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Fr., 05.07.2019

Schalke-Boss ist mit seinem Fleischkonzern nun offiziell Partner Tönnies steigt bei Arminia ein

Im Herzen trägt Clemens Tönnies den FC Schalke, mit dem Engagement bei Arminia bekennt er sich auch zur Region OWL.

Im Herzen trägt Clemens Tönnies den FC Schalke, mit dem Engagement bei Arminia bekennt er sich auch zur Region OWL. Foto: Thomas F. Starke, imago; Montage: Linda Voß

Von Oliver Horst und Dirk Schuster

Bielefeld (WB). Schalke-Boss Clemens Tönnies hat sich auf einen heißen Flirt eingelassen. Der von ihm geführte Fleischkonzern in Rheda-Wiedenbrück engagiert sich beim DSC Arminia Bielefeld – und das schon seit geraumer Zeit. Seit Monatsanfang wird Tönnies nun auch offiziell als Partner des Fußball-Zweitligisten geführt.

Auch wenn das Fußball-Herz von Firmenchef Clemens Tönnies (63) vor allem für Schalke 04 schlägt, unterstützt der Unternehmer mit Deutschlands größtem Fleischkonzern schon seit längerem Arminia. Er war nach eigener Aussage auch maßgeblich mit daran beteiligt, dass der DSC den Drittliga-Absturz 2014 nach dem Relegationsdrama gegen Darmstadt dank der Hilfe der ostwestfälischen Wirtschaft im Folgejahr wieder wettmachen konnte.

Das Rheda-Wiedenbrücker Unternehmen (6,65 Milliarden Jahresumsatz/16.500 Mitarbeiter) begründet sein Engagement für den Fußballklub auch als Bekenntnis zur Heimatregion Ostwestfalen. Neben Bandenwerbung etwa für Produkte der Marke »Tillman’s« (»Don’t call it Schnitzel«) und damit verbundenen Sponsoringzahlungen an den DSC soll der Fleischkonzern nach WESTFALEN-BLATT-Informationen auch eine Kapitaleinlage beim Fußballklub getätigt haben.

Logo auf der Internetseite

»Tönnies ist seit dem 1. Juli unser Partner. Deshalb ist nun auch das Logo des Unternehmens auf unserer Internetseite zu sehen«, bestätigt Markus Rejek auf Anfrage. Arminias Finanz-Geschäftsführer sagt aber auch: »Das Unternehmen ist aktuell kein Partner des Bündnis Ostwestfalen.« Eine Formulierung, die ein künftiges Engagement in diesem Kreis jedoch keineswegs ausschließt.

Tönnies-Sprecher Dr. André Vielstädte will sich dazu nicht äußern. Er erklärt vielmehr die Motivation des Konzerns, das Engagement jetzt auch öffentlich zu machen. »Wir wollen die Partnerschaft nutzen, um der Arbeitgebermarke Tönnies noch stärkere Präsenz in der Region zu verleihen. Und wir wollen die Plattform Fußball zur Gewinnung von Arbeitskräften einsetzen. Dafür ist Arminia eine super Marke in unserem Einzugsgebiet.«

Bewerbertage in der Schüco-Arena

Gedacht sei künftig etwa an die Veranstaltung von Bewerbertagen in der Schüco-Arena für Berufs- und andere Schulen, aber auch sonstige Interessierte. Damit würde Tönnies wahr machen, was Arminia und die Betreiber der Stadiongesellschaft im Zuge des Stadionverkaufs angekündigt hatten: Alternative Nutzungsmöglichkeiten der Alm abseits vom Spielbetrieb, die zusätzliche Einnahmen in die Kasse spülen sollen.

»Als starker Arbeitgeber sind wir hier verwurzelt und engagieren uns an vielen Stellen«, teilt Tönnies-Sprecher Vielstädte mit. In der Tat ist der DSC Arminia nicht der einzige Fußballklub, bei dem sich der Konzern engagiert. Seit 2012 ist das Unternehmen Hauptsponsor des FSV Gütersloh. Beim aktuellen Frauen-Zweiligisten prangt das Firmenlogo sogar auf der Trikotbrust. Der FSV trägt zudem seine Heimspiele in der Tönnies-Arena auf dem Gelände des Fleischwerks in Rheda aus.

Seit 1994 im Aufsichtsrat von Schalke 04

Dorthin zieht es seit einigen Wintern immer mal wieder auch die DSC-Profis. Immer dann, wenn die Plätze auf dem Arminia-Trainingsgelände an der Friedrich-Hagemann-Straße in Bielefeld gefroren oder schneebedeckt sind, weicht der Zweitligist nach Rheda aus, um auf dem beheizbaren Kunstrasen in Sichtweite des Büros von Konzernboss Clemens Tönnies zu trainieren.

Der Unternehmer, dessen Vermögen auf weit mehr als eine Milliarde Euro geschätzt wird, ist seit 1994 Mitglied des Aufsichtsrates von Schalke 04. Gerade erst wurde er erneut als Vorsitzender des Gremiums bestätigt. Tönnies führt die Königsblauen seit 2001 und trat damit das Erbe seines vor 25 Jahren verstorbenen Bruders und Firmengründers Bernd Tönnies an. Dessen Sohn Robert Tönnies (41) ist mit 50 Prozent ebenso Mitgesellschafter des Fleischkonzerns wie Clemens Tönnies’ Sohn Maximilian (29).

Kommentare

Die Zeichen der Zeit verkannt

Mit einem Sponsor Tönnies wird Arminia manchen Fan verprellen. Geld stinkt zwar nicht, aber das eigene Image als Verein kann anfangen zu stinken. Auch seine Sponsoren sollte man sich unter ethischen und politischen Gesichtspunkten gut auswählen. Irgendwo muss eine Grenze gezogen werