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Do., 30.05.2019

Zweitligist schreibt schwarze Zahlen und plant mit rund elf Millionen Euro Arminias Etat wächst langsam

Blick in die prall gefüllte Schüco-Arena. Auch dank des Rekord-Zuschauerschnitts hat Arminia diese Saison ein Plus erzielt.

Blick in die prall gefüllte Schüco-Arena. Auch dank des Rekord-Zuschauerschnitts hat Arminia diese Saison ein Plus erzielt. Foto: Thomas F. Starke

Von Oliver Horst

Bielefeld (WB). Trotz der Hilfe durch das »Bündnis Ostwestfalen« mit Schuldenschnitt und Stadionverkauf kann Arminia Bielefeld auch kommende Saison keine großen Sprünge machen: Der Etat für das Zweitligateam dürfte sich zwar von etwa 10,5 auf mehr als elf Millionen Euro erhöhen. Das ist aber weniger als einst angekündigt – und hat mehrere Gründe.

Die Aussage von Sportchef Samir Arabi im Interview mit dem WESTFALEN-BLATT im Hinblick auf die neue Spielzeit ließ aufhorchen: »Stand heute werden wir nicht einen Euro mehr für unseren Lizenzspielerkader zur Verfügung haben als in der abgelaufenen Saison.«

Ganz so kommt es nun zwar nicht – vor allem dank des Ausgangs der Relegation. Weil Ingolstadt in die 3. Liga absteigt, rutscht Arminia in der Tabelle für die TV-Gelder einen Platz nach oben. Das spült rund 540.000 Euro zusätzlich in die Kasse. Weil auch insgesamt mehr Geld verteilt wird, erhält der DSC statt 10,5 Millionen in der Vorsaison rund zwölf Millionen aus der TV-Vermarktung, sagt Finanz-Geschäftsführer Markus Rejek. Ein sattes Plus von fast 1,5 Millionen Euro.

»Wir planen seriös«

Doch das Geld kommt nicht komplett im sportlichen Bereich an, weil an anderer Stelle Finanzbedarf besteht. Deshalb auch bleibt Arminia noch entfernt von der von Rejek Anfang 2018 als »konservative Zahl« genannten Spanne von 12,5 bis 14,5 Millionen Euro. »Wir entwickeln uns kontinuierlich weiter, ohne ins Risiko zu gehen. Diese Größenordnung ist unser Ziel, um uns perspektivisch unter den Top 25 bewegen zu können«, sagt Rejek. »Wir planen seriös.« Wenn, dann soll es positive Überraschungen geben.

Dass Sportchef Arabi daher in der neuen Saison anfangs nur etwas mehr Geld zur Verfügung steht als in der abgelaufenen, hat mehrere Gründe. Manch einer kann den finanziellen Spielraum kurzfristig noch wachsen lassen. So lastet etwa die Entlassung von Trainer Jeff Saibene im Dezember 2018 auf dem Etat. Der Vertrag des Luxemburgers läuft bis Mitte 2020 und dürfte mit etwa einer halben Million Euro dotiert sein. Falls Saibene einen neuen Klub findet, steht dieses Geld sofort zur Verfügung. Das gilt auch für etwaige Transfererlöse oder Einnahmen aus dem DFB-Pokal, falls der DSC die erste Runde übersteht. »Wir sind jetzt in der Lage, dass Zusatzeinnahmen auch in den sportlichen Bereich fließen können. Früher ging es immer nur um Schuldentilgung«, erklärt Rejek. Jetzt sei es eine Abwägungsfrage, in die Mannschaft oder in die Infrastruktur zu investieren.

Der Verein will und muss investieren

Geld wird an allen Ecken gebraucht. Denn in den vielen Jahren, in denen Arminia mit Schulden von knapp 30 Millionen Euro finanziell am Abgrund stand, habe sich ein Investitionsstau gebildet. Der Verein will und muss investieren. Allein für das Trainingsgelände gibt es Pläne, die langfristig eine zweistellige Millionensumme vorsehen. Schon diesen Sommer wird für rund eine Million Euro unter anderem ein Trainingsplatz mit Rasenheizung ausgestattet. Fest eingeplant sind zudem rund 180.000 Euro für die Kosten, die mit der Einführung des Videobeweises in der 2. Liga einhergehen.

Einen Vorteil von rund 500.000 Euro pro Saison soll der zum Jahreswechsel erfolgte Verkauf des Stadions bringen. Zudem will Rejek die Kosten weiter optimieren.

Auf der anderen Seite bleibt die Frage nach Mehreinnahmen. »In dieser Saison haben wir in allen Bereichen zugelegt, und wir sehen weiteres Potenzial«, sagt Rejek. Begrenzt scheint dies bei den Zuschauererlösen von zuletzt 4,5 Millionen Euro. Die Ticketpreise bleiben stabil, der Zuspruch war mit dem Zweitliga-Rekordschnitt von 19.128 Fans groß wie nie. Aber die Einnahmen im Stadion an Spieltagen sollen weiter zulegen. Spielräume könnte es etwa auch beim Fanartikel-Verkauf geben. Rund 1,3 Millionen Euro hat Arminia mit Trikots und Co. eingenommen. Zudem sollen die Sponsoringgelder von jetzt rund sieben Millionen Euro gesteigert werden.

