
Memmingen (dpa) - Die Waffen des 14-jährigen Schützen aus Memmingen gehören dessen Vater. Das teilte die Staatsanwaltschaft als Ergebnis erster Ermittlungen zu dem Amokalarm mit. Der Vater sei ein Sportschütze.
Der Junge hatte am Dienstag mit den Waffen vor seiner Schule und auf einem Sportplatz in die Luft geschossen. Niemand wurde verletzt. Erst nach Stunden hatte sich der 14-Jährige der Polizei ergeben.
Am Tag nach dem Amokalarm haben Schüler und Lehrer der Schule in Memmingen mit der Aufarbeitung der Ereignisse begonnen. »Es ist uns sehr wichtig, dass möglichst bald wieder Normalität in die Schule einziehen kann«, sagte Rektor Franz Michael Schneider am Mittwoch. Die Kinder sollten das Geschehen mit ihren Klassenlehrern besprechen. Außerdem stand ein großes Team an Krisenhelfern bereit, um Kinder psychologisch zu betreuen. »Es ist kein normaler Unterricht, wir können nicht sagen, wir gehen zum Tagesablauf über und machen wieder Mathematik«, sagte die Schulamtsdirektorin Elisabeth Fuß.
Der 14-Jährige, der am Vortag an der Schule mit zwei Schusswaffen den Amokalarm ausgelöst hatte, sollte noch im Laufe des Tages dem Haftrichter vorgeführt werden. Eine Bereitschaftsrichterin hatte bereits am Dienstag gegen ihn Haftbefehl erlassen. Seit seiner Festnahme am Abend wurde er auch psychologisch betreut. Nach wie vor unklar ist den Ermittlern zufolge noch das Motiv.
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Berlin (dpa) - Nach dem Rückzug von Oskar Lafontaine geht der Führungsstreit bei der Linken in eine neue Runde. Thüringens Fraktionschef Bodo Ramelow legte Lafontaines Widersacher Dietmar Bartsch nahe, nun ebenfalls auf eine Kandidatur für den Parteivorsitz zu verzichten.
Zugleich mehren sich die Stimmen für eine weibliche Doppelspitze. Bereits an diesem Mittwoch wollen die stellvertretende Parteichefin Katja Kipping und die nordrhein-westfälische Landesvorsitzende Katharina Schwabedissen gemeinsam ihren Hut in den Ring werfen.
Nach Angaben des Bundestagsabgeordneten Thomas Nord möchten die beiden als Führungsduo kandidieren. Prominente Linke-Politiker haben für den Mittag (12.00 Uhr) zu einer Pressekonferenz in Hannover eingeladen, zu der auch Schwabedissen und Kipping erwartet werden. Schwabedissen hat bereits ihr grundsätzliches Interesse an einer Kandidatur signalisiert. Kipping hatte letzte Woche einen neuen Personalvorschlag für den Fall angekündigt, dass es zu keiner einvernehmlichen Lösung zwischen Lafontaine und Bartsch kommen sollte.
Weitere Kandidaten für die neue Doppelspitze sind Bundestags-Fraktionsvize Bartsch und die sächsische Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann. Die sieht ihre Chancen durch den Rückzug Lafontaines nicht geschmälert. »Ich habe meine Kandidatur nicht von Oskar Lafontaine abhängig gemacht«, sagte Zimmermann der in Chemnitz erscheinenden »Freien Presse« (Mittwoch).
Lafontaine hatte am Dienstag seinen Verzicht auf eine Kandidatur für den Parteivorsitz erklärt, nachdem Bundestags-Fraktionschef Gregor Gysi ihm am Montag seine Unterstützung entzogen hatte. Lafontaine hatte sich nur unter der Bedingung zu einer Kandidatur bereiterklärt, dass kein anderer gegen ihn antritt. Vor allem Ost-Linke, die dem pragmatischen Flügel um Bartsch zuzurechnen sind, bezeichneten dieses Verhalten als undemokratisch.
Inzwischen wird der Ruf nach einer weiblichen Doppelspitze lauter. »Zwei Männer haben wir ja schon gehabt«, sagte Parteichef Klaus Ernst am Dienstagabend auf einer Regionalkonferenz in Berlin. Es müssten Frauen mit Ausstrahlung auch in die alten Bundesländer sein. Der stellvertretende saarländische Linke-Chef Heinz Bierbaum verlangte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa, Lafontaines Lebensgefährtin, die stellvertretende Parteivorsitzende Sahra Wagenknecht, müsse dabei eine zentrale Rolle spielen.
Auch der Thüringer Fraktionschef Ramelow plädierte für einen sogenannten Dritten Weg. »Ich habe Dietmar Bartsch immer den Rücken frei gehalten«, sagte er der »Berliner Zeitung« (Mittwoch). »Aber wenn es einen besseren gemeinsamen Weg gibt, dann möchte ich darüber nicht öffentlich zu Gericht sitzen. Alle müssen sich gemeinsam an einen Tisch setzen.« Denkbar sei eine weibliche Doppelspitze, bei der sich die Frage stelle, »ob ein versierter Bundesgeschäftsführer mit dem Profil eines Dietmar Bartsch dabei gewollt ist«.

Berlin (dpa) - Im Bundeskanzleramt hat ein Energie-Gipfel von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), mehreren Ministern und den 16 Ministerpräsidenten begonnen.
Auf der Tagesordnung stehen der stockende Stromnetzausbau, die fehlenden Investitionen in neue Gaskraftwerke als Ersatz für die wegfallenden Atomkraftwerke und die drohende Kostensteigerung für die Bürger. Zudem soll über weitere Maßnahmen zum Energiesparen gesprochen werden, etwa im Bereich der Gebäudesanierung. Wird weniger Energie verbraucht, sind auch weniger neue Netze, Windparks und Kraftwerke notwendig.
An dem Spitzentreffen nimmt auch der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) teil, der am Dienstag als Nachfolger von Norbert Röttgen sein Amt angetreten hatte. CDU-Vize Röttgen war von Merkel nach der schweren Wahlniederlage in Nordrhein-Westfalen entlassen worden. Ebenfalls dabei sind Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Bauminister Peter Ramsauer (CSU). Für 13.30 Uhr ist eine Pressekonferenz zu den Ergebnissen angekündigt.
Seit Wochen mehren sich die Äußerungen aus Wirtschaft und Industrie, dass die Energiewende dringend eines klaren Fahrplans und einer besseren Koordinierung bedürfe. Zudem fehlt bisher eine Abstimmung der Energiekonzepte von Bund und Ländern. Hinzu kommt der ungelöste Streit um die Solarförderung, deren Kosten die Bürger über den Strompreis zu zahlen haben. Als ein Modell zur Entlastung der Bürger wird auch über eine Senkung der Stromsteuer nachgedacht.

Bagdad (dpa) - Vor der neuen Verhandlungsrunde über das umstrittene iranische Atomprogramm sind internationale Diplomaten in der irakischen Hauptstadt Bagdad eingetroffen. Der Beginn der Gespräche mit den iranischen Unterhändlern werde für den Nachmittag erwartet, sagte ein irakischer Regierungssprecher.
Die internationale Gemeinschaft will die Bemühungen um eine friedliche Lösung des Atomstreits mit dem Iran fortsetzen. Vertreter der 5+1-Gruppe (China, Frankreich, Großbritannien, Russland und die USA - sowie Deutschland) wollen bei dem Treffen an den als positiv bezeichneten Start neuer Gespräche vor gut fünf Wochen in Istanbul anknüpfen.
Der Westen verdächtigt den Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms an Atomwaffen zu arbeiten. Die Führung in Teheran bestreitet das. Israel hat mehrfach indirekt mit Militärschlägen auf iranische Atomanlagen gedroht.
Unmittelbar vor der neuen Verhandlungsrunde hatte der Iran Zugeständnisse signalisiert. Teheran erklärte sich bereit, eine Vereinbarung zur genaueren Überprüfung seines Atomprogramms durch die Internationale Atomenergie-Behörde IAEA zu unterzeichnen. Im Gegenzug fordert die iranische Führung, dass der Westen Sanktionen aufhebt.

