>

Sa., 25.05.2019

Arminias Sportchef Samir Arabi über Ziele, Geld und einen großen Umzug – mit Video Das Ziel Aufstieg ausrufen, »das wäre unseriös«

Arminia Bielefelds Sport-Geschäftsführer Samir Arabi (40)

Arminia Bielefelds Sport-Geschäftsführer Samir Arabi (40) Foto: Thomas F. Starke

Bielefeld (WB). Für die Entscheidung, sich von Trainer Jeff Saibene zu trennen, ist Samir Arabi (40) Ende vergangenen Jahres teils heftig kritisiert worden. Doch mit der Verpflichtung von Uwe Neuhaus gelang dem Sport-Geschäftsführer ein Glücksgriff. Aus dem Abstiegskandidaten Arminia wurde das zweitbeste Team der Rückrunde . Wie Arabi über Arminias Perspektiven denkt, was der Zweitligist mit »Deutschland sucht den Superstar« gemeinsam hat und wie der Ausbau des Trainingszentrums vorangetrieben wird, erläutert er im Gespräch mit Sebastian Bauer und Dirk Schuster.

Arminias Nachbar SC Paderborn ist in die 1. Liga aufgestiegen. Befürchten Sie nun, dass Sponsoren und Zuschauer abwandern könnten, Herr Arabi?

Samir Arabi: Zunächst einmal muss ich sagen: Es gab in der abgelaufenen Saison drei Profiklubs in Deutschland, vor denen man einfach den Hut ziehen muss. Das sind Fortuna Düsseldorf in der 1., der SC Paderborn in der 2. und der VfL Osnabrück in der 3. Liga. All denen kann man nur gratulieren. Dass uns der Aufstieg des SC Paderborn einen Platz in der TV-Geld-Tabelle und damit ungefähr eine halbe Million Euro kostet, ist bekannt. Und dass einige Eventfans in der nächsten Serie gern mal Bayern München oder Borussia Dortmund live sehen möchten, mag durchaus sein. Aber ich bin überzeugt, dass wir uns auch weiterhin auf unsere treuen Anhänger und Partner verlassen können.

2018 Platz vier, 2019 Platz sieben – mit welchen Zielen geht Arminia in die neue Saison?

Arabi: Mit dem Ziel, unseren Spielstil weiter zu optimieren, weiter gierig zu sein und die Ergebnisse der letzten beiden Jahre zu bestätigen. Wir wollen uns in der 2. Liga weiter stabilisieren. Wir müssen das Maximum wollen – aber wir müssen auch wissen, wo wir herkommen.

 

Wie meinen Sie das?

Arabi: Unter den ersten vier Teams der Abschlusstabelle befindet sich genau ein Ausreißer, das ist Paderborn. Die anderen drei sind in der abgelaufenen Serie gemeinsam mit Ingolstadt die finanzstärksten Klubs der Liga gewesen. Ich bin mir sicher, dass es auch in der kommenden Saison wieder ein Überraschungsteam geben wird. Und wir würden uns nicht dagegen wehren, wenn wir das wären. Aber man kann sich nicht hinstellen und sagen: Hey, wir wollen jetzt aufsteigen! Das wäre unseriös. Wir haben ambitionierte Ziele, aber wir sind keine Fantasten. Die Erstligaabsteiger Nürnberg und Hannover werden wieder angreifen wollen. Das gilt genau so für Union Berlin oder den VfB Stuttgart, für St. Pauli und den HSV. Alles Vereine, die in der kommenden Serie teilweise mit einem Etat von weit über 20 Millionen Euro planen können.

 

Aber dass nach Platz vier und – trotz einer schwierigen Saison – Platz sieben Begehrlichkeiten geweckt werden…

Arabi: … kann ich nicht verstehen. Ich will nicht auf die Spaßbremse treten, aber wir sind gut beraten, die Realität nicht aus den Augen zu verlieren. Ich erinnere daran, dass uns noch im Winter von nicht wenigen die Zweitligatauglichkeit abgesprochen worden war.

 

Der SC Paderborn ist mit 57 Punkten aufgestiegen. Arminia hat in den 17 Rückrundenspielen unter Uwe Neuhaus 31 Punkte geholt.

