Arminia hält am Trainer fest – Nur Kapitän Klos spricht nach Sieglos-Serie Klartext
»Dürfen uns nicht in die Tasche lügen«

Bielefeld  (WB).  Arminia Bielefeld verliert gegen Würzburg 0:1 , bleibt auf Tabellenplatz 17 hängen und den Nachweis einer Entwicklung schuldig. An Konsequenzen denkt der Verein noch nicht, hält an Trainer Rüdiger Rehm fest und setzt auf Durchhalteparolen. So sehen die Beteiligten die Lage:

Montag, 17.10.2016, 09:36 Uhr aktualisiert: 17.10.2016, 10:12 Uhr
Die Meinung der Fans ist eindeutig nachzulesen. Zudem sangen sie am Freitag »Wir haben die Schnauze voll«. Foto: Thomas F. Starke
Die Meinung der Fans ist eindeutig nachzulesen. Zudem sangen sie am Freitag »Wir haben die Schnauze voll«. Foto: Thomas F. Starke

Die Spieler

Kapitän Fabian Klos hatte einen Hals – und was für einen. »Wir dürfen uns nicht weiter in die Tasche lügen. Wir sind neun Spiele ohne Sieg. Das ist Fakt«, schimpfte Klos. Von Schönfärberei hielt der 28-Jährige im Gegensatz zu vielen anderen Arminen nichts mehr.

9. Spieltag: DSC Arminia vs. Würzburger Kickers

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Eindeutig ist, dass der DSC im Vergleich zur vergangenen Saison nahezu jede Selbstsicherheit verspielt hat. Systemwechsel, Personalrochaden und Verletzungen haben das stabile Konstrukt zum Wackeln gebracht. Torwart Wolfgang Hesl wollte nicht widersprechen: »Dieses Jahr wollten wir schöneren Fußball spielen. Das hat halt nicht so funktioniert. Jetzt sind wir wieder, ich möchte nicht sagen, im alten System zurück, um die Kompaktheit wiederzufinden. Wir stehen besser als am Anfang der Saison. Wir müssen jetzt einfache Dinge machen.«

Allgemeingültigkeit hatte die kritische Sichtweise innerhalb der Mannschaft nicht. »Wenn wir den einen Sieg holen, geht es wieder aufwärts«, glaubt Florian Hartherz an schnelle Besserung. Doch die Frage ist, wann die verunsicherte Mannschaft diesen ersten Sieg holt. Hesl meinte: »Wenn man so viele Spiele nicht gewonnen hat und da unten steht, kann man nicht erwarten, dass man mit viel Selbstvertrauen auftritt und alles in Grund und Boden spielt.«

Der Trainer

Rüdiger Rehm, der im neunten Zweitligaspiel die neunte Startelf ins Rennen schickte, ließ Verunsicherung allein nicht als Argument gelten: »In der zweiten Halbzeit habe ich keine verunsicherte Mannschaft gesehen. Das war eine Mannschaft, die gewollt hat. Die das Spiel nach vorne getragen hat.« Vorne, in der Offensive, passierte allerdings so gut wie nichts. »Wir haben Probleme, was das Spiel im letzten Drittel, was die Präzision angeht«, sagte Rehm. Und die Perspektiven sind wegen der Ausfälle von Christopher Nöthe (Schulter-OP) und David Ulm (Lungenentzündung) nicht rosig.

Was bleibt? Durchhalteparolen und die Hoffnung auf die Wende. »Ich erreiche die Mannschaft absolut. Die Mannschaft zerreißt sich, sie versucht alles. Aber sie kann die Spiele gerade nicht für sich entscheiden«, betonte Rehm.

