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Sa., 24.11.2018

DSC-Sportchef Arabi denkt aber nicht zwangsläufig an einen Trainer-Rauswurf »Wir müssen etwas ändern«

Zukunft ungewiss: Für Trainer Jeff Saibene (rechts) geht es um seinen Job.

Zukunft ungewiss: Für Trainer Jeff Saibene (rechts) geht es um seinen Job. Foto: Starke

Von Sebastian Bauer

Bielefeld (WB). Trotz Niederlagenserie und sportlicher Krise: Bislang hatte Arminias Trainer Jeff Saibene die volle Rückendeckung von den Vereinsverantwortlichen. Doch die Frage ist: Wie lange noch?

»Wir müssen offensichtlich etwas ändern, was aber nicht zwangsläufig der Trainer sein muss. Wir müssen an Stellschrauben drehen. Es ist mir aber zu platt, jetzt gleich den Trainer in Frage zu stellen«, erklärte Sport-Geschäftsführer Samir Arabi noch am Freitagabend nach der bitteren Niederlage gegen den MSV Duisburg . Allerdings heißt das auch, dass ein Rauswurf Saibenes nicht mehr unmöglich ist.

Auf die Frage, ob der Luxemburger, der den DSC am Ende der Saison 2016/17 vor dem Abstieg rettete, auch am kommenden Freitag (18.30 Uhr, Benteler-Arena) im OWL-Duell beim SC Paderborn auf der Bielefelder Bank sitzen wird, sagte Arabi: »Es ist ganz normal, dass das Thema nun aufkommt. Aber das werden wir sicher nicht in der Öffentlichkeit diskutieren.«

Der Druck steigt

Nach acht Pflichtspielen ohne Sieg in Folge, darunter sieben Niederlagen, ist sich auch Jeff Saibene bewusst, dass der Druck auf ihn immer mehr steigt : »Wenn es nicht läuft, muss man wissen, dass der Trainer zum Thema wird. Das ist in dem Job normal. Ich probiere mein Bestes, mehr kann ich nicht tun.«

Probiert haben Saibene und seine Trainerkollegen einiges: viele Gespräche, neue Systeme, umfangreiche Analysen. Nur nachhaltig wirken tut bislang keine dieser Maßnahmen. Arabi: »Wichtig ist, dass wir das Spiel jetzt erst einmal sacken lassen.« Über das Wochenende und zu Wochenbeginn wollen die Verantwortlichen nun die Situation analysieren und dabei auch den Trainer einbeziehen.

Arabi nimmt Team in die Pflicht

Der Sportchef nimmt genau so das Team in die Pflicht, denn es sei »offensichtlich, dass die Mannschaft aktuell nicht ihr Niveau zeigt. Es läuft sicher nicht so, wie wir uns das vorstellen«. Und die Spieler geben sich selbstkritisch, was die Darbietungen der vergangenen Wochen betrifft. »Wir auf dem Platz müssen uns mal mehr zusammenreißen und was zurückgeben«, sagte Torwart Stefan Ortega Moreno hinsichtlich der nun immer intensiver geführten Diskussion um die Zukunft des Trainers.

Sehr deutliche Worte pro Saibene fand Julian Börner nach dem Spiel. Der Mannschaftskapitän zeigte Verständnis dafür, dass in der Öffentlichkeit nun auch immer mehr der Trainer in der Kritik steht, stärkte anschließend aber stellvertretend für seine Teamkollegen Jeff Saibene den Rücken: »Ich habe schon mal gesagt: Arminia kann froh sein, dass sie mit Jeff Saibene wirklich einen sehr, sehr guten Trainer haben. Aber es wäre einer der größten Fehler, seit ich hier bin, wenn man Jeff am Montag die Hand gibt und auf Wiedersehen sagt.«

