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Di., 13.11.2018

Jahreshauptversammlung des DSC Arminia Bielefeld – Präsident Laufer: »Fast wie ein Märchen« – mit Videos Stadionverkauf besiegelt, Sanierung abgeschlossen

Neue Stadioneigentümer und DSC-Führungsriege posierten gestern Mittag in der Schüco-Arena für das »Mannschaftsfoto«. Hinten von links: Claus Anstoetz, Michael W. Böllhoff, Rainer Schütte (Möllergroup), Präsident Hans-Jürgen Laufer, Lars ­Felderhoff (Gauselmann), DSC-Geschäftsführer Markus Rejek. Vorne von links: Christoph Buse, Hans-Wilhelm Beckmann (Dr. Oetker), Dr. Maurice Eschweiler (DMG), Franz-Christoph Borchard und DSC-Sportgeschäftsführer Samir Arabi

Neue Stadioneigentümer und DSC-Führungsriege posierten gestern Mittag in der Schüco-Arena für das »Mannschaftsfoto«. Hinten von links: Claus Anstoetz, Michael W. Böllhoff, Rainer Schütte (Möllergroup), Präsident Hans-Jürgen Laufer, Lars ­Felderhoff (Gauselmann), DSC-Geschäftsführer Markus Rejek. Vorne von links: Christoph Buse, Hans-Wilhelm Beckmann (Dr. Oetker), Dr. Maurice Eschweiler (DMG), Franz-Christoph Borchard und DSC-Sportgeschäftsführer Samir Arabi Foto: Thomas F. Starke

Von Sebastian Bauer, Jens Brinkmeier und Michael Diekmann

Bielefeld (WB). Dass in jeder Krise eine Chance liegen soll, war im Winter 2017 kaum vorstellbar: Arminia Bielefeld stand am Abgrund, die Schulden drückten, die Insolvenz drohte. Nicht einmal ein Jahr später ist der Fußball-Zweitligist nahezu schuldenfrei und hat einige der größten Wirtschaftsunternehmen der Region als langfristige Partner an seiner Seite – eine Entwicklung wie ein sportlicher und wirtschaftlicher Neustart für den DSC.

Diese neuen, äußerst positiven Aussichten verkündete der Verein, wie berichtet, am Montag wenige Stunden vor seiner Jahreshauptversammlung (mit Liveticker zum Nachlesen). Die Nachricht des Tages: Der Stadionverkauf und damit die Sanierung zum schuldenfreien Klub sind abgeschlossen. »Es fühlt sich einfach gut an, fast wie ein Märchen. Was hier auf die Beine gestellt worden ist, ist phänomenal«, schwärmte Vereinspräsident Hans-Jürgen Laufer.

Wie berichtet hat ein Konsortium aus regionalen Unternehmen und privaten Investoren (siehe unten) die Schüco-Arena gekauft und damit den finalen Schritt im Sanierungskonzept ermöglicht. Der Verzicht von Gläubigern wie dem Land NRW, der Stadt Bielefeld und privaten Gönnern, sowie frisches Kapital durch die im »Bündnis Ostwestfalen« vereinten Unternehmen hatten zuvor bereits die Basis für die Sanierung des im Winter noch mit 29,1 Millionen Euro verschuldeten Klubs gelegt.

Stadionverkauf

Erstmals äußerten sich nun die Käufer der Alm zu diesem Schritt. »Ohne ein schwarz-weiß-blaues Herz würde man solche Überlegungen nicht anstellen. Uns war wichtig, dass wir eine Bielefelder Lösung schaffen«, betonte Immobilienexperte Franz-Christoph Borchard. Alle Beteiligten hoben die Bedeutung des DSC Arminia für die Stadt Bielefeld und die Region Ostwestfalen-Lippe hervor. Schon in den Verhandlungen der vergangenen Monate sei deutlich geworden, dass es den Käufern nicht darum ging, »auch noch den letzten Euro an Rendite rauszurücken«, wie Arminias Geschäftsführer Markus Rejek formulierte. Diese Sichtweise bestätigte Borchard: »Die finanziellen Rahmenbedingungen standen nicht im Mittelpunkt. Man hat das bei allen auf Käuferseite gemerkt.«

Die künftigen Stadionbesitzer wollen mit ihrem Engagement vor allem ein Bekenntnis zur Stadt und zum Klub abgeben. »Wie Köln den Dom hat, hat Bielefeld Arminia«, sagte Dr. Maurice Eschweiler, Vorstandsmitglied der DMG Mori AG, und ergänzte: »Man darf das Finanzielle nie außer Acht lassen. Aber über das Finanzielle hinaus gibt es hier viele andere Komponenten, die für die Unternehmen sehr wichtig sind. Das ist die Identität. Das ist das Thema Standortbekenntnis. Schon weil es so ein einzigartiges Konstrukt ist, hat man etwas auf die Beine gestellt.«

Die Käufer-Gesellschaft »Bündnis Alm GmbH«, die sich das Stadion nach WESTFALEN-BLATT-Informationen zehn Millionen Euro kosten lässt, schließt in den kommenden Wochen einen Generalmietvertrag mit dem Verein. Dieser hat eine maximale Mietlaufzeit von 25 Jahren. Dem Vernehmen nach betragen die jährlichen Mietkosten zunächst 800.000 Euro. Nach drei Jahren erhöht sich diese Summe auf eine Million Euro Miete pro Jahr.

