>

Do., 09.05.2019

Früher spielte Oliver Kirch unter Jürgen Klopp beim BVB – heute schätzt er ihn als Ratgeber »Diesen Typen kann man nicht kopieren«

Gemeinsam für Borussia Dortmund: Mittelfeldspieler Oliver Kirch und Trainer Jürgen Klopp erlebten erinnerungsträchtige Champions-League-Abende.

Gemeinsam für Borussia Dortmund: Mittelfeldspieler Oliver Kirch und Trainer Jürgen Klopp erlebten erinnerungsträchtige Champions-League-Abende. Foto: imago

Von Dirk Schuster

Bielefeld (WB). Europa verneigt sich vor Jürgen Klopp, es ist die Rede von einem Fußball-Wunder, das der Trainer mit seinem FC Liverpool im Halbfinale der Champions-League gegen Barcelona vollbracht hat. Dem Hinspiel-0:3 ließ der Premier-League-Klub am Dienstag ein 4:0 im Rückspiel folgen . Im Endspiel treffen die Reds nun auf Tottenham. Oliver Kirch, Ex-Spieler von Klopp bei Borussia Dortmund und heute Trainer im Jugendbereich seines früheren Vereins Arminia Bielefeld (2007-2010), freut das sehr. Überrascht hat es den 36-Jährigen nicht. Weil er Klopp sehr gut kennt.

Hand aufs Herz, Herr Kirch: Hatten Sie vorher daran geglaubt, dass Liverpool das Ding noch drehen kann?

Oliver Kirch: Ja, das habe ich wirklich. Wenn es in dieser Ausgangslage eine Mannschaft gibt, die das schaffen kann, ist es Liverpool. Und wenn es einen Trainer gibt, der vermitteln kann, dass noch alles möglich ist, dann ist es Jürgen Klopp. Das alles ist genau sein Ding, genau seine Handschrift.

Auch wenn es für Sie, Klopp und den BVB 2014 gegen Real Madrid trotz des 2:0-Sieges im Rückspiel (Hinspiel 0:3) nicht zum Halbfinaleinzug in der Champions League reichte: Überwiegen die positiven oder die negativen Erinnerungen an diese Partie, nach der Sie mit Lob überhäuft wurden?

Kirch: Ich habe mich eine Zeit lang dagegen gewehrt, dass das Spiel gegen Real das beste meiner Karriere gewesen sein soll. Ich dachte immer: Hey, ich habe doch auch andere gute Spiele gemacht, aber da war der Gegner vielleicht nicht so namhaft und das Ereignis nicht so besonders. Rückblickend muss ich sagen: Natürlich war es das größte Spiel meines Lebens. Dass ich fünf Jahre später deswegen noch angerufen werde, ist ja auch irgendwie cool. So in Erinnerung zu bleiben, ist nicht das Schlechteste.

Oliver Kirch (rechts) ist aktuell Co-Trainer bei Arminias U17. Foto: Starke

Sie haben damals wenig gespielt, waren darum eine der größten Überraschungen in der Anfangself.

Kirch: Das stimmt, ich hatte zunächst wenig Spielanteile. Klopp und ich hatten ein paar Wochen vor dem Madrid-Spiel eine Aussprache, danach kam ich häufiger zum Einsatz. Insofern hatte ich schon ein bisschen damit gerechnet, dass ich gegen Real aufgestellt werden könnte.

Auch jetzt gegen Barcelona musste Klopp ausfallbedingt Profis aus der zweiten Reihe einbauen, die voll einschlugen. Sind Sie überrascht, wie gut es ihm offenbar auch in englischer Sprache gelingt, den Nerv der Spieler zu treffen?

Kirch: Eigentlich nicht. Schon damals hat er die Champions-League-Pressekonferenzen auf Englisch sehr gut und souverän absolviert. Er ist jetzt ja auch schon in seiner vierten Saison dort. Und manchmal sind es weniger die Worte als vielmehr die Ausstrahlung, auf die es ankommt. Er hat einfach diese besondere Aura – und die ist sprachenunabhängig.

Wäre es im Hinblick auf das Champions-League-Endspiel am 1. Juni in Madrid ein Knacks, wenn Liverpool in der Liga nur Zweiter werden würde?

