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Mo., 29.10.2018

0:1 in Aue: Vierte Niederlage in Serie hinterlässt Spuren bei Arminia – Saibene gefordert Es spitzt sich zu

Frustrierter Abgang (von links): Philipp Klewin, Julian Börner, Roberto Massimo, Manuel Prietl, Cedric Brunner und Andreas Voglsammer.

Frustrierter Abgang (von links): Philipp Klewin, Julian Börner, Roberto Massimo, Manuel Prietl, Cedric Brunner und Andreas Voglsammer. Foto: Thomas F. Starke

Aue (WB). Ein Blick in die Augen der Arminen genügte am Samstagnachmittag, um den Ernst der Lage zu erfassen: Die Situation des DSC Arminia Bielefeld hat sich nach dem 0:1 beim FC Erzgebirge Aue enorm zugespitzt.

Die vierte Niederlage in Serie hat Spuren hinterlassen beim Fußball-Zweitligisten . Sie hat dem Letzten klar gemacht, dass der DSC mittendrin steckt im Abstiegskampf mit nur noch drei Punkten Vorsprung auf Rang 16. Die handfeste Krise ist endgültig da, und womöglich stehen ziemlich ungemütliche Zeiten an, sollte am Mittwoch (20.45 Uhr, Schüco-Arena) im DFB-Pokal gegen den MSV Duisburg nicht ein Erfolgserlebnis gelingen.

Das kaum zu Erklärende versuchten einige dennoch in Worte zu fassen. »Nach vorne war es zu wenig. Nach hinten war es auch zu wenig. Wir müssen uns jetzt zusammensetzen und alles hart analysieren – richtig hart«, meinte Linksverteidiger Florian Hartherz. Wem klare Worte, Fortsetzung der Pleitenserie und blutleerer Auftritt in Aue noch nicht genügten, dem sei zusätzlich diese Statistik ans Herz gelegt: Seit fünf Jahren hat der DSC nicht mehr so viele Spiele in Folge verloren. Sogar sieben Mal in Serie ging man im Herbst 2013 unter Trainer Stefan Krämer als Verlierer vom Platz.

Serienpleite Nummer vier im Herbst 2018 zeigte erneut : Vor allem fehlt den Arminen momentan die Fähigkeit des Aufbäumens. Nur 42 Prozent ihrer Zweikämpfe entschieden die Bielefelder gegen den FC Erzgebirge für sich – der schlechteste Wert der Saison. Schon beim erschreckenden 2:3 gegen Fürth nach 2:0-Führung in der Vorwoche ließ der DSC in der zweiten Hälfte trotz Vorsprungs seine Entschlossenheit vermissen.

Handzahme Offensive

Hinzu kommt die aktuell handzahme Offensive. Nur mit viel gutem Willen ging von den Angriffen der Arminia überhaupt ein Hauch von Gefahr aus. Am Samstag erspielten sich die Gäste lediglich zwei Halbchancen durch Joan Simun Edmundsson (30.) und Cedric Brunner (50.). Aue dagegen zeigte mehr Gier und hatte das nötige Glück beim Sonntagsschuss von Jan Hochscheidt. Der von ihm geschossene Ball senkte sich über Zweitligadebütant und DSC-Schlussmann Philipp Klewin hinweg zum 1:0 ins Tor (66.).

Doch wie konnte die von vielen als stark eingeschätzte Arminia-Mannschaft nach einem ordentlichen Saisonstart so ins Trudeln geraten? Immer wieder betonte auch Trainer Jeff Saibene, dass sein Team auf allen Positionen mehrfach und gut besetzt sei. Weder erste, noch zweite Reihe zeigen aktuell allerdings, dass sie dieser Einschätzung gerecht werden. Im Erzgebirge brachten nur die beiden Innenverteidiger Brian Behrendt und Stephan Salger Normalform auf den Platz. »Es ist der Wurm drin. Viele Spieler, die letztes Jahr überragend waren, kommen nicht an ihr Leistungsniveau. Defensiv spielen wir selten zu null, Kreativität ist uns auch verlorengegangen«, gestand Saibene nach der Aue-Pleite ein und ergänzte: »Es ist schwer zu erklären, weil man als Trainer nichts anders macht.«

