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Di., 12.03.2019

Timo Kraps und Sebastian Hallerbach spielen für Arminia Bielefeld in der eSport-Bundesliga Virtuell schon erstklassig

Timo Kraps (links) und Sebastian Hallerbach sind seit Januar für Arminia in der virtuellen Bundesliga am Ball.

Timo Kraps (links) und Sebastian Hallerbach sind seit Januar für Arminia in der virtuellen Bundesliga am Ball. Foto: Oliver Schwabe

Von Henrik Wittenborn

Bielefeld (WB). In der Bundesliga-Tabelle rangiert Arminia Bielefeld deutlich vor Hertha BSC, RB Leipzig und Eintracht Frankfurt. Das ist die Realität – zumindest in der virtuellen Welt.

Allerdings mischen für den DSC nicht Andreas Voglsammer, Brian Behrendt oder Fabian Klos in der Bundesliga mit, sondern Sebastian Hallerbach (27) und Timo Kraps (16). Die beiden eSportler starten seit Mitte Januar für Arminia in der »Virtual Bundesliga« – der Bundesliga der Fußball-Simulation »FIFA 2019«.

Für den DSC sind es die ersten Schritte auf dem eSport-Markt und in der virtuellen Bundesliga. Mit Hallerbach und Kraps sind Arminia zum Start gleich zwei Transfers geglückt, die in der deutschen eSport-Szene für Aufsehen gesorgt hatten. Hallerbach mischt seit Jahren in den Top 100 der Weltrangliste mit, Kraps gilt als eines der größten Nachwuchstalente.

»Arminia verbinde ich mit der Bundesliga, auch wenn ich kein Fan eines bestimmten Vereins bin«, sagt Hallerbach. Mit einem Augenzwinkern berichtet der 27-jährige Student der Wirtschaftspsychologie von der Brisanz in seinem Engagement für Arminia. »Ich komme aus Bochum. Und da ist das Verhältnis ja bekanntlich nicht das Beste.« Zum ersten Mal zur Konsole griff Hallerbach schon als Kind, damals noch nicht zur Xbox, sondern zum Nintendo 64.

Talent von Beratern und Agenturen entdeckt

Richtig Fahrt nahm seine Karriere allerdings erst in den vergangenen Jahren auf. »Da habe ich gemerkt, dass für mich mehr drin ist, als nur ›just for fun‹ gegen meine Freunde zu spielen.« Über gute Leistungen in der so genannten Weekend-League, in der »FIFA«-Spieler aus der ganzen Welt online verbunden sind und sich virtuell miteinander messen, glich seine Laufbahn schon fast der eines talentierten Nachwuchsfußballers.

»Wenn man dort konstant gute Leistungen bringt, werden Berater und Agenturen von alleine auf einen aufmerksam.« Eine Agentur, die Firma »eSportsReputation«, brachte letztlich auch eSport-Neuling Arminia,Kraps und Hallerbach zusammen.

Konsolen-Profi in Vollzeit

Timo Kraps steht wie Arminia noch am Anfang – und möglicherweise schon bald vor einem großen Schritt. »Vielleicht versuche ich es nach dem Schulabschluss mal ein Jahr als eSport-Profi. Es gibt in Deutschland schon einen Kreis von Menschen, der davon leben kann.« Seinen Aufwand von täglich etwa drei bis vier Trainingsstunden müsste Kraps dann allerdings mindestens verdoppeln.

Spätestens dann wird aus dem Spiel dann beruflicher Ernst: »Das Spiel macht mir immer noch großen Spaß, aber man spürt auch immer wieder den Druck.« Dass eSport für ihn mehr als ein Hobby werden könnte, davon bekam Timo Kraps schon früh einen Eindruck. Vergangenes Jahr qualifizierte er sich als Einzelspieler bereits für das Finale der virtuellen Bundesliga, durfte aber altersbedingt nicht teilnehmen.

Tägliches Training

Die Parallelen zum Profigeschäft hören bei Transfers und Aufwand allerdings nicht auf, sondern fangen gerade erst an. Trainiert wird täglich, aufgrund der Distanz zwischen den Wohnorten Herne (Hallerbach) und Dinslaken (Kraps) des Duos zumeist auf virtuellem Weg über ein Onlinenetzwerk.

Und auch ein Trainer gehört zum Bielefelder eSport-Team. Bloß heißt der nicht Uwe Neuhaus, sondern Daniel Steinbock. Dessen Aufgaben unterscheiden sich dabei aber gar nicht einmal so grundlegend von denen seines Pendants auf dem Trainingsplatz. »Auch unsere Gegner wollen analysiert werden«, sagt Hallerbach.

Und das gelte sogar in doppelter Hinsicht. Denn zum einen müssen sich die Bielefelder auf die virtuelle Mannschaft des nächsten Gegners vorbereiten, zum anderen auf die realen Menschen, die diese steuern. »Die Spielstile unterscheiden sich«, erklärt Hallerbach. »Im Moment wird es oft belohnt, wenn man defensiv steht und auf Konter lauert.«

Chancengleichheit wahren

Ganz so gravierend wie im realen Fußball-Geschäft sind die Unterschiede zwischen RB Leipzig und Arminia Bielefeld übrigens nicht. Um Chancengleichheit zu wahren und die individuelle Spielstärke in den Fokus zu rücken, haben alle Spieler in der »Virtual Bundesliga« – anders als sonst im »FIFA«-Spiel üblich – den gleichen Zahlenwert.

