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Sa., 01.09.2018

2. Liga: DSC siegt glücklich gegen Regensburg 5:3 – Arminia gewinnt beim Tag der offenen Tore

Fabian Klos trifft in der 89. Minute zum 4:3 für die Arminen.

Fabian Klos trifft in der 89. Minute zum 4:3 für die Arminen. Foto: Thomas F. Starke

Von Dirk Schuster

Bielefeld (WB). Arminia Bielefeld hat sich mit einem Sieg über Jahn Regensburg vor der ersten Länderspielpause der noch jungen Zweitligasaison ein kleines Polster angefuttert. Der DSC besiegte in einem verrückten Fußballspiel den SSV Jahn Regensburg auf der Alm mit 5:3 (3:2).

Nicht einmal drei Minuten waren gespielt , da lagen die Gäste schon in Führung. Marco Grüttner drehte sich nach einem hohen Anspiel um die eigene Achse und um Julian Börner. Der Regensburger ließ den Arminen alt aussehen, als er den Ball im Fallen als Aufsetzer ins Tor bugsierte.

Doch Arminia und Börner fanden die passende Antwort: Nach einer Ecke von Joan Simun Edmundsson konnte der aufgerückte Abwehrboss per Kopf zum 1:1 ausgleichen (8.).

Und es kam noch besser: Nach einer Hereingabe des neuen Rechtsverteidigers Jonathan Clauss machte Andreas Voglsammer das Bein lang und lenkte den Ball zum 2:1 für den DSC in die Maschen (17.).

Clauss war in die Startelf gerückt , weil Tom Schütz sich am Vortag im Training einen Nasenbeinbruch zugezogen hatte und verletzt pausieren musste.

Anfällige DSC-Abwehr

Wer glaubte, der Gastgeber sei nach dem Führungstreffer nun in der Spur, sah sich getäuscht. In der Abwehr blieben die Arminen anfällig, was die Bayern ausnutzten. Jann George war derjenige, der einen flachen Flankenball per Kopf zum 2:2 über die Linie drückte (26.).

Zwei Minuten später traf dann schon wieder ein Regensburger ins Tor – allerdings ins eigene. Benedikt Saller wollte den ebenso hohen wie harmlosen Ball des Bielefelders Manuel Prietl per Kopf zu seinem Torwart zurückspielen. Saller übersah jedoch, dass Keeper Philipp Pentke längst herausgekommen war, um selbst die Kugel aufzunehmen. So trudelte der Ball im Zeitlupentempo am verdutzten Schlussmann vorbei ins Netz (28.).

Erst jetzt beruhigte sich die bis dahin vogelwilde Partie ein wenig. Arminia ging mit dem knappen Vorsprung in die Pause.

Für die Trainer muss der erste Durchgang angesichts der enormen Fehlerquote auf beiden Seiten eine Qual gewesen sein – für die Zuschauer war der anarchische Schlagabtausch die reine Freude.

Fünf Treffer in einer Halbzeit hatte es in einem Punktspiel mit Bielefelder Beteiligung zuletzt im September 2007 gegeben. Damals lagen die Ostwestfalen unter der Leitung von Coach Ernst Middendorp im Bundesligaspiel bei Werder Bremen zur Pause 1:4 zurück – Endstand 1:8.

Sechstes Tor nach Wiederanpfiff

Kurz nach dem Wiederbeginn fiel auf der Alm dann der sechste Treffer. Grüttner glich nach einer Unordnung in Arminias Abwehrzentrum zum 3:3 aus (52.). Der Jahn-Stürmer hatte wenig später sogar das erneute Führungstor für die Gäste auf dem Fuß, DSC-Keeper Stefan Ortega Moreno aber verhinderte Schlimmeres. Der Dank seiner an diesem Tag völlig indisponierten Vorderleute war dem Schlussmann sicher. Auf der anderen Seite traf Armine Nils Seufert per Freistoß nur die Latte (63.).

Der DSC blieb bis zum Abpfiff hinten anfällig. Sargis Adamyan scheiterte am aufmerksam Ortega Moreno (73.). DSC-Trainer Jeff Saibene setzte in der Schlussphase auf Sturm-Neuzugang Prince Osei Owusu (kam für Voglsammer).