Kommentare

@BuendnisOstwestfalen. "Dinge wie fehlendes Netzwerk, fehlende Scouts, nur in der 3. Liga erfolgreich, allen anderen GF Sport unterlegen - das kannst Du alles ins Fabelreich verweisen, es stimmt einfach nicht". Ich spreche nur für mich und fühle mich da nicht angesprochen. Du kennst meine Meinung zu Arabi. Er hat jahrelang gut gearbeitet und ich habe nie gefordert, ihn zu ersetzen. Ich habe lediglich bestimmte Dinge kritisiert und bin nachdenklich geworden. Es bleibt dabei, dass Paderborn mit einem 6-Mio.-Spieleretat in die erste Liga aufgestiegen ist. Und dass auch in diesem Jahr unser Lizenzspieler-Etat größer ist als in Paderborn. In jedem Zweitliga-Jahr war unser Etat höher. Ich habe auch nicht direkt Arabi kritisiert, habe seinen Namen nicht einmal erwähnt, soviel ich weiß, wobei ich momentan keine Lust habe, alle Texte nachzulesen. Ich habe die Transferpolitik des Vereins kritisiert, wobei mir absolut klar ist, dass Arabi gern Spieler / Trainer holen wollte, die der Aufsichtsrat gestoppt hat. Er hat jahrelang wie ein Erfüllungsgehilfe gearbeitet, so arbeiten müssen, das ist doch bekannt. Ich bleibe aber dabei, dass es ein Unding ist, einen Innenverteidiger abzugeben und nicht zu ersetzen, stattdessen den Kader vorn aufzublähen mit Spielern, die zum großen Teil auf der Tribüne sitzen. Der Kader ist völlig unausgewogen. Wer dafür letztlich verantwortlich ist, weiß ich nicht. Daher spreche ich immer allgemein von "Transferpolitik des Vereins".

@Beutelipper

Ich weiß das ja mit der Diskussion vom letzten Jahr. Aber fomi und Du wertet das einfach zu hoch. Die gewünschten 11:11-Spiele vom Trainerteam bei derzeit 5 Verletzen sind derzeit auch normal. Das einige auf der Tribüne sitzen, ist auch normal. Für Nöthe, Brandy und Quaschner kann auch keiner was. PB hat übrigens auch nen 28-er Kader. Und zudem Glück (und Eifer). Baumgart ist für PB ein Glücksgriff, Krösche ist es wohl auch. Wie im letzten Jahr bleibe ich aber auch dabei, dass unseren Bedingungen schlecht sind. UnserTrainingsgelände (verbringen die Spieler halt die meiste Zeit), ist nicht wettbewerbsfähig. Kein beheizter Rasenplatz, unterdurchschnittliche Umkleide- und Duschräume, demnächst sicherlich wieder Trainings bei Tönnies. Ich glaube schon, dass das für junge Spieler auch ein Entscheidungskriterium sein kann, sein wird. Aber Arminia plant daran. Hoffe wir, dass das nicht wieder im bekannten "Ostribünen-Desaster" enden wird. Ansonsten habe ich mich mittlerweile davon überzeugen können, dass auch Arabi professionell arbeitet. Dinge wie fehlendes Netzwerk, fehlende Scouts, nur in der 3. Liga erfolgreich, allen anderen GF Sport unterlegen - das kannst Du alles ins Fabelreich verweisen, es stimmt einfach nicht. Das Gegenteil ist der Fall - er wirkt höchst professionell. Und auch nicht arrogant. Ich hab für so etwas "Antennen". Du kannst PB oder auch Heidenheim, Sandhausen und wie sie alle heißen nicht 1:1 auf uns "ummünzen". Wir werde noch Jahre brauchen um, Vereinsbrille abgesetzt; wieder so attraktiv am Markt zu sein, wie andere Vereine es uns vormachen. Und @ MM: Kryptische Aussagen wirst Du von mir nicht lesen, verweise ich ebenfalls ins Fabelreich. Vereinsschädigendes Verhalten gibt es woanders...

@BuendnisOstwestfalen. Eine ähnliche Diskussion hatten wir im letzten Jahr auch. Saibene kam und hat mir aus der Seele gesprochen. Er bevorzuge kleinere Kader, wolle keine unzufriedenen Spieler auf der Tribüne. Es ist sicherlich nicht der Hauptgrund für die Misere, aber ein Baustein. Statt 10 Tribünenhockern könnten wir zwei gestandene Zweitligaspieler im Kader haben, die uns richtig weiterhelfen. Mir ist bewusst, dass einzelne Spielzeiten mit unerwartetem Erfolg oder Misserfolg kein Maßstab für umfassende Urteile sein können. Es gibt nicht zu erwartende Abwärtsspiralen oder unvorhersehbare Synergien, weil Spieler mit durchschnittlichem Potenzial menschlich gut zusammenpassen. Das kann auch zweimal oder dreimal passieren. Es passiert immer wieder. Fakt ist, dass uns der kleine Nachbar aus Paderborn seit 10 Jahren vormacht, wie es gehen kann. Der Zweitliga-Etat für die Lizenzmannschaft von Arminia war in jedem Jahr erheblich höher als der von Paderborn, das ist Fakt. Wenn ich sehe, was die allein in den letzten beiden Jahren gezaubert haben, nachdem die am Boden lagen und designierter Viertligist waren, tränen mir die Augen. Ihre Abwärtsspirale haben sie bekommen, als sie glaubten, in höhere Regale greifen zu können und die Bodenständigkeit verloren haben. Die Paderborner haben dazu immer erhebliche Transfererlöse erwirtschaftet, wir in 10 Jahren genau einmal. Das ist kein Zufall mehr, das sind leider Fakten, die mich nachdenklich machen. Die Paderborner holen einen Klassespieler aus Sprockhövel, seit Billy Reina und Helmut Schröder ist uns so ein Coup nicht mehr gelungen.