Dieser setzt sich aus vielen Einzelwerten zu einer Gesamtstärke eines jeden Spielers zusammen. »In der Bundesliga sind die einzelnen Mannschaften damit zu ungefähr 90 Prozent gleich stark«, erklärt Hallerbach.

Und das hat Einfluss auf das Spiel: »Es gibt viele Dinge, die man für sich ausnutzen kann. Zum Beispiel bestimmte Zonen auf dem Feld, in denen die Wahrscheinlichkeit ein Tor zu schießen deutlich höher ist. Der echte Fußball ist da deutlich variabler«, sagt Hallerbach.

System 4-2-3-1 beliebt

Die gerade nach dem Trainerwechsel von Jeff Saibene zu Uwe Neuhaus diskutierte Systemfrage – 4-4-2 oder 4-3-3 – haben Kraps, Hallerbach und Steinbock übrigens ganz anders beantwortet. »Wir spielen meistens im 4-2-3-1«, sagt Hallerbach und legt den Fokus auf Details.

»Fabian Klos ist mit seinen 1,94 Meter auch an der Konsole ein überragender Spieler. Und wenn der nächste Gegner zum Beispiel einen deutlich kleineren Rechtsverteidiger auf dem Platz hat, stellen wir Klos auf Linksaußen, um dort die Kopfballduelle zu gewinnen.«

Auch alle Hobbyspieler können Kraps und Hallerbach beruhigen, denn selbst die Profis verzweifeln von Zeit zu Zeit am Spiel. »Manchmal passieren bei ›FIFA‹ Dinge, die man nicht beeinflussen kann, obwohl man eigentlich alles richtig macht. Damit muss man klarkommen, das ist Kopfsache«, sagt Kraps.

Spieltage im Stadion denkbar

Am Spieltag enden die Gemeinsamkeiten mit den Vorbildern aus der realen Welt allmählich. Denn ein echtes Aufeinandertreffen sind die Duelle mit dem bereits als Meister feststehendem SV Werder Bremen, dem SV Sandhausen oder dem Hamburger SV nicht. Einzig Kraps und Hallerbach müssen sich am gleichen Ort einfinden, der Spieltag selbst wird online abgewickelt.

Überlegungen, das Spiel gegen den 1. FC Köln vor der Zweitliga-Partie im Rhein-Energie-Stadion am vergangenen Samstag auszutragen, mussten verworfen werden. Anders als für Klos & Co. sind für Kraps und Hallerbach pro Spieltag übrigens nicht nur drei, sondern neun Punkte drin. Ein Spieltag umfasst jeweils gleich drei Partien.

Den Anfang macht dabei zumeist PlayStation-Spezialist Kraps, der gegen seinen Kontrahenten an der gleichen Konsole um die ersten Punkte spielt. Es folgt Hallerbach mit dem Duell an der Xbox, der zweiten populären Konsole, für die die FIFA-Simulation jährlich erscheint. Zum Abschluss kommt es zum Doppel. An welcher Konsole das Zwei-gegen-Zwei ausgespielt wird, entscheidet dabei jeweils der Heimverein.

In der Tabelle abgerutscht

Nach überzeugendem Saisonstart, der Arminias eSport-Team zwischenzeitlich sogar auf Rang drei der Bundesliga-Tabelle brachte, wurde der DSC in den vergangenen Wochen durchgereicht und geht als 13. in den letzten Spieltag.

Am Dreifach-Spieltag am vergangenen Mittwoch sammelten Kraps und Hallerbach gegen den SV Darmstadt (0:9), den FC Schalke (1:7) und den 1. FC Köln (4:4) nur fünf von 27 möglichen Punkten. »Wir sind im Moment nicht ganz zufrieden«, sagt Hallerbach.

Modifikationen von »FIFA«-Hersteller EA Sports, so genannte Patches, hätten das Spiel »deutlich verändert. Damit haben wir ein bisschen zu kämpfen.« Trotz des jüngsten Abwärtstrends haben die Bielefelder allerdings noch Chancen auf eine Verlängerung der am Mittwoch mit dem Heimspiel gegen den VfL Bochum endenden regulären Saison.

Steht der DSC danach zwischen den Plätzen 7 und 16, kommt es zu Play-Off-Spielen um den Einzug in das »Grand Final« der Bundesliga. Für das sind die Top 6 der regulären Saison bereits vorqualifiziert.

Olympia: Absage von Bach

Ob Hallerbach und Kraps vor der Konsole sportlich aktiv sind, ist eine ebenso oft wie kontrovers diskutierte Frage. 2022 werden eSports zum ersten Mal zum Programm der Asienspiele gehören. Zwischenzeitlich war sogar eine Aufnahme ins olympische Programm für 2024 im Gespräch. Dem erteilte Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), im Juli 2018 allerdings eine Absage.

Timo Kraps vergleicht eSport deshalb eher mit Sportarten wie Darts oder Schach, und auch Sebastian Hallerbach scheut den Vergleich zwischen realem und virtuellem Sport. »Ich sehe das eher als Wettkampf«, sagt Hallerbach.

Und den Wettkampf mit den Konsolen-Profis sucht übrigens auch der eine oder andere DSC-Spieler. Andreas Voglsammer und Philipp Klewin wollen es noch mit Kraps und Hallerbach aufnehmen. Das hat der Teamkollege Keanu Staude schon hinter sich. Nach einer Hand voll Duelle mit Kraps wartet er allerdings noch auf seinen ersten Sieg. Für Staude & Co. ist der Weg in die Bundesliga eben auch virtuell noch weit.

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