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Mi., 10.04.2019

Fabian Klos und sein Bekenntnis zum DSC – der 31-Jährige im großen WESTFALEN-BLATT-Interview Für immer Arminia

Der Blick geht hinüber zu den Fans, die Hand ans Vereinswappen: »Ich kriege immer noch Gänsehaut, wenn ich beim Heimspiel einlaufe«, sagt Fabian Klos.

Der Blick geht hinüber zu den Fans, die Hand ans Vereinswappen: »Ich kriege immer noch Gänsehaut, wenn ich beim Heimspiel einlaufe«, sagt Fabian Klos. Foto: dpa

Bielefeld (WB). Fabian Klos und der DSC Arminia – seit beinahe acht Jahren gehen diese beiden gemeinsam durch dick und dünn. Und damit nicht genug. In der Vorwoche hat der Stürmer (13 Saisontore) seinen Vertrag beim Fußball-Zweitligisten vorzeitig bis 2021 verlängert. Mit den Redakteuren Sebastian Bauer und Dirk Schuster spricht der 31-Jährige über Bundesligafußball in Bielefeld, die zweite Karriere und er verrät, warum er derzeit so gut in Form ist.

Sind Sie mit dem neuen Vertrag rundum zufrieden, oder hätten Sie gerne länger als für zwei Jahre bei Arminia unterschrieben, Herr Klos?

Fabian Klos: Im Raum stand auch ein Vertrag über zwei Jahre mit der Option auf eine weitere Saison. Aber das wollte ich nicht. Ich bin kein Freund von diesen Options-Spielchen. Dass der Vertrag sich verlängert, wenn du eine gewisse Anzahl an Spielen erreicht hast. Das kann, wenn es schlecht läuft, einen faden Beigeschmack bekommen. Ich kann nicht in die Zukunft gucken und weiß nicht, wie meine übernächste Saison hier verläuft. Vielleicht komme ich dann gerade so auf die vereinbarte Anzahl Spiele und mein Vertrag verlängert sich. Aber was, wenn ich dann nur noch auf der Bank sitze? Wenn mein Vertrag in zwei Jahren wieder ausläuft, mein Körper noch fit ist und ich es mir dann noch zutraue, dann ist es das kleinste Problem, dass wir uns noch mal auf eine Verlängerung einigen – sofern beide Seiten es wollen würden.

Wenn Sie in zwei Jahren noch einmal einen neuen Vertrag unterschreiben sollten, dann nur bei Arminia? Oder wäre ein Wechsel dann womöglich noch mal ein Thema für Sie?

Klos: Ich werde definitiv nicht noch einmal den Verein wechseln. Das ist ausgeschlossen.

Spielt dabei eine Rolle, dass Sie hier in Bielefeld Legendenstatus genießen?

Klos: Natürlich. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ich noch einmal woanders hingewechselt wäre, hätte ich nie wieder das erreichen können, was ich hier schon erreicht habe. Jeder Mensch würde lügen, wenn er sagt, dass er es nicht genießt, wenn er sich einen gewissen Status erarbeitet hat. Ich genieße immer noch jeden Moment. Auch nach fast acht Jahren hier kriege ich Gänsehaut, wenn ich beim Heimspiel einlaufe. Das ist keine Floskel. Das ist einfach so.

Es heißt, auch andere Vereine seien an einer Verpflichtung interessiert gewesen.

Klos: Interessenten gab es, aber gesprochen habe ich tatsächlich mit niemandem. Seit den ersten Gesprächen im Sommertrainingslager haben wirklich alle Seiten an einer Lösung gearbeitet. Darum war für meinen Berater Kai Michalke und mich klar, dass wir uns andere Anfragen zwar anhören, aber mit niemandem sprechen. Ich finde, das gehört sich so, wenn man in Vertragsverhandlungen mit seinem Verein steht. Es mag Spieler geben, die das vielleicht ausnutzen, um die Verhandlungsposition zu verbessern. Aber ich hatte nicht das Gefühl, dass ich das hier nötig habe.