Kairo (dpa) - In Ägypten hat die erste demokratische Präsidentenwahl in der Geschichte des Landes begonnen. In zahlreichen Wahllokalen begann die Abstimmung verspätet.
Vor den Wahllokalen in der Innenstadt von Kairo bildeten sich lange Warteschlangen. Die Schlangen der Frauen, die in Ägypten getrennt anstehen, waren vielerorts deutlich länger als die der Männer.
Die Abstimmung war von den rund 50 Millionen Wählern mit Spannung erwartet worden. Denn bisher ist noch völlig offen, wer das Rennen um die Nachfolge von Präsident Husni Mubarak gewinnen wird. Laut jüngsten Umfragen haben fünf der insgesamt zwölf Kandidaten gute Chancen. Zwei von ihnen gehören dem Lager der Islamisten an. Gewinnt keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit, treten die beiden Bestplatzierten Mitte Juni in einer Stichwahl gegeneinander an.
Nach dem Rücktritt von Mubarak im Februar 2011 hatte das Militär die Macht übernommen und eine Übergangsregierung eingesetzt. Die Generäle haben versprochen, sich Ende Juni aus der Politik zurückzuziehen. Die erste Runde der Präsidentenwahl dauert zwei Tage. Mit dem Ergebnis wird frühestens am Freitag gerechnet.

Frankfurt/Main (dpa) - Der Commerzbank-Aufsichtsrat hat das Ende der Gehaltsbegrenzung für die Vorstände des teilverstaatlichten Konzerns verteidigt. Es handele sich nicht um eine Gehaltserhöhung, sondern »lediglich um die Einsetzung des regulären Gehalts«, betonte Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller vor Aktionären.
Nach vier mageren Jahren erhalten Commerzbankchef Martin Blessing und seine Vorstandskollegen in diesem Jahr wieder deutlich höhere Bezüge. Die Obergrenze von jährlich 500 000 Euro, die wegen der staatlichen Rettungsmilliarden gezogen werden musste, gilt nicht mehr. Damit erhält Blessing für das Jahr 2012 ein Festgehalt von 1,3 Millionen Euro. Seine acht Vorstandskollegen bekommen fix pro Jahr 750 000 Euro. Dazu können noch leistungsabhängige Boni kommen.
»Ich halte die Entscheidung des Aufsichtsrates, die Deckelung der Vorstandsgehälter nicht zu verlängern, für unbedingt geboten«, sagte Müller. Die Bank müsse eine dauerhaft wettbewerbsfähige Vergütung bieten, um für gute Manager attraktiv zu sein. Müller rechnete vor: Die Gesamtbezüge für neun Vorstandsmitglieder beliefen sich für das Jahr 2006 auf knapp 24 Millionen Euro, verglichen mit 5,3 Millionen Euro im Jahr 2011.

Mannheim (dpa) - Mit einer überraschenden Firmenübernahme hat sich der Vorstand des Softwareriesen SAP am Mittwoch in Mannheim bei der Hauptversammlung seinen Aktionären präsentiert.
»Es gibt weltweit kein besseres Unternehmen, das mehr Synergien mit SAP hat, als Ariba«, sagte SAP-Co-Chef Jim Hagemann Snabe am Rande der Hauptversammlung. Gleichzeitig bekräftigten er und sein Kollege Bill McDermott, dass SAP mit eigenen Ideen wachsen wolle und nicht auf groß angelegter Einkaufstour sei. »Unsere Strategie ist es nicht, Unternehmen zu übernehmen«, sagte Snabe.
Der Walldorfer Dax-Konzern hatte über Nacht den Kauf des amerikanischen Cloud-Spezialisten Ariba für rund 4,3 Milliarden Dollar (3,3 Mrd Euro) angekündigt. Der neue Wunschpartner bietet Handelsnetzwerke für Firmen an und stützt dieses Geschäftsmodell mit der sogenannten Cloud-Technik, mit der Software-Anwendungen über das Internet bezogen werden.
Der geplante Kauf von Ariba ist für SAP die zweite milliardenschwere Übernahme binnen weniger Monate. Erst vor kurzem stemmte der Konzern die etwa 3,4 Milliarden Euro teure Übernahme des ebenfalls amerikanischen Cloud-Experten Successfactors.

Stuttgart (dpa) - Die Verhandlungen über eine Rettung der insolventen Drogeriekette Schlecker gehen auf die Zielgerade. Eine Vorentscheidung über den Einstieg von Investoren könnte bereits an diesem Freitag in einer Sitzung des Gläubigerausschusses fallen, hieß es am Dienstagabend aus Verhandlungskreisen.
»Es gibt weiterhin verschiedene Optionen.« Medienberichten zufolge steht Schlecker aber schon am Freitag vor dem Aus. Die Gläubiger könnten dann die Zerschlagung beschließen, berichteten die »Stuttgarter Nachrichten« und das »Managermagazin«.
Ein Sprecher des Insolvenzverwalters ließ am Mittwoch dazu alle Fragen offen: »Was am Freitag passieren wird, weiß kein Mensch. Theoretisch ist und war auch immer alles möglich.« Er räumte aber ein, dass es immer wieder kritische Momente mit den Gläubigern gegeben habe. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz sei aber weiter mit drei möglichen Investoren in »vertieften Gesprächen«.
Sollte es zur Zerschlagung kommen, würden zum Beispiel die attraktiveren Unternehmensteile wie die Auslandsgesellschaften einzeln verkauft, an der Tochter IhrPlatz zeigte der Münchner Investor Dubag bereits großes Interesse. Doch was wird aus all den Schlecker-Filialen, wenn es jetzt schon schwer ist, Interessenten für das gesamte Netz zu finden? Im schlimmsten Fall werden nur einige Perlen verkauft und der Großteil wird geschlossen - und das könnte langfristig ein erneutes Aus für tausende Mitarbeiter bedeuten.
Die Gewerkschaft Verdi will gar nicht erst an diese Option denken, doch auch dort scheint das Bauchgefühl kein wohliges zu sein. »Die Entscheidung wäre furchtbar für die Beschäftigten, wenn sie fallen würde - aber wir möchten uns an den Spekulationen nicht beteiligen«, sagte Verdi-Sprecherin Christiane Scheller am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa.
Die Lage ist brenzliger als je zuvor. An diesem Freitag könnte eine richtungsweisende Vorentscheidung fallen, die am 5. Juni bei der Gläubigerversammlung beschlossen wird. Letzten Endes vertritt der Insolvenzverwalter die Interessen der Gläubiger, er ist verpflichtet, das Bestmögliche für diese aus Schlecker herauszuholen. Es ist noch völlig unklar, ob es zu einer Investorenlösung kommt.
Den »Stuttgarter Nachrichten« zufolge ist das arabische Emirat Katar am Montag als möglicher Investor abgesprungen. Lars und Meike Schlecker, die Kinder des Firmengründers Anton Schlecker, hätten das Emirat als Geldgeber vorgesehen. Katar sei jedoch nicht an Risikogeschäften interessiert. Deshalb habe man Insolvenzverwalter abgesagt. Dies bestätige ein Sprecher von Geiwitz nicht.
Schlecker verliere derzeit täglich einen sechsstelligen Euro-Betrag, berichtete das »Manager Magazin«. Erschwerend kämen die rechtliche Probleme durch tausende Kündigungsschutzklagen hinzu. Der Schuldenberg des Unternehmens nähere sich der Milliardengrenze. Gläubiger drängten daher auf eine rasche Lösung. Die Insolvenzverwaltung wollte sich nicht zur Höhe der Verluste äußern. Das Schlecker rote Zahlen schreibe, sei bekannt und im Rahmen der Restrukturierung auch so kalkuliert, hieß es.
Im Zuge der Insolvenz der Drogeriekette mit Sitz in Ehingen in Baden-Württemberg war Ende März bundesweit rund 10 000 Beschäftigten gekündigt worden. Mehr als 13 500 sind derzeit bei Schlecker beschäftigt. Bisher reichten knapp 4000 Ex-Schlecker-Beschäftigte Klage gegen ihre Kündigung ein. Ursprünglich wollte der Insolvenzverwalter bis Pfingsten einen Investor präsentieren.

