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Mo., 30.07.2018

Zwei Duelle um die Startelfplätze sind bei Arminia besonders spannend Wer macht das Rennen?

Stephan Salger (rechts, gegen Martin Harnik) spielte gegen Bremen von Beginn an. Ein Indiz für den Saisonstart?

Stephan Salger (rechts, gegen Martin Harnik) spielte gegen Bremen von Beginn an. Ein Indiz für den Saisonstart? Foto: Thomas F. Starke

Von Jens Brinkmeier

Bielefeld (WB). Neun Testspiele hat Arminia Bielefeld absolviert, das letzte am Freitagabend gegen Werder Bremen. Das 0:1 (0:1) gegen den Erstligisten war die vierte Niederlage, fünf Partien gewann der DSC. Doch das alles ist am kommenden Sonntag ab 15.30 Uhr Makulatur. Mit der Partie beim 1. FC Heidenheim startet Arminia in die neue Zweitligasaison.

Vor dem Auftakt sind die meisten Positionen in der Bielefelder Startelf fest vergeben, über einige muss sich Trainer Jeff Saibene noch Gedanken machen. Ein Blick auf die Mannschaftsteile:

Tor

Hier ist die Sache klarer als klar. Stefan Ortega Moreno ist die Nummer eins. Der 25-Jährige hat in der Saison 2017/18 insgesamt herausragend gehalten, Fehler kamen fast nicht vor. Natürlich bleibt der gebürtige Caldener im Tor, auch wenn mit der neuen Nummer zwei, Philipp Klewin (24), der Druck ein wenig erhöht wurde.

Klewin kommt mit der Erfahrung von 177 Drittligaspielen von Rot-Weiß Erfurt zum DSC. Der bisherige Ersatztorwart Nikolai Rehnen (21) wurde an Drittligist Fortuna Köln ausgeliehen, um Spielpraxis zu sammeln. Im Auftaktspiel der Fortunen am Samstag gegen Preußen Münster stand Rehnen in der Startelf, sein Debüt ging allerdings daneben (1:4).

Abwehr

Der Chef der Viererkette ist und bleibt Kapitän Julian Börner. Allerdings ist der Platz neben dem 27-Jährigen vakant. Das Duell heißt Brian Behrendt (26) gegen Stephan Salger (28).

In der vergangenen Saison hatte sich Behrendt einen Stammplatz erkämpft und starke Leistungen gezeigt. Ein Innenbandriss stoppte ihn Anfang April, so dass er die letzten sechs Partien verpasste. Salger – im Winter fast schon aussortiert – kam zurück und spielte so zuverlässig, dass sein auslaufender Vertrag sogar noch mal verlängert wurde.

Bei der Generalprobe gegen Bremen spielte Salger neben Börner, doch Saibene sagte nach der Partie am Freitagabend: »Die Aufstellung verrät noch nicht viel für Heidenheim. Es sind noch einige Positionen offen. Brian ist natürlich immer ein Thema.«

Die Trainingswoche wird entscheiden, wer den Vorzug erhält. Und auch Saibenes Bauchgefühl dürfte eine Rolle spielen. Klar ist die Situation auf den Außenbahnen. Links ist Florian Hartherz (25) gesetzt, rechts beginnt Neuzugang Cédric Brunner (24) als Nachfolger von Florian Dick (33, zurück zum 1. FC Kaiserslautern).

Defensives Mittelfeld

An Manuel Prietl (26) führt kein Weg vorbei, der laufstärkste Spieler der Vorsaison ist gesetzt. Um den zweiten Sechser-Platz streiten sich Routinier Tom Schütz (30) und Neuzugang Nils Seufert (21, aus Kaiserslautern gekommen). Max Christiansen (21, aus Ingolstadt) ist derzeit noch keine Alternative für die Startelf.

Schütz hatte gegen Bremen 62 Minuten auf der Bank gesessen, nachdem er zwei Tage zuvor im Test beim Oberligisten FC Gütersloh (5:1) in einer B-Elf aufgelaufen war. Das hatte ihm wie berichtet nicht gefallen. Saibene weiß aber natürlich, was er an Schütz hat.

Und gerade die Standards des DSC-Urgesteins (seit 2011 im Verein) sind eigentlich unverzichtbar. Es wäre schon etwas überraschend, wenn Seufert in Heidenheim für Schütz beginnen würde.

Offensives Mittelfeld

Auf den Außenbahnen streiten sich vier Spieler um zwei Plätze. Gegen Bremen begann Keanu Staude (21) links und Roberto Massimo (17) rechts. Massimo wurde mit Beginn der zweiten Halbzeit durch Patrick Weihrauch (24) ersetzt, für Staude kam in der 78. Minute Sören Brandy (33), der eigentlich Stürmer ist.

Jóan Símun Edmundsson (27) wäre die logische Alternative gewesen, aber der Nationalspieler der Färöer-Inseln plagte sich mit muskulären Problemen herum. Heute Nachmittag (15 Uhr) soll der Neuzugang aus Odense wieder ins Training einsteigen.