Arabi: Ja, auch ich kann rechnen und weiß, dass das auf eine ganze Serie übertragen 62 Punkte bedeuten und ziemlich sicher reichen würde, um aufzusteigen.

 

Wieso also sollte bei Arminia nicht funktionieren, was in Paderborn funktioniert hat?

Arabi: Der Vergleich hinkt. Der SC Paderborn hat seit 24 Monaten einen unglaublichen Flow. Was in dieser Zeit passiert ist, war so nicht wirklich planbar. Das war absolut außergewöhnlich. Zudem stelle ich mal die Gegenfrage: Wieso geht das beim HSV nicht, wieso muss Stuttgart trotz eines Investitionsvolumens von 60 Millionen vor der Saison jetzt in der Relegation antreten? Ich verstehe, dass die Blicke nach Paderborn gehen, weil der Klub sich in unserer direkten Nachbarschaft befindet. Aber wenn stattdessen Regensburg aufgestiegen wäre, würde das hier viel weniger wahrgenommen werden. Und klar ist auch: 1860 München, Duisburg, Lautern, Aachen, Essen – das sind alles Vereine, die liebend gern mit Arminia tauschen würden.

 

Verfügt Arminia hinsichtlich der neuen Saison über die finanziellen Möglichkeiten, den Kader zu verstärken oder lediglich zu ergänzen?

Arabi: Wer hätte denn gedacht, dass Jonathan Clauss, den wir für kleines Geld verpflichten konnten, sich als Verstärkung entpuppen würde? Und wer garantiert einem, dass ein Spieler, der 2,5 Millionen Euro Ablöse kostet, auch wirklich eine Verstärkung ist? Dass wir, wie mancher glaubt, dank des »Bündnis Ostwestfalen« nur noch deutsche Nationalspieler verpflichten können, entspricht leider nicht der Realität. Stand heute werden wir nicht einen Euro mehr für unseren Lizenzspielerkader zur Verfügung haben als in der abgelaufenen Saison (geschätzt neun bis zehn Millionen Euro; die Redaktion). Wenn aber morgen jemand kommt und sagt, wir wollen jetzt richtig angreifen und entsprechende Mittel zur Verfügung stellt, bin ich der Letzte, der Nein sagt.

 

Welche Probleme bringt der kurzfristige Abschied von Julian Börner zu Sheffield Wednesday hinsichtlich der Kaderplanung mit sich und wie wollen sie diese lösen?

Arabi: Indem wir den Vertrag mit Stephan Salger verlängert haben, haben wir ja bereits damit begonnen, uns der Sache anzunehmen. Wir sind froh, das mit ihm hinbekommen zu haben, denn es gab das eine oder andere Interesse an ihm. Ich schätze es sehr, dass in den Gesprächen mit ihm alles offen und transparent abgelaufen ist. Da gab es nichts, was den Eindruck hätte wecken können, dass man an der Nase herumgeführt wird. Trotzdem werden wir noch einen weiteren Innenverteidiger verpflichten.

 

Börner war der Kapitän, Salger gilt nicht unbedingt als Führungsspieler. Suchen Sie nun einen neuen Abwehrchef?

Arabi: Ja, aber es ist ein sehr schwieriger Markt. Positiv ist, dass alle unsere drei Innenverteidiger, also auch Brian Behrendt und Amos Pieper, ihre Qualitäten bereits nachgewiesen haben. Das bedeutet, dass wir keine schlaflose Nacht haben müssen, wenn wir zwei dieser drei aufstellen. An Stephan Salger schätze ich sehr, dass er auch dann immer ein topprofessionelles Verhalten zeigt, wenn er nicht spielt. Aber wir haben ihm bei seiner Vertragsverlängerung nicht gesagt: »Stephan, du bist jetzt die Nummer vier«, oder »Stephan, du bist ein Stand-by-Spieler«. Auch er möchte spielen. Ich sehe in der Abwehr einen offenen Konkurrenzkampf.

 

Wie läuft das ab, wenn es um potenzielle Neuzugänge geht? Kommt der erste Vorschlag stets von Ihnen, oder bringen auch der Trainer und die Scouts Namen ins Gespräch?