New York (dpa) - Der verpatzte Börsengang von Facebook wird zum Fall für Aufsichtsbehörden und Gerichte. Die US-Börsenaufsicht SEC will die Umstände der Aktienplatzierung untersuchen. Ein Anleger reichte bereits Klage ein.
Die Aktie fällt unterdessen immer weiter: Am dritten Handelstag sackte sie um rund 9 Prozent auf 31 Dollar ab. Während Facebook und die Alteigentümer 16 Milliarden Dollar einnahmen, verlor ein Investor, der ihnen die Aktien zum Ausgabepreis von 38 Dollar abgekauft hatte, bis Dienstagabend 18 Prozent seines Geldes.
Nachbörslich ging es für die Facebook-Aktie am Dienstag noch tiefer runter auf 30,50 Dollar - damit deuten sich weitere Kursverluste für diesen Mittwoch an. Damit legt das das weltgrößte Online-Netzwerk mit seinen inzwischen mehr als 900 Millionen Mitgliedern einen der übelsten Börsengänge der vergangenen Jahre hin.
Überdies rücken angebliche Mauscheleien Facebook und die am Börsengang beteiligten Banken in ein schlechtes Licht. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg muss sich auf einen juristischen Schlagabtausch einstellen.
Die Kanzlei Glancy Binkow & Goldberg aus Los Angeles reichte am Dienstag bereits Klage vor einem kalifornischen Gericht ein. Die Anwälte werfen Facebook und den Banken im Namen ihres Mandanten vor, die Börsenunterlagen schlampig zusammengestellt und wichtige Informationen zum Geschäft und dessen Aussichten verschwiegen zu haben. Die Kanzlei fordert Wiedergutmachung im Namen aller Geschädigten.
Die Anwälte werfen der Gegenseite insbesondere vor, verheimlicht zu haben, dass die beteiligten Banken kurz vor dem Börsengang ihre Gewinnprognosen für das Soziale Netzwerk gesenkt hätten. Namentlich werden Morgan Stanley, JPMorgan Chase und Goldman Sachs aufgeführt. Das sind die drei sogenannten »Lead Underwriter«, also die wichtigsten Organisatoren des Börsengangs.
Bei ihren Vorwürfen stützen sich die Anwälte auf US-Medienberichte, unter anderem vom »Wall Street Journal«. Demnach haben nur eine Handvoll ausgewählter Kunden der Banken von den gesenkten Erwartungen an das künftige Facebook-Geschäft erfahren. Entsprechend vorsichtig seien diese Kunden dann beim Kauf von Facebook-Aktien geworden. Die Facebook-Hauptbank Morgan Stanley erklärte am Dienstag, alle Regularien eingehalten zu haben.
Das Blog »Business Insider« ging am Dienstag sogar noch einen Schritt weiter: Ein Facebook-Manager habe den Analysten dazu geraten, ihre Vorhersagen nach unten zu korrigieren, hieß es unter Berufung auf eine ungenannte Quelle.
Damit wirkt der Vorwurf, die Banken hätten sich bei der Nachfrage verschätzt und zu viele Papiere auf den Markt geworfen, noch am harmlosesten. Ursprünglich hatte Facebook einen Stückpreis zwischen 28 und 35 Dollar angepeilt. Dann jedoch stockte das Unternehmen den Ausgabepreis und die Zahl der Aktien kräftig auf - was sich nun als fataler Fehler herausstellt. Nach Informationen des »Wall Street Journal« war es die Entscheidung von Facebook-Finanzchef David Ebersman, die Zahl der angebotenen Aktien um ein Viertel zu erhöhen. Zuvor habe ihm Morgan Stanley allerdings versichert, dass die Nachfrage sehr hoch sei.
Nach Daten des Anbieters Dealogic, die das »Wall Street Journal« veröffentlichte, ist kein anderer US-Börsengang im Milliardenbereich seit fünf Jahren so miserabel gelaufen. Das nächst schlechtere Unternehmen, der Vermögensverwalter Och-Ziff, war im Jahr 2007 nach drei Handelstagen auf ein Minus von 13 Prozent gekommen. Unter den Börsenverlierern findet sich auch der enge Facebook-Partner und Spieleentwickler Zynga mit minus 8 Prozent.
Die Technologiebörse Nasdaq gestand jetzt auch noch ein, sie hätte den Börsengang lieber abgeblasen, wenn ihr vorher das gesamte Ausmaß der technischen Probleme bewusst gewesen wäre. Wegen der Fehlfunktion wussten Anleger am Freitag zum Teil über Stunden nicht, ob ihre Aufträge erfüllt worden waren.

Nyon (dpa) - UEFA-Präsident Michel Platini hat die Forderung von DFB-Kapitän Philipp Lahm nach einer klaren Positionierung in der Diskussion um die politische Situation im EM-Gastgeberland Ukraine zurückgewiesen.
»Er kann sagen, was er will. Das ist mir egal. Herr Lahm ist nicht mein Chef. Er hat von mir nichts zu fordern. Er ist Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, nicht Kapitän der UEFA«, sagte der Präsident der Europäischen Fußball-Union in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa am Verbandssitz in Nyon.
Lahm hatte zuletzt im »Spiegel« die politische Führung der Ukraine wegen des Umgangs mit der inhaftierten Oppositionsführerin Julia Timoschenko kritisiert und von der UEFA gefordert, sich deutlich zur Frage der Menschenrechte in der früheren Sowjetrepublik zu äußern. In Richtung Platini sagte er: »Ich glaube, dass er Position beziehen sollte. Und ich bin gespannt, was er zu sagen hat.«
Platini verteidigte die »unpolitische« Linie seines Verbandes und warf einigen Politikern Unglaubwürdigkeit vor. »Ich kann Ihnen die damaligen Reaktionen zeigen, als die EM an Polen und die Ukraine vergeben wurde. Alle haben applaudiert und die Öffnung zum Osten begrüßt.« Diejenigen, die jetzt den Spielen in der Ukraine fernbleiben wollen, seien »die Gleichen, die vor vier Jahren gesagt haben, wie toll es ist, dass wir uns Polen und der Ukraine öffnen«.
Die UEFA werde sich nicht in politische oder religiöse Belange einmischen. »Ich mache keine Politik, ich mache Fußball. Wenn ich Politik machen wollte, würde ich in die Politik gehen«, so Platini.

Tourrettes (dpa) - Rekord-Weltmeister Michael Schumacher und dessen Formel-1-Teamkollege Nico Rosberg haben für die deutschen Fußball-Nationalspieler Chauffeur gespielt.
Lukas Podolski und Tim Wiese wurden nach einer Spritztour von Rosberg am Trainingsplatz der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Tourrettes abgesetzt. Im Auto von Schumacher saßen Marco Reus und André Schürrle. Ermöglicht hatte die kleine Abwechslung für Poldi & Co. DFB-Generalsponsor Mercedes. Am Sonntag starten Schumacher und Rosberg für Mercedes beim Großen Preis von Monaco.
Schumacher und Rosberg waren am Morgen mit dem Hubschrauber zum DFB-Quartier geflogen. »Unser Generalsponsor war so freundlich, das die Fahrer, die voll eingespannt sind, zu uns nach oben kommen und einfach mal Hallo sagen«, berichtete Teammanager Oliver Bierhoff.
Vor dem Training wurde auf dem Platz noch ein Mannschaftsfoto mit den beiden Formel-1-Piloten gemacht. Schumacher und Rosberg spielten sich bei dem PR-Termin mit den Nationalspielern auch ein paar Bälle zu. Die Autonarren Podolski, Wiese, Reus und Schürrle hatten sich die Beifahrerplätze bei der Testfahrt in der neuen A-Klasse gesichert. »Ich steige ein«, hatte der Leverkusener Schürrle vorab erklärt: »Michael Schumacher und Nico Rosberg sind herausragende deutsche Sportler.«

