Bei Arminias schwerer Trainersuche genießen die Geschäftsführer Arabi und Meinke das volle Vertrauen des Aufsichtsrats
Die finanziellen Mittel und der Markt sind begrenzt

Bielefeld (WB). Arminia Bielefelds Projekt mit Rüdiger Rehm ist krachend gescheitert. Statt wie geplant langfristig etwas mit dem 37-Jährigen aufzubauen, beurlaubten die Verantwortlichen des Klubs den Trainer am Samstag nach zehn Zweitligaspielen ohne Sieg wegen Erfolglosigkeit.  Einfacher wird die Situation für den DSC damit aber erst einmal nicht.

Montag, 24.10.2016, 09:31 Uhr aktualisiert: 24.10.2016, 12:05 Uhr
Gesichter, die Bände sprechen: Die Geschäftsführer Gerrit Meinke (links) und Samir Arabi verkünden die Trennung von Rüdiger Rehm. Foto: Thomas F. Starke
Gesichter, die Bände sprechen: Die Geschäftsführer Gerrit Meinke (links) und Samir Arabi verkünden die Trennung von Rüdiger Rehm. Foto: Thomas F. Starke

Durch die Trennung vermehren sich vielmehr die Druckpunkte. Die sportlich prekäre Situation nach zehn sieglosen Spielen spitzt sich  nach dem desolaten 0:4 bei Fortuna Düsseldorf, das Rehm endgültig den Job kostete, am Freitag für den Tabellenvorletzten zu. Hinzu kommt nun noch die zu beantwortende Trainerfrage: Wer kann dieser durch Rehms System- und Taktikwechsel verunsicherten Mannschaft im sportlichen Absturz wieder Flügel verleihen?

Als Resultat der zuletzt enttäuschenden Entwicklungen sahen wir uns gezwungen zu handeln.

Samir Arabi

Rehm traute man das nicht mehr zu. Darüber war man sich am Samstagmorgen einig, als die endgültige Entscheidung für die Trennung fiel. »Wir haben die gesamte Entwicklung analysiert, Spiele und sonstige Eindrücke Revue passieren lassen. Leider ist der erhoffte sportliche Erfolg ausgeblieben. Als Resultat der zuletzt enttäuschenden Entwicklungen sahen wir uns gezwungen zu handeln«, erklärte Sport-Geschäftsführer Samir Arabi. Er schaute bei dieser Erklärung nicht weniger geknickt aus als Finanz-Geschäftsführer Gerrit Meinke: »Wir sind seit dem Sommer neue Wege bei Arminia gegangen und haben das Projekt Rehm begonnen. Wir waren immer voll der Überzeugung, dass es der richtige Weg ist. Deshalb fällt es einem nicht leicht, dieses Projekt schweren Herzens zu beenden.«

Trainersuche: Geschäftsführer genießen volles Vertrauen des Aufsichtsrats

Mit diesem Ende beginnt die Schwerstarbeit für Arabi und Meinke. Wie das WESTFALEN-BLATT erfuhr, genießen die beiden Geschäftsführer bei der Trainersuche das volle Vertrauen des Aufsichtsrats. Der neue Coach solle »in Ruhe und mit Bedacht« ausgewählt werden, wie der Präsident und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Jürgen Laufer betonte.

Stark limitierende Elemente sind dabei der Trainermarkt und die wirtschaftlichen Mittel. »Ich mache kein Geheimnis daraus, dass es schwer wird, die Trainerverpflichtung aus dem laufenden Etat zu finanzieren. Die Vergangenheit hier hat aber gezeigt, dass wir solche Situationen ganz oft mit unseren Partnern gestemmt haben«, erläuterte Meinke. Noch habe man die Fühler nach möglichen Geldgebern nicht »ausgestreckt«, wie Laufer am Sonntag bestätigte.

Passieren soll das erst, wenn man den passenden Trainerkandidaten gefunden habe und entsprechend in Verhandlungen stecke.

Was bedeutet, dass entsprechende Kandidaten noch nicht absehbar sind. Trainer wie André Breitenreiter (zuletzt Schalke 04) oder Bruno Labbadia (zuletzt HSV) sind aufgrund ihrer Gehaltsvorstellungen ausgeschlossen. So kursieren Namen wie der von Mirko Slomka (zuletzt HSV) oder Ex-DSC-Coach Michael Frontzeck (zuletzt Hannover 96). Ein Kandidat soll auch Arminias ehemaliger Amateur-Trainer Maik Walpurgis (zuletzt VfL Osnabrück) sein.

Noch scheint sich eine mögliche Verpflichtung aber nicht abzuzeichnen. Arabi: »Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass wir kurzfristig zu einer Lösung kommen. Aber man kann nichts ausschließen.«

Carsten Rump nun erst einmal in der Verantwortung

Erstmals leitete Interimstrainer Carsten Rump (rechts) gestern Morgen mit Interims-Co Sebastian Hille das Training.

