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Di., 04.12.2018

Nach dem Stimmungsboykott: Zweitliga-Montagsspiele vor Abschaffung »Was beim Derby passiert ist, war der Wahnsinn«

Weiß auf schwarz: Arminias Anhänger teilen in Paderborn mit, wann sie gerne Fußball gucken möchten.

Weiß auf schwarz: Arminias Anhänger teilen in Paderborn mit, wann sie gerne Fußball gucken möchten. Foto: Thomas F. Starke

Von Matthias Reichstein und Dirk Schuster

Paderborn/Bielefeld (WB). »Montags frei – auch in Liga zwei und drei«. Plakativ machten die Fußballfans am Wochenende bundesweit Stimmung gegen die Ausdehnung der Spieltage. Beim OWL-Derby am Freitagabend schwiegen die Anhänger beider Lager lange Zeit. Ungehört blieben sie trotzdem nicht.

Bei einer Tagung in Frankfurt sprachen sich Vertreter der 2. Fußball-Bundesliga am Montag für die Abschaffung der Montagsspiele aus. Das berichtet das Fachmagazin »Kicker« auf seiner Internetseite. Zuletzt hatten bereits die Vertreter der 1. Liga nach massiven Fanprotesten die Abschaffung der Montagsspiele beschlossen. Als Alternativtermin für den Montagabend planen die Zweitligisten, den späten Samstagabend im Anschluss an das 18.30-Uhr-Spiel der Bundesliga zu belegen.

Paderborns Trainer Steffen Baumgart kann verstehen, warum die Fans sich an dem zumindest noch bis zur Saison 2020/21 gültigen Montagstermin reiben und sich zur Wehr setzen. »Fußball ist Volkssport, und das muss auch so bleiben. Die Stimmung und die Emotionen in den Stadien machen den Fußball aus. Und was los ist, wenn nichts los ist, haben wir am Freitag erlebt«, sagt Baumgart.

Arabi hat Verständnis für Boykott

Der Ex-Profi hat aktuell insgesamt den Eindruck, dass sich der Fußball mit der exorbitant zunehmenden Menge an Wettbewerben und seiner Omnipräsenz im Fernsehen immer weiter von der Basis und den Bedürfnissen seiner Anhänger entfernt. »Für den normalen Fan ist Fußball noch eine Leidenschaft. Der Armine oder der SCPer akzeptiert den Freitag, Samstag und Sonntag als Spieltag. Aber Fußball nonstop an sieben Tagen in der Woche, den will niemand«, glaubt Baumgart.

Auch Arminias Sport-Geschäftsführer Samir Arabi fällt es nicht schwer, sich in die Lage der Anhänger zu versetzen. »Ich habe Verständnis für den Boykott der Fans und kann die Beweggründe nachvollziehen«, sagt er.

Krösche favorisiert den Mittelweg

SCP-Manager Markus Krösche bringt indes nicht so viele Sympathien für das Schweigen der Fans auf: »Was beim Derby passiert ist, war für mich der Wahnsinn. Das verstehe ich auch nicht. Wir versuchen das Produkt Fußball so gut wie möglich zu machen. Der Kunde soll für sein Geld vernünftigen Sport sehen. Aber keiner arbeitet gegen die Fans. Wenn die Vereine unzufrieden sind, hören sie ja auch nicht auf, Fußball zu spielen. Ich wehre mich einfach gegen die Verallgemeinerung, dass alle Fußball-Funktionäre gegen die Interessen der Fans arbeiten.«

Die Abschaffung der Montagsspiele in der 1. Liga zeige doch bereits »eindeutig, wie auf die Bedürfnisse der Fans eingegangen wird«. Krösche will sich zum möglichen zukünftigen Spieltermin am Samstagabend zwar nicht konkret äußern, sagt aber: »Wir versuchen einen guten Mittelweg zu finden. Auf der einen Seite müssen wir in der 2. Liga mehr bieten, wenn wir eine Erhöhung der TV-Gelder möchten. Auf der anderen Seite dürfen wir die Schraube auch nicht überdrehen.«

Am Freitag in Paderborn waren sich die Fans beider Lager nicht ganz einig. Zwar schwiegen zunächst hüben wie drüben die Anhänger. Als die SCPer aber ab Minute 20 begannen, ihre Mannschaft anzufeuern, quittierten die Arminia-Anhänger dies mit einem Pfeifkonzert. Der Grund: Ursprünglich hatte sich die Fanszene allgemein auf einen Stimmungsboykott während der kompletten ersten Halbzeit verständigt.

Saibene hält Montagstermin für mehr als unglücklich

»Wir freuen uns darüber, dass die Vereine der Bundesliga Montagsspiele abschaffen wollen. Das reicht uns aber nicht. Wir wollen generell keine Montagsspiele – in jeder Liga«, heißt es in einer Erklärung vieler Fanszenen, die am Wochenende verbreitet wurde.

Wie sehr die Klubs auf die Unterstützung ihrer Anhänger angewiesen sind, verdeutlicht Samir Arabi: »Wie die Fans uns in der zweiten Halbzeit in Paderborn unterstützt haben, war überragend. Das hat unserer Mannschaft sehr geholfen und ist vor allem in sportlich schwierigen Zeiten sehr wertvoll.«

Dass die Arminen die Abschaffung der Montagsspiele befürworten, hatte Finanz-Geschäftsführer Markus Rejek bereits bei der DFL-Versammlung im Oktober erklärt. Auch DSC-Trainer Jeff Saibene hält den Montagstermin für mehr als unglücklich. »Ich kann verstehen, dass gegen die Montagsspiele protestiert wird. Für einen normalen Arbeitnehmer ist es nicht möglich, an einem Montag zum Beispiel von Bielefeld nach Magdeburg zu fahren.« Doch das hat ja nun offenbar bald ein Ende.

Kommentare

Krösche geht es ums Geld

Bei allem Respekt, Herr Krösche hat diesbezüglich leider den Bezug zur Basis verloren, genau wie der DFB. Mit Montagsspielen ist die Schraube deutlich überdreht, nur will das Herr Krösche nicht wahrhaben. Er denkt halt rein wirtschaftlich.
Es ist mutig, dass Herr Krösche hier seinen Standpunkt offen bekundet. Andere haben das nicht getan, weil sie Fan-Zorn fürchten. Aber letztlich haben wohl ein paar mehr Vereine damals für die Einführung der Montagsspiele gestimmt.
Leider wird die Basis im Fußball anscheinend vom DFB und den Vereinen nur angehört, wenn sie im Stadion leise ist. Das ist das Traurige an der ganzen Geschichte.

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