München (dpa) - Der Hauptdarsteller des Abends wollte nur noch weg. Wortlos, mit einem gequälten Lächeln auf den Lippen, stürzte Arjen Robben aus der Münchner Allianz Arena, verfolgt von einer Riesentraube Journalisten.
Ausgepfiffen und gedemütigt von den eigenen Fans - der Stachel der Enttäuschung saß zu tief, als dass der Niederländer seine Gefühle in Worte fassen wollte.
Dafür sprachen seine Teamkollegen und Bondscoach Bert van Marwijk. »Es ist eine Schande, dass Arjen ausgepfiffen wurde. So etwas gehört sich nicht«, sagte van Marwijk. Er war sichtlich verärgert. Auch Mark van Bommel, viereinhalb Jahre in Diensten des FC Bayern und zuletzt Kapitän, war erregt. »Das ist ein Skandal. So etwas habe ich in München noch nie mitgemacht«, sagte der Mittelfeldspieler. »Man muss doch sehen, was er die letzten Jahre für den Club getan hat. Ich hätte nicht gedacht, dass das bei Bayern München passiert.«
Robben war beim 3:2-Sieg der deutschen Rekordmeisters im Kompensationsspiel gegen die Niederlande erst eine Viertelstunde vor dem Ende eingewechselt worden. Beim Warmlaufen vor der Südkurve war der 28-Jährige, der im vielleicht entscheidenden Meisterschaftsspiel bei Borussia Dortmund und dann im Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea in der Verlängerung je einen Elfmeter verschossen hatte, noch mit aufmunterndem Applaus bedacht worden. Doch nachdem er den Platz betreten hatte, gab es bei jedem Ballkontakt lautstarke Pfiffe.
Dass ein Teil der Bayern-Anhänger weiter versuchte, Robben zu unterstützen, half nichts - der Eklat war da. Statt einer Aufarbeitung des Champions-League-Desasters gegen den FC Chelsea wurde die Partie für Robben zum Spießrutenlaufen. Der 28-Jährige als Sündenbock für den geplatzten Traum vom Triumph beim Finale dahoam.
»Der FC Bayern sollte sich schämen, das hat Arjen nicht verdient«, schimpfte Elftal-Kollege Rafael van der Vaart. Wesley Sneijder attackierte auch die Münchner Chefs. »Man hat schon die Tage zuvor gesehen, dass keiner aus dem Clu b ihn geschützt hat. So vergrault man ihn«, meinte der Mittelfeldstratege und schob hinterher: »Wenn es nach mir geht, kommt er im Sommer zu mir zu Inter Mailand.«
In der Tat scheint ein Abschied Robbens in der derzeitigen Gemengelage bei den Bayern nicht ausgeschlossen. Zwar hat Robben erst vor kurzem seinen Vertrag bis 2015 verlängert, doch ob er angesichts der jüngsten Vorkommnisse nach der Europameisterschaft tatsächlich nach München zurückkehrt, ist ungewiss. »Wenn ich an seiner Stelle wäre, würde ich mir das ganz genau überlegen«, riet auch van Bommel seinem Mitspieler im Oranje-Team zu einem Club-Wechsel.
Im Lager der Bayern versuchte man den unschönen Saisonausklang herunterzuspielen. »Damit muss er leben. Es waren doch nur vereinzelte Fans«, sagte Trainer Jupp Heynckes. »Er hat ja auch starken Beifall bekommen«, meinte Sportdirektor Christian Nerlinger lapidar. Mehr Verständnis für Robbens tiefe Enttäuschung gab es bei den Mitspielern. »Von uns hat er die volle Rückendeckung«, beteuerte Nationalverteidiger Holger Badstuber, »klar ist es erschreckend, wenn er ausgepfiffen wird.«
Robben wird jetzt bis Freitag untertauchen, ehe er im Oranje-Trainingslager in Lausanne zum Nationalteam stößt. »Die paar Tage werden ihm gut tun«, sagte van Marwijk, der das Training am Freitag extra auf den Nachmittag verlegte, um Robben noch etwas mehr Zeit zu geben. »Und dann werden ihn unsere Jungs schon wieder aufbauen«, sagte der Bondscoach zuversichtlich.

London (dpa) - Didier Drogba wäre bei einer Niederlage im Finale der Champions League gegen den FC Bayern München beim FC Chelsea geblieben. Das verriet der 34 Jahre alte Ivorer, nachdem sein Weggang vom Londoner Fußball-Verein offiziell bestätigt worden war.
»Das war meine Herausforderung. Das war es, was ich erreichen wollte«, sagte Drogba mit Blick auf den erstmaligen Gewinn der begehrtesten europäischen Vereinstrophäe. Nun brauche er eine neue Herausforderung.
Durch den 4:3-Sieg im Elfmeterschießen gegen den FC Bayern hatte Drogba auch seinen Final-Fluch abgelegt - bis dahin hatte der Stürmerstar von der Elfenbeinküste noch kein großes Endspiel gewonnen. »Ich wäre am liebsten heute noch im Münchner Stadion, um mit den Fans zu feiern. Es ging zu schnell«, sagte Drogba.
Wohin sein Weg nun führen wird, ist weiter offen. Ihm soll ein hoch dotiertes Angebot aus China vorliegen. Ein anderer englischer Club kommt für den Final-Helden mit dem Ausgleichstreffer zwei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit und dem entscheidenden Elfmetertreffer zum 4:3 jedenfalls nicht infrage. »Mein Blut ist blau und daran wird sich auch nichts ändern«, sagte Drogba.
In seinen achten Jahren für den Verein von der Stamford Bridge erzielte Drogba in 341 Einsätzen 157 Tore. Seine Erfolge mit den »Blues«: Dreimal Meister, viermal FA-Pokal und zweimal Carling Cup. Und als buchstäblich krönender Abschluss die Champions League. »Für Chelsea spielen zu können war das Beste, was mir passieren konnte.«

Berlin (dpa) - 56 Jahre Grand-Prix-Geschichte haben einen Riesenberg an Wissenswertem, Kuriosem und Abseitigem hervorgebracht. Wer solche unnützen Fakten drauf hat, kann bei jeder Eurovisions-Party glänzen - oder wenigstens das ESC-Quiz »Zwölf Fragen, zwölf Antworten« gewinnen.
1. Welcher Schlagersänger hat eine deutsche Cover-Version des italienischen Siegerliedes von 1990, »Insieme« von Toto Cutugno, gesungen?
a) Jürgen Drews b) Roland Kaiser c) Howard Carpendale
Antwort: Roland Kaiser. Das Lied heißt bei ihm auf Deutsch »Extreme«.
2. Welche Kombination von Star, europäischem Land und ESC-Sieg gab es so nie?
a) Die Kanadierin Céline Dion für die Schweiz 1988 b) Die Griechin Vicky Leandros für Luxemburg 1972 c) Die Französin France Gall für Belgien 1964
Antwort: France Gall - sie gewann 1965 für Luxemburg (1964 gewann Italien übrigens)
3. Wer moderierte 1989 in Lausanne den Grand Prix nach dem Sieg der Schweiz im Vorjahr?
a) Lolita Morena b) Paola c) Desirée Nosbusch
Antwort: Lolita Morena, später eine Ehefrau von Rekordnationalspieler Lothar Matthäus
4. Dreimal war der Grand Prix in Deutschland zu Gast - wo?
a) In Frankfurt, München und Düsseldorf b) In Hamburg, Berlin und Düsseldorf c) In Köln, Hannover und Düsseldorf
Antwort: 1957 in Frankfurt, 1983 in München und 2011 in Düsseldorf.
5. Welche deutschen Interpreten standen am häufigsten im Finale?
a) Lena und Margot Hielscher b) Dschingis Khan und Joy Fleming c) Katja Ebstein und Wind
Antwort: Auf die Rekordzahl von je drei Teilnahmen kommen Katja Ebstein (1970/71/80) und die Gruppe Wind (1985/87/92).
6. Welches Land steht in den Siegerlisten des Grand Prix, das es heute so gar nicht mehr gibt?
a) die Sowjetunion b) die Tschechoslowakei c) Jugoslawien
Antwort: Jugoslawien. 1989 gewann die Band Riva mit »Rock Me«.
7. In welchem Jahr und mit welchem Teilnehmer ging Ralph Siegel erstmals für Deutschland beim Grand Prix an den Start?
a) 1974 mit Ireen Sheer und der Komposition »Bye Bye I Love You« b) 1976 mit den Les Humphries Singers und dem »Sing Sang Song« c) 1982 mit Nicole und dem Lied »Ein bißchen Frieden«
Antwort: 1976 startete Ralph Siegel zum ersten Mal für Deutschland; zwei Jahre zuvor hatte er mit seiner Komposition für Ireen Sheer für Luxemburg seine Grand-Prix-Premiere gegeben.
8. Wer hat bislang die meisten Siege auf dem Konto?
a) Solosängerinnen b) Solosänger c) Gruppen/Duos
Antwort: Die Frauen. Solo-Interpretinnen haben 34 Mal den Grand Prix gewonnen und führen damit die Rangliste deutlich an. Musikgruppen beziehungsweise Duos gelang 16 Mal der Sprung an die Spitze, Solosänger schafften das nur neunmal.
9. Welche Farbe hatte die Gitarre von Nicole bei ihrem Sieg 1982?
a) braun-beige b) bordeauxrot c) weiß
Antwort: Sie war weiß.
10. Wer hat etliche Jahre die deutschen Grand-Prix-Party-Sendungen rund um das Finale moderiert?
a) Hermann Thomas b) Eva Herman c) Thomas Hermanns
Antwort: Der Comedian Thomas Hermanns, der selbst großer Grand-Prix-Fan ist.
11. Welches nordafrikanische Land hat einmal beim ESC teilgenommen?
a) Tunesien b) Ägypten c) Marokko
Antwort: Marokko. Im Jahr 1980 kam das Land mit der Sängerin Samira Saïd (»Bitakat hob«) auf Plaz 18.
12. Welcher deutsche ESC-Beitrag kam im Finale nur auf drei Punkte?
a) Cindy & Bert (»Die Sommermelodie«), 1974 b) No Angels (»Disappear«), 2008 c) Gracia (»Run & Hide«), 2005
Antwort: Cindy & Bert, die zusammen mit anderen den 14. und letzten Platz im Jahr des Abba-Sieges belegten. Die No Angels kamen auf 14 Punkte (23. Platz) und Gracia holte vier Punkte (24. Platz).

