03
3 days
18.05.2012
- 17:00
Berlin (dpa/tmn) - Rund eine halbe Milliarde Nutzer wählen sich jeden Tag bei Facebook ein. Aber oft ist es nicht der übliche Austausch mit Freunden, der die Mitglieder auf die Plattform zieht, viele reizen eher Spiele.
Aber oft ist es nicht der übliche Austausch mit Freunden, der die Mitglieder auf die Plattform zieht, viele reizen eher Spiele.

Berlin (dpa/tmn) - Rund eine halbe Milliarde Nutzer wählen sich jeden Tag bei Facebook ein. Aber oft ist es nicht der übliche Austausch mit Freunden, der die Mitglieder auf die Plattform zieht, viele reizen eher Spiele.

Social Games heißen die Applikationen, die Begeisterte teilweise stundenlang vor den Monitoren bannen. Der Klassiker ist »Farmville«, bei dem Spieler ihren eigenen Bauernhof aufbauen können. Doch inzwischen gibt es weit mehr Games auf Facebook.

»Die Programme haben nichts mit aufwendigen Action-Spielen zu tun, sondern sind ein einfacherer und entspannter Zeitvertreib«, sagte der Marketingchef des Spieleherstellers King.com, Alex Dale. Genau das mache den Reiz aus.

Der große Renner von King.com ist »Bubble Witch Saga«, bei dem die Spieler Hexen beim Brauen von Zaubertränken helfen. Dazu müssen Kugeln auf einem Spielfeld Schritt für Schritt abgeräumt werden, ähnlich wie in einem 4-Gewinnt-Spiel. »Eigentlich müssen Sie nur lernen, Kugeln mit einem Finger abzuschießen«, sagte Dale. Der Berliner Spiele-Entwickler Wooga lockt Nutzer mit »Diamond Dash«, bei dem es Punkte gibt, wenn man Steine antippt.

Ähnliche Knobelprogramme gibt es auf Facebook haufenweise. Das Prinzip ist meistens ähnlich. Die Aufgaben sind simpel und setzen auch auf Mitglieder, die nicht viel Zeit haben, sich in eine aufwendige Steuerung reinzudenken. Oft werden schon kleine Aufgaben mit Punkten belohnt. Und viele Programme beziehen den sozialen Kontext mit ein, denn die Zocker können sich mit ihren Freunden messen und um neue Punkterekorde konkurrieren.

Facebook hat eine eigene Seite für Spiele eingerichtet. Aus einer großen Liste können sich dort Mitglieder die passende Applikation für ihren Zeitvertreib aussuchen. Vor dem Knobeln wollen die Programme jedoch erst einen Zugriff auf das eigene Facebook-Konto. Und darin liegt eine entscheidende Hürde.

Michaela Zinke vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) mahnt zur Vorsicht: »Schwierig ist, dass viele Daten an Dritte weitergegeben werden.« Name, Geschlecht, Freundesliste, Profilbild und vieles mehr wollten die Spielefirmen einsehen. »Meistens geht es nur ganz oder gar nicht.« Wer die Daten nicht weitergeben will, muss oft ganz auf das Spielen verzichten. Entwarnung gibt es derzeit nicht: »Es gibt kein Spiel, dass ich bedenkenlos empfehlen kann.«

Computer
Google erweitert Suche mit Wissensdatenbank
18.05.12
13:02
3 days
18.05.2012
- 14:00
Mountain View (dpa) - Google hat seine Internet-Suche um eine Datenbank mit abgesicherten Fakten, Biografien und Bildern erweitert. Die neue Suchfunktion heißt »Knowledge Graph« und ist eine echte Wissensfundgrube.
Die neue Suchfunktion heißt »Knowledge Graph« und ist eine echte Wissensfundgrube.

Mountain View (dpa) - Google hat seine Internet-Suche um eine Datenbank mit abgesicherten Fakten, Biografien und Bildern erweitert. Die neue Suchfunktion heißt »Knowledge Graph« und ist eine echte Wissensfundgrube.

Die neue semantische Suchfunktion mit dem Namen »Knowledge Graph« ist in der Lage, Suchbegriffe nach unterschiedlichen Bedeutungen zu gruppieren und inhaltliche Zusammenhänge zu verwandten Themen herzustellen.

Google-Manager Amit Singhal erläuterte die neue Funktion in einem Blog-Eintrag am Beispiel der Suche nach dem Begriff »Taj Mahal«. Der Knowledge Graph erkennt, dass diese beiden Worte zum einen das berühmte Mausoleum im indischen Bundesstaat Uttar beschreiben. Er kennt aber auch den US-amerikanischen Blues-Musiker Taj Mahal und das gleichnamige Casino-Hotel in Atlantic City (USA) als populäre Suchanfragen.

Zu der Sehenswürdigkeit in Indien präsentiert Google nun nicht nur die Kernfakten zu dem Mausoleum (aus Wikipedia) und ein Foto, sondern bietet auch bebilderte Links zu anderen herausragenden Sehenswürdigkeiten wie der Chinesischen Mauer oder dem Delhi Fort an. Anwender, die nicht nach dem Taj Mahal in Indien, sondern nach dem Musiker oder Casino gesucht haben, gelangen mit einem weiteren Klick zu ihren Ergebnissen.

