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Mi., 30.01.2019

4:3 nach 1:3 – Arminia schlägt in Dresden zurück Neuhaus schockt Dynamo

DSC-Kapitän Börner bejubelt seinen Treffer zum 4:3.

DSC-Kapitän Börner bejubelt seinen Treffer zum 4:3. Foto: Thomas F. Starke

Von Dirk Schuster

Dresden (WB). Was für ein Spiel! Arminia Bielefeld hat eine verloren geglaubte Partie noch gedreht. Mittwochabend gewann der Fußball-Zweitligist nach einem 1:3-Pausenrückstand noch mit 4:3 bei Dynamo Dresden.

Überraschungen in der Arminia-Aufstellung blieben aus. Offen war bei den Gästen vor der Partie lediglich noch das Rennen um die beiden Außenverteidigerpositionen. Links setzte sich Florian Hartherz gegen Anderson Lucoqui durch, rechts hatte schließlich Cedric Brunner gegen Jonathan Clauss die Nase vorn. Brunner statt Clauss war auch die einzige personelle Änderung, die DSC-Trainer Uwe Neuhaus im Vergleich zum letzten Testspiel fünf Tage zuvor gegen den VfB Lübeck in seinem 4-3-3-System vornahm.

Rückkehr nach Dresden

Und nun also seine Rückkehr nach Dresden. Gut drei Jahre hatte der Coach bei den Sachsen gearbeitet und wurde von den SGD-Anhängern mit einem warmen Applaus empfangen. Das Hinspiel auf der Alm, das der DSC im August mit 2:1 gewann, war Neuhaus’ letztes Zweitligaspiel bei den Sachsen. Im Dezember heuerte der 59-Jährige dann beim DSC an.

Nicht nur Neuhaus, auch Dynamo-Coach Maik Walpurgis kann auf eine Vergangenheit beim Gegner zurückblicken. Der gebürtige Herforder coachte zu Regionalligazeiten Arminias zweite Mannschaft und wäre vor wenigen Jahren um ein Haar Trainer des Profiteams geworden. Stattdessen ging er zum FC Ingolstadt in die 1. Liga. »Ich kenne keine Mannschaft besser als Arminia«, hatte Walpurgis, der verletzungsbedingt einige personelle Probleme zu beklagen hatte, vor der Partie geäußert.

Dennoch waren es die Dresdner, die den besseren Start erwischten. Nach Vorarbeit von Jannis Nikolaou zog der 19-Jährige Osman Atilgan ab und überwand DSC-Keeper Stefan Ortega Moreno mit einem präzisen Flachschuss (19. Minute). Arminias Innenverteidigung mit Julian Börner und Brian Behrendt sah dabei gar nicht gut aus, sie hatten das Dynamo-Sturmtalent außer Acht gelassen.

Nur acht Minuten später war der Ball schon wieder drin. Und wieder standen Börner und Behrendt schlecht. Behrendt wusste sich gegen Moussa Koné nur noch mit einem Foul zu helfen, der Däne Brian Hamalainen verwandelte den fälligen Elfmeter sicher (26.).

Tor ins falsche Netz

Auch das dritte Tor des Spiels erzielte der Gastgeber – diesmal allerdings ins falsche Netz. Hamalainen schoss bei seinem hastigen Klärungsversuch Mitspieler Baris Atik an, von dessen Körper der Ball ins Tor prallte. Ein Slapstick-Treffer, der den DSC wieder hoffen ließ. Doch die im ersten Durchgang weitgehend enttäuschende Arminia kassierte durch SGD-Torjäger Koné (9. Saisontreffer) kurz vor der Pause dann auch noch das 1:3 (40.).

Bielefeld aber steckte nicht auf. Nach einem langen Ball von Behrendt verlängerte Klos mit dem Kopf auf Joan Simun Edmundsson. Bielefelds Topscorer zog davon und schoss zum 2:3 ein (53.). Neuhaus witterte mehr, brachte Winter-Rückkehrer Reinhold Yabo für Keanu Staude. Und um ein Haar hätte Yabo für das 3:3 gesorgt, er scheiterte aber an den Fingerspitzen von Markus Schubert (58.). Eine Minute später landete ein Voglsammer-Kopfball am Innenpfosten – was für ein Pech.

Doch dann das: SGD-Kapitän Marco Hartmann foult im Strafraum Klos – Elfmeter. Klos tritt an und trifft. 3:3 (69.), nun war alles möglich. Und tatsächlich: Erst sah Hartmann nach einer Notbremse (Foul an Klos, 77.) Rot, dann traf Börner per Kopf zum 4:3 für die Gäste (79.). Wahnsinn.