Der Luxemburger weiß, dass der Druck auf ihn und sein Trainerteam nun enorm gestiegen ist und Lösungen gefragt sind: »Es ist jetzt unsere Aufgabe, die Mannschaft in die Spur zu bekommen. Wir werden intern besprechen, welche Konsequenzen und Lehren wir daraus ziehen und wie wir es besser machen.«

Keine Führungsspieler vorhanden

Einen Denkanstoß für Veränderungen hatte Stephan Salger parat: »Wahrscheinlich haben wir schon gedacht, dass wir deutlich weiter sind und müssen jetzt ein, zwei Schritte zurückgehen. Wir müssen uns nicht über Räume unterhalten, die wir bespielen wollen oder wo der Gegner verwundbar ist, sondern unsere Körperlichkeit auf den Platz bringen.« Sport-Geschäftsführer Samir Arabi glaubt, dass die Situation vor allem eine Sache der Einstellung sei: »Der ein oder andere hat es nach dem Saisonstart schleifen lassen. Ihnen sind über die Brutalität der Ergebnisse hoffentlich die Augen geöffnet worden.«

Ein weiterer Grund für die Negativserie: Es ist kein Führungsspieler vorhanden. Die, denen diese Rolle zugedacht ist, fehlen verletzt oder leistungsbedingt. Stefan Ortega Moreno (Knie), der gerade genesene aber noch nicht berücksichtigte Tom Schütz, Fabian Klos (in Aue früh verletzt raus, aber am Mittwoch wieder einsatzbereit) und Kapitän Julian Börner (Bank). »Uns fehlen im Moment die richtigen Leadertypen. Das meine ich nicht negativ. Aber Prietl, Seufert oder Edmundsson sind vom Naturell eher ruhig und keine Führungsspieler«, bestätigte Saibene.

Auf die Frage, ob Börner gegen Duisburg dann nicht wieder erste Wahl sein müsste, antwortete der Coach: »Wenn Börner an seinem Limit spielt und seine Leistung abruft, dann ist er sicher der prädestinierte Leadertyp.« Fakt ist aber auch: Nicht nur Führungsspieler werden aktuell dringend benötigt.

 

Kommentare

Arminia befindet sich mit etwa 14 anderen Mannschaften auf Augenhöhe, Nuancen unterscheiden oft über Sieg und Niederlage. Die Rolle des Zufalls wird bei fast allen Analysen völlig vernachlässigt. Je dichter die Mannschaften sportlich beieinander stehen, desto größer ist sein Einfluss auf den Ausgang. Vier Niederlagen in Serien sind auch schon anderen Mannschaften passiert, sogar den Bayern. Na ja, es waren vier sieglose Spiele. Hätte Vogl den Ball ein paar Zentimeter anders getroffen, würden wir immer noch nach oben schauen und Ortega wäre nicht verletzt. So viel zum Thema Zufall. Wichtig ist, wie man sich gegen eine gefährliche Abwärtsspirale wehrt, und das macht mir bei Arminia große Sorgen. Wenn man gute Spiele regelrecht verschenkt und danach geradezu lethargisch auftritt, wird es für Arminia ganz eng. Was würde mich das ankotzen, in Aue zu verlieren. Diese Galligkeit habe ich bei fast der gesamten Mannschaft vermisst. Die Zuschauer haben ein feines Gespür. Alle haben nach dem Fürth-Spiel kommen sehen, dass da etwas auf uns zurollt, es herrschte eine Stille wie zuletzt nach dem 2:4 gegen Darmstadt.

Für mich ist die Krise hausgemacht. Der schwachen Form eines Spielers, der 9 Gegentore verursacht hat, wurde mit Experimenten begegnet, die wir uns nicht leisten können. Wir sind nicht die Bayern, die Klassespieler von der Bank bringen können, wir brauchen eine eingespielte Mannschaft. Ständige Taktikwechsel bringen uns nicht weiter. Mit einer Aussage, wir hätten momentan keine Führungsspieler, kann ich nichts anfangen. Ich habe Führungsqualitäten oder ich habe sie nicht. Es gibt keine Führungsspieler auf Zeit.

Wir waren auf so einem guten Weg, hatten einen kleinen, aber feinen Kader. Inzwischen ist er wieder unnötig aufgebläht. Warum leisten wir uns 7 offensichtlich mittelmäßige Stürmer, statt drei, die gehobenen Ansprüchen genügen?

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