Mo., 28.08.2017

Freiburger Politikwissenschaftler über die anstehenden TV-Duelle und das Debat-O-Meter Prof. Wagschal: »Schlagfertigkeit kommt immer gut an«

Angela Merkel und Martin Schulz können am 3. September bewertet werden.

Angela Merkel und Martin Schulz können am 3. September bewertet werden.

Bielefeld/Freiburg (WB). Bei den Fernsehduellen vor der Bundestagswahl können WESTFALEN-BLATT-Leser wieder  mit dem Debat-O-Meter abstimmen. Ein Gespräch darüber mit Prof. Uwe Wagschal, Politikwissenschaftler an der Universität Freiburg.

Sie haben bereits viele Fernsehdebatten ausgewertet. Welches Politikerverhalten kommt bei den Zuschauern besonders gut an – und welches besonders schlecht?

Uwe Wagschal: Wir merken mit dem Debat-O-Meter, dass emotionale Argumentationen gut ankommen – jedenfalls deutlich besser, als wenn jemand nur Fakten herunterleiert. Der Zuschauer von heute will Emotionen und Engagement sehen. Aggressivität wird ebenso eher negativ bewertet. Schlagfertigkeit hingegen kommt immer gut an – ein gutes, witziges Gegenargument bringt Punkte. Der rhetorisch Begabte hat hier klare Vorteile. Und natürlich ist Empathie wichtig, also ein überzeugendes Mitfühlen mit benachteiligten Gruppen.

Die Teilnahme von Zuschauern am Debat-O-Meter ist freiwillig. Wie repräsentativ können dann die Ergebnisse sein?

Wagschal: Um unsere Ergebnisse repräsentativ zu gewichten greifen wir auf die Kriterien Alter, Geschlecht, Bundesland und Bildung zurück. So können wir Ungleichgewichte bei den Teilnehmern rechnerisch ausgleichen. Konkret: Nehmen weniger Frauen teil, dann gewichten wir deren Meinung höher und die der Männer, die überrepräsentiert sind, etwas niedriger. Je nachdem wie viele mitmachen, sind diese Anpassungen dann eventuell gar nicht so gravierend, in Schleswig-Holstein lagen wir bei der Altersverteilung der Teilnehmer zum Beispiel schon ziemlich gut an der tatsächlichen Bevölkerung. Unser Vorteil ist, dass wir in ganz Deutschland über die Regional- und Lokalzeitungen zur Teilnahme am Debat-O-Meter werben. Wir rechnen mit etwa 20.000 Teilnehmern, und damit kann man dann einiges herausfinden.

 

Ist die Teilnahme anonym und sicher?

Wagschal: Alle Eingaben im Debat-O-Meter erfolgen vollkommen anonym. Wir können die Identität der Nutzer nicht nachvollziehen. Wie alle Meinungsforscher müssen aber natürlich auch wir mit Falschangaben rechnen. Menschen sagen eben nicht immer die Wahrheit.

Beeinflussen Sie mit dem Debat-O-Meter nicht den Wahlausgang?

Wagschal: Der Zuschauer macht sich während des TV-Duells ein Bild. Und wir erfassen diese Eindrücke in Echtzeit sowie durch Vor- und Nachbefragungen. Durch die hohe Teilnehmerzahl und die Detailanalysen können wir erklären, wer Sieger und Verlierer in einer Debatte ist und warum. Die Medien berichten anschließend darüber und informieren so die Öffentlichkeit, insofern passiert ja nichts, was sonst nicht auch passiert. Das Debat-O-Meter suggeriert ja niemandem eine Bewertung, sondern nimmt nur auf, was die Teilnehmer denken, und wir fassen alles zusammen.

Wer profitiert am meisten von einem Duell? Amtsinhaber oder Herausforderer?

Wagschal: In der Regel der Her­ausforderer. Der Amtsinhaber kann, weil er einen Amtsbonus hat, fast nur verlieren – es sei denn, er liegt stark zurück.

Die drei Diskussionen im Fernsehen

Im »Duell vor dem Duell« diskutieren am Mittwoch, 30. August, um 22.30 Uhr bei Sat.1 Katja Kipping (Linke), Christian Lindner (FDP), Alice Weidel (AfD) sowie Katrin Göring-Eckardt (Grüne). Moderiert wird die Sendung von Claus Strunz, der die Kandidaten mit den zehn wichtigsten Fragen konfrontiert, welche die Wähler laut Meinungsumfragen derzeit beschäftigen.

Das »TV-Duell« Merkel vs. Schulz kommt am Sonntag, 3. September um 20.15 Uhr parallel auf Sat.1, RTL, ARD und ZDF. Die »Schlussrunde« wird am Donnerstag, 21. September, um 22.00 Uhr auf ARD und ZDF übertragen. Das Debat-O-Meter ist zu allen drei Diskussionen unter https://app.debatometer.com freigeschaltet – etwa eine Stunde vor Beginn.

So funktioniert das Debat-O-Meter

– Gehen Sie kurz vor der Debatte in den entsprechenden Artikel auf www.westfalen-blatt.de oder auf https://app.debatometer.com .

– Loggen Sie sich ein. Jeder kann teilnehmen.

– Füllen Sie die Vorbefragung aus.

– Das Debat-O-Meter zeichnet die Bewertungen sekundengenau auf.

– Wenn Sie eine Bewertung über einen längeren Zeitraum mitteilen wollen, können Sie mehrfach drücken. Das Debat-O-Meter zeichnet pro Sekunde aber nie mehr als eine Bewertung auf.

– Warum Sie eine Person bewerten und was genau Sie als gut oder schlecht ansehen, bleibt völlig Ihnen überlassen.

– Wird kein Knopf gedrückt, werden keine Daten übertragen. Dies wird als »neutrale« Bewertung interpretiert.

– Die Knöpfe brauchen nicht gedrückt werden, wenn die Moderatoren gerade sprechen.

– Die Bewertungen werden vertraulich behandelt und nur anonymisiert ausgewertet.

– Füllen Sie nach der Debatte den Fragebogen der Nachbefragung aus.

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