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Fr., 05.10.2018

Klares Bekenntnis: Ostwestfälische Unternehmen kaufen Arminia Bielefelds Stadion Rejek zum Stadionverkauf: »Die Ideallösung«

Die Schüco-Arena wechselt zukünftig den Besitzer, bleibt aber in ostwestfälischer Hand.

Die Schüco-Arena wechselt zukünftig den Besitzer, bleibt aber in ostwestfälischer Hand. Foto: Thomas F. Starke

Von Sebastian Bauer und Oliver Horst

Bielefeld (WB). Das Ergebnis ließ lange auf sich warten. Am Ende stellt Arminias Stadionverkauf an heimische Unternehmen und Immobilienexperten aber alle Beteiligten mehr als zufrieden. Erneut gibt die ostwestfälische Wirtschaft ein klares Bekenntnis zum »Klub der Ostwestfalen« ab.

Dieses weitere Engagement von Unternehmen aus Ostwestfalen zeichnete sich zuletzt bereits ab. Zu den Stadionkäufern gehören die Dr. August Oetker KG, die Gauselmann AG, die DMG Mori AG, die Böllhoff Gruppe, die JAB Anstoetz KG sowie die Möller Group.

Bei dieser Investorengruppe handelt es sich um Firmen, die dem DSC bereits im Winter, als der Zweitligist kurz vor der Insolvenz stand, als Mitglieder des »Bündnis Ostwestfalen« durch Schuldenerlass und finanzielle Zusagen wieder auf die Beine geholfen haben.

»Wir wissen, dass es alles Firmen sind, die nur das Beste für Arminia wollen. Uns freut natürlich sehr, dass nun alles in ostwestfälischer Hand bleibt. Für den Verein ist das die beste und nachhaltigste Lösung – die Ideallösung«, betont Arminias Geschäftsführer Markus Rejek.

Klare Identifikation mit Ostwestfalen-Lippe

Aus den Kreisen der Käufer war zu hören, dass es sich dabei auch um »ein Commitment für die Region« handelt, also eine klare Identifikation mit Ostwestfalen-Lippe. Bei der Kaufsumme soll es sich um etwa zehn Millionen Euro handeln. Nach Informationen dieser Zeitung tragen die sechs Stadionkäufer unterschiedlich hohe Beiträge zur gesamten Kaufsumme bei.

Auch DSC-Präsident Hans-Jürgen Laufer hob die Bedeutung dieses so wichtigen Verkaufs hervor: »Es war ein hartes Stück Arbeit. Am Ende ist es die beste Lösung, die man sich vorstellen kann. In der 1. oder 2. Liga ist mir kein Projekt bekannt, bei dem die Region so hinter dem Verein steht.«

Als »sehr gute ostwestfälische Lösung« bezeichnet Mario Hoffmeister, Pressesprecher des Gauselmann-Konzerns, den Deal. Das Zusammenkommen der Unternehmen als Stadionkäufer sei als weiteres Zeichen ihrer Identifikation mit OWL und ihres Engagements für die Region zu werten.

Der Klub solle damit weiter stabilisiert werden. Hoffmeister: »Der Verein hat damit nun wirklich gute Voraussetzungen. Es sollte Ansporn für Arminia sein, in der 2. Liga eine gute Rolle zu spielen und vielleicht irgendwann auch wieder nach oben zu gucken.«

Verkauf größtenteils vor Jahreshauptversammlung abschließen

Mit dem Stadionkauf unterstützt die ostwestfälische Wirtschaft das entscheidende Element in Arminias Sanierungskonzept. Mit der Veräußerung der Alm kann der Verein einen erheblichen Teil seiner Restschuld abbauen und hätte seine Sanierung damit weitestgehend abgeschlossen.

Die sechs Unternehmen bilden zukünftig eine eigene Gesellschaft, die sich an der existierenden Stadiongesellschaft ALM KG beteiligt. Zu der neuen Gesellschaft gehören neben den genannten Firmen zwei Immobilienexperten aus Bielefeld, die erfolgreich mit Sonderimmobilien gearbeitet und diese entwickelt haben.

Wie zu vernehmen ist, soll der Verkauf größtenteils vor der Jahreshauptversammlung am 12. November abgeschlossen sein. »Wir haben den Zeitplan, den Miet- und Kaufvertrag noch im Oktober zu unterschreiben. Bis Anfang Dezember soll dann alles abgeschlossen sein«, erläutert Rejek.

Heißt: Spätestens im Dezember soll die Kaufsumme fließen, die dann in Teilsummen an die verbliebenen Gläubiger weiter überwiesen wird. Arminia wäre demnach im Dezember nahezu schuldenfrei. Noch Ende 2017 belastete den DSC ein Schuldenberg von mehr als 20 Millionen Euro. Dem Zweitligisten eröffnen sich nun in finanzieller und sportlicher Hinsicht ganz neue Perspektiven.

DSC legt Rückkaufrecht fest

Wichtiger Bestandteil bei den Vertragsverhandlungen waren die jährlichen Mietzahlungen, die der Klub an die neuen Eigentümer zu leisten hat. Auch hier gibt es nun eine Lösung mit »ostwestfälischer Handschrift«, wie Rejek betont: »Es ist kein karitatives Angebot. Aber in der Tat entspricht es jetzt mehr unseren Vorstellungen als bei anderen Angeboten.«

Den Käufern geht es dem Vernehmen nach weniger um eine Maximierung der Rendite, sondern vielmehr um die Verbesserung von Arminias Perspektive.

In den Vertragsverhandlungen, die in den kommenden Wochen zum Ende gebracht werden sollen, ist ein Rückkaufrecht durch den DSC festgelegt. Das hatten die Klubmitglieder bei der Jahreshauptversammlung im Januar gefordert.

Zudem wird vertraglich festgehalten sein, dass der Verein Kosten etwa für Umbauten im Stadion zu tragen hat. Genau so muss der Klub eine Sicherheit hinterlegen, die sich angeblich im sechsstelligen Bereich bewegt.

Keine Konzerte oder lauten Abi-Feiern auf der Alm

Mit dem Verkauf an heimische Unternehmen ergibt sich für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation. Die neuen Käufer können zukünftig die Infrastruktur der Alm etwa für Veranstaltungen nutzen. Markus Rejek hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, dass die Schüco-Arena mit ihren unterschiedlichen Möglichkeiten viel Potenzial für eine weitere Nutzung neben den Fußballspielen biete.

Hinsichtlich dieser Möglichkeiten wurden bereits erste Gespräche geführt. »Es wird auch zukünftig keine lauten Veranstaltungen geben. Also keine Konzerte oder Abi-Feiern«, betont Rejek mit Blick auf gewisse Auflagen und die Anwohner an der Alm.

Bei der Stadt hat der DSC immer noch 2,8 Millionen Euro Schulden. Den Tilgungsplan zur Begleichung dieser Schuldenlast wird der Klub damit in Kürze vorlegen können. Beim Verein hatte man immer wieder betont, dass man einen seriösen Plan zum Schuldenabbau erst nach dem Verkauf der Arena vorlegen könne.

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