Der entscheidende Impuls ging dann von Joan Simun Edmundsson aus. Arminias Angreifer Fabian Klos wuchtete in der 89. Minute eine Flanke des Färingers per Kopf zum 4:3 in die Maschen. Patrick Weihrauch ließ in der vierten Minute der Nachspielzeit sogar noch das 5:3 folgen. Die Fans standen Kopf. Es war der passende Schlussgong.

Arminia: Ortega Moreno - Clauss, Behrendt, Börner, Hartherz - Edmundsson, Seufert, Prietl, Staude (61. Weihrauch) - Klos (90.+1 Salger), Voglsammer (66. Owusu)

Regensburg: Pentke - Saller, Sörensen, Föhrenbach, Nandzik (89. Al Ghaddioui) - George (82. Nietfeld), Geipl, Lais, Freis (78. Stolze) - Adamyan, Grüttner

Schiedsrichter: Schröder (Hannover)

Zuschauer: 15.388

Tore: 0:1 Grüttner (3.), 1:1 Börner (8.), 2:1 Voglsammer (17.), 2:2 George (26.), 3:2 Saller (28., Eigentor), 3:3 Grüttner (52.), 4:3 Klos (89.), 5:3 Weihrauch (90.+4)

Gelbe Karten: Hartherz, Klos, Edmundsson / Geipl, Sörensen

 

Kommentare

Je ausgeglichener die Mannschaften einer Liga besetzt sind, desto mehr übernimmt der Zufall die Regie. Das mag für die Protagonisten, die zurzeit die unterhaltsame Nachher-weiß-man-alles-besser-Sendung Doppelpass bestreiten, eine deprimierende Erkenntnis sein. Das Leistungsvermögen einer Mannschaft ist sicherlich noch immer der entscheidende Faktor für den Erfolg. Wenn man Bayern München heißt. Wir bewegen uns von den Möglichkeiten eher im "Grundrauschen" der 2. Liga. Wenn man ein Experiment wagen würde und exakt dieselben Vereine mit exakt denselben Besetzungen erneut die Spiele bestreiten lassen würde, ergäbe sich (fast sicher) ein völlig anderes Tabellenbild bis hin zu einem möglichen Aufstieg von Eintracht Braunschwein, die zurzeit das Tabellenende der 3. Liga zieren. Eine Prognose von Fachleuten, die vor der letzten Saison abgegeben wurde und im Internet nachzulesen ist, bestätigt diese These. Sie hatte mit dem tatsächlichen Ausgang der Saison nichts zu tun, nicht einmal annähernd. Kein Aufsteiger und kein Absteiger wurde richtig getippt, selbst Tendenzen im Mittelfeld der Tabelle wurden falsch eingeschätzt. Bayern München als Meister tippen kann eben jeder, danach wird es schwierig. Ich behaupte, es ist nahezu unmöglich, weil Tipico sonst nicht existieren würde. Warum schreibe ich das, gerade unter dem Eindruck des letzten Heimspiels ? Weil es allein der Zufall war, der uns zum Sieg verholfen hat. Wir haben uns in einem Heimspiel auf einen offenen Schlagaustausch eingelassen. Bei aller Freude über das unterhaltsame Spiel müssen wir aufpassen. Wie kann ich mich gegen den Zufall zur Wehr setzten ? Wenn ich Auto fahre, sage ich mir vor jeder Fahrt, wie gefährlich eine Autofahrt ist. Ich setze auf Grundtugenden, fahre vorausschauend und erhöhe die Wahrscheinlicheit, dass ich unbeschadet mein Ziel erreiche. Übertragen auf den Fußball versuche ich, die von mir zu beeinflussenden Parameter positiv zu gestalten. Ich erbaue ein Fundament mit charakterlich einwandfreien Spielern, strebe ein organisiertes Spiel an und erhöhe auf diese Weise die Wahrscheinlichkeit für einen Sieg, auch wenn das noch keine Garantie für Erfolg ist. Wobei ich überzeugt bin, dass wir ganz oft gefeierten Erfolg beobachten, der auf puren Zufall zurückzuführen ist, in allen Teilen der Gesellschaft.

