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Do., 11.01.2018

Konsortium »Bündnis Ostwestfalen« soll helfen, Verbindlichkeiten zu halbieren – Oetker und Schüco wohl wichtige Geldgeber Arminia vor Schuldenerlass

DSC-Präsident Hans Jürgen Laufer (Mitte) mit den Geschäftsführern Markus Rejek (links) und Samir Arabi.

DSC-Präsident Hans Jürgen Laufer (Mitte) mit den Geschäftsführern Markus Rejek (links) und Samir Arabi. Foto: Thomas F. Starke

Von Sebastian Bauer und Michael Schläger

Bielefeld (WB). Mehr und mehr zeichnet sich ab, wie die wirtschaftliche Zukunft von Fußball-Zweitligist Arminia Bielefeld gesichert werden soll. Der Klub, ostwestfälische Unternehmen, Banken, die Stadt Bielefeld und das Land NRW sind in die Pläne involviert und arbeiten mit Hochdruck am Hilfsplan.

Wie das WESTFALEN-BLATT erfuhr, strebt das Konsortium »Bündnis Ostwestfalen« an, die Verschuldung des Vereins von 22 Millionen Euro auf unter zehn Millionen Euro zu reduzieren. Dafür sollen Stadt, Land, Unternehmen und private Geldgeber auf Forderungen verzichten. Zudem sollen dem Verein gut zwölf Millionen Euro Finanzmittel von Sponsoren und Gönnern zur Verfügung gestellt werden.

Das Gesamtkonstrukt würde die Arminia-Gruppe nicht nur wirtschaftlich zukunftsfähig aufstellen, sondern dem Verein, insbesondere dem sportlichen Bereich, erstmals seit vielen Jahren wieder die Chance geben, unabhängig von den bislang ständig notwendigen Finanzspritzen langfristig und nachhaltig planen zu können.

Oetker und Schüco wichtige Geldgeber

Wichtige Geldgeber sollen die Firmen Oetker und Schüco sein. Zudem soll die Bielefelder Unternehmerfamilie Anstoetz (Firmengruppe JAB Anstoetz) einen erheblichen Hilfsbetrag in Aussicht gestellt haben. »Wir haben Arminia in den vergangenen Jahren immer unterstützt. Wenn unsere Hilfe gefragt ist, helfen wir gerne und arbeiten an einer Lösung«, sagte Schüco-Unternehmenssprecher Thomas Lauritzen am Mittwoch dieser Zeitung. Auf das Konsortium wollte das DSC-Aufsichtsratsmitglied jedoch nicht weiter eingehen. Vereinendes Element und Antreiber für die Gespräche zwischen den einzelnen Parteien dieses Bündnisses war insbesondere der Haller Unternehmer Gerhard Weber.

» Wir haben erst kürzlich bestätigt, dass wir seit geraumer Zeit intensiv daran arbeiten , die Arminia-Gruppe finanzwirtschaftlich neu zu strukturieren und innerhalb dieses Prozesses auch auf die Unterstützung anderer angewiesen sind. Wir können ebenso bestätigen, dass wir mit Vertretern namhafter Unternehmen aus Ostwestfalen aktuell sehr konstruktive Gespräche führen«, äußerte sich DSC-Geschäftsführer Markus Rejek zum Thema Millionenhilfe.

Reduzierung der Landesbürgschaft entscheidend

Entscheidend zur Entschuldung beitragen könnte eine Reduzierung der Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Mit 9,7 Millionen Euro ist das Land bei der Stadionbürgschaft für den DSC ins Risiko gegangen. Noch vor gut vier Jahren hatte NRW laut Auskunft des NRW-Finanzministeriums insgesamt 128,2 Millionen Euro für verschiedene Stadionbürgschaften in den Büchern stehen.

In einigen Fällen, wie bei der ersten Insolvenz von Alemannia Aachen im Jahr 2012, musste das Land bereits Ausfallzahlungen leisten. Nun hofft das ostwestfälische Hilfsbündnis, das Land zu überzeugen, auch in Arminias Fall auf einen Großteil des Geldes zu verzichten. Im Gespräch sind etwa fünf Millionen Euro.

Auch die Stadt Bielefeld ist offenbar bereit, dem Zweitligisten zu helfen. Im Zuge des Tribünen-Neubaus 2008 hatte sie eine Ausfallbürgeschaft in Höhe von 80 Prozent für einen Kredit von 1,8 Millionen Euro übernommen, den die Volksbank Bielefeld seinerzeit gewährt hatte. Davon standen Ende 2017 noch rund 900.000 Euro aus. Bei einem 50-prozentigen Schuldenschnitt müsste die Stadt jetzt noch mit 364.000 Euro einspringen.

