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Fr., 21.12.2018

Arminias Brunner hadert mit den Mechanismen des Fußballgeschäfts – mit Video »Es fällt mir schwer«

Auf dem Platz oft überzeugend, aber nicht von allen Vorgängen im Profifußball überzeugt: Cédric Brunner (Mitte).

Auf dem Platz oft überzeugend, aber nicht von allen Vorgängen im Profifußball überzeugt: Cédric Brunner (Mitte). Foto: Thomas F. Starke

Von Sebastian Bauer

Bielefeld (WB). Schon seit Tagen pendelt Cédric Brunner zwischen den Gefühlswelten. Da war das pure Glück nach dem Ende der Sieglosserie durch das 2:1 in Kiel . Da sind aber auch jede Menge Gedanken über den gerade erlebten Rauswurf von Jeff Saibene und das Fußballgeschäft an sich.

Offen und ehrlich spricht der 24-Jährige vor dem letzten Spiel des Jahres am Samstag (13 Uhr, Schüco-Arena) gegen den 1. FC Heidenheim über die Ambivalenz des Ball-Business. »Es ist das, was ich an diesem Geschäft nicht mag: Es trifft halt immer den Trainer, das ist die einfachste Variante, um etwas zu verändern. So ist es im Fußball. So ist es fast in jedem Klub«, bemängelt Brunner. Im Fall von Jeff Saibene fiel dem Abwehrspieler der Rauswurf vergangene Woche Montag besonders schwer – daraus macht Brunner keinen Hehl: »Für mich persönlich war es schwieriger als für andere. Jeff Saibene war einer der Gründe, warum ich nach Bielefeld gekommen bin.«

Natürlich ist der Schweizer aber lang genug dabei, um zu wissen, welche Mechanismen bei Erfolglosigkeit greifen. Und Brunner weiß ebenso, welchen Schwung ein Trainerwechsel auslösen kann. Er und die kickenden Kollegen haben genau das gerade erst unter Führung des neuen Trainers Uwe Neuhaus in Kiel erlebt: »Es ist klar, dass mit dem neuen Trainer eine neue Dynamik reinkommt. Alle geben wieder Gas. Das hat man im Spiel gesehen, dass mehr Feuer drin war als vorher. Vielleicht brauchte der Großteil der Mannschaft deshalb diesen Impuls.«

Vieles ist Kopfsache

Umso mehr habe sich Brunner »extrem« über die lange Serie ohne Sieg geärgert. »Viel vorgenommen« habe sich die Mannschaft jedesmal. Und dennoch funktionierte zu wenig. Vor allem nicht die Rettung von Jeff Saibenes Job.

Und damit hadert Brunner länger als manch ein Mitspieler. Um das zu beschreiben, wählt er im Geschäft der oft vorgefertigten Antworten und Floskeln überraschend andere, offene Worte: »Wenn man eine persönliche Bindung zu einem Menschen hat, fällt es mir einfach schwer. Dann denke ich lange darüber nach. Trotzdem muss man nach vorne schauen und den Kopf auch mal abschalten. Das gelingt mir aber nicht so einfach wie anderen.«

Die Beine sind und bleiben eben nur ein Bestandteil des Jobs als Fußballprofi. Vieles ist Kopfsache. Deshalb plädiert Cédric Brunner dafür, diesem entscheidenden Element noch mehr Bedeutung einzuräumen: »Das alles zeigt, dass sich vieles im Kopf entscheidet und man daran im Fußball noch viel und hart arbeiten könnte und nicht nur den Trainer rauswirft.«

Immerhin durften die Arminen in der jüngsten Vergangenheit aber auch wieder die glückliche Seite des Geschäfts erleben. Nach zehn Pflichtspielen ohne Sieg stellte sich am vergangenen Freitag in Kiel endlich wieder das Gefühl des Sieges ein. »Es war schon etwas ungewohnt. Direkt nach dem Spiel wussten wir gar nicht, wie wir uns zu verhalten hatten. Es war ein ganz neues Gefühl nach so vielen nicht gewonnenen Spielen in Serie. Für mich war es eine Erleichterung«, sagt Brunner.

Stimmung in der Kabine »lockerer«

In der Kabine sei die Stimmung unter der Woche deshalb »deutlich lockerer« gewesen. Der Sieg und die neue, positivere Arbeitsatmosphäre sollen nun weiteren Schwung verleihen. Ein Sieg zum Abschluss des Jahres soll es sein, dass sei man laut Brunner »den Fans schuldig« .

Und ein Sieg könnte helfen, Cédric Brunner wieder ausschließlich auf positive Gedanken zu bringen. Genau so wie der anstehende Urlaub, der am Sonntag für alle Arminen beginnt. Mit der Familie und seiner Freundin wird Brunner die Zeit in Zürich verbringen und dann womöglich auch mal bei Jeff Saibene durchklingeln. Denn für das ihm entgegen gebrachte Vertrauen wolle sich der Defensivspieler definitiv noch beim Ex-Trainer bedanken.

Kommentare

Bemerkenswert!

Dieser junge Schweitzer,Cèdric Brunner bringt es auf den Punkt.
Ruhig und sachlich zeigt er seine Betroffenheit über die Entlassung von Jeff Saibene.
Cèdric spricht mit Sicherheit dem ein oder anderen Fan vom DSC aus dem Herzen.
Von Seiten des Spielers hat dies Interview ein bemerkenswertes Niveau.

Rumms...

Respekt C. Brunner....das sind vernünftige, offene Worte.Ich bin mal auf die Retourkutsche vom Sportchef gespannt.

2 Kommentare

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