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Mi., 27.02.2019

Der frühere Arminia-Profi Marc Rzatkowski lebt bei den New York Red Bulls seinen Traum »Die beste Entscheidung meiner Karriere«

Ab durch die Mitte: Red-Bull-Profi Marc Rzatkowski im Duell mit Atlanta United (links Miguel Almiron).

Ab durch die Mitte: Red-Bull-Profi Marc Rzatkowski im Duell mit Atlanta United (links Miguel Almiron). Foto: imago

Bielefeld (WB). Zur Drittligasaison 2011/12 wurde Marc Rzatkowski vom Zweitligisten VfL Bochum an Arminia Bielefeld verliehen. Der DSC hätte den technisch starken Profi gern gehalten – doch finanziell war das unmöglich. Über Umwege fand Rzatkowski 2018 in die amerikanische Major League Soccer (MLS). Im Gespräch mit Lukas Brekenkamp äußert sich der 28-Jährige über den US-Fußball, eine Begegnung mit Bastian Schweinsteiger und die Zeit beim DSC.

Herr Rzatkowski, Sie haben mit den New York Red Bulls in der vergangenen MLS-Saison die Eastern Conference und als punktbeste Mannschaft den sogenannten »Supporters Shield« gewonnen. Nehmen Sie noch Glückwünsche entgegen?

Marc Rzatkowski: Danke, die nehme ich gerne noch an. Wir hätten am Ende aber auch gerne den MLS-Cup gewonnen. Dass wir punktbeste Mannschaft waren, war eine starke Leistung und absolut kein Zufall. Mit 71 Punkten haben wir einen Rekord aufgestellt – noch nie hatte eine Mannschaft so viele Zähler geholt.

 

Eastern und Western Conference, MLS-Cup und Playoffs – damit können hierzulande die Wenigsten etwas anfangen. Wie groß war die Umstellung für Sie, als Sie im Januar 2018 nach Amerika gekommen sind?

Rzatkowski: Die Liga ist total spannend. Die besten sechs Mannschaften kommen in die Playoffs und machen den MLS-Cup-Sieger aus. Uns hat es vergangene Saison letztlich nichts gebracht, dass wir als Conference-Sieger ein Freilos hatten, denn auch die anderen Playoff-Teilnehmer hatten eine reelle Chance auf den MLS-Cup. Ich will nicht sagen, dass es unfair ist, aber das ist schon eine neue Herausforderung.

 

Was macht den Modus interessant?

Rzatkowski: Über die reguläre Saison kann man sich auch mal eine Schwächephase

Marc Rzatkowski in der Arminia-Saison 2011/12 mit Markus Schuler. Foto: imago

erlauben – so lange man in die Playoffs kommt. Du musst da sein, wenn die Playoffs losgehen. Da darfst du dir keine Fehler mehr erlauben. Wir mussten das letzte Saison schmerzhaft erfahren: Wir haben Atlanta in der regulären Saison zweimal deutlich geschlagen, im Finale der Playoffs aber verloren. Das war bitter, doch diese K.o.-Spiele machen auch den Reiz aus.

»In Amerika spielen viele Athleten«

Inwiefern unterscheidet sich die Spielweise zwischen Europa und Amerika?

Rzatkowski: Ich würde behaupten, dass in Amerika viele Athleten spielen. Das sind hier Maschinen. Die sind sprintstark und pfeilschnell, wobei manchmal das Taktische fehlt. Aber da ist Amerika auf einem guten Weg.

 

Nachdem Sie in der vergangenen Saison noch auf Leihbasis von RB Salzburg in New York spielten, sind Sie im Januar dieses Jahres fest in den »Big Apple« gewechselt. Ist Ihnen die Entscheidung, in die USA zu gehen, schwer gefallen?

Rzatkowski: Überhaupt nicht. Als die Gelegenheit kam, fand ich das sehr spannend und wollte das unbedingt machen. Es ist meine Karriere und es sind meine Entscheidungen. Für mich war das eine neue Möglichkeit, mich noch mal zu entwickeln, ein neues Land zu sehen, eine neue Kultur kennenzulernen – und dabei meinen Traum leben zu dürfen.

 

Gab es nie Zweifel?

Rzatkowski: Klar, alleine in einem fremden Land und so einer riesigen Stadt zu leben, ist eine Herausforderung. Aber ich mag Herausforderungen, und ich habe es zu keinem Zeitpunkt bereut. Ich habe auch nie gedacht, dass ich wieder zurück nach Deutschland oder Europa möchte.

»Diese Leihe hat mir gezeigt, dass ich mehr sehen will von der Welt«

Ihre Heimat Bochum liegt ziemlich genau 6000 Kilometer von New York entfernt. Wie groß ist das Heimweh?

