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Mo., 10.12.2018

Kommentar zum DSC Die Probleme liegen tief

Jeff Saibene.

Jeff Saibene. Foto: Thomas F. Starke

Von Jens Brinkmeier

Nach dem 2:2 beim SC Paderborn feierten die Fans von Arminia Bielefeld Trainer Jeff Saibene mit Sprechchören und viel Applaus. Trotz des späten, ärgerlichen Ausgleichs taugte die gezeigte Leistung im Derby als Mutmacher. Der Trainer hatte viel richtig gemacht.

Doch das 1:1 nun gegen den SV Sandhausen (Tabellenvorletzter mit nun elf Punkten) war ein Rückschritt. Mutiger Fußball sollte, wie in Paderborn, gezeigt werden. Natürlich ist es gegen einen so defensiv agierenden Gegner wie Sandhausen schwieriger, über Pressing zu gefährlichen Aktionen zu kommen als gegen offensiv spielende Mannschaften wie den SCP. Aber Sandhausens Torwart Marcel Schuhen musste in der ersten Halbzeit keinen Ball parieren. Arminia spielte uninspiriert und war total harmlos.

Mut war erst in der zweiten Hälfte zu sehen – der Mut der Verzweiflung nach dem irregulären Rückstand. Was mit manchen Spielern los ist, die in der Vorsaison mit dem DSC Vierter wurden, ist nicht zu erklären. Saibene scheint die Kopfprobleme nicht dergestalt lösen zu können, dass seine Spieler zurück zu alter Stärke finden. Es gibt personell derzeit viele Ausfälle, ja. Aber es scheint auch zwischenmenschlich etwas im Argen zu liegen. Dafür sprechen zwei Suspendierungen in Folge (Salger vor Paderborn, Börner am Sonntag). Gerade bei Börner verwundert die Maßnahme, weil sich der Kapitän immer für Saibene stark gemacht hat. Dass es für einen Trainer selten gut ist, Führungsspieler gegen sich aufzubringen, ist indes keine neue Erkenntnis.

Sport-Geschäftsführer Samir Arabi und die Vertreter der Gremien müssen überlegen, ob sie es Jeff Saibene noch zutrauen, nach zehn sieglosen Pflichtspielen in Folge die Wende zu schaffen. Und zwar schnell, denn schon am Freitag geht es nach Kiel.

Eine denkbar undankbare Aufgabe, ist diese Torfabrik (64 Treffer im Jahr 2018) doch eine Heimmacht: Seit dem 23. April hat der KSV Holstein zuhause nicht verloren.

Ob ausgerechnet Arminia in der aktuellen Verfassung diese Serie beenden kann? Im Moment fehlt der Glaube.

Kommentare

Nach dem Spiel gegen Sandhausen ist guter Rat teuer, viel schwächere Gegner werden wir in dieser Saison nicht mehr bekommen. Begonnen hat der sportliche Offenbarungseid bereits mit dem ersten Anstoß. Der Ball lag bereit, während sich (wiederum) beide Stürmer auf der Mittellinie zum Spurt aufstellten. Furchtbar, zumal Ortega danach gefühlte 20 bis 30 Mal den Ball mit maximaler Streuung nach vorn gedroschen hat. Kein Mittelfeld-Spiel, nur Gebolze. Gegen Duisburg und Sandhausen haben hüftsteife Innenverteidiger unsere Offensive lahmgelegt, die den Ball rausköpfen sowie einigermaßen unfallfrei nach links, rechts und zum Torwart spielen können. Ich kenne die internen Gründe für die Misere nicht, kann nur beurteilen, was ich auf dem Platz sehe. Leider, leider, hat der von mir so geachtete Trainer Saibene bei mir seinen gesamten Kredit verspielt, durch für mich zum Teil unverständliche Experimente alles nur schlimmer gemacht. Trotzdem halte ich eine Entlassung zum jetzigen Zeitpunkt für völlig unsinnig. Weil er nur mit einer unrealisitischen Hoffnung auf eine Geisterheilung zu rechtfertigen wäre. Hat es zwar alles schon gegeben und bestimmt große Teile des bekloppten Fußballgeschäfts, wo durch Hoffnungen auf Wunder Millionensummen verbraten werden, aber im Falle einer Niederlage in Kiel wäre ein erhoffter positiver Effekt schnell verpufft. Ich bin froh, nicht Entscheidungsträger zu sein, tendiere aber dazu, bis zur Winterpause mit Saibene weiterzumachen. Die Formel lautet: mindestens ein Sieg oder zwei Unentschieden, erzielt durch leidenschaftlichen Fußball. Passiert das nicht, bleibt nur die Reißleine und alles infrage stellen, Kaderplanung inklusive. Und dann muss externe Hilfe geholt werden, die zu retten versucht, was möglich ist. Zumindest Betriebsblindheit als Faktor wäre damit ausgeschlossen. Gegen Kiel haben wir einen offensiv spielenden Gegner, wie zuletzt Paderborn, Entschuldigungen zählen daher nicht. Dort hift nur, mutig draufzugegehen, erneuter Angsthasenfußball müsste sofortige Konsequenzen haben. Wichtig wäre, dass ein neuer Trainer ohne sofortigen Misserfolg eine unbefangene Vorbereitung bestreiten könnte. Meine Hoffnung, dass es ohne Änderungen oder nur mit zwei Kaderergänzungen weitergehen kann, hat allerspätestens gestern einen herben Dämpfer erhalten.

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