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Mo., 12.11.2018

Arminia: alle Verträge kurz vor der Unterschrift – Notartermin steht – mit Videos Stadionverkauf abgeschlossen

Die Stadionkäufer und Verantwortliche des DSC.

Die Stadionkäufer und Verantwortliche des DSC. Foto: Thomas F. Starke

Von Sebastian Bauer, Jens Brinkmeier und Michael Diekmann

Bielefeld (WB). Arminia Bielefeld hat den Verkauf der Schüco-Arena praktisch abgeschlossen, die Verträge werden im Dezember unterschrieben. Der Fußball-Zweitligist informierte am Montagmittag auf einer Pressekonferenz über den letzten Schritt auf dem Weg zur Sanierung des Vereins. Der DSC ist damit »netto-finanzschuldenfrei«. Innerhalb eines Jahres wurden etwa 26 Millionen Euro Schulden abgebaut.

Präsident Hans-Jürgen Laufer, Geschäftsführer Markus Rejek und für die Käufer Dr. Maurice Eschweiler (Vorstand DMG Mori) sowie Franz-Christoph Borchard (Borchard Group, Immobilienexperte) informierten über einen historischen Moment in der mehr als 113-jährigen Geschichte des Klubs.

Markus Rejek erinnerte an die »drohende Zahlungsunfähigkeit und eine Liquiditätslücke Ende 2017, wonach ein Sanierungskonzept entwickelt wurde.« Der Schuldenschnitt erfolgte mit den Gläubigern unter der aufschiebenden Bedingung des Stadionverkaufs. Dazu brauchten der Klub liquide Mittel. Das Bündnis Ostwestfalen half direkt mit vier Millionen Euro. Der »Schlüsselmoment« (Rejek) war der Verkauf der Arena, um mit dem Erlös die Restschulden der Gläubiger abzulösen.

Es gibt nun eine neue Gesellschaft, die »Bündnis Alm GmbH«. Diese hatte zwei Untergesellschaften (STBO GmbH und 3BO GmbH). Arminia kann durch den Verkauf die Restverbindlichkeiten bei den institutionellen und privaten Gläubigern und bei der Stadt Bielefeld (2,23 Millionen Euro) tilgen. Die Stadt erlässt dem DSC 1,17 Millionen Euro.

Beim Stadionverkauf ist eine Laufzeit von 15 Jahren vereinbart, plus einer Verlängerungsoption von zweimal fünf Jahren. Arminia hat einen Generalmietvertrag mit der Bündnis Alm GmbH abgeschlossen, »mit allen Rechten und Pflichten«, sagte Rejek. Über den Kaufpreis (es soll sich um etwa zehn Millionen Euro handeln) und die Höhe der Miete sei Stillschweigen vereinbart worden.

Dr. August Oetker KG, Gauselmann AG, Heinz Anstoetz Beteiligungs-KG, Wilhelm Böllhoff GmbH & Co KG, Fr. Möller Beteiligungs-GmbH, Gildemeister Beteiligungen GmbH, Bautra GmbH, Borchard GmbH & Co Bau KG und FHO Invest GmbH & Co. KG: das sind die neuen Eigentümer.

Weitere Stimmen:

Hans-Jürgen Laufer: »Das Stadion gehört nicht nur der KGaA, sondern auch dem e.V. Die Schüco-Arena ist weiter unser Zuhause. Wir haben eine Rückkaufoption nach fünf Jahren und noch viel mehr vereinbart: ein ständiges Vorkaufsrecht und jederzeit die Möglichkeit, auch Teile zurückzukaufen.«

Franz-Christoph Borchard: »Ohne schwarz-weiß-blaues Herz würde man so eine Überlegung nicht anstellen. Wir wollten eine Bielefelder Lösung.«

Dr. Maurice Eschweiler: »Wie Köln den Dom hat, hat Bielefeld Arminia. Arminia ist der Werbeträger der Stadt, neben den vielen heimischen Unternehmen. Wir als Traditionsunternehmen bekennen uns zu dem Traditions-Fußballverein. Wir wollen ein ostwestfälisches Ausrufezeichen setzen. Wir als Käufer kommen als Gemeinschaft. Wir machen nicht das finanzielle Füllhorn auf. Wir wollen unternehmerisches Know-how für Arminia Bielefeld anbieten. Wir reden natürlich nicht in sportliche Belange, wir sind Stadionkäufer.«

Das Sanierungskonzept

Im zweiten Teil der Pressekonferenz ging es um das Sanierungskonzept. Im November 2017 hatte der DSC mehr als 29 Millionen Euro Schulden. Institutionelle Gläubiger: 12,6 Millionen, Private: 9,5 Millionen, Stadt Bielefeld: 3,4 Millionen, Stille Gesellschafter: 3,6 Millionen. Die Meilensteine der Sanierung: Verzichte der Gläubiger, Geld vom Bündnis Ostwestfalen und der Stadionverkauf.

Es verbleiben Restverbindlichkeiten in Höhe von 2,5 Millionen Euro (der Großteil ist ein Darlehen bei der STBO von zwei Millionen Euro). Rejek: »Wir sind jetzt ein Partner mit einer seriösen Bonität. Wir haben nun die Möglichkeit, die Zukunft zu gestalten.« Das Konto sei aber nicht aufgebessert worden, man habe sich von Altlasten befreit. Doch Zusatzeinnahmen müssen in Zukunft nicht mehr für Altlasten aufgebracht werden, so Rejek. Vor allem das Trainingsgelände zeige großen infrastrukturellen Nachholbedarf.

Laufer: »Was hier geschafft worden ist, freut mich vor allem für die Mitarbeiter des Vereins. Sie sitzen nun nicht mehr auf dem Feuerstuhl. Wir hatten Gehaltsverzichte eingefordert, das ist jetzt alles weg. Dafür bin ich unsagbar dankbar.«

Für Rejek ist das Bündnis Ostwestfalen »die Antwort auf die 50+1-Debatte.« Alle Unternehmen aus dem Bündnis haben sich zum Erhalt der Vereinsstruktur bekannt. Es gibt das böse Wort Investor. Wir haben ein Modell geschaffen, über das wir richtig froh sind und das richtig Spaß macht.«

Eschweiler sagte: »Unsere Antwort auf 50+1 heißt 50 mal eins. Wir sind eine Gemeinschaft. Hier oben hätte auch jeder andere aus dem Bündnis sitzen können. Das ist bei anderen Projekten anders. Wir wollen nachhaltig arbeiten. Alles soll aus sich selbst heraus erwirtschaftet werden.«

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