Zur Kadergröße

Die Kadergröße ist sicherlich nicht das Problem. Unser Kader besteht derzeit aus 28 Spielern. Damit stehen wir in der "Kadertabelle" auf den Plätzen 7-12 (alle 28) der 2. Liga. Nur 6 Vereine haben weniger Spieler, Plätze 13-15 27 Spieler, Plätze 16-18 26 Spieler. Nun denken wir an die erste Prognose zur Verletzung von Brunner und die dann als sinnvoll erachte von Clauss. Dann denken wir an Nils Quaschner ("erleidet Rückschlag auf Rückschlag") und an Nöthe und Brandy("haben nach den jeweils letzten Verletzungen nie wieder die vorherige Form erreicht"). Ziehe ich diese 4 Spieler von den 28 ab, bin ich bei 24 "Sollkadergröße". Dass man Nöthe und Brandy nicht abgeben konnte, ist halt eines der Risiken im Geschäft. Die optimale Kadergröße liegt wahrscheinlich bei 23 Spieler (3 Torwate sind Pflicht, 20 Feldpieler). Damit kann der Trainer 11:11 Trainingsspiele durchführen. Jede Position sollte doppelt besetzt sein. Absicherung für Verletzungen, Konkurrenzdruck, etc.. Auch wird öfters von 6-8 Stürmern gesprochen. Wir haben 6 MS (Eddy RA, Brandy hängende Spitze). Rechne ich bei den MS Quaschner + Nöthe raus, bleiben noch unsere 4 (jede Pos. doppelt besetzt). Zudem sind Ciya, Ucer und wohl auch Özkan sog. Perspektivspieler. Ihnen traut man es zu, hoch zu kommen, sie brauchen aber noch Zeit, Erfahrung und Ausbildung. Diese könnten die Zukunft sein (müssen es aber nicht, Risiko des Geschäfts) und dürften den Etat wenig belasten. Also insgesamt für mich unauffällig, mit anderen Vereinen vergleichbar, kein Grund für die derzeitige Misere. Wir haben jetzt nun ein "Verunsicherheitsproblem", das von Misserfolg zu Misserfolg größer wird. Zudem "knallt" es m. E. derzeit im Team. Eine bescheidene Spirale...

Was ist los?

Was passiert zur Zeit auf der sportlichen Seite? Eigentlich nicht allzu viel Anderes wie in der vergangenen Saison. Es gibt viele Stürmer im Kader. Leider trifft kaum einer von ihnen. Welchen Tabellenplatz hätten wir denn letzte Saison erreicht wenn Vogelsammer nicht überragend gespielt und getroffen hätte? Auch Kerschbaumer konnte nicht gleichwertig ersetzt werden.
Gegentore aus Fehlern fängt man sich immer, aber man sollte offensiv in Lage sein, das dann wieder mit eigenen Toren auszugleichen.
So what, ein Hoch auf OWL. Es kann nur besser werden!

Trainer

Der Trainer hat durch seine permanente Rotation die Mannschaft total verunsichert. Normal wäre,in der Vorbereitung und im Trainingslager das Gerüst der Mannschaft „fertig“ zu haben. Jedes Spiel eine andere Aufstellung. Wir dürfen uns nichts vor machen, der letzte Sieg in Darmstadt war EXTREM glücklich. Gegen Duisburg einen Stürmer gegen Stürmer auszuwechseln anstelle mit zwei Stürmer zu versuchen den Ausgleich zu erzwingen, kann wohl nur Herr Saibene erklären