Baku (dpa) - Das Finale des Eurovision Song Contest wird schräg, bunt und voller Retro-Pop: Im ersten Halbfinale qualifizierten sich am Dienstagabend unter anderem die russischen Omas der Gruppe Buranowskije Babuschki und die hyperaktiven irischen Jedward-Zwillinge mit ihren Partysongs für den Wettbewerb am Samstag.
Auch die Dänin Soluna Samay, die mit ihrem Stuttgarter Vater schon als Straßenmusikerin durch deutsche Fußgängerzonen tingelte, ist dabei. Doch trotz des Halbfinalerfolges sagte die 21-Jährige, dass ihr die Wandermusiktradition wichtig sei, beim Grand Prix gehe es um eine Spaßerfahrung.
Der deutsche Grand-Prix-Veteran Ralph Siegel scheiterte mit seiner Komposition für den Kleinstaat San Marino (»The Social Network Song«). Auch die österreichische Spaß-Rap-Gruppe Trackshittaz und die Schweizer Pop-Rocker Sinplus kamen im ersten Halbfinale am Dienstag nicht unter die besten zehn der 18 Teilnehmer.
Erfolgreicher waren da (zusätzlich zu Irland, Russland und Dänemarkt) Albanien, Griechenland, Island, Moldau, Rumänien, Ungarn und Zypern. Die Halbfinalisten präsentierten eine bunte Mischung aus Pop-Rock, mythischen Klängen, Folklore-Pop und Tanzeinlagen - oft mit einem Schuss Retro-Chic aus den 70er Jahren versehen.
Die zehn gewählten Finalisten am Samstag im großen ESC-Finale zusammen mit dem deutschen Teilnehmer Roman Lob (21, »Standing Still«) um die europäische Musikkrone wetteifern. Denn Deutschland ist, ebenso wie die anderen großen Eurovision-Länder Frankreich, Italien, Großbritannien und Spanien sowie Gastgeber Aserbaidschan, für das Finale gesetzt. Die restlichen zehn Teilnehmer für das 26er-Finalfeld werden im zweiten Halbfinale aus 18 Kandidaten an diesem Donnerstag ermittelt.
Die von der Kölner Firma Brainpool organisierte erste große ESC-Show in Baku verlief unter beispiellosen Sicherheitsvorkehrungen in der von Deutschen gebauten Crystal Hall. In dem islamisch geprägten Nachbarland des Iran hatten Extremisten, denen die westliche ESC-Partystimmung ein Dorn im Auge ist, zuvor Drohschriften verteilt. Der Iran zog am Montag seinen Botschafter ab. Als Gründe wurden die Westorientierung Aserbaidschans und die Verletzung religiöser Gefühle genannt.
Die Show, die die öl- und gasreiche Südkaukasusrepublik auch zur Eigenwerbung nutzte, verlief glanzvoll in der überdachten Arena, die am Kaspischen Meer dank Leuchtdioden wie ein Juwel glänzt. Zu jedem Teilnehmerland erstrahlte die Halle in den jeweiligen Landesfarben.
Den Einzug ins Finale schafften unter anderem die stimmgewaltige Rona Nishliu mit ihrer Gänsehaut-Ballade »Suus« für Albanien sowie die sechs skurrilen Omis zwischen 43 bis 76 Jahren aus dem russischen Dorf Buranowo. »Ich hatte Angst zu singen. Da war so viel Lärm in der Halle, dass man sich selbst nicht hören konnte«, sagte die 73-jährige Galina Konewa vor Journalisten. Die Buranowskije Babuschki aus der Wolga-Region Udmurtien mit ihren roten Trachten, Kopftüchern und Bastschuhen sind mit der Ethno-Pop-Nummer »Party for Everybody« längst Kult in Baku.
Zum zweiten Mal hintereinander schafften die Jedward-Zwillinge aus Irland den Sprung in die Samstagshow. Ihren Gute-Laune-Hit »Waterline« präsentierten sie um einen Springbrunnen in glitzerndem Science-Fiction-Look nicht mit der kultigen Föntolle, sondern mit platten Haaren. Beim ESC in Düsseldorf voriges Jahr landeten sie auf Rang acht. Als Vorjahressieger präsentierte Eldar Gassimow von dem Duo Ell & Nikki (»Running Scared«)- flankiert von zwei Moderatorinnen - die Fernsehshow und begrüßte die Gäste auch auf Deutsch mit einem Dank nach Düsseldorf.
Experten geben die Gesamtkosten für den ESC mit 629,8 Millionen Euro an, davon etwa ein Drittel allein für die Arena. Das sei der höchste Betrag, der je für einen Grand Prix ausgegeben wurde, hieß es. Kritiker meinen, dafür sei an anderer Stelle, etwa bei Renten, unbotmäßig gespart worden. Die Führung des Landes spricht hingegen von ESC-Kosten von rund 50 Millionen Euro. Die Arena und andere Infrastrukturobjekte dürften nicht mitgerechnet werden, da sie über den ESC hinaus genutzt würden, betonte ein Regierungsvertreter.
Ursprünglich waren beim ESC 42 Länder angetreten. Ausscheiden mussten am Dienstagabend außerdem Montenegro, Finnland, Israel, Belgien und Lettland.