Wie konkret sind Ihre Überlegungen für die Zeit nach 2021?

Klos: Was dann sein wird, hängt nicht zuletzt davon ab, wie mein Körper sich entwickelt. Ich kann aber sagen, dass wir in Sachen Anschlussbeschäftigung vertraglich nichts festgehalten haben. Und zwar deshalb, weil beide Seiten – und ganz besonders ich – noch gar nicht genau sagen könnte, welche Position ich danach anstrebe. Der Wille ist aber da. Beide Seiten haben deutlich gemacht, sich eine weitere Zusammenarbeit zu wünschen. Stand jetzt gibt es verschiedene Optionen.

Welche?

Klos: Es gibt viele Stellen, die mich interessieren. Das Einzige, was ich ausschließen kann: Ich sehe mich nicht im Managementbereich. Samir Arabi kann seinen Job gerne behalten (lacht). Den macht er gut und den darf er gerne so weiter machen. Ansonsten bin ich sehr schwankend. Der Trainerberuf reizt mich nach wie vor. Und es gibt immer Punkte, an denen die Zusammenarbeit zwischen Mannschaft und Verantwortlichen im organisatorischen Bereich optimiert werden könnte. Aus meiner Sicht wäre es nicht verkehrt, wenn das jemand machen würde, der die Abläufe noch genau kennt, weil er gerade erst aus dem Aktiven-Betrieb raus ist. Andererseits interessiere ich mich auch für die journalistischen Bereiche.

Abgesehen von den journalistischen Bereichen klingt das ein wenig nach einer Rolle, wie Sebastian Kehl sie bei Borussia Dortmund bekleidet, der dort als Leiter der Lizenzspielerabteilung arbeitet.

Klos: Wenn es am Ende so käme, würde ich mich in dieser Rolle sicher gut zurecht finden.

Apropos Trainer: Wie beurteilen Sie Ihr Verhältnis zu Uwe Neuhaus? Er hat ja bereits durchblicken lassen, dass er Sie damals gerne auch nach Dresden geholt hätte, als er dort noch gearbeitet hat.

Klos: Ja, wir haben uns schon damals gut verstanden. Und als er dann zu Arminia kam, habe ich vom ersten Tag an das Vertrauen gespürt. Er hat mir von Anfang an das Gefühl gegeben, dass er komplett auf mich setzt – sowohl in der Aufstellung als auch im Umgang mit der Mannschaft als Führungsspieler. Das gibt mir ein gutes Gefühl. Andersherum habe ich ihm auch zu verstehen gegeben, dass ich mich durchaus freue, dass wir einen guten Trainer bekommen haben.

Wie wichtig ist es Ihnen, dieses Vertrauen zu spüren?

Klos: Egal ob du 31, 21 oder 18 Jahre alt bist: Für jeden Spieler ist es wichtig, dass er das Vertrauen des Trainers spürt. Und wenn jemand etwas anderes erzählt, dann lügt er. Ich glaube, dass Spieler, die das Vertrauen spüren, ganz anders auftreten, als wenn sie das Gefühl haben, dass sie beim nächsten schlechten Spiel gleich wieder raus sind. Das macht Uwe Neuhaus gut. Auch einigen derer, die sich in der Hinrunde nicht so gut präsentiert haben, schenkt er das Vertrauen.

Hatte Ihre Entscheidung, noch einmal zu verlängern, auch mit Uwe Neuhaus zu tun?

Klos: Nein, das war eine Entscheidung ausschließlich pro Arminia und sie ist völlig unabhängig von Personen gefallen. Als wir die ersten Gespräche geführt haben, hieß der Trainer noch Jeff Saibene.

Glauben Sie, dass es Ihnen gelingen kann, sich in den nächsten zwei Jahren den Traum von der 1. Liga zu verwirklichen?