Zum Aufbau des Knowledge Graph hat Google in den vergangenen zwei Jahren eine Sammlung von 500 Millionen Personen, Plätzen und Dingen zusammengestellt, die eindeutig identifiziert und in inhaltliche Zusammenhänge gestellt wurden. So weiß das System, dass Leonardo da Vinci als Maler und Bildhauer der Kunstepoche der Renaissance zuzuordnen ist und zeigt im Knowledge Graph auch bekannte Werke des Universalgelehrten.

Facebook an der Börse
Internet
Kontrolle ist besser - Datenstrom zu Facebook überprüfen
18.05.12
12:11
3 days
18.05.2012
- 13:00
Berlin (dpa/tmn) - Durch den Börsengang von Facebook könnte sich für die Nutzer des sozialen Netzwerks in Zukunft einiges ändern. Was das konkret bedeutet, erklärt eine Expertin.
Was das konkret bedeutet, erklärt eine Expertin.

Berlin (dpa/tmn) - Durch den Börsengang von Facebook könnte sich für die Nutzer des sozialen Netzwerks in Zukunft einiges ändern. Was das konkret bedeutet, erklärt eine Expertin.

»Die persönlichen Daten der Mitglieder sind die Grundlage für Facebooks Geschäftsmodell«, erklärt Michaela Zinke vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). »Wir rechnen damit, dass diese in Zukunft noch viel intensiver ausgewertet werden.« Für die Nutzer heißt das: Mehr personalisierte Werbung und mehr Apps und Dienste, die gezielt persönliche Informationen abgreifen.

Profile für individuelle Werbung zu erstellen, sei an sich noch nichts Schlechtes, sagt Zinke: »Bei anderen Diensten und Onlineshops ist es ja völlig normal, dass mir zum Beispiel bestimmte Produkte empfohlen werden.« Allerdings kritisiert die Verbraucherschützerin, dass Facebook nicht transparent mache, was mit welchen Daten passiert und wie lang bestimmte Informationen gespeichert werden. Wer Facebook oder anderen Firmen wie Google nicht zu viel über sich preisgeben möchte, sollte daher genau überprüfen, welche Informationen er wo hinterlässt.

Denn persönliche Daten gelangen nicht nur direkt über Facebook in die Datenspeicher des Unternehmens. Bei vielen Webseiten können sich Nutzer zum Beispiel mit ihrem Facebook-Profil einloggen, bei Anbietern wie dem Musikstreamer Spotify ist das sogar Pflicht. »Was höre ich, wo gehe ich hin, mit wem rede ich? Solche Daten sind für Unternehmen wie Facebook besonders wertvoll«, erklärt Zinke. Bei solchen Angeboten sollten Nutzer sich daher - wenn möglich - lieber regulär und nicht über Facebook registrieren. Auch die Suche nach Alternativen ohne Anbindung an soziale Netzwerke kann es anderen erschweren, der eigenen Datenspur im Netz zu folgen.

Computer
Neue WLAN-Router im Test
18.05.12
11:50
3 days
18.05.2012
- 13:00
Hamburg (dpa/tmn) - Neue WLAN-Router schaffen theoretisch Datenraten von bis zu 450 Megabit pro Sekunde (MBit/s) - in der Praxis liegen die Werte aber deutlich niedriger. Ein Test zeigt, was Nutzer sonst noch wissen sollten.
Ein Test zeigt, was Nutzer sonst noch wissen sollten.

Hamburg (dpa/tmn) - Neue WLAN-Router schaffen theoretisch Datenraten von bis zu 450 Megabit pro Sekunde (MBit/s) - in der Praxis liegen die Werte aber deutlich niedriger. Ein Test zeigt, was Nutzer sonst noch wissen sollten.

In einem Test der Zeitschrift »Computer Bild« von fünf aktuellen WLAN-Routern schaffte selbst der beste Kandidat unter Idealbedingungen nur 125 Mbit/s. Muss das Signal zum Beispiel durch Wände oder Decken, sinken die Werte noch einmal deutlich.

Für den Kauf eines aktuellen, schnellen WLAN-Routers müssen Kunden etwa 130 bis 170 Euro einplanen. Neben der Geschwindigkeit sollten aber auch andere Features eine Rolle spielen, schreibt die Zeitschrift: Wichtig ist zum Beispiel, dass das Gerät neben der üblichen Frequenz von 2,4 Gigahertz zusätzlich auf 5 Gigahertz funkt. Hierbei läuft der drahtlose Datenverkehr in der Regel störungsfreier ab. Für den Aufbau eines Heimnetzwerks sollte ein Router unbedingt den Standard DLNA unterstützen. Eine Kindersicherungsfunktion kann dabei helfen, die Surfzeiten des Nachwuchses zu begrenzen.

Nur die wenigsten Router haben dagegen heute Telefonanschlüsse und ein DSL-Modem an Bord. Stattdessen sollten Nutzer das Modem ihres Providers weiterbenutzen und den neuen Router daran anschließen. Hat das alte Modem ein eigenes, schlechteres WLAN, wird es besser abgeschaltet - ansonsten kommen sich die Netzwerke womöglich gegenseitig in die Quere.