Nachtrag zum Thema Kadergröße: Mir ist unverständlich, wie uns erneut ein 29-Mann-Kader erschlagen konnte. Wir waren auf einem guten Weg. Als Zweitligist brauchen wir 22 Leute und keinen mehr, es stehen 35 Pflichtspiele an, vielleicht 36, keine 55. Wir sind nicht Bayern München, die zur Rotation gezwungen werden, weil sie bis zum Schluss auf drei Hochzeiten tanzen dürfen. Die Aussage von Saibene, er könne quasi jeden Spieler bringen, hat mich verwirrt. Mich würde schon wunden, wenn wir wirklich 20 Spieler und mehr auf Augenhöhe hätten. Es kann eben nicht jeder jeden ersetzen. Wir brauchen einen qualititativ guten, aber kleinen Kader, wo 16 Spieler nahazu auf Augenhöhe agieren, darunter 5-6 absolute Leistungsträger plus 6-7 echte Talente, von denen 1-2 jederzeit spielen könnten. Ich sehe momentan kein Korsett und keine Hierarchie.

Ja, wir wollten uns von einigen Spielern trennen und haben diese Überlegungen eingeplant. Aber realistisch ist nun mal, dass ein älterer Spieler wie Nöthe, der zudem ein Jahr verletzt war, kein adäquates Angebot bekommt und seinen Vertrag auf der Tribüne aussitzt. Unter dieser Prämisse darf man eben einen Schipplock nicht holen. Ja, mir ist bekannt, dass momentan einige Gehälter von der Berufsgenossenschaft bezahlt werden, trotzdem sollte die Frage erlaubt sein, wie man als latent klammer Verein überhaupt auf die Idee kommen kann, sich einen dermaßen aufgeblasenen Kader zu leisten.

Ich bin kein Trainingsgast und kann nur beurteilen, was ich im Stadion sehe. Offentlich hat die falsche Erkenntnis, alle befänden sich auf Augenhöhe, zu ständigen Taktik-Experimenten und Rotationen geführt, anstatt im erfolgreichen 4-4-2 mit 8-9 Stammspielern Sicherheit zurückzuholen, die uns stark gemacht hat.

Personelle Konsequenzen

Der Ruf nach personeller Erneuerung liegt nahe. Oft erliegt man dabei - gerade in der unmittelbaren Enttäuschung des Fan(atikers) - aber der Versuchung der radikalen Vereinfachung, komplexe strukturelle Probleme auf Personen zuzurechnen. Das heisst aber nicht, dass Probleme ihren Ursprung nicht auch im Handeln und Entscheiden von einzelnen Personen haben können. Eine angemessene Analyse der Situation der Arminia muss mind. diese beiden Ebenen trennen.
Arminias Kader ist limitiert. Dies ist m.E. eher der Finanzlage geschuldet als schlechter Arbeit Arabis. Dennoch stellt die abermalige Verpflichtung eines älteren Spielers, der dann früh verletzt ausfällt, kritische Fragen an Arabi. Ebenso ging man mit 3 Innenverteidigern in die Saison, aber mit 7 Stürmern. Darunter mit Massimo nur 1 schneller Spieler, obwohl man Umschaltfussball spielen will. Das sind Fehler von Personen und ihren Entscheidungen.
Der Trainer muss sich fragen, was die ganzen Systemwechsel mitten in der Saison bringen. Ist eine Mannschaft verunsichert, muss man durch Rückgriff auf bewährte Routinen wieder Sicherheit herstellen, hier: das 4-4-2. Er macht das Gegenteil: mit steigender Verunsicherung steigert er die System- und Personalwechsel.
Schließlich hält/hielt er umgekehrt trotz Formkrise sehr lange an den 3 Stammspielern Klos, Börner, Vogl fest. Owusu etwa bekommt so keine Chance.
Es gibt also sehr wohl persönliche Fehler.
Was nun tun? Personalwechsel auf allen Ebenen wären durchaus berechtigt.
Ein Umbruch im Kader nächsten Sommer ist unausweichlich, weil es bei einer Reihe von Spielern nicht zu mehr reicht.
Arabi muss jetzt überzeugende Konzepte auf den Tisch legen, wie er die grösseren finanziellen Möglichkeiten in die Verbesserung des Kaders übersetzen will. Überzeugt das nicht, muss er gehen.
Saibene muss seine eigenen Fehler schonungslos bekennen und sich einsichtig zeigen. Er muss zu den bewährten Routinen zurück. Nur so kann er Vertrauen in der Mannschaft, im Verein und bei den Fans zurückgewinnen. Ansonsten muss auch er gehen.

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