Arabi: Uwe Neuhaus verfügt über viel Erfahrung und gute Kontakte. Es wäre ja verrückt, wenn wir das nicht nutzen würden. Doch grundsätzlich gilt – so ähnlich wie bei »Deutschland sucht den Superstar« – dass auch bei uns drei Mal gebuzzert werden muss, bevor wir einen Spieler unter Vertrag nehmen. Wir brauchen drei Mal ein Ja – von der Scoutingabteilung, von mir und vom Trainerteam. Sonst verpflichten wir einen Spieler nicht. Eine Zweidrittelmehrheit genügt nicht.

 

Der Vertrag von Uwe Neuhaus läuft noch für ein Jahr. Haben Sie bereits über eine langfristige Zusammenarbeit gesprochen?

Arabi: Nein, noch nicht. Aber bei Uwe und mir ist es so: Wir wissen beide, wo wir hinwollen und ticken ähnlich. Ich schätze seine Arbeitsweise, seinen Fleiß. An einem Freitagabend 400 Kilometer durch die Weltgeschichte zu fahren, um sich in einer unteren Liga ein Talent anzugucken, macht nicht jeder. Wir treffen uns regelmäßig, tauschen uns aus – was natürlich auch damit zu tun haben kann, dass wir beide sehr gern und vielleicht auch manchmal zu viel Kaffee trinken (lacht).

 

Uwe Neuhaus ist 59. Im Interview mit dieser Zeitung hat er gesagt, dass er auch als Trainer noch in die 1. Liga will.

Arabi: Jeder will da hin. Was uns unterscheidet: Uwe war schon in der Bundesliga und weiß, wie schön das ist. Das treibt ihn an. Ich war noch nicht dort, habe aufgrund meines Alters vermeintlich aber auch noch etwas mehr Zeit als er, dieses Ziel zu erreichen.

 

Der Markt ist aktuell stark in Bewegung. Bleiben Sie zur neuen Saison denn bei Arminia?

Arabi: Davon gehe ich aus. Ich bin nicht auf der Flucht. Jobzufriedenheit ist wichtig für mich. Dazu gehören das Gefühl und die Gewissheit, mit den Leuten um mich herum etwas entwickeln zu können. Vertrauen und Loyalität sind neben der erforderlichen Kompetenz ganz wichtige Bausteine. Leute um mich herum wie Markus Rejek (Finanz-Geschäftsführer) und Uwe Neuhaus vereinen das auf sich. Man müsste sich also schon sehr genau überlegen, wofür man das aufgibt.

 

Es ist kein Geheimnis, dass viele DSC-Mitarbeiter, auch Uwe Neuhaus und Sie, die große Entfernung zwischen der Schüco-Arena mit der Geschäftsstelle im Bielefelder Westen und dem Trainingszentrum im Osten der Stadt als nachteilig empfinden. Wie soll das gelöst werden?

Arabi: Uns liegt die Zusage der Stadt Bielefeld vor, dass wir mit unserem Trainingszentrum am Standort Friedrich-Hagemann-Straße bleiben können. Andere Standorte sind dagegen nicht realisierbar, das Thema Umzug ist damit vom Tisch. Das bedeutet, wir haben jetzt Klarheit und können in die Planung gehen. Noch ist es eine Soll-Vorschrift, dass jeder Klub der 1. und 2. Liga über einen beheizbaren Trainingsplatz verfügen muss, aber bald wird das zur Pflicht werden. Also wollen wir uns jetzt schon an die Arbeit machen und werden in Kürze damit beginnen, einen unserer Plätze entsprechend auszustatten. Zudem werden wir einen zusätzlichen Rasenplatz für unsere Teams des Nachwuchsleistungszentrums schaffen. Dabei geht es um einen siebenstelligen Betrag, den wir investieren müssen.

 

Würde dann auch die Geschäftsstelle vom Stadion an die Hagemann-Straße ziehen?

Arabi: Es ist der Plan, dass wir irgendwann auch in Gebäude investieren werden. Wobei wir bei einem kompletten Umzug der Geschäftsstelle genau prüfen müssen, ob ein Umzug abseits der inhaltlichen Themen auch wirtschaftlich Sinn macht. Aber alles zu seiner Zeit.

