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Di., 17.07.2018

DSC-Trainer über die Neuzugänge, das Saisonziel und die Kapitänsfrage – mit Video Saibene: »Im Sturm entsteht ein Luxusproblem«

Noch knapp drei Wochen, dann ertönt für Trainer Jeff Saibene und die Arminen der Anpfiff zur neuen Zweitligasaison.

Noch knapp drei Wochen, dann ertönt für Trainer Jeff Saibene und die Arminen der Anpfiff zur neuen Zweitligasaison. Foto: Thomas F. Starke

Von Jens Brinkmeier

Kaprun (WB). Als Tabellenvierter der Vorsaison wird Arminia Bielefeld automatisch dem erweiterten Kreis der Aufstiegsaspiranten zugeordnet. Über das Saisonziel des Fußball-Zweitligisten, die große Konkurrenz im Angriff und die Erkenntnisse der Weltmeisterschaft spricht DSC-Trainer Jeff Saibene im großen Interview.

Aus aktuellem Anlass direkt eine Frage zur WM: Ist Frankreich der verdiente Weltmeister?

Jeff Saibene: Es gab ja durchaus Kritik an der Spielweise und am Fair-Play-Verhalten der Franzosen, so gesehen gab es sicher schon beliebtere Weltmeister. Aber wenn man am Ende oben steht, hat man es auch verdient. Ich muss zugeben, dass ich am Schluss ein bisschen die Lust an der WM verloren habe. Aber 85 bis 90 Prozent der Spiele habe ich mir angesehen.

Welches sind in sportlicher Hinsicht die zentralen Erkenntnisse dieser WM?

Saibene: Dass vieles über ruhende Bälle läuft. Dass alle Mannschaften sehr gut verteidigen, weil es aber auch das Einfachste ist. Und dass alle Mannschaften immer größere Schwierigkeiten haben, offensive Lösungen zu finden. In der Hauptsache geht es um gute Organisation, schnelles Umschalten und Standards.

Sind Sie mit dem Stand der Vorbereitung Ihrer Mannschaft – auch mit Blick auf die jüngsten Testspielniederlagen gegen FK Jablonec (0:1) und Dynamo Moskau (1:4) – zufrieden?

Saibene: Man schaut in der Vorbereitung nicht so sehr auf die Resultate, auch wenn man lieber gewinnt als verliert. Moskau ist schon ein Kaliber. Am Schluss stießen physisch einige an ihre Grenze. Gegen Ende müde zu werden, ist nach zwei Trainingswochen absolut normal. Aber insgesamt sind wir im Soll. Wir haben noch fast drei Wochen Zeit, bis es losgeht. Ich bin zufrieden. Fast alle sind fit. Bei Stürmer Nils Quaschner hatten wir nach seiner langen Pause infolge der Knieverletzung gehofft, dass er schon weiter sein würde, das tut mir sehr leid für ihn.

Wie klappt die Integration der Neuzugänge?

Saibene: Ich bin mit allen zufrieden. Jeder von ihnen kann die Mannschaft weiterbringen. Aber man kann nach zweieinhalb Wochen keine Wunder erwarten. Von der Taktik her werden wir nicht so viel ändern. Es geht jetzt darum, die richtige Mischung zu finden. Wir haben einige Positionen doppelt besetzt und werden jetzt schauen, wer sich behauptet. Das war genau so gewollt.

Sind noch weitere Verpflichtungen geplant?

Saibene: Ich denke nicht, wir sind jedenfalls nicht direkt auf der Suche. Aber man soll nie nie sagen. Im Moment probieren wir manches aus. Zum Beispiel in der Abwehr, wo wir junge Spieler testen. Da möchten wir zunächst die weitere Entwicklung abwarten.

Es fällt auf, dass Sie speziell das erst 18-Jährige Eigengewächs Can Özkan immer wieder an die Hand nehmen.

Saibene: Ihn weiterzubringen, ist eines unserer Ziele. Im Profifußball gibt es aber keine Geschenke und keine Gefühle. Irgendwann kommt der Moment, in dem es heißt: ja oder nein. Am Schluss zählen die Resultate, ist der Trainer verantwortlich, muss man auf die Spieler zählen können. Sonst muss man andere Lösungen suchen. Damit meine ich aber nicht Can alleine. Das ist im Fußball immer und überall so.

Wer hat derzeit im Angriff die Nase vorn?

Saibene: Bei Fabian Klos und Andreas Voglsammer weiß man, was man hat. Das ist ein bewährtes Duo, das gut harmoniert. Nicht zuletzt deshalb würden diese zwei auch spielen, wenn die Saison morgen losgehen würde. Aber es sind in Sven Schipplock und Prince Osei Owusu zwei Stürmer dazugekommen, die einen sehr guten Eindruck machen, den Konkurrenzkampf anheizen und es sehr spannend machen werden. Dadurch entsteht ein gewisses Luxusproblem.

Der Vertrag von Fabian Klos läuft im Juni 2019 aus. Spricht etwas dagegen, vorzeitig mit ihm zu verlängern?

Saibene: Fabi und ich mussten uns lange kennenlernen. Jetzt kennen wir uns richtig, und wir haben einander schätzen gelernt. Er ist ein – und das meine ich nicht negativ – spezieller Typ. Ich finde ihn richtig gut, auch als Persönlichkeit. Er hat eine tolle Entwicklung hinter sich. Ich bin sehr froh, dass er da ist. Im Fußball weiß man nie, was passiert, aber Fabi gehört nach Bielefeld. Ich glaube schon, dass man eine Lösung finden wird.

Gehen Sie davon aus, dass der umworbene Andreas Voglsammer bleiben wird?

Saibene: Ja, aber der englische Markt kommt erst noch in die Gänge. Weil er dort vom Spielertyp her gut hinpassen würde und England sein großer Traum ist, steht hinter seinem Namen noch ein kleines Fragezeichen. Doch es ist auf keinen Fall unser Ziel, Vogi loszuwerden – im Gegenteil.

Wie beurteilen Sie Roberto Massimos Entwicklung?

Saibene: Seine Ausgangslage hat sich verändert. Er ist nicht mehr der Massimo, den keiner kannte und von dem alle begeistert waren, egal was er gemacht hat. Wir haben ihn für viel Geld nach Stuttgart verkauft, vielleicht ist er in Deutschland sogar der teuerste Spieler, den es in seinem Alter je gab. Dank des Leihvertrages, den wir mit dem VfB vereinbart haben, kann er sich noch zwei Jahre lang bei uns weiterentwickeln. Aber die Erwartungen an ihn sind nun andere. Wir müssen gut aufpassen, ihn nicht zu verheizen. Und wir müssen mit Rückschlägen rechnen. Er ist immer noch erst 17 Jahre alt. Zudem hat Roberto mit Joan Simun Edmundsson einen super Konkurrenten bekommen.

Wer geht als Kapitän in die neue Saison?

Saibene: Julian Börner war in der letzten Saison Kapitän, Fabian Klos sein Stellvertreter – ich sehe keinen Grund, daran etwas zu ändern und gehe davon aus, dass es in dieser Konstellation weitergehen wird.

Ist der vierte Platz der Vorsaison im Hinblick auf die neue Serie eine Hypothek?

Saibene: Ich habe die Bielefelder beziehungsweise Ostwestfalen als realistisches Völkchen kennengelernt. So ein vierter Platz weckt natürlich gewisse Ansprüche, aber ich denke, jeder kann unsere Lage richtig einschätzen. Für mich ist ein Platz unter den ersten Zehn ein hohes, aber durchaus realistisches Ziel.

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