Zusage vom Oberbürgermeister

Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD)

Arminia reicht die Zusage von Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD), die dieser allerdings unter »Gremienvorbehalt« stellt. Finanzausschuss (30. Januar) und Rat (8. Februar) müssen noch zustimmen. Doch wollen offenbar weder das in Bielefeld regierende Bündnis aus SPD, Grünen, Piraten und einer Wählergemeinschaft noch die CDU-Opposition die Entschuldung verhindern. »Wir nehmen den Vorschlag auf und beraten darüber«, sagte CDU-Ratsfraktionschef Ralf Nettelstroth.

Auf weitere Forderungen in Höhe von rund 2,7 Mio. Euro will und darf die Stadt allerdings nicht verzichten. Sie resultieren inklusive Zinsen aus regelmäßigen Stundungen, die sich aus drei Komplexen zusammensetzen: Bei der DSC Arminia Bielefeld GmbH & Co. KGaA, hinter der sich der Lizenzspielbetrieb verbirgt, steht immer noch die Rückzahlung des vom Klinikum Bielefeld gewährten Darlehens in Höhe von 250.000 Euro aus sowie nicht gezahlte Gewerbesteuern aus Vorjahren.

Bei der Stadiongesellschaft ALM-KG geht es um 911.000 Euro aus dem Verkauf des Stadiongrundstücks. Und der eingetragene Verein DSC Arminia schuldet der Stadt Geld aus der Sanierung des Trainingsgeländes an der Friedrich-Hagemann-Straße. Außerdem muss auch der »e.V.« Gewerbesteuern nachzahlen und Grundbesitzabgaben entrichten. Die Stundung wurde gerade erst bis zum 30. September 2018 verlängert.

Kommentare

Oetker?!

Oetker? Wenn das in die Tat umgesetzr wird, lauf ich zum nächsten Supermarkt und einen Einkaufswagen voll Tiefkühlpizza, Pudding und Kuchen :D
Spaß bei Seite. Ich erwarte von Markus Rejek neue Zukunftsperspektiven in Sachen Marketing, Sponsoring und auch Merchandising. Die wichtigsten Partner in diesem Zusammenhang sollen auch etwas für ihr Engagement zurückbekommen können

Sollte es zum Engagement der Wirtschaft in geschilterter Höhe kommen, wäre das für mich als langjährigem Arminen natürlich ein Feiertag der unverhofften Art. Lancelot schildert in seinem Beitrag sehr schön und anschaulich alle Aspekte, bis auf einen: der Schuldenschnitt und die Bereitstellung von Kapital würde uns nicht auf Dauer die 2. Liga oder gar den Aufstieg garantieren. Über einen angehobenen Etat zu verfügen, bedeutet nicht automatisch, wieder nach oben zu kommen. Wir werden auch zukünftig immer etwas besser arbeiten müssen als viele unserer Konkurrenten. Auch in Zukunft werden Vereine aufsteigen, die über weniger Mittel verfügen als wir, und es werden ebenso Vereine absteigen, die deutlich bessere Möglichkeiten haben. Ich sehe nach wie vor das Risiko, dass ein Abstieg in die dritte Liga einem Existenzverlust gleichkommt, weil der Fußball unter einem gigantischen strukturellen Problem leidet. Die extrem spitze Pyramide der Geldverteilung trägt der Bevölkerungsstruktur eines Landes wie Deutschland in keinster Weise Rechnung. Es gibt etwa 100 Großstädte, die allesamt im Profifußball vertreten waren oder wieder dorthin drängen, aber eben nur eine sehr begrenzte Anzahl an Plätzen in einer Profiliga, im Gegensatz zu Spanien z.B. Und viele Traditionsvereine sind dem Kollaps nahe, weil sie sich bei dem Versuch, das zu realisieren, verhoben haben. Ohne Partner aus der Wirtschaft ist kein Profifußball möglich, das gab es noch in den Siebzigern. Ich freue mich, dass maßgebliche Vertreter der so starken ostwestfälischen Wirtschaft spät, aber nicht zu spät, den Wert der Marke "Arminia" erkannt haben. Sie dürfen nicht wieder enttäuscht werden, und daher muss der Verein zukünftig einfach professioneller aufgestellt werden. Ich bin gespannt, wie Samir Arabis Arbeit zukünftig aussehen wird, wenn er Wunschspielern bessere Angebote machen kann. Fakt ist, dass, Stand heute, Arminia sportlich weitaus besser dasteht als wirtschaftlich, und das ist sein Verdienst.