Klos: Das würde ja bedeuten, dass wir mit Arminia aufsteigen. Ich würde es nicht ausschließen. Aber ich werde jetzt auch nicht den Masterplan ausrufen, dass wir nächste Saison nach oben müssen. Das ist in der 2. Liga ganz schwer planbar, weil von oben immer zwei gute Klubs runterkommen. Die gelten beinahe automatisch als gesetzt, was die ersten beide Plätze betrifft. Ich glaube aber, dass die Möglichkeit für einen Verein wie Arminia immer besteht, mal oben ranzuschnuppern. Letztes Jahr waren wir mit Platz vier schon kurz davor. Es wäre ein Mega-Highlight, wenn wir mit Arminia um den Aufstieg mitspielen würden.

Hat während Ihrer Laufbahn auch mal ein Bundesligaverein bei Ihnen angefragt?

Klos: Aus der Bundesliga gab es nie ein konkretes Angebot.

Sehen Sie Arminia in der Lage, den Punkteschnitt unter Uwe Neuhaus, der dem eines Aufstiegskandidaten entspricht, auch über eine ganze Saison zu bestätigen?

Klos: Fußball ist ja leider nicht planbar. Ich denke, dass in der Mannschaft deutlich mehr Potenzial steckt, als wir es in der Hinrunde gezeigt haben. Was wir jetzt zeigen, das muss der Anspruch an uns selbst sein. Wenn wir das bis zum Ende der Serie aufrechterhalten und dann in die neue Saison mitnehmen könnten, wäre das super. Ich schätze Uwe Neuhaus als einen Menschen ein, der sehr ehrgeizig ist. Der wird nicht in die neue Spielzeit gehen und sagen: Wir wollen Neunter oder Zehnter werden. Um auf die Frage zurückzukommen: Das Potenzial sehe ich hier auf jeden Fall.

Was muss auf dem Platz noch besser werden?

Klos: Manchmal fehlt uns gerade in engen Spielen noch ein bisschen der Mut, so zu spielen, wie wir uns das vornehmen. Im Training lösen wir das oft deutlich besser. Bloß dass dann eben auch nicht der Druck herrscht wie bei einem Spiel. Aber Uwe Neuhaus hat vom ersten Tag an gesagt: Fehler sind erlaubt. Und jetzt passieren auch mal Fehler, weil wir den Mut haben, diese zu machen. Das ist besser, als jeden Ball nur blind lang nach vorne zu schlagen.

Es ist kein Geheimnis, dass Julian Börner und Sie ein besonderes Verhältnis haben. Würden Sie sich wünschen, dass auch mit ihm verlängert wird?

Klos: Ich verliere ungern lieb gewonnene Mitspieler. Im vergangenen Sommer sind mit Florian Dick und Christoph Hemlein Spieler gegangen, mit denen ich mich gut verstanden habe. Natürlich würde ich mich freuen, wenn Börni hier verlängert und ich würde mich auch freuen, wenn Stephan Salger bleiben würde. Das sind Menschen, die mir sehr ans Herz gewachsen sind und mit denen ich eine sehr enge Freundschaft pflege. Aber als Mitspieler hat man darauf leider keinen Einfluss.

Wieso spielen Sie im Moment eigentlich so gut?

Klos: Früher war mal entscheidend, ob man ein guter oder ein nicht so guter Spieler war. Heutzutage ist ein Spieler manchmal nicht mehr interessant, nur weil er schon 30 ist. Wenn man bei mir nach dem Alter geht, hätte ich seit vier Jahren schlechter werden müssen. Mir geht es einfach gut. Da spielen immer ganz viele Faktoren eine Rolle. Privat muss es gut laufen, der Körper muss mitspielen. Seit zwei Jahren geht es mir körperlich richtig gut. Diese kleinen Umstellungen vor zwei Jahren haben mir sehr gut getan.

Was genau haben Sie denn umgestellt?

Klos: Es hat gereicht, Kleinigkeiten zu verändern. Ich habe nur anders gegessen. Manches habe ich weggelassen, und ich esse nun zu anderen Zeiten. Außerdem bin ich häufiger als vorher im Kraftraum zu finden.