Erstmals leitete Interimstrainer Carsten Rump (rechts) gestern Morgen mit Interims-Co Sebastian Hille das Training. Foto: Thomas F. Starke

In der Verantwortung steht nun erst einmal der bisherige Co-Trainer Carsten Rump. Der Inhaber der Trainer-B-Lizenz darf wegen des fehlenden Fußballlehrerscheins laut DFB-Statuten aber nur für 15 Werktage einspringen, dann muss der neue Trainer übernehmen. Heißt, maximal bis zur Partie beim VfB Stuttgart (6. November) dürfte Rump aushelfen. Morgen im DFB-Pokalspiel bei Dynamo Dresden wird Rump definitiv auf der Bank sitzen. Auch sein Einsatz am Freitag gegen den SV Sandhausen ist nicht ausgeschlossen.

Fragen lassen müssen sich die Verantwortlichen in der Nachbetrachtung aber vor allem, ob der Schlussstrich bei Rehm nicht viel zu spät gezogen worden ist. Schon seit Wochen war der Trend negativ. Wie gemalt für einen Wechsel auf dem Trainerstuhl erschien die Länderspielpause nach dem 0:0 in Kaiserslautern (2. Oktober). Stattdessen folgte ein Treueschwur nach dem anderen auf den Trainer. Man wollte einfach nicht loslassen, so schien es. Doch diese Rückendeckung zahlte sich nicht aus. Wie das WESTFALEN-BLATT erfuhr, soll am Ende auch die Mannschaft nicht mehr voll hinter ihrem Trainer gestanden haben.

Nicht von Vorteil für Rehms Arbeit waren zudem die Neuverpflichtungen, von denen sich bislang keine als Verstärkung erwiesen hat. Der für Transfers zuständige Sportchef Samir Arabi steht in diesem Punkt voll in der Verantwortung.

Rehm selbst wollte sich nicht weiter äußern. Er bat gegenüber dieser Zeitung um Verständnis, dass er in nächster Zeit keine Aussagen zur Situation machen wolle.

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Kommentare

bleifrei  schrieb: 25.10.2016 07:42
Sollte Rehm wirklich ohne existenten Plan B freigestellt worden sein, wäre das der nächste Bock, der geschossen wurde. Hatte nicht gerade Arabi immer wieder betont, man müsse professionell mit der Situation umgehen?
JETZT, nach der Freistellung, damit anzufangen den Trainermarkt zu sondieren ist schon stark.
Die kontinuierliche Beobachtung des Trainermarktes während einer solch katastrophalen Startphase gehört für mich zum Manager-ABC. Ich hoffe nur, dass diese Äusserung nur die offizielle Variante ist und hinter den Kulissen sehr wohl Vorbereitungen gelaufen sind.
Ansonsten, gebe ich denjenigen recht, die hier eine konsequentere Vorgehensweise beim Vorstandspersonal fordern.
Nur, wer sollte dann noch annähernd Fachkompetenz im Verein haben?
Wenn jetzt kein erfahrener "Retter" kommt, dann gehen die Lichter endgültig aus. Schon jetzt besteht nicht allzu viel Hoffnung. Punktemäßig sind die Blauen zwar noch dran, aber wer rechnet ernsthaft damit, dass ein neuer Trainer sofort mit einer Siegesserie startet?
fomi  schrieb: 24.10.2016 22:58
Ich erwarte einen guten Trainer
Herr Arabi hatte genügend Geld, um Neuverpflichtungen im besten Mannschaftsteil, der Abwehr, vorzunehmen. Also hat er genügend Geld, einen gesandenen Trainer zu verpflichten. Wenn er das nicht hat, hat er eindeutig und vereinsschädigend versagt, da man immer noch eine Patrone in der Hinterhand haben muss!

Darüber hinaus wurde der Trainer zwei Spieltage zu spät entlassen, da die Länderspielpause der beste Zeitpunkt für einen von fast allen Fans vorausgesehenen Wechsel war. Normalerweise bin ich kein Freund von Trainerentlassungen und ich hatte mich sogar auf den neuen Trainer mitsamt seiner vollmundigen Ankündigungen gefreut. Aber man konnte doch früh erkennen, dass das nichts wird - leider.

Zwei gravierende Fehler also von Arabi. Dazu einer von seinen Vorgesetzten durch die unsinnige Beförderuing. Und einer vom Aufsichtsrat, dass er nicht eingeschritten ist. Das hatten wir doch alles schon einmal!