 

Woher soll das Geld kommen?

Arabi: Das müssen wir uns peu a peu erarbeiten. Außerplanmäßige Erfolge, zum Beispiel im DFB-Pokal, oder Transfereinnahmen könnten helfen. Wir wollen aber nicht ins Risiko gehen.

 

Liegt eine Anfrage für einen Ihrer Spieler vor?

Arabi: Nein, aktuell nicht.

 

Wie eng ist der Austausch mit den Bündnispartnern?

Arabi: Sehr eng und sehr regelmäßig. Wir informieren dabei über die wichtigen Themen. Die Partner sind überaus wissbegierig hinsichtlich der unternehmerischen Themen, die sehr fußballspezifisch sind. Auch für uns ist dieser Dialog ausgesprochen interessant. Uns geht es um die Frage: Was macht ihr in euren Unternehmen? Welche Ansätze gibt es, die wir auf den Fußball projizieren können? Das ist ein spannendes Miteinander.

Kommentare

Unerträglich

Ein Mensch ohne Visionen, emotionslos und ohne Geschick. Wer so daher redet, entfacht kein Feuer und erst Recht nicht den Glauben bei der Mannschaft, mehr als das Mittelmaß zu erreichen. Was treibt den Verein nur an, stoisch auf die Karte Arabi zu setzen ? Teure Fehleinkäufe, ohne jeglichen Nutzen für den Verein, sowie naive Vertragsverhandlungen, sowohl mit Spielern, als auch mit Trainern, zeichen diesen GF Sport aus. Und derselbe Mann spricht darüber, dass das Geld für Verpflichtungen hart erarbeitet werden muss. Unglaublich! Stände das Geld zur Verfügung, dass Herr Arabi in den letzten Jahren mutwillig verbrannt hat, ließe sich die Zukunft anders gestalten.

Lichtjahre

Du hast ja in vielen Dingen recht, fomi. Jedoch sind Mainz, Freiburg und Co. nun Lichtjahre voraus. Das sind jetzt halt die 10 Jahre Fernsehgelder der BuLi und die in der Zeit aufgebauten Strukturen. Die werden wir nicht blitzartig wieder einholen können und für unsere Fehlentscheidungen sind nicht die jetzt handelnden Personen verantwortlich. Die müssen weiterhin mit dem arbeiten was sie vorgefunden haben und sich der jetzigen Situation bestmöglich stellen. Und ich glaube, dass das was wird. Nur Geduld müssen wir weiterhin haben...

Nicht mit den Schlechten vergleichen

Natürlich ist Erfolg im Fußball nur bedingt planbar. Aber mir missfällt es, wenn man auf die negativen Beispiele wie 1860, Aachen und Co. verweist. Freiburg und Mainz sind vergleichbare Mannschaften. Die scheinen jetzt zwar Lichtjahre entfernt, aber zwischen der 1. und 2. Liga liegen ja auch Lichtjahre an Fernsehgeldern. Herumdümpeln hilft da natürlich nicht. Wer Erfolg haben will, muss sich schon an den erfolgreichen Mannschaften messen lassen.

Auch wenn Investitionen in siebenstelliger Höhe im Raum stehen, so kann ich die jährlich regelmäßig wiederkehrende Laier, man habe auch in diesem Jahre keinen Cent mehr für den Kader zur Verfügung, nicht mehr verstehen. Für mich ist das eher eine Ausrede für ausbleibende Verstärkungen, die man (mal wieder) nicht gefunden hat. Fast 3 Mio. Euro mehr Fernsehgelder, ein deutlich höherer Zuschauerschnitt und deutlichst gesunkene Zinslasten kann man nicht wegdiskutieren.

Planspiele...

Stimmt... für einen Arabi ist es schwer vorstellbar,das der PBer Erfolg geplant wurde.Da gehen die Meinungen auseinander.Seine Buzzer Funktion für Neuzugänge gibt es auch in PB.Dort lauern aber wesentlich weniger Nieten hinter den verschlossenen Türen.Woran liegt das wohl?Aus investierten 150K € in Windeseile 2,5 MILLIONEN € zu generieren ist die Kunst.Da muss man nicht auf Dritte warten...

4 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6637901?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2536432%2F