»Wenn er die Woche über normal mittrainiert, kann er für Heidenheim eine Alternative sein«, sagte Saibene am Freitag über Edmundsson. Stand jetzt dürften Staude und Massimo die Nase vorn haben.

Sturm

Hier deutet alles darauf hin, dass das bewährte Duo der Vorsaison – Fabian Klos (30) und Andreas Voglsammer (26) – in Heidenheim die Doppelspitze bilden wird. Die beiden Neuzugänge Sven Schipplock (29) und Prince Osei Owusu (21) stehen derzeit dahinter.

Besonders Owusu scharrt aber mit den Hufen und deutete in den Testspielen an, dass mit ihm zu rechnen ist. Der vom Regionalligisten 1899 Hoffenheim II zum DSC gestoßene Modellathlet traf in der Vorbereitung immerhin fünf Mal.

Saibene weiß, dass es nicht nur im Angriff Härtefälle geben wird. »Jeder, der einen Vertrag unterschreibt, weiß, dass er nicht immer spielen kann. Damit müssen alle umgehen. Der Teamgedanke ist mir extrem wichtig, darüber habe ich mit den Jungs auch schon gesprochen«, erklärte der Luxemburger.

Heißt im Klartext: Wer einen Egotrip fährt, hat schlechte Karten. Die Arminen werden auch in der neuen Saison nur als Kollektiv erfolgreich sein.

Kommentare

Besser

Ich meine, das wir in der Breite besser aufgestellt sind als in der letzten Saison. Die Mannschaft wird ihre Punkte holen. Aber eins bleibt auch in dieser Saison gültig, jeder schlägt jeden. Also wieder Spannung pur. Hoffentlich am Ende nicht für Arminia.

Ich halte eine Saison-Prognose für äußerst schwierig. Die Vorbereitung war durchwachsen, sie verkorkst zu nennen, wäre zu hart. Ich kann mich jedenfalls nicht an eine Vorbereitungsphase mit 4 Niederlagen erinnern. Dazu kommt die Schwierigkeit, die letzte Saison richtig einzuordnen. Eine gebührenpflichtige Phrase im Fußball besagt, dass eine Tabelle nach 34 Spieltagen nicht lügt. Das ist zwar richtig, aber wir sollten einsehen, dass wir die ganze Saison von einem Traumstart mit zum Teil glücklichen 9 Punkten profitiert haben. Diesen Vorsprung auf den 1. Abstiegsplatz haben wir bis zum Schluss verteidigt und konstant gehalten. Auf der anderen Seite war die Ausgeglichenheit in der Liga, was die Punkteausbeute anbelangt, historisch. Sie war zu großen Teilen auch dem Zufall geschuldet und dürfte sich so kaum wiederholen. Arminia hat unfassbar viele Punkte in den Schlussminuten erzielt, und Andreas Voglsammer, ein Spieler, der auch schon eine Saison torlos abgeschlossen hat, erzielte 13 Tore. Ob sich drei für uns so extrem günstige Faktoren erneut ergeben, weiß kein Mensch.

Wichtig wird erneut ein guter Start sein, das Anfangsprogramm kann aber auch bedeuten, dass wir ersten 3 Spiele verlieren. Ebenso wichtig wird sein, dass die Mannschaft nach hinten gut arbeitet (wie gegen Bremen) und Börner seine Serie von Leichtsinnsfehlern, die er bereits in der letzten Generalprobe gegen Norwich City startete, gar nicht erst beginnt. Das Spiel gegen Bremen hat aber auch gezeigt, wie man gegen Arminia auf der Alm spielen muss. Pressen, frühes Anlaufen, dann wird Ortega der Mann mit den meisten Ballkontakten. Die Bälle werden lang gespielt, weil man sich spielerisch nicht befreien kann. Die Bälle kommen entweder nicht an, oder auffällige viele technische Fehler und Ungenauigkeiten führten zu schnellen Ballverkusten. Auch gegen Moskau habe ich kaum Angriffe gesehen, wo der Ball spielerisch nach vorn getragen wurde. Aber Bremen und Moskau sind natürlich andere Kaliber, trotzdem sind Träume vom Aufstieg ein wenig verrückt. Sollte es wider Erwarten zu einem Aufstieg kommen, muss man ihn selbstverständlich mitnehmen und die Fehler vieler anderer Vereine in ähnlicher Situation vermeiden (PB, Fürth, BS, D). Am schlimmsten sind Ausstiegsklauseln, um gute Spieler zu bekommen. Ich würde ausschließlich auf Spieler setzen, die auch im Abstiegsfall bleiben würden.

Wenn Arminia jemals wieder in der 1. Liga spielt, dann nach einem eher unerwarteten Aufstieg. Planen wird man das in Bielefeld nicht können. Das kann vielleicht der 1. FC Köln, selbst beim HSV bin ich eher skeptisch.

Mein Tipp: Zwischen Platz 5 und 16 ist alles drin, Platz 9 wäre sensationell.

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