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Mo., 17.12.2018

Nach Erfolg in Kiel: Arminias Sportchef Arabi fordert auch einen Sieg gegen Heidenheim Ein Anfang ist gemacht

Anderson Lucoqui (vorne) zeigte in Kiel ein gutes Spiel und bereitete das Bielefelder 1:0 vor.

Anderson Lucoqui (vorne) zeigte in Kiel ein gutes Spiel und bereitete das Bielefelder 1:0 vor. Foto: Thomas F. Starke

Von Jens Brinkmeier

Bielefeld (WB). In den letzten neun Zweitligaspielen unter Jeff Saibene holte Arminia Bielefeld drei Punkte. Für dieselbe Ausbeute benötigte Saibene-Nachfolger Uwe Neuhaus 90 Minuten. Nach dem 2:1 am Freitag bei Holstein Kiel atmete auch Sportgeschäftsführer Samir Arabi tief durch.

Schließlich ist der 39-Jährige der Mann, der in der Öffentlichkeit den Kopf hinhalten muss, auch wenn die Entlassung einstimmig durch den Aufsichtsrat und gemeinsam mit dem kaufmännischen Geschäftsführer Markus Rejek getroffen wurde. Hätte der DSC in Kiel verloren, wären Stimmen laut geworden nach dem Motto: »Warum wurde der Trainer ausgetauscht?«

Arabi nimmt Diskussionen hin

Arabi nimmt die Diskussionen hin, bleibt aber seiner Linie treu. »Die Entscheidungen, die wir treffen, müssen zuerst intern plausibel sein. Man kann nicht alles nach außen tragen. Wir treffen Entscheidungen anhand von Informationen, die viele Menschen eben nicht haben«, erklärt Arabi, der sich über den Sieg in Kiel natürlich auch freute. Warum die DSC-Profis in den Wochen davor in fast allen Spielen – außer beim 2:2 in Paderborn – viel schwächer auftraten? Gänzlich zu erklären ist das wohl nicht. Eine naheliegende Antwort: Saibene hatte das Team nicht mehr hinter sich.

»Wir haben den Spielern nach der Freistellung von Jeff Saibene gesagt, dass wir enttäuscht waren über die Performance in den letzten Wochen«, verrät Arabi und ergänzt: »Alle haben Fehler gemacht, auch wir.«

Mit Neuhaus soll es nun wieder aufwärts gehen, und ein Anfang wurde in Kiel gemacht. Arminia zeigte eine sehr starke Leistung und gewann verdient. Mit 128 Kilometern schafften die Bielefelder sogar den besten Wert aller Mannschaften in der gesamten Hinrunde. Auch unter Saibene waren die Arminen immer laufstark und in dieser Statistik vorne. Unter Neuhaus war auch die spielerische Leistung deutlich besser als in den Wochen zuvor.

Deutlich besser als in den Wochen zuvor

Klar ist aber auch: An diesem Auftritt müssen sich die DSC-Profis messen lassen. »Die Mannschaft muss mit aller Macht versuchen, das Heimspiel gegen Heidenheim zu gewinnen«, fordert Arabi. Sollte das am Samstag gelingen, hätte Arminia nach 18 Spielen 21 Punkte auf dem Konto. Das wären vier weniger als zum gleichen Zeitpunkt in der Vorsaison.

»Wenn wir das Jahr mit drei Punkten gegen Heidenheim beenden, haben wir noch irgendwie einen positiven Abschluss und können positiver ins neue Jahr blicken«, sagt Julian Börner. Der Kapitän war nach seiner Suspendierung in die Startelf zurückgekehrt, hatte einen nicht geringen Anteil am Gegentreffer und köpfte dann zum Siegtor ein.

Dass es überhaupt knapp wurde, lag an der schwachen Chancenverwertung der mutig spielenden Arminen. Das ist natürlich auch Uwe Neuhaus nicht entgangen. Doch der neue Coach hielt sich mit Kritik nach seinem Debüt zurück, der 59-Jährige stellte viel mehr die vielen positiven Dinge in den Vordergrund. »Ich bin glücklich und froh, dass die Mannschaft nach wenigen Tagen Training so eine Leistung abgerufen hat«, so Neuhaus: »Die Mannschaft hatte Selbstvertrauen mit ins Spiel genommen und sich total fest vorgenommen, die Dinge so umzusetzen. Das ist einfach gut.« So soll es weiter gehen.

Kommentare

Fatale Fehleinschätzung

Dem Beitrag von MichiMichi ist nichts hinzuzufügen. Der Geschäftsführer Sport irrt und verschanzt sich wieder einmal hinter einer Mauer des Schweigens. Ein Fußballverein ist kein Selbstzweck. Er ist vielmehr Dienstleister. Die Fans halten ihn am Leben. Auch Sie Herr Arabi beziehen Ihr Gehalt aus den Töpfen, die der Fußballfan füllt. Sei es durch den Stadionbesuch, oder durch den Kauf entsprechender Abonnements. Dafür darf auch erwartet werden, dass Rechenschaft über gravierende Fehlentwicklungen abgelegt wird. Es gibt ein altes Sprichwort: Hochmut kommt vor dem Fall !

PR-Desaster

Ein ebenso klares wie ernüchterndes Statement von Arabi:

"Die Entscheidungen, die wir treffen, müssen zuerst intern plausibel sein. Man kann nicht alles nach außen tragen. Wir treffen Entscheidungen anhand von Informationen, die viele Menschen eben nicht haben"

Es steckt also mehr hinter der Saibene-Entlassung als verlautbart wurde. Es geht den Fan eben nur nichts an. Transparenz ist nicht so wichtig. Klasse! Da könnte nur die Presse helfen. Aber die lokalen Medien sind eben zu abhängig von guten Verhältnissen zum Club. Bei Clubs wie Bayern oder HSV würde sowas nie im Leben unter der Decke gehalten werden können. Dafür würde der Boulevard schon sorgen. Und womit? Mit Recht! Es geht dabei nicht darum, schmutzige Wäsche aus irgendwelchen Privatleben zu waschen. Aber interne Missstände müssen ans Licht, ob sie die Mannschaft, Vorstand/GF oder den Aufsichtsrat betreffen oder gar den Einfluss von Sponsoren und Investoren. Ansonsten droht ein nachhaltiges Misstrauen in der Öffentlichkeit. Schaden dürfte dabei auch das bislang tadellose Image des Bündnisses Ostwestfalen nehmen. Wer so viel Raum für Spekulationen lässt und sich gleichzeitig so gleichgültig gegenüber dem (berechtigten) öffentlichen Interesse an den Hintergründen der Trainerentlassung äussert, darf sich nicht wundern, wenn die Öffentlichkeit sich ihren eigenen Reim auf die Angelegenheit macht. Die Fans sind nicht einfach Melkkühe und Stimm(ungs)vieh, sondern die wahren Stakeholder des Vereins. Wer so mit Ihnen umgeht, den sollte das Leben bestrafen.

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