Dafür nimmt der Trainer vor allem die Spieler in die Pflicht: »Wir werden die Jungs unterstützen, ihnen aber auch mal Klartext geben, in welche Richtung es gehen muss. Jeder muss sich hinterfragen, was die Qualität im Passspiel angeht, was die Konsequenz im letzten Drittel betrifft. Wir helfen ihnen dabei. Aber das ist auch immer ein wenig Eigenverantwortung.«

Der Sportchef

Samir Arabi hat den Trainer verpflichtet, eine Entlassung Rehms wäre für den Geschäftsführer eine Niederlage.  Arabi stützt den Coach und fordert , die Führungsspieler müssten nun »Verantwortung übernehmen, es gibt keine Alibis«. Man habe gegen Würzburg die Verunsicherung bei einigen Spielern gesehen. Eine Frage der Qualität sei es aber nicht. »Die Ergebnisse sind mehr als unbefriedigend, trotzdem glauben wir an die Qualität des Kaders«, sagte Arabi nach einer mehr als 60-minütigen Sitzung am Samstag mit Trainerteam und Mannschaft. Die beschriebene Qualität wird derzeit aber nicht abgerufen. Und die Neuzugänge sind bisher allesamt nicht mehr als Mitläufer. Schleunigst müsse jetzt ein Dreier geholt werden, sagte Arabi. »Keiner hier möchte sehenden Auges einen Abstieg riskieren, trotzdem müssen wir die Ruhe bewahren«, erklärte der 37-Jährige. Nach bestem Wissen und Gewissen würden die Entscheidungen für den Verein getroffen.

Der Präsident

Hans-Jürgen Laufer ist Präsident und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender.  Wie seine Kollegen im Kontrollgremium denkt Laufer aber nicht daran, am personellen Ist-Zustand zu rütteln . »Wir wollen eigentlich ein Projekt starten und langfristig mit jemandem zusammenarbeiten. Wir sind der Meinung, dass wir den richtigen Trainer verpflichtet haben«, erklärte der Klubchef gestern, gab aber zu: »Das Ergebnis vom Freitag hat uns alle ein bisschen negativ überrascht. Alle sind davon ausgegangen, dass wir das Ding endlich mal rocken.«

Dass nun neben Trainer Rehm auch Samir Arabi, der Geschäftsführer Sport, vor allem bei den Fans mächtig Kritik einstecken muss, ist auch dem Aufsichtsrat nicht entgangen. »Sicherlich hinterfragen wir die Arbeit von Herrn Rehm und Herrn Arabi. Aber das machen wir intern. Und das ist bisher, weil wir noch nicht wieder mit dem Aufsichtsrat zusammengekommen sind, auch noch nicht der Fall gewesen«, erklärte Laufer.

Wir haben Reaktion aus dem Internet zur Lage bei Arminia Bielefeld zusammengestellt:

Kommentare

Leo-Armine  schrieb: 18.10.2016 12:27
Da liegen Kapitän und Verantwortliche in der Wahrnehmung aber ein gehöriges Stückchen voneinander entfernt. Ich tendiere da auch eher zu Klos, der allerdings auch mit seinem momentanen Auftreten keine Argumente für den Trainer liefert.
Olaf Sprick  schrieb: 17.10.2016 21:51
Zweckoptimismus und Durchhalteparolen
Bei den bisher gezeigten Leistungen fällt es schwer, dass ausgerechnet am Freitag in Düsseldorf die Wende zum Guten geschafft wird. Und falls in Düsseldorf und dann zu Hause gegen Sandhausen nicht gewonnen wird, kommt Arminia mit Zweckoptimismus und Durchhalteparolen nicht mehr weiter. Dann würde der Druck auf Rehm zu groß und es müsste gehandelt werden, bevor es zu spät ist. Das ist ja das gute an Fehlentscheidungen: erkennen und dann korrigieren.
Exfan  schrieb: 17.10.2016 18:04
Wer will noch mal
Wer will noch mal, wer hat noch nicht. Startelfplatz für das nächste Spiel der Arminen zu vergeben. Wer 100 m mit dem Ball geradeaus laufen kann, kann sich bewerben. Damit aber die Gegentorbilanz nicht an getastet wird, bleibt die Position von Fliegenfänger Hesl unangetastet. Bitte im Training anbieten
3 Kommentare
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