Also erwarte ich die Beseitigung der Fehler und hoffe auf einen erfahrenen Trainer. Wenn das Geld doch nicht reichen sollte (siehe oben), dann erwarte ich Arabis Rücktritt, damit wir uns von seinem eingesparten Geld einen leisten können. Bei der Transferpolitik in dieser Saison hat er sich vollkommen überflüssig gemacht. Und das Gequatsche von "die Fans kennen die Interna nicht" will ich auch nicht mehr hören. Die Warnungen waren lange und laut. Eine einzelne Person hat sie (aus Sturheit?) nicht gehört/ hören wollen. Ein paar weitere haben sich (wie unter der Ära Kentsch) Scheuklappen aufgesetzt. Aber das zum allerletztem Mal!
Exfan  schrieb: 24.10.2016 19:24
Weg mitArabi
Warum sollte das Geld knapp sein. Das Geld von Arabi sollte doch für einen einigermaßen anständigen Trainer reichen, und der ist ja total überflüssig. Wenn ich das jetzt wieder lese, volles Vertrauen zur Sportleitung, dann möchte man einfach nur dazwischen hauen. Erst liest man wochenlang, volles Vertrauen zu Rehm. Jetzt hat man gesehen, das Vertrauen nicht reicht, das auch Fachwissen dazu gehört. Jetzt geht das gleiche mit dem Arabi los. Auch da reicht Vertrauen ohne Fachwissen nicht. Und die in dem gesamten Vorstand keiner ist mit Ahnung, wirds jetzt wohl zu Ende sein mit Arminia. Irgendwo in der 4. Liga wirds auch für Arabi reichen
Leo-Armine  schrieb: 24.10.2016 15:36
Vertrauen voll aufgebraucht
Unfaßbar! Alle drei, ja, Laufer inclusive. Das "volle Vertrauen" sollten nach der JHV andere erhalten!

Jetzt dürfen also die beiden Welt- und Fußball- Erklärer wieder einmal eine Notvariante erfinden? Zweitliganeuling oder Mann mit Mißerfolgen, was darf es denn diesmal sein?
Und ständig die Karte mit den Schulden zu spielen.... Immerhin war Arminia im Sommer solvent genug, für einen Trainer Ablöse zu bezahlen. Beim kickenden Personal hat man es tunlichst vermieden.
Mir fehlt es auf der Position Arabi an Überraschungsmomenten. Mal jemanden holen, den keiner auf dem Zettel hat. Oder wenigstens ein System sollte bei den Neuzugängen erkennbar sein.
Und warum soll Arminia nicht für Trainer attraktiv sein, die wieder in den Job rein wollen. NOCH gehört man zu den 36 besten Mannschaften Deutschlands -ein Pfund,mit dem zu wenig gewuchert wird. Warum sollte man einen Luhuklay denn nicht für Bielefeld begeistern können und ihm freie Hand zusichern? Vielleicht macht er es dann für etwas weniger Gehalt. Und wenn man von einem Trainer voll überzeugt ist, muß man ihn halt holen im Vorgriff auf die aufgestockten Fernsehgelder. Denn man ist ja überzeugt, daß er die Klasse hält. - Alles andere ist Zögern und Zaudern, Untätigkeit wird als Gelassenheit verkauft.
Martin  schrieb: 24.10.2016 15:22
Ein hochverschuldeter Verein, eine amateurhafte Vereinsführung, eine Mannschaft, die spielerisch wenig drauf hat und allenfalls in der 3. Liga mithalten könnte und dann noch ein Schleudersitz - welcher kompetente Trainer tut sich sowas an?
warburger  schrieb: 24.10.2016 13:43
BItte nicht
Frontzeck ? ? ?
Da sträuben sich doch gleich die Nackenhaare, so etwas kann doch nur ernsthaft erwägen, wenn man den Verein komplett ruinieren will. Dann lieber gleich die Mannschaft für die 3.Liga oder tiefer anmelden.
Frontzeck hat in seiner Vita auschließlich Misserfolge und es bisher fast immer geschafft, seine Vereine zum Abstieg oder auf einen Abstiegsplatz zu führen ...
Sein emotionsloser Auftritt in Bielefeld ist noch in allerbester Erinnerung, der Name Frontzeck kommt mir nur in den Sinn, wenn ich überlege, wer wohl der mieseste Trainer jemals in Bielefeld war.
Tim Obecalp  schrieb: 24.10.2016 13:36
Hier muss was langfristig inatalliert werden
Hier muss was langfristig installiert werden, kein Zugereister, der den Verlokungen des Geldes widersteht . Pele Wollitz als Ostwestfale, Motivator u. Ex Fussballer , weiss wovon er redet. Unbedingt anfragen!!
Almadler  schrieb: 24.10.2016 12:04
Das volle Vertrauen ?
Das volle Vertrauen haben die Beiden also bei der Trainersuche. Das alleine ist schon bemerkenswert. Sie haben innerhalb kürzester Zeit sehlenruhig mit angeguckt wie eine funktionierende Mannschaft demontiert wurde. Sie haben viel zu lange mit der Entlassung von Rehm gewartet. Der Kader wurde die zahlreichen Neuverpflichtungen nicht auf einer Position verstärkt. Und jetzt werden sie eine gefühlte Ewigkeit brauchen, um einen neuen Trainer zu präsentieren. Und sie beugen auch schonmal vor, dass es sich eher um Notlösung handeln wird , die dann aber selbstverständlich auch die volle Rückendeckung des Vereins hat.
Absolut amateurhaft ist das alles !
8 Kommentare
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