Befürchtungen, ein neuer Besitzer hätte negativen Einfluss auf die Befugnisse des Klubs, konnte Markus Rejek gestern entkräften: »Wir haben weiterhin alle Rechte und Pflichten, müssen also für Versicherung und Instandhaltung aufkommen. Am Gestaltungsspielraum ändert sich aber nichts.«

Wenig ändern wird sich zunächst auch an der zukünftigen Nutzung der Schüco-Arena. Die DSC-Spiele sind gesetzt, »aber ein Coldplay-Konzert wird es auch zukünftig nicht geben«, erläuterte Borchard. Der Experte für Immobilien sieht aber »noch Potenzial« für eine weitere Nutzung, ohne ins Detail gehen zu wollen.

Der Annahme, dass der Verkauf auch eine Verpflichtung zum Bundesligaaufstieg bedeute, widersprach Dr. Maurice Eschweiler: »Wenn die 1. Liga mal dabei rumkommt, dann ist es auch schön. Aber das ist nicht die Motivation. Wir wollen einem Klub, der seinen eigenen Weg gehen soll, helfen. Wir wollen etwas Gemeinsames auf die Beine stellen.«

In den kommenden Tagen wird der Stadionverkaufsvertrag besiegelt. Nichts sei mehr »brüchig«, versicherte Markus Rejek. Bis spätestens Mitte Dezember soll der Prozess durch die Überweisungen der Käufer an den DSC abgeschlossen sein.

Sanierung

Mit dem Abschluss des Sanierungskonzepts ist der Verein laut Geschäftsführer »netto finanzschuldenfrei. Für Banken und andere sind wir ab sofort wieder ein Partner mit seriöser Bonität. Das war nicht immer so. Aber es soll so bleiben«.

Verzicht von Gläubigern, frisches Kapital durch das »Bündnis Ostwestfalen« und finale Schuldentilgungen ermöglichen dem Verein nun eine komplett neue Basis, auf der Arminia wirtschaften kann. Rejek: »Einnahmen fließen künftig nicht mehr in die Schuldentilgung. Wir sind nun in der Lage, Dinge aus eigener Kraft zu erwirtschaften.« Schon für das aktuelle Geschäftsjahr rechnet der Geschäftsführer mit einem Gewinn zwischen einer halben und einer Million Euro.

Letzte und größte Verbindlichkeit des Klubs bleibt ein Darlehen in Höhe von zwei Millionen Euro, das der DSC von der STBO GmbH, dem Unternehmenszusammenschluss unter den Stadionkäufern, erhalten hat. Mit diesem Darlehen tilgt der Klub die Verbindlichkeiten bei der Stadt Bielefeld. »Das Darlehen so abzuwickeln, erschien allen als bestes Konstrukt«, erklärte Markus Rejek. Zum einen, weil die Konditionen dem DSC deutlich entgegenkommen. Zum anderen, weil der Verein dieses Darlehen durch die Kapitalzufuhr durch das »Bündnis Ostwestfalen« in Form von KGaA-Anteilen zeitnah bedienen könnte.

Für Rejek ist das OWL-Modell »die Antwort auf die 50+1-Debatte«. Es sei »ruhig, seriös und nachhaltig« und damit ein Gegenentwurf zu manchem Investoren-Engagement etwa bei englischen Klubs. Vor allem die Nachhaltigkeit sei dank der Partner gesichert, weshalb angesichts der zuletzt sieben sieglosen Pflichtspiele in Folge niemand in Panik geraten müsse.

Immerhin konnte mit dem 1:1 am Sonntag in Ingolstadt der freie Fall zunächst gebremst werden. Aber selbst, wenn es noch schlimmer kommen sollte, ist Rejek sicher: »Wir haben jetzt viele starke Partner an unserer Seite. Selbst wenn Arminia in der 3. Liga spielen würde, würde dieses Kon­strukt halten.«

Hintergrund: die neue Gesellschaft

Für den Erwerb der Schüco-Arena haben die Käufer die neue Gesellschaft »Bündnis Alm GmbH« gegründet. Jeweils 50 Prozent der Gesellschaftsanteile gehören der 3BO GmbH sowie der STBO GmbH. In der 3BO GmbH ist die private Unternehmerseite unter den Käufern vereint, darunter Dr. Christoph Buse (Bautra GmbH), Franz-Christoph Borchard (Borchard GmbH & Co Bau KG), Jürgen Budde und Arminias Aufsichtsratsvorsitzender Hartmut Ostrowski (FHO Invest GmbH & Co. KG). Die STBO GmbH bilden die sechs bereits im »Bündnis Ostwestfalen« aktiven Unternehmen Dr. August Oetker KG, Gauselmann AG, Heinz Anstoetz Beteiligungs-KG, Wilhelm Böllhoff GmbH & Co KG, Fr. Möller Beteiligungs-GmbH, Gildemeister Beteiligungen GmbH. Die »Bündnis Alm GmbH« schließt den Kauf- und Generalmietvertrag mit dem DSC Arminia. Die Geschäftsführung der »Bündnis Alm GmbH« bilden Dr. Maurice Eschweiler (Vorstandsmitglied DMG Mori AG) und Dr. Christoph Buse.

Hintergund: 11.699 Mitglieder

Im Rahmen der Jahreshauptversammlung in der Schüco-Arena konnte Präsident Hans-Jürgen Laufer verkünden, dass der DSC aktuell 11.699 Mitglieder hat. Davon waren gestern 272 stimmberechtigte zugegen. Natürlich waren der Stadionverkauf und das Sanierungskonzept auch bei der JHV das große Thema. Der Vereinsboss sagte zur Sanierung: »Wir müssen nun sorgfältig planen, es dürfen sich keine neuen Schulden ergeben – davon hatten wir genug.« Laufer freute sich: »Das ist das allergrößte Geschenk zu meinem Geburtstag. Ich bin megastolz, Präsident dieses Vereins sein zu dürfen.« Laufer wird am Donnerstag 70.

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