Baku (dpa) - Das Finale des Eurovision Song Contest wird schräg, bunt und voller Retro-Pop: Im ersten Halbfinale qualifizierten sich am Dienstagabend unter anderem die russischen Omas der Gruppe Buranowskije Babuschki und die hyperaktiven irischen Jedward-Zwillinge mit ihren Partysongs für den Wettbewerb am Samstag.
Auch die Dänin Soluna Samay, die mit ihrem Stuttgarter Vater schon als Straßenmusikerin durch deutsche Fußgängerzonen tingelte, ist dabei. Doch trotz des Halbfinalerfolges sagte die 21-Jährige, dass ihr die Wandermusiktradition wichtig sei, beim Grand Prix gehe es um eine Spaßerfahrung.
Der deutsche Grand-Prix-Veteran Ralph Siegel scheiterte mit seiner Komposition für den Kleinstaat San Marino (»The Social Network Song«). Auch die österreichische Spaß-Rap-Gruppe Trackshittaz und die Schweizer Pop-Rocker Sinplus kamen im ersten Halbfinale am Dienstag nicht unter die besten zehn der 18 Teilnehmer.
Erfolgreicher waren da (zusätzlich zu Irland, Russland und Dänemarkt) Albanien, Griechenland, Island, Moldau, Rumänien, Ungarn und Zypern. Die Halbfinalisten präsentierten eine bunte Mischung aus Pop-Rock, mythischen Klängen, Folklore-Pop und Tanzeinlagen - oft mit einem Schuss Retro-Chic aus den 70er Jahren versehen.
Die zehn gewählten Finalisten am Samstag im großen ESC-Finale zusammen mit dem deutschen Teilnehmer Roman Lob (21, »Standing Still«) um die europäische Musikkrone wetteifern. Denn Deutschland ist, ebenso wie die anderen großen Eurovision-Länder Frankreich, Italien, Großbritannien und Spanien sowie Gastgeber Aserbaidschan, für das Finale gesetzt. Die restlichen zehn Teilnehmer für das 26er-Finalfeld werden im zweiten Halbfinale aus 18 Kandidaten an diesem Donnerstag ermittelt.
Die von der Kölner Firma Brainpool organisierte erste große ESC-Show in Baku verlief unter beispiellosen Sicherheitsvorkehrungen in der von Deutschen gebauten Crystal Hall. In dem islamisch geprägten Nachbarland des Iran hatten Extremisten, denen die westliche ESC-Partystimmung ein Dorn im Auge ist, zuvor Drohschriften verteilt. Der Iran zog am Montag seinen Botschafter ab. Als Gründe wurden die Westorientierung Aserbaidschans und die Verletzung religiöser Gefühle genannt.
Die Show, die die öl- und gasreiche Südkaukasusrepublik auch zur Eigenwerbung nutzte, verlief glanzvoll in der überdachten Arena, die am Kaspischen Meer dank Leuchtdioden wie ein Juwel glänzt. Zu jedem Teilnehmerland erstrahlte die Halle in den jeweiligen Landesfarben.
Den Einzug ins Finale schafften unter anderem die stimmgewaltige Rona Nishliu mit ihrer Gänsehaut-Ballade »Suus« für Albanien sowie die sechs skurrilen Omis zwischen 43 bis 76 Jahren aus dem russischen Dorf Buranowo. »Ich hatte Angst zu singen. Da war so viel Lärm in der Halle, dass man sich selbst nicht hören konnte«, sagte die 73-jährige Galina Konewa vor Journalisten. Die Buranowskije Babuschki aus der Wolga-Region Udmurtien mit ihren roten Trachten, Kopftüchern und Bastschuhen sind mit der Ethno-Pop-Nummer »Party for Everybody« längst Kult in Baku.
Zum zweiten Mal hintereinander schafften die Jedward-Zwillinge aus Irland den Sprung in die Samstagshow. Ihren Gute-Laune-Hit »Waterline« präsentierten sie um einen Springbrunnen in glitzerndem Science-Fiction-Look nicht mit der kultigen Föntolle, sondern mit platten Haaren. Beim ESC in Düsseldorf voriges Jahr landeten sie auf Rang acht. Als Vorjahressieger präsentierte Eldar Gassimow von dem Duo Ell & Nikki (»Running Scared«)- flankiert von zwei Moderatorinnen - die Fernsehshow und begrüßte die Gäste auch auf Deutsch mit einem Dank nach Düsseldorf.
Experten geben die Gesamtkosten für den ESC mit 629,8 Millionen Euro an, davon etwa ein Drittel allein für die Arena. Das sei der höchste Betrag, der je für einen Grand Prix ausgegeben wurde, hieß es. Kritiker meinen, dafür sei an anderer Stelle, etwa bei Renten, unbotmäßig gespart worden. Die Führung des Landes spricht hingegen von ESC-Kosten von rund 50 Millionen Euro. Die Arena und andere Infrastrukturobjekte dürften nicht mitgerechnet werden, da sie über den ESC hinaus genutzt würden, betonte ein Regierungsvertreter.
Ursprünglich waren beim ESC 42 Länder angetreten. Ausscheiden mussten am Dienstagabend außerdem Montenegro, Finnland, Israel, Belgien und Lettland.

New York (dpa) - US-Sängerin Kelly Clarkson (30) ist so glücklich verliebt, dass es ihre Kreativität beeinträchtigt.
»Das bringt mich echt um. Ich versuche ein ernstes Lied zu schreiben und am Ende kommen nur Schmetterlinge und Regenbogen heraus. Es ruiniert meine Kreativität. Ich schreibe nur noch glückliches Zeug«, scherzte sie laut US-Magazin »People«. »Ich liebe es. Es ist ein großartiges Problem«, so Clarkson. Sie ist seit Ende 2011 mit dem Musikagenten Brandon Blackstock (35) zusammen, dem Sohn ihres Managers Narvel Blackstock. Die nächste Single-Auskopplung ihres fünften Albums soll allerdings »Darkside« heißen.

Bonn (dpa/tmn) - Für die Landwirtschaft ist der Sauerampfer aufgrund seiner Widerstandsfähigkeit ein Problem. In der Küche kann das Knöterichgewächs als Gemüsebeilage jedoch Gaumen erfreuen. Und gesund ist das Wildkraut auch.
Auf feuchten Wiesen und an Waldlichtungen wächst der Sauerampfer (Rumex acetosa). Das Wildkraut kann in der Küche genutzt werden: Es hat einen erfrischend säuerlichen Geschmack, der an Zitrone erinnert, beschreibt der Verbraucherinformationsdienst aid in Bonn. Die fein gehackten, kurz in Salzwasser gekochten und anschließend in Butter gedünsteten Blätter seien eine schmackhafte Gemüsebeilage zu Geflügel, Fisch und Meeresfrüchten. Sauerampfer lasse sich auch gut mit Blattspinat oder Mangold kombinieren und die jungen Blätter und Triebspitzen verleihen Suppen, Soßen, Omeletts und Kräuterquark eine besondere Note
Das Frühlingskraut hat einen hohen Gehalt an Vitamin C und Mineralstoffen. Auf der Wiese erkennt man Sauerampfer an den langen pfeilförmigen Blättern. Bis in den Spätsommer erntet man die jungen, zarten Blätter - mit einer Schere oder einem scharfen Messer abtrennen und dann möglichst frisch verarbeiten.
Service:
Weitere Informationen gibt es im aid-Heft »Heil- und Gewürzpflanzen« unter der Bestellnummer 61-1192 für 3,00 Euro im aid-medienshop.de erhältlich.

Hamburg (dpa/tmn) - Um zu sparen, greift der ein oder andere Gastronom schon mal in die Trickkiste. Gerade bei Wasser sollten Gäste präzise Bestellungen abgeben, um sich nicht lumpen zu lassen.
Wer im Restaurant nicht über den Tisch gezogen werden möchte, sollte beim Bestellen genau sein. Verlangt ein Gast nur »ein Wasser«, kann es sein, dass der Wirt ihm aufgesprudeltes Leitungswasser, Tafelwasser aus einer Schankanlage oder in Flaschen umgefüllte billige Discounterware serviert. Will der Kunde aber wie in der Speisekarte vermerkt ein Mineralwasser haben, sollte er dieses immer ausdrücklich bestellen, rät die Verbraucherzentrale Hamburg.
Manche Gastronomen mogeln, weil Leitungs- oder Tafelwasser sehr viel günstiger ist als Mineralwasser. Echtes Mineralwasser muss in einer Flasche an den Tisch kommen, die erst dort geöffnet wird. Gäste sollten daher eine original verschlossene Flasche verlangen und schon geöffnete Flaschen zurückweisen, empfehlen die Verbraucherschützer.
Die Verbraucherzentrale hat eine Liste mit dieser Mogelei und weiteren häufigen Verbraucherbeschwerden beim Essen im Restaurant zusammengestellt. Dazu zählen auch Orangennektare oder Fruchtsaftgetränke, die als 100-prozentiger Orangensaft ausgegeben werden. Fruchtnektar enthält nur 50 Prozent Fruchtsaft, ein Fruchtsaftgetränk nur 6 Prozent - der Rest ist Zuckerwasser.
Gemogelt wird der Liste nach außerdem zum Beispiel bei Fischfilet: So wird Billigfisch wie Pangasius oder Tropenzunge aus Kostengründen als echte Seezunge ausgegeben. Der Unterschied ist für Laien allerdings kaum zu erkennen, denn Filets sehen sich sehr ähnlich. Fischkenner bemerken bei Seezunge einen aromatischeren Geschmack als beim eher fad schmeckenden Pangasius aus Südostasien.