Nach dem Neustart durch den Einstieg des »Bündnis Ostwestfalen« gilt als oberste Maxime, solide zu wirtschaften und ohne neue Schulden auszukommen. In der Spielzeit 2017/18 hatte Arminia laut Zahlen, die am Mittwoch von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) veröffentlicht wurden, noch einen Verlust von 474.000 Euro verbucht. In der jetzt zu Ende gehenden Saison (Bilanzstichtag 30. Juni) wird operativ ein Gewinn erzielt, sagt Rejek.

Kommentare

Schön mal schwarze Zahlen zu sehen

Schön zu wissen das wir mal keine Miese gemacht haben und der Schuldenschnitt uns auch hilft. Ich bin nicht der größte Fan vom Stadionverkauf, aber auch das kann ich hinnehmen. Jetzt muss sich Herr Arabi mal Gedanken machen mit welcher Transferpolitik man zukünftig weiter macht. Aus wirtschaftlicher Sicht sollte evtl mal darüber nachgedacht werden ob man für dauerverletzte wie Quaschner & Co nicht Ersatz finden kann der auch mal auf dem Platz weiterhelfen kann und nicht nur auf die Haustiere der Mannschaftskollegen aufpasst.
Just sayin...

Wovon wird hier geredet ?

Ich kann die Argumentationskette nicht nachvollziehen. Niemand erwartet, dass Arminia Millionen in die Hand nimmt, um den Kader zu verstärken. Ich denke, dass Paderborn das auch nicht gemacht hat. Aber ablösefreie Verstärkungen, bzw. unterklassige Spieler für kleines Geld zu verpflichten, kann wohl erwartet werden. Dazu bedarf es natürlich eines GF Sport, der weiß, wo Leute mit Potential zu finden sind. Herr Krösche lässt grüßen.
Wenn man natürlich Auslaufmodelle verpflichtet, die bei Arminia ihre Reha absolvieren und nur den Etat belasten, darf man sich nicht wundern. Ein Verein, der nicht auf Rosen gebettet ist, wäre zudem gut beraten, Trainer ausschließlich mit Jahresverträgen auszustatten. Jeff Saibene langfristig zu binden, um ihn kurze Zeit später zu entlassen, ist unprofessionell und hätte die unmittelbare Entlassung des GF Sport zur Folge haben müssen. Nicht so in Bielefeld. Da hält man schließlich zusammen. Ein Trauerspiel ! Klar kann man erwirtschaftete Überschüsse auch der Infrastruktur zugute kommen lassen. Ob das aber der richtige Ansatz ist, darf allerdings bezweifelt werden. Es sei denn, man legt Wert darauf, als Drittligist das schönste Trainingsgelände zu besitzen.

Überfällige Transparenz

Die Aussage, Arminia stehe nächste Saison nicht mehr Geld zur Verfügung als letzte Saison, hätte Präsident Laufer schon vor Monaten gegenüber der NW in den Raum gestellt. Das stieß schon seinerzeit auf Unverständnis bei einigen Fans. Gut, dass nun endlich durch diesen gelungenen Artikel Transparenz in der Sache erzeugt wird. Warum der Verein nicht schon im Nachgang zur genannten Laufer-Äusserung für diese Transparenz gesorgt hat, erschließt sich mir indes nicht. Nach wie vor betreibt der Verein keine optimale Öffentlichkeitsarbeit. Nach wie vor scheint man im Verein der Auffassung zu sein, die Fans dürften zwar alles kaufen, müssten aber nicht alles wissen. Dabei sollte es gar nicht darum gehen, welches vermeintliche Recht auf Transparenz die Fans haben, sondern welcher Informationsstand der Öffentlichkeit dem Verein am meisten nützt. Auf den ersten Blick unverständliche Zahlen zu nennen, nützen dem Verein nach der langen Vorgeschichte der finanziellen Misere aber sicher nicht, sondern erzeugt nur Irritationen.

Investieren um zu Gewinnen

Manchmal muss man Investieren um gewinnen zu können. Auch ein kalkulierbares Risiko ist in Kauf zu nehmen. Durch bessere Platzierungen fließen mehr Gelder zurück. Wer Gewinne erwirtschaftet ist am Ende der Dumme, weil sich dadurch die Steuerlast erhöht. Besser ist wohl die höheren Einnahmen direkt in den Kader zu investieren.

Qualität..

Jawoll...der Rejek ist der Silberstreif am Horizont,der Meister des kleinen 1mal1.Minus Mal Minus ergibt Plus....so läufts richtig.Also los jetzt Kittel, Kerschbaumer und den Scherom Boateng holen...das sind mittlerweile Schnäppchen auf dem Markt.Zuschlagen....Herr Arabi.Geiz ist geil...

5 Kommentare

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