Dresden: M. Schubert - Müller, Hartmann, Gonther (70. Wahlqvist), Hamalainen - Berko, Benatelli, Nikolaou, Atik (65. Ebert) - Kone, Atilgan (78. Dumic)

Bielefeld: Ortega - Brunner, Behrendt, Börner, Hartherz - Seufert (90.+1 Salger), Prietl, Edmundsson (90.+3 Brandy) - Staude (55. Yabo), Klos, Voglsammer

Schiedsrichter: Robert Kampka (Mainz)

Zuschauer: 24.706

Tore: 1:0 Atilgan (19.), 2:0 Hamalainen (26./Foulelfmeter), 2:1 Atik (34./Eigentor), 3:1 Kone (40.), 3:2 Edmundsson (53.), 3:3 Klos (69./Foulelfmeter), 3:4 Börner (79.)

Gelbe Karten: J. Müller (1), Ebert (8) / Behrendt (1), Seufert (2)

Rote Karten: Mar. Hartmann (77./Taktisches Foulspiel) / -

 

 

Kommentare

Nach dem Rausch kommt der Kater

Was für ein Spiel! Was für ein Januskopf der Arminia! Eine Achterbahn der Gefühle. Am Ende der Rausch des zumal verdienten Siegs. Aber am nächsten Morgen setzt doch der Kater ein. Es war eine Ausnahmeleistung unserer Offensive in Halbzeit 2 - allen voran von Fabian Klos -, die eine leider normale Versagensleistung der Abwehr in Halbzeit 1 mehr als zu kompensieren vermochte. Eine solche 2. Halbzeit wird sich leider nur selten wiederholen lasen. Eine Abwehrleistung wie in der 1. Halbzeit sehen wir dagegen fast jede Woche.
Die 2. Halbzeit zeigte, was Neuhaus aus der Arminia offensiv machen kann. Und sie deutete m.E. auch bereits an, was ein Yabo an Schwung reinbringen kann, zumal wenn er erst richtig bei 100 Prozent Fitness ist.
Die 1. Halbzeit zeigte aber auch, dass die Schwächen in der Abwehr auch von Neuhaus nicht in den Griff zu bekommen sind. Zudem zeigte sich auch, dass es ein schwerer Fehler ist, dass Arminia auf der Position des Innenverteidigers nicht auf hohem Niveau nachgebessert hat. Amos Pieper mag ein großes Talent sein. Aus der 4. Liga kommend dürfte er in dieser Rückrunde in Liga 2 noch keine Rolle spielen können. So liegt Arminias Schicksal in den Händen des chronisch fehlerhaften Börner, der an seiner Abwehrleistung und nicht an seinen gelegentlichen Toren zu messen ist. Zu verantworten hat dieses eigentlich verantwortungslose Vabanque-Spiel niemand anderes als Samir Arabi. Man muss kein Prophet sein, dass diese Rückrunde zur Schicksalsfrage für Samir Arabi wird.

Was war das?

Ein unglaublicher Wahnsinn. In Dramatik kaum zu überbieten.
Wir waren in der Lage aus der Dominaz echte Chancen zu erarbeiten und auch Tore zu machen, das war neben der Bissigkeit ein echter Gewinn.
Die Abwehrleistung in HZ 1, war eine Katastrophe. So gewinnt man normalerweise keinen Blumentopf. Am schlimmsten fand ich das Gegentor zum 3:1. Mit der nochmaligen Flanke hatte keiner gerechnet. Die Spannung war total raus, als wenn der Ball im Aus gelandet wäre. Dort war der Gegner wieder aktiver und erfolgreich.
Die Abwehr muss dringend besser Arbeiten.
Danke für das große Spektakel.

Anfangs ein Déjà-vu, hinten der übliche Börner-Fehler und vorn die vergebene Großchance durch Voglsammer, spätestens mit dem 3:1 kurz der Pause die Befürchtung eines Debakels, in der 2. Halbzeit eine nicht für möglich gehaltene Moral. Wo wir stehen, weiß ich daher immer noch nicht. Ich weiß, dass Edward Hyde sein Kasperletheater wieder einmal mit seinen multiplen Persönlichkeiten bis auf die Knochen blamiert hat. Mal sehen, wie Dr. Jekyll morgen seine "seriösen" Analysen ausgestalten wird, mit "Für" und "Wider" aus einer Hand.

Yabo hat angedeutet, welchen Wert er für Arminia haben kann, aber wir müssen endlich diese ständigen Abwehrböcke vermeiden, die wir in wirklich jedem Spiel anbieten. Nicht immer können wir uns darauf verlassen, dass der Gegner noch nachlässiger agiert. Es war der wichtigste Sieg der Saison.

Lektion in Demut..

Sagen wir heute herzlichen Dank nach Dresden.Ich glaube,das war mit Abstand das witzigste Eigentor ever.3Punkte zählen unter dem Strich.Erste Halbzeit war so zu erwarten.Die zweite hat dafür entschädigt.Trotzdem sollte unser Sportchef jetzt nicht in unbekannte Euphorie verfallen und Börner gleich um 3 Jahre verlängern.Diese Böcke hinten gehen auf keine Kuhhaut... nochmals danke nach Dresden,für den Aufbau Ostwestfalen...

4 Kommentare

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