Kirch: Nein, das eine hat mit dem anderen jetzt nichts mehr zu tun. Die Meisterschaft haben sie nicht mehr in der Hand. Wenn sie wirklich mit 97 Punkten Vize werden sollten und Manchester City am Ende einen Punkt mehr hat, dann kannst du nichts machen. Liverpools Premier-League-Saison war dann trotzdem herausragend.

Haben Sie sich bei Jürgen Klopp etwas abschauen können, das Sie auch für Ihre eigene Trainerlaufbahn nutzen?

Kirch: Jürgen war die prägend­ste Trainerfigur, die ich während meiner Spielerkarriere hatte. Es gibt 1000 Dinge, die man sich bei ihm abschauen kann, aber die sind nicht so ohne weiteres übertragbar. Dass ich in meiner künftigen Cheftrainerrolle bei Arminias U19 – bewusst oder unbewusst – etwas von ihm übernehmen werde, ist ja irgendwie klar. Von Leuten etwas mitnehmen, die es gut können, ist nie verkehrt. Aber 1:1 kopieren kann man diesen Typen sowieso nicht. Ich muss meinen eigenen Weg finden.

Haben Sie Klopp eigentlich schon gratuliert?

Kirch: Ich habe ihm per Textnachricht gratuliert und ich hatte ihm auch schon vor dem Spiel geschrieben. Das passiert eigentlich regelmäßig.

Oliver Kirch spielte von 2007 bis 2010 bei Arminia. Foto: Starke

Streben auch Sie einen Job im Profibereich an?

Kirch: Erstmal ein Schritt nach dem nächsten. Ich gehe ab Sommer in meine erste Saison als Cheftrainer überhaupt. Die A-Lizenz steht noch aus. Diese werde ich im Zuge der Übernahme des Traineramtes bei der U19 zur kommenden Saison schnellstmöglich angehen. Perspektivisch ist es schon mein Plan, die Fußballlehrer-Lizenz zu erwerben, die mir ermöglichen würde, im Profibereich zu arbeiten.

Haben Sie Klopp vor Beginn Ihrer Trainerlaufbahn mal um Rat gefragt?

Kirch: Bei einem Besuch in Liverpool habe ihm erzählt, was ich vorhabe, dass ich mir viel angucken und hier und da hospitieren möchte. Er meinte: »Super, das machen ja auch schon ganz viele. Aber es wäre doch vielleicht noch viel cooler, direkt den Weg einzuschlagen und in der Praxis zu gucken, ob es was für dich ist.« Im Nachhinein war das der beste Rat, den ich bekommen habe. Ich habe einen Termin mit Finn Holsing (Leiter des Arminia-Nachwuchsleistungszentrums) vereinbart. Wir haben uns unterhalten. Zwei Tage später war es dann schon so weit. Weil in der damaligen U23 personeller Bedarf herrschte, durfte ich reinschnuppern. Das ist jetzt rund ein Jahr her. Heute muss sich sagen: Der Sprung ins kalte Wasser war genau richtig. Wenn Kloppo damals gedacht hätte: »Olli, du als Trainer? Mmmmh, mach doch lieber was anderes«, dann hätte er mir das auch so gesagt. Diese Ehrlichkeit zeichnet ihn aus. Darum war es mir wichtig, seine Meinung zu bekommen.

Von Liverpool nach Paderborn: Sie haben in Ihrer Laufbahn auch sieben Zweitligaeinsätze für den SCP bestritten. Glauben Sie, dass Paderborn in dieser Saison den Sprung in die 1. Liga schaffen wird?

Kirch: Das kann ich mir gut vorstellen. Die Paderborner spielen sehr konstant, begeisternd, offensiv und ohne Angst. Ich glaube nicht, dass die Niederlage in Bielefeld daran hindern wird, gegen Hamburg wieder an die vorherigen Leistungen anzuknüpfen. Wenngleich ich sagen muss, dass ich mich auch sehr freue, dass Arminia sich derart stabilisiert hat.

Hatten Sie bereits Gelegenheit, sich mit Arminias Chefcoach Uwe Neuhaus einmal intensiver auszutauschen?

Kirch: Leider noch nicht. Bisher haben wir immer nur kurz zwischen Tür und Angel miteinander geredet. Aber nicht zuletzt im Hinblick auf die neue Serie und meine neue Tätigkeit möchte ich mich unbedingt einmal länger und gerne auch regelmäßig mit ihm austauschen. Die U19 ist für unsere Profis ein wichtiger Unterbau.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6599039?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2536432%2F