Infrastruktur in Rödinghausen wird Brisanzspiel im Westfalenpokal nicht gerecht
Darum geht's auf die Alm

Rödinghausen (WB). Der Erstrunden-Hit im Fußball-Westfalenpokal zwischen dem SV Rödinghausen und dem DSC Arminia Bielefeld am 10. September ist wie berichtet auf die Alm verlegt worden. Verantwortlich dafür sind Sicherheitsbedenken der Behörden.

Freitag, 22.08.2014, 10:15 Uhr aktualisiert: 22.08.2014, 12:42 Uhr
Infrastruktur in Rödinghausen wird Brisanzspiel im Westfalenpokal nicht gerecht : Darum geht's auf die Alm
Polizeipräsenz am Wiehenstadion: Oberhalb des Gästeblocks parkt beim Regionalliga-Spiel des SV Rödinghausen gegen den FC Schalke 04 ein Polizeiauto. Foto: Sebastian Picht Foto: Sebastian Picht

Die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) mit Sitz in Duisburg bewertet das Risikopotenzial von Fußballspielen. »Im Vorfeld hat die ZIS einige Begegnungen des SV Rödinghausen als Risikospiele klassifiziert«, sagte Michael Albrecht, Sprecher der Kreispolizeibehörde, gestern bei einem Pressegespräch im Wiehenstadion. »Das sind Spiele gegen Gegner wie Uerdingen, Essen, Aachen oder Oberhausen.« Und nun auch das Pokalspiel.

 Nach internen Berichten ist die Polizei zu der Erkenntnis gekommen, dass die Infrastruktur in Rödinghausen im Fall des Pokalduells nicht die Vorraussetzungen für die Austragung eines solchen Brisanzspieles erfüllt. »Das, was der Verein an Infrastruktur aufbieten muss, ist enorm«, sagte Albrecht. Aber: »Das ist eine Momentaufnahme und wird von Fall zu Fall entschieden.«

Behörden befürchten Gewaltsuchende

Die Argumentation sieht so aus: Aufgrund der Nähe zu Bielefeld sei damit zu rechnen, dass mehr Fans zum Stadion kommen, als dort hineinpassen. Darunter, befürchten die Behörden, könnten Gewaltsuchende sein. »Hier besteht keine Möglichkeit, sie außerhalb des Stadions zu betreuen«, sagte Albrecht. Auch die Fantrennung bereitet Probleme. Albrecht: »Wir haben viele Anhänger von Arminia auch im Kreis Herford, und darunter sind auch so genannte Kategorie-B- oder C-Fans. Man will verhindern, dass sich diese Anhänger Tickets besorgen. Eine Fantrennung ist alleine schon durch den Vorverkauf schwer möglich. Bei einem Verein, der weiter entfernt ist, ist das schon etwas anderes.«

 Bei der Einreichung der Lizenzunterlagen für die Regionalliga haben die Rödinghauser das Stadion der SF Lotte als Ausweichspielstätte angegeben. Dort hätte ein Risikospiel im Normalfall stattfinden können. Doch »die ZIS sagt, dass ein Spiel im Dunstkreis der beiden rivalisierenden Fangruppen von Arminia, Osnabrück und Münster, mit noch größeren Sicherheitsbedenken versehen wäre«, erläuterte Albrecht. Der SVR einigte sich deshalb mit Arminia auf einen Heimrechttausch
Losgelöst vom Fall des Pokalspiels sind die anderen Risikospiele zu betrachten. »Das kann eine andere Bewertung sein«, verdeutlichte Albrecht. »Sei es aufgrund der größeren Entfernung zum Gegner, sei es aufgrund des Zeitpunktes der Spielaustragung.« Rödinghausens Geschäftsführer André Thiemann ergänzte: »Vielleicht finden andere Spiele an einem Montagabend statt, um die Fanschar zu reduzieren. Bei Bielefeld ist das Problem die Entfernung. In 20 Minuten ist man vor Ort. Und der SV Rödinghausen ist nicht mehr ein Landesligaverein, sondern nur eine Liga unter Arminia Bielefeld. Grundsätzlich gehen wir nicht davon aus, dass die Arminia-Fans uns das Stadion auf links drehen«, sagte Thiemann und spielte auf möglicherweise größer gewordene Rivalität an.

1000 oder 4000 bis 6000 Gästefans? Schätzungen gehen auseinander

»Wir bewegen uns fast auf Augenhöhe«, sagte SVR-Vorsitzender Ernst-Wilhelm Vortmeyer. »Auch das führt dazu, dass wir mit einer hohen Beteiligung der Zuschauer rechnen müssen. Es gibt Zahlen, die sich in der Größenordnung zwischen 4000 und 6000 Gästefans bewegen. Wir können 2600 ins Stadion lassen. Nicht diejenigen, die im Stadion im Gästeblock hinterm Zaun stehen, sondern die vielleicht 1000, die wir nicht reinlassen können, bereiten uns Sorgen.« Nicht ganz so hoch greift Arminias Fanbeauftragter Thomas Brinkmeier. Im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT sagte er: »Ich hätte in Rödinghausen mit 1000 unserer Fans plus X gerechnet.« Durch den Heimrechttausch hätten nun deutlich mehr Arminia-Fans die Möglichkeit, das Spiel zu sehen.

Vortmeyer betonte, Arminia nichts unterstellen zu wollen, sagte aber, dass es grundsätzlich bei Fußballspielen ein Gewaltpotenzial gebe: »Wir wollen keinen Krawall hier. Wenn unser Stadion eine Kapazität von 7000 hätte, wäre es wieder eine ganz andere Situation.« Der Club würde gerne alle Spiele im eigenen Stadion austragen, darüber gibt es keine zwei Meinungen. Und dennoch sagte Vortmeyer, dass über das Arminia-Spiel hinweg auch in der Regionalliga Verlegungen möglich seien: »Wenn berechtigter Weise Risiken bestehen, mag es sein, dass das eine oder andere Spiel hier nicht stattfindet.« Ausschlaggebend ist letztlich die Empfehlung der Behörden. Albrecht: »Jedes Spiel, das bewertet ist, muss bis Spielbeginn fortlaufend begutachtet werden.«

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