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Mo., 01.10.2018

Schiri Siebert hat einen schlechten Tag, die Arminia nicht ihren besten Nicht am Limit

Selten einer Meinung: die Arminen Börner, Salger, Seufert, Edmundsson, Klos und Hartherz (von links) sowie Schiri Siebert.

Selten einer Meinung: die Arminen Börner, Salger, Seufert, Edmundsson, Klos und Hartherz (von links) sowie Schiri Siebert. Foto: Thomas F. Starke

Von Dirk Schuster

Bielefeld (WB). Es muss schon viel zusammenkommen, um diesen 1. FC Köln in die Knie zu zwingen. Am Freitag war das nicht der Fall. Darum verlor Arminia mit 1:3. Das mag aus Bielefelder Sicht bitter sein, ein Beinbruch ist es nicht.

Bitter vor allem deshalb, weil Schiedsrichter Daniel Siebert (Berlin) an diesem heißen Fußballabend auf der Alm mit der ansprechenden Leistung beider Mannschaften nicht Schritt halten konnte.

Nicht nur, dass der 34-Jährige auf der Zielgeraden der ersten Halbzeit den Arminen einen Handelfmeter verweigerte. Beim Treffer zum 0:2 übersah er auch noch eine – allerdings hauchzarte – Abseitsstellung des Kölner Torvorbereiters Dominick Drexler.

Spielglück nicht hold

»Um so einen Gegner zu bezwingen, muss alles stimmen. Das war heute leider nicht der Fall«, sagte Arminia-Coach Jeff Saibene. Und zielte damit nicht nur auf den Schiedsrichter ab. Köln hätte einen gebrauchten Tag erwischen müssen, Arminia einen außergewöhnlich starken, um den FC zu packen. Köln aber spielte gut. Die Arminia im Rahmen ihrer Möglichkeiten zwar schon auch, aber eben nicht mehr als das.

Zudem war den Ostwestfalen diesmal das Spielglück nicht hold. Womöglich hatten sie es bereits drei Tage zuvor in Darmstadt (2:1 in den letzten Minuten) aufgebraucht. Womöglich ist es aber auch nur so, dass die Arminen vom bisherigen Überflieger Köln gar nicht so furchtbar weit, aber eben doch noch ein Stück entfernt sind. Sogar dem anderen Bundesligaabsteiger Hamburg waren die Bielefelder im August trotz des deutlichen 0:3 in vielen Belangen ebenbürtig, und auch allen anderen Teams begegnete der DSC bisher auf Augenhöhe – mindestens.

»Robust und kopfballstark«

Ein bisschen hatten die Ostwestfalen ja gehofft, die Kölner Abwehr würde ihnen das eine oder andere Schlupfloch bieten. Doch die Viererkette um den riesigen Lasse Sobiech (1,96 Meter) stand so sicher, dass die Arminen sich keine klare Torchance herausspielten. »Köln hat extrem gut verteidigt, war«, lobte Saibene den Gegner.

Zwar kochten nach Keanu Staudes sehenswertem Anschlusstor zum 1:2 (85.) die Emotionen hoch. Doch Köln behielt die Nerven und machte in Person des eingewechselten Jhon Cordoba an die Sache einen Haken (90.+5).

Und weil die Ostwestfalen entgegen ihrer Pläne auch die Zuspiele auf FC-Torjäger Simon Terodde nicht zu unterbinden verstanden, schlug der beste Zweitligastürmer gleich zweimal zu (45.+1, 70.). Sehr zum Verdruss von Arminia-Angreifer Andreas Voglsammer: »Terodde hält einmal den Kopf und einmal den Fuß hin. Wenn wir in der Ordnung sind, passiert das nicht. Aber wir waren zweimal nicht achtsam genug, waren mit dem Kopf nicht bei der Sache, das müssen wir uns vorwerfen lassen. Das entscheidet das Spiel und nichts anderes.«

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Beim zweiten Gegentor hänge ich komplett mit drin.

Stephan Salger

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Stephan Salger fühlte sich offenbar angesprochen von der Kritik seines Kollegen. »Nicht alle von uns haben am Limit gespielt. Das musst du gegen den FC aber. Beim zweiten Gegentor hänge ich komplett mit drin.«

Abgesehen von besagten Abwehr-Aussetzern befand Voglsammer Arminias Leistung für »gut. Wir waren auf Augenhöhe.« Das kann man so sehen, muss man aber nicht. Köln wirkte reifer, war ruhiger am Ball und verstand es, sich aus kniffligen Situationen spielerisch zu befreien. »Köln hat gut gespielt, sehr passsicher. Sie waren effektiver als wir«, bilanzierte Keanu Staude. Vielleicht beurteilte er die Partie auch deshalb anders als Voglsammer, weil dem Joker die Distanz der Ersatzbank half, die Angelegenheit nüchterner einzuordnen. Staude betrat das Feld erst in der 60. Minute.

Salger nannte die Niederlage »teilweise verdient«. Doch nicht zuletzt aufgrund der Schiedsrichterleistung »war es extrem schwer, dieses Spiel zu gewinnen. Ich finde, dass er sehr, sehr schlecht gepfiffen hat.«

Saibene und auch Voglsammer monierten, dass die Zahl der krassen Fehlentscheidungen zu Ungunsten der Arminia zuletzt rapide zugenommen habe. Dass der Schiedsrichterbeobachter sich schon in der Halbzeit beim DSC für den nicht gegebenen Handelfmeter entschuldigt hat, mag als erster Schritt zur Besserung gewertet werden.

Kommentare

Nicht auf Augenhöhe

Wahrnehmung ist das eine, Realität das andere. Köln war Bielefeld in allen Belangen überlegen. Sie waren zielstrebiger und gefährlicher. Die geringe Durchschlagskraft der Bielefelder im Sturm erlaubte es den Kölnern, es relativ entspannt angehen zu lassen. Da ändert auch der Treffer von Staude nichts dran. Mich verwundert, dass man Terodde so unbehelligt aggieren ließ. Es wäre auch mal eine Überlegung wert gewesen, ihn in Manndeckung zu nehmen. Das hätte vielleicht verhindert, dass man ihn aus den Augen verliert. Sei es drum. Köln ist kein Gradmesser. Sie werden souverän wieder aufsteigen. Am Freitag kann Arminia zeigen, dass es auch anders geht. Schauen wir mal.

Warum sich Kollege Voglsammer über die Unordnung in der Abwehr beschwert und dies als alleinige Ursache für die Niederlage heranzieht ist wohl nicht jedem klar. Mir zumindest nicht.
Es gab in den letzten Spielen immer wieder Situationen, in denen er durchaus auch mal ein Tor hätte machen dürfen. Nicht falsch verstehen: Voglsammer ist ein Guter, aber er sollte bitte erst einmal vor der eigenen Haustür kehren. Da ist noch Luft nach oben, um an alte Leistungen (genauer gesagt: die letzte Hinrunde) anzuknüpfen.

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