Heidelberg (dpa/tmn) - Küchenkräuter können Desserts eine besondere Note geben. Martin Scharff von den Restaurants auf dem Schloss Heidelberg empfiehlt zum Beispiel Ananas- oder Honigmelonensalbei wegen des tollen Duftes.
Eine Crème pâtissière, eine Art edler Vanillepudding, etwa lasse sich mit einzelnen Blättern dieser Salbeiarten hübsch dekorieren. »Lutschen Sie die Blätter wie ein Bonbon, dann entfalten sie am meisten Aroma«, rät der Sternekoch. Gekaut bleibe davon leider nur wenig erhalten. Außerdem seien die Bitterstoffe zu stark, wenn man direkt mit dem Kauen anfange.
Ähnlich verhalte es sich mit Marzipan-Gewürzsalbei. Der sei »von der Nase her am interessantesten«. Wegen seiner schönen blau-roten Blüten sehe er zudem besonders dekorativ auf einer Nachspeise aus, sagt Scharff. Aber er bedauert: »Leider essen unsere Gäste selten die Blüten und Blätter.«
Aus dem Norden Deutschlands stammt dieser Eintopf. Fernsehkoch Nelson Müller hat ihn als Kind bei seiner Oma gegessen. Das war so lecker, dass er das Rezept zum Nachkochen weiterempfiehlt.
Kategorie: Eintopf
Zutaten für 4 Personen:
Für den Eintopf:
1/2 Zwiebel
1 Möhre
100 g Knollensellerie
1 Petersilienwurzel
200 g festkochende Kartoffeln
1/2 Stange Lauch
8 Wirsingblätter
300 g durchwachsener
geräucherter Schweinebauch
4 EL Rapsöl (oder Schweineschmalz)
1 l Hühner- oder Rinderbrühe
100 ml Weißwein
4 Mettwürstchen
Salz
Pfeffer aus der Mühle
Einige Petersilienblätter zum Garnieren
Für die Klößchen:
2 Eier
300 g Mehl
100 ml Milch
Salz
Pfeffer aus der Mühle
frisch geriebene Muskatnuss
Zubereitung:
Für den Eintopf die Zwiebel schälen und in Streifen schneiden. Die Möhre, den Sellerie und die Petersilienwurzel putzen und schälen, die Kartoffeln schälen und waschen. Alles in Scheiben bzw. haselnussgroße Würfel schneiden. Den Lauch putzen, waschen und den weißen Teil in etwa 1 cm dicke Scheiben schneiden. Die Wirsingblätter waschen, die harte Mittelrippe entfernen und den Rest in etwa 1/2 cm breite Streifen schneiden.
Den Schweinebauch quer in dünne Streifen schneiden. Das Öl in einem Topf erhitzen und den Speck darin anbraten. Die Zwiebel hinzufügen und kurz mitbraten. Mit der Brühe und dem Weißwein ablöschen und zugedeckt etwa 10 Minuten kochen lassen.
Währenddessen für die Klößchen alle Zutaten zu einem glatten Teig verrühren bis er Blasen wirft.
Nun die Möhre, den Sellerie, die Petersilienwurzel, die Kartoffeln, den Lauch sowie die Wirsingstreifen zur Brühe hinzufügen und weitere 10 Minuten köcheln lassen. Die Mettwurst nach Belieben in Scheiben schneiden und 5 Minuten vor Ende der Garzeit in der Suppe erwärmen. Abschließend mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Während die Suppe kocht, vom Klößchenteig mit zwei Esslöffeln kleine Portionen abnehmen und in kochendem Salzwasser etwa 4 Minuten garen.
Den Dithmarscher Eintopf in vorgewärmten Schalen oder Tellern zusammen mit den Klößchen anrichten. Mit den gewaschenen Petersilienblättern garnieren.
Literatur:
Nelson Müller: Meine Rezepte für Body und Soul, 160 Seiten, Verlag Zabert Sandmann, 2011, 19,95 Euro, ISBN-13: 978-3-89883-300-4

Starnberg/Berlin (dpa/tmn) - Wer ein technisches Gerät anschaffen möchte, verliert oft zuerst die Übersicht - und dann die Nerven. Denn viele Hersteller geben ihren Produkten ellenlange und unverständliche Bezeichnungen. So lassen sich die kryptischen Kürzel entziffern:
Jetzt im Handel: Ein 42LW4500, der neue VSX-421-K und das X93SV-YZ225V. Was aussieht wie das Ergebnis einer Begegnung von Stirn und Computertastatur sind in Wahrheit die offiziellen Produktbezeichnungen für technische Geräte - in diesem Fall ein Fernseher, ein AV-Receiver und ein Notebook. Hersteller finden sich in ihren Namens-Systemen zurecht - im Gegensatz zu Käufern, für die ein Blick in die technischen Daten wichtiger ist.
Teilweise ist die Unordnung einfach aus der Not geboren, erklärt Ulrich Silberbach von der Firma DCI, die unter anderem Datenblätter für Onlinehändler bereitstellt. »Früher hatten die Hersteller nur wenige Produkte und Serien, die waren sehr viel leichter zu benennen.« Heute bringen gerade internationale Konzerne jedes Jahr unzählige Varianten in verschiedenen Reihen auf den Markt. Kryptische Kürzel helfen da zumindest dem Hersteller, den Überblick zu behalten. »Für den Verbraucher gibt es aber oft keine einfache Möglichkeit, Produkte zu erkennen und zu unterscheiden«, sagt Silberbach.
Völlig willkürlich gewählt sind die Namen aber trotzdem nicht, erklärt Silberbach: »Zumindest bei manchen Geräten stecken darin klare Hinweise«. Bei Fernsehern der Firma Samsung geben die ersten beiden Buchstaben zum Beispiel einen Hinweis darauf, ob der Fernseher ein LCD- oder Plasmadisplay hat, erklärt das Onlinemagazin »Chip.de«. Danach folgt die Bildschirmdiagonale in Zoll und ein Buchstabe für den Jahrgang - »D« steht etwa für Modelle von 2011. Ähnlich ist es bei Fernsehern von LG: Hier kommt zuerst die Diagonale und dann die Displaytechnologie.
Allerdings lässt sich längst nicht jede Bezeichnung so lesen, warnt Jenny Braune von der Stiftung Warentest: »Bei manchen Herstellern ist hinter Produktnamen eine Methode zu erkennen, andere sind aber selbst für uns völlig undurchschaubar.« Hinzu kommt, dass jeder Hersteller sein eigenes System verwendet. Wer ein Kürzel entziffern kann, versteht deshalb längst nicht jedes andere. Außerdem gehen viele Hersteller mit ihrem eigenen System nicht besonders konsequent um, lassen Ausnahmen zu oder ändern die Benennung in regelmäßigen Abständen.
Ulrich Silberbach geht davon aus, dass hinter den kryptischen Kürzeln mehr als Pragmatismus steht. »Die Firmen stellen damit ihren eigenen Namen mehr in den Mittelpunkt.« Denn so sagt ein Kunde nicht »Ich habe den Fernseher X«, sondern »Ich habe einen Fernseher von der Firma Y«. Manche Unternehmen geben ihren Geräteserien zwar eigene Namen - das gilt zum Beispiel bei Sony die Vaio-Notebooks oder bei Panasonic die Viera-Fernseher. Aber auch das ist nur ein Markenname. »Technisch haben solche Modelle nicht viel miteinander gemein«, sagt der Branchenkenner. »Das ist nicht wie beim Auto, wo jeder Golf auf der gleichen Plattform basiert.«
Es gibt allerdings Geräte, bei denen der Durchblick etwas leichter ist. »Kameras sind in vielen Fällen relativ klar durchnummeriert«, nennt Silberbach ein Beispiel. »Bei Notebooks und Fernsehern gibt es da deutlich mehr Verwirrung.« Einige kleinere Hersteller verwenden zwar für ihre Produkte wenige richtige Namen. Aber das führe unter Umständen auch zu Konfusion, sagt Jenny Braune. »Da kommt dann jedes Jahr ein Fernseher in den Handel, der genauso heißt wie der Vorgänger, aber andere Features hat.«
Verbrauchern bleibt bei der Flut an Gerätevarianten und Kürzeln nur der genaue Blick auf die technischen Daten. »Ich würde nie nur nach dem Produktnamen gehen, sondern immer auch die Ausstattung prüfen«, rät Braune. Theoretisch lassen sich Fernseher, Notebooks und Co. zwar auch anders identifizieren - zum Beispiel über die sogenannte Global Trade Item Number (GTIN), früher als EAN (European Article Number) bekannt.
Mit ihr ist theoretisch jedes Produkt gekennzeichnet. Herstellern und Händlern soll so die Erfassung und Verwaltung von Waren erleichtert werden. Für Verbraucher ist die GTIN aber eher ungeeignet, warnt Ulrich Silberbach, weil viele Onlineshops sie gar nicht anzeigen. So werden bei einer Internetsuche womöglich gute Angebote übersehen. <block style="INFO"> <hl2>Verwirrung durch Händleranpassung</hl2> Als wären die Produktbezeichnungen allein nicht schon oft unverständlich genug, bekommen Händler von vielen Modellen auch noch eigene Varianten. »Händleranpassungen unterscheiden sich oft nur in Nuancen von regulären Modellen«, erklärt Jenny Braune von der Stiftung Warentest. Ein guter Hinweis auf ein angepasstes Modell sei eine ungerade Zahl am Ende des Produktnamens. In solchen Fällen rät Braune, sich beim Hersteller nach möglichen Unterschieden zu erkundigen: »Die antworten da in der Regel auch ehrlich.«