Auf Arminia zurückkommend, kann ich nur warnen: bei aller Freude über die Offensiv-Power halte ich Börner als Abwehrchef in dieser Verfassung für einen Spieler, der das Erreichen der Ziele hochgradig gefährdet und damit untragbar ist. Bezeichnung eine Szene in der zweiten Halbzeit, die mich fatal an eine Situation in Düsseldorf erinnert hat. Er geht als nahezu letzter Mann völlig unnötig in ein 1:1-Dribbling und zockt. Er scheint einfach nicht einsehen zu wollen, dass dieser ewige Drang zum Leichtsinn inakzeptabel und gefährlich ist. Normalerweise sollte man annehmen, dass ein Spieler, der im gesamten Spiel ein Unsicherheitsfaktor ist, auf solche Situationen verzichtet. Nicht so Börni.

Quintessenz des Spiels bleibt die Erkenntnis, dass wir ein Spiel, in dem uns gnadenlos die Schwächen vor Augen geführt wurden, gewonnen haben. Eine komfortable Situation, in der wir die Lehren aus dem Spiel ziehen können, zumal jetzt 2 Wochen Zeit bleiben, Änderungen vorzunehmen, bis hin zu personellen Änderungen in der Innerverteidigung (Salger).

So geht's....

Als Jeff angetreten ist, hat er uns von seiner Art spielen zu lassen erzählt. Offensiv, lieber bei einem Unentschieden kurz vor Schluss noch mal alles für den Sieg investieren und den sicheren 1 Punkt riskieren. Da hat man Gedacht, wie soll das denn mit dieser Truppe gehen? Aber mein Fazit nach diesem Wochenende ist "jetzt geht es". Es könnte noch eine sehr interessante Saison mit fantastischen Siegen und unnötigen Punktverlusten werden. Aber am Ende wird es sich auszahlen.
Die Mannschaft wurde für dieses System zusammengestellt. Die neuen überzeugen, die alten machen weiter mit.
Ich freue mich auf den Rest der Saison. Bitte weiter so!!!

Alarm!

Die Abwehr war doch schon in der letzten Saison so löcherig wie ein Schweizer Käse - dann ging auch noch Weigelt, aber nachgerüstet wurde jetzt erst auf den letzten Drücker,. Nun stimmt es zwar quantitativ einigermaßen hinten, aber der unglaubliche Dilettantismus der letzten zwei Spiele ist schon erschreckend: 6 Gegentore sind die Folge! Liegt es am verordneten System, an der Qualität der Spieler oder an beidem? Wenn hier nicht ganz schnell Besserung eintritt, werden wir noch manches blaue Wunder erleben. Dann gibt es bei jedem selbst erzielten Tor zwei Gegentore .... Herr Saibene! Handeln Sie!

Abwehrarbeit Kreisklasse

Wenn es immer so wäre, dass man mehr Tore schießt, als man kassiert, wäre es gut. Damit ist allerdings nicht zu rechnen. Obwohl mir Clauss hinsichtlich seines fußballerischen Vermögens gut gefällt, zeigte sich die rechte Seite mehrfach offen wie ein Scheunentor. Dass dort der gegnerische Stürmer völlig unbedrängt den Ball annehmen und nach innen flanken kann, ist völlig inakzeptabel. Dazu zeigte sich Börner einmal mehr völlig indispuniert. Armina wäre fast mit den eigenen Waffen geschlagen worden. Dass es anders gekommen ist, war glücklichen Umständen geschuldet. Gut, dass jetzt zwei Wochen Zeit sind, an den Schwächen zu arbeiten .

Niveaulos

Da muss sich der Jeff mal langsam was einfallen lassen. Mit solch einer Defensive ist es vielleicht möglich in der Schweiz zu bestehen, mir Sicherheit aber nicht in der deutschen 2. Liga. Vollkommen falsche Prioritäten( Angriff statt Abwehr wurde aufgerüstet) auf dem Transfermarkt haben sich heute deutlich offenbart.

5 Kommentare

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