Rzatkowski: Letztes Jahr hatte ich am Anfang schon die Gedanken, ob das der richtige Schritt war. Da hatte ich auch mal Heimweh. Natürlich vermisse ich meine Freunde und Familie, aber die kommen mich besuchen. Meine Mutter war vergangenes Jahr hier – ich weiß nicht, ob sie sonst jemals nach New York gekommen wäre. Das ganze Leben hier ist aber so spannend, dass für Heimweh kaum Gedanken bleiben.

 

Mit Kacper Przybylko (Philadelphia Union) und Marcel Appiah (Birmingham Legion, 2. Liga) spielen noch zwei weitere ehemalige Arminia-Teamgefährten in den USA. Hatten Sie schon Kontakt?

Rzatkowski: Gegen Kacper und Philadelphia hatten wir im Trainingslager in Florida ein Freundschaftsspiel. Wir haben auch öfter über Instagram Kontakt. Es ist schön, mal wieder bekannte Gesichter zu sehen, die den gleichen Schritt gemacht haben. Er schien ebenfalls sehr glücklich und wir konnten über die alten Zeiten in Bielefeld quatschen.

 

Apropos Arminia: Wie haben Sie die Zeit beim DSC in Erinnerung?

Rzatkowski: An diese Zeit erinnere ich mich sehr gerne. Der Wechsel von Bochum nach Bielefeld war für mich damals ebenfalls ein großer Schritt – auch wenn Bochum nur eine Stunde von Bielefeld entfernt ist. Aber diese Leihe hat mir gezeigt, dass ich mehr sehen will von der Welt.

»Reinhold Yabo hat mich über Bielefeld ausgefragt«

Und sportlich?

Rzatkowski: Die Mannschaft war überragend. Mit Felix Burmeister und Tim Jerat habe ich noch immer Kontakt. Ich hatte mir auch absolut vorstellen können, das DSC-Trikot irgendwann wieder überzustreifen.

 

Mit Reinhold Yabo, der jetzt zum DSC zurückgekehrt ist, haben Sie in Salzburg zusammengespielt.

Rzatkowski: So viel kann ich verraten: Ray hat mich über Bielefeld ausgefragt. Ich habe ihm durchweg Positives über den Verein berichtet und ihm dazu geraten, diesen Schritt zu machen, wenn er die Chance hat.

 

Und wie ist Ihr Draht zu anderen deutschen Spielern in der MLS?

Rzatkowski: Ich kenne einige Spieler noch aus meiner Zeit in der zweiten Bundesliga. Nach dem Spiel gegen Chicago haben Bastian Schweinsteiger und ich uns über Erfahrungen ausgetauscht und geplaudert. Das war eines der besten Ereignisse für mich seit meinem Wechsel. So etwas hätte ich vielleicht sonst nie erlebt.

»Wechsel nach Amerika war die beste Entscheidung meiner Karriere«

Mit Spielern wie Kaka, Zlatan Ibrahimovic oder Schwein-steiger sind viele Spieler im Herbst ihrer Karriere in die USA gewechselt. Wie nehmen Sie die Liga diesbezüglich wahr?

Rzatkowski: Als ich vor einem Jahr hierher gekommen bin, war ich total überrascht, wie weit die Liga schon ist und was für tolle Spieler hier spielen. Nicht nur alte Stars, sondern auch junge Talente. Tyler Adams ist beispielsweise vor kurzem von RB New York zu RB Leipzig gewechselt. Die Spieler sind gut, das Niveau ist hoch. Mich hat am meisten überrascht, dass die Stadien sehr gut gefüllt sind. In Atlanta passen 70.000 Zuschauer in die Arena. Die Fans sind unglaublich. Das ist im Vergleich zur österreichischen Liga schon ein großer Unterschied.

 

Also steht Fußball nicht mehr so sehr im Schatten von Basketball, Football und Co.?

Rzatkowski: Ich kann mir vorstellen, dass der Fußball in ein paar Jahren einen noch höheren Stellenwert bekommt. Fußball hat das Interesse geweckt. Viele junge Menschen werden durch das Nachwuchssystem, das hier aufgebaut wurde, an den Fußball gebunden. Die Begeisterung wird immer größer, die Stadien sind voll und die Unterstützung der Fans ist riesig. Wie man die Amerikaner kennt, wollen sie auch in diesem Sport die Nummer eins der Welt werden – und dementsprechend versuchen sie, den Fußball aufzubauen.

 

Wenn ein Spieler Sie fragen würde, ob er in die USA wechseln sollte – was würden Sie antworten?

Rzatkowski: Das kommt darauf an, wie gut ich den Menschen kenne und ob ich ihm das vom Charakter her zutraue. Jede Karriere ist einzigartig – jeder trifft die für sich richtigen Entscheidungen. Der Wechsel nach Amerika war die beste Entscheidung meiner Karriere.

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