Berlin (dpa/tmn) - Recherchiert man im Netz mit einer Suchmaschine nach Informationen, bekommt man schnell das Wichtigste angezeigt. Wer jedoch über die Standard-Seiten hinaus nach weniger Populärem Ausschau hält, für den ist diese neue Suchmaschine eine echte Alternative:
Fast gleichgültig, welche Begriffe man eingibt: Suchmaschinen listen auf den Topplätzen oft die immergleichen Seiten als vermeintlich populärste Ergebnisse auf. Was würde man wohl entdecken, wenn man die ersten 100, 1000 oder 100 000 Ergebnisse einfach überspringt? Dieses Experiment hat sich die alternative Suchmaschine millionshort.com zum Prinzip gemacht.
Bevor sie die Suchanfrage abschicken, können Nutzer auswählen, wie viele Treffer oben abgeschnitten werden. Bis zu einer Million Treffer lässt Millionshort ganz galant verschwinden. In der Praxis liefern Aussparungen im Bereich von 10 000 Treffern besonders interessante Ergebnisse: Wer nach »Michael Jackson« sucht, findet so nicht den obligatorischen Wikipedia-Artikel, sondern eine unterhaltsame Mischung obskurer Fanclubs. Leider gibt es die Seite zurzeit nur auf Englisch, unter den durchsuchten Seiten findet sich daher kaum bis wenig Deutschsprachiges.

Meerbusch (dpa-infocom) - Kameras speichern Bilder meist im JPEG-Format. Wer seine Bilder verlustfrei am Computer nachbearbeiten möchte, stellt aber lieber auf das RAW-Format um. Damit die »rohen« Bilder angezeigt werden können, braucht es ein Zusatzpaket.
Wer mit seiner digitalen Fotokamera hochwertige Aufnahmen machen und diese später verlustfrei am PC nachbearbeiten möchte, kann in vielen Kameras anstelle des JPEG-Formats das RAW-Format einstellen. Vorteil: In diesem Dateiformat werden die Aufnahmen so gespeichert, wie der Foto-Chip sie aufnimmt, ohne Komprimierung und Verluste. Allerdings verwendet jeder Kamerahersteller ein eigenes Format für die »rohen« Bilddaten.
Windows kann mit dem RAW-Format deshalb normalerweise nicht direkt etwas anfangen. Damit RAW-Fotos in der Windows-Vorschau und in Miniatur-Ansichten angezeigt werden können, können Sie das System mit einem Zusatz-Paket ausstatten. In diesem Kamera Codec Pack hat Microsoft verschiedene Hilfs-Programme zusammengefasst, mit deren Hilfe Windows mehr Bild-Formate lesen kann. Unterstützt werden dabei unter anderem Digitalkameras von Canon, Nikon, Sony, Olympus und Pentax.
Eine vollständige Liste der lesbaren Formate findet sich in der Beschreibung des Kamera Codec Packs. Auf der Seite lässt es sich kostenlos herunterladen – in einer 32-/x86- sowie einer 64-Bit-Version. Welche Version Sie brauchen, lesen Sie, indem Sie gleichzeitig auf [Windows] + [Pause] drücken. Das Kamera Codec Pack funktioniert mit Windows Vista (mindestens Service Pack 2) sowie Windows 7.

Korschenbroich (dpa/tmn) - USB-Sticks sind Alltag. Doch die kleinen Wegbegleiter können nicht nur Fotos, Dokumente und Videos speichern. Wer transportable Programme, sogenannte Portable Apps auf ihnen ablegt, hat seinen Mini-PC immer dabei.
Am heimischen Computer arbeitet es sich immer noch am besten. Denn nur dort haben Nutzer alle Programme und Daten, die sie zum Surfen oder Schreiben brauchen. Portable Apps ermöglichen es allerdings, die wichtigsten Anwendungen auf einem USB-Stick herumzutragen und auch an fremden Rechnern zu benutzen. So wird aus einem Flash-Laufwerk ein Mini-PC für unterwegs. »Wenn man auf seine vertraute Arbeitsumgebung zugreifen möchte, ohne die Konfiguration des jeweiligen Systems zu verändern, sind Tools auf USB-Sticks sehr wertvoll«, sagt Götz Güttich, Leiter des Institut zur Analyse von IT-Komponenten im nordrhein-westfälischen Korschenbroich.
Der Vorteil der mobilen Apps ist, dass sie nicht installiert werden müssen. Das macht die Nutzung weniger kompliziert und schont außerdem den PC, da keine zusätzlichen Daten oder Einträge in der Registrierung notwendig sind. Im Internet stehen komplette Sammlungen zur Verfügung, die über einen Installationsassistenten verschiedene Tools kostenlos auf einem Stick unterbringen und in ein passendes Startmenü verpacken. Bekannte Anbieter in diesem Bereich sind zum Beispiel PortableApps.com und PenDriveApps.com.
Vor der Installation auf einem Stick sollten die Portable Apps aber auf jeden Fall auf Viren gecheckt werden. So wird der USB-Stick nicht zur Infektionsquelle für fremde Rechner. Schädlinge verbreiten sich nicht nur über E-Mails und manipulierte Webseiten, warnt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Auch in der »Flut von Dateien und Gratisprogrammen im Internet« versteckten sich zahlreiche Schädlinge.
Neben einfachen Tools gibt es für USB-Sticks auch komplette Office-Programme mit Textverarbeitung und Tabellenkalkulation. Bekannte Beispiele dafür sind OpenOffice.org Portable und LibreOffice Portable. Wer PDF-Dateien unterwegs nicht mit dem bekannten Adobe Reader lesen will, findet mit Foxit PDF Reader eine Möglichkeit dazu.
Thunderbird Portable bietet die Möglichkeit, Mails unterwegs per Software und nicht per Webmailer abzurufen. Über das Tool können Nutzer ihre elektronische Post nicht nur schreiben und lesen, sondern bei Bedarf auch verschlüsseln. Einen Spamfilter hat das Programm ebenfalls an Bord. Sehr hilfreich ist auch der Webbrowser Mozilla Firefox Portable, mit dem Anwender von unterwegs Zugriff auf ihre gewohnten Add-ons, Lesezeichen und gespeicherte Passwörter haben. Zur Verwaltung und Verschlüsselung vieler Zugangscodes eignen sich Open-Source-Programme wie KeePass oder Password Safe.
Theoretisch gibt es auch die Möglichkeit, gleich ein komplettes Betriebssystem vom USB-Stick aus zu starten. Praktisch ist das zum Beispiel, wenn man eine besonders sichere Surfumgebung braucht oder einen virenbefallenen Rechner säubern möchte. Gut geeignet dafür ist zum Beispiel die Linux-Distribution Damn Small Linux (»Verdammt kleines Linux«), die mit einem Umfang von rund 50 Megabyte ihrem Namen alle Ehre macht. Mit der Freeware Sardu erstellen Anwender einen bootfähigen USB-Stick, der mehrere Betriebssysteme starten kann. Integrieren lassen sich Linux-Distributionen wie BackTrack, Fedora oder Ubuntu. Im Bereich Antivirus stehen über Sardu diverse kostenlose Virenscanner zur Verfügung.
Wer ein Betriebssystem nicht nur starten, sondern dauerhaft installieren will, kann sich ebenfalls mit einem USB-Stick behelfen. Microsoft stellt zum Beispiel das kostenlose USB/DVD-Download-Tool für Windows 7 zur Verfügung, mit dem Anwender schnell und einfach bootfähige USB-Sticks oder SD-Karten erstellen können. Allerdings müssen Nutzer dafür eine Version von Windows 7 auf DVD besitzen, denn das Programm braucht zum Erstellen eines bootfähigen Sticks die Original-ISO-Dateien des Betriebssystems. Auf dem Flash-Laufwerk sollten mindestens vier Gigabyte Speicherplatz frei sein.
Das Tool funktioniert mit Windows 7 und den aktuellen Testversionen von Windows 8. »Für unsere Arbeit ist das Windows 7 USB DVD Download Tool eine enorme Hilfe«, sagt Sascha Lember, Sachverständiger für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik. Ein großer Vorteil ist zum Beispiel, dass die Installation vom USB-Laufwerk deutlich schneller geht als von DVD. Außerdem können Nutzer so auch Netbooks oder Ultrabooks ohne DVD-Laufwerk mit Windows 7 ausstatten.