Perspektive

Endlich eine Perspektive, so könnte man sagen. Tatsächlich ist es wohl auch die fast einzige Möglichkeit, um die Situation des Vereins zu verändern. Im letzten Jahr stand man unmittelbar vor dem Abstieg und dieser hätte die Insolvenz zur Folge gehabt. Was wiederum einen Totalverlust für alle Gläubiger bedeutet hätte. Dieses Szenario droht in der momentanen finanziellen Lage permanent. Die Konkurrenz innerhalb der Liga hat diese Nachteile nicht und ist daher deutlich im Vorteil, wenn es um Verstärkungen für die Mannschaft geht. Ein Abstieg aus der Liga droht daher unter den genannten Bedingungen in jeder Saison. Beenden kann man diesen Ritt auf der Rasierklinge wohl nur durch den geplanten Schuldenschnitt. Der DSC hat nun über etliche Jahre versucht, die Schulden aus eigener Kraft zu tilgen, doch das Ergebnis ist das beschriebene Leben von der Hand in den Mund. Es wäre fahrlässig - auch in Verantwortung gegenüber der Gläubiger - dieses Hochrisikospiel einfach weiter fortzuführen. Ein Scheitern ist inzwischen wesentlich wahrscheinlicher, als eine Sanierung. Dieser Weg muss also verlassen werden. Natürlich werden viele Menschen - gerade die Nichtfußballer in der Stadt - sich am Einsatz von Steuergeldern stören. Völlig zu Recht. Doch Arminia ist auch ein großer Gewinn für die Stadt. Kostenloses Stadtmarketing (PR-Maßnahmen zur Stadtimagepflege sind ansonsten sehr teuer zu bezahlen), Gewerbesteuereinnahmen (direkt vom DSC und auch indirekt über Umsätze die an Heimspieltagen durch Gastronomie, Hotelgewerbe usw.), Lohnsteueraufkommen (wird zwar an das Land NRW abgeführt, aber diese Summen fließen teilweise auch an die Stadt Bielefeld zurück). Außerdem ist Arminia ein Arbeitgeber mit ca. 120 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. 120 Arbeitsplätze also, die sonst in der Stadt verloren gehen würden - vom Platzwart, über Fanshopmitarbeiter, die Angestellten in der Verwaltung, Fanbeauftragte und den Spielerkader mit allen dort Beschäftigten. Die noch ausstehenden Beträge, die von der Stadt gestundet wurden, wären im Falle einer Insolvenz komplett verloren. Nun aber besteht die berechtigte Hoffnung, dass diese Beträge in den kommenden Jahren endlich getilgt werden können. Zum Schluss sei der Hinweis gestattet, dass viele Freizeitangebote für die Bürger dieser Stadt durch Steuergelder gefördert werden müssen. Der Tierpark, die Museen, die Kunsthalle, das Theater, die Schwimmbäder, die Bibliothek usw. alle benötigen Unterstützung durch Steuergelder und zwar dauerhaft und in jedem Jahr in Millionenhöhe. Der DSC ist auch so ein Freizeitangebot, zugegebenermaßen ein Privatunternehmen. Eine dauerhafte Unterstützung würde ich nicht als zulässig ansehen, aber in dieser besonderen Situation, in der erstmals tatsächlich ein totaler Paradigmenwechsel erfolgen soll, darf man die notwendige Unterstützung nicht verwehren. Zum Schluss noch eine Frage: wer trägt mehr Schuld an einer Überschuldung - derjenige der das Geld ausgegeben hat oder diejenigen die ihm das Geld geliehen haben ohne sich über die Rückzahlung zu informieren? Vielleicht hätten die Banken damals dem Herrn Kentsch keinen Kredit in dieser Höhe geben dürfen. Vielleicht hätten sie ihn darauf hinweisen müssen, dass seine Hoffnung auf eine dauerhafte Erstligazugehörigkeit zu wage ist. Aber die Verdienstmöglichkeit mit sehr hohen Zinsen, die ja auf dem hohen Risiko beruhen, dieses Geschäft wollten die Banken damals gern machen. Vielleicht haben also mehrere Parteien die Verantwortung für diese Situation.

Arminia muss leben!!!

Ich wünsche dem Verein Arminia Bielefeld von Herzen das die Pläne zur finanziellen Rettung , sowie die Rückrunde aus sportlicher Sicht gelingen!
Arminia ist DER Werbeträger Ostwestfalens, und wird zum Beispiel hier im Rheinland als Traditionsverein positiv wahrgenommen!
Dies habe ich selbst erlebt, als ich hier in verschiedenen Lokalen Spiele auf Sky angeschaut habe. Öfters wurde ich gefragt ob es Bielefeld überhaubt gibt, da habe ich geantwortet: Das gibts- und wie! :-) Aber unsere Arminia kennen Sie alle ;-)
______________________ARMINIA MUSS LEBEN!!!!!_________________________________

4 Kommentare

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