Wenn der Vertrag ausläuft, sind Sie zehn Jahre bei Arminia gewesen. Befürchten Sie, dass Sie sich eines Tages ärgern könnten, nicht doch noch mal woanders hingegangen zu sein?

Klos: Nein, absolut nicht. Andere brauchen einen Vereinswechsel vielleicht auch deshalb, um sich selbst etwas zu beweisen. Für mich ist der Reiz, meine Leistungen hier Jahr für Jahr zu bestätigen. Ich hatte nie das Gefühl, mal einen Standortwechsel machen zu müssen. Bei Arminia habe ich mir so viel aufgebaut und habe im Verein und in der Stadt ein so gutes Standing. Ich glaube das die Worte Arminia Bielefeld und Fabian Klos mittlerweile fast in einem Atemzug genannt werden.

Ist Bielefeld für Sie mittlerweile Heimat? Auch ihre Frau kommt ja von hier.

Klos: Ja, definitiv. Wir haben fest vor, uns hier niederzulassen. Wir wollen den Lebensmittelpunkt hier in Bielefeld behalten und stehen vor der Frage, ob es sinnvoller ist, Geld in ein Eigenheim zu investieren anstatt es für die Miete auszugeben. Aber die Grundstückssuche in Bielefeld gestaltet sich nicht ganz so einfach.

Wie nehmen Sie aus Spielersicht die Hilfe durch das »Bündnis Ostwestfalen« wahr? Sie haben hier wirtschaftlich ja auch schon ganz andere Zeiten erlebt.

Klos: Als ich vorige Woche den Vertrag unterschrieben habe, haben Samir Arabi und ich auch über die Anfangszeit hier gesprochen. Wir haben 2011 ja zusammen bei Arminia angefangen. Bei meinem ersten Training hatten wir weder einen Hauptsponsor noch eine Lizenz für die 3. Liga. Wenn man sich ansieht, was sich über die Jahre entwickelt hat, dann ist das schon eine deutliche Steigerung. Das »Bündnis Ostwestfalen« hat uns wirtschaftlich gerettet. Dafür muss man sehr dankbar sein. Dadurch ergeben sich neue Möglichkeiten – womöglich auch im Hinblick auf die Verpflichtung neuer Spieler.

Was hätten Sie eigentlich gemacht, wenn Sie nicht Fußballprofi geworden wären?

Klos: Darüber habe ich vor kurzem auch schon mal mit meinem Vater gesprochen. Wir konnten uns auf keine Antwort einigen. Ich habe damals in einer Bank in Braunschweig meine Ausbildung angefangen. Das einzige, was ich da gelernt habe, war, dass ich das nicht mein Leben lang machen möchte. Am Ende des Gesprächs haben wir uns darauf geeinigt, dass alles genau so kommen sollte: Ich gehöre einfach auf den Fußballplatz. Und bin froh darüber, wie es gekommen ist.

Kommentare

Ja,ja die Mannschaft...

Die Mannschaft steht im Vordergrund,na klar.Ist ja Mannschaftssport.Was zeichnet eine Mannschaft aus?Gewachsene Herachie innerhalb der Mannschaft.Natürlich sind einem die Weggefährten ans Herz gewachsen.Vermutlich mehr,als ein Trainer,der diesen alten Recken aufzeigt,das ihr Leistungsvermögen beschränkt ist...Das muss man schon mal als Mannschaft zusammen zusammen halten und dem Trainer die Grenzen aufzeigen,zumal ein Sportchef ja immer die Hand über einem hält....über seiner Mannschaft natürlich.10 Spiele durfte man sich dieses hervorragende mannschaftliche Gefüge anschauen.Ich bin da wirklich dankbar für....meine 4 DK werden auslaufen, sobald Börner und Salger verlängern werden...ich haben keine Lust mehr auf 11 Freunde und ein Trainer auf dem Platz....

Eine Legende...

Wahnsinnig sympatisch, der Klose. Sowas sucht man in anderen Vereinen. Da kann man stolz drauf sein. Nur ein Eigenheim in Bielefeld sollte doch für Familie Klos zu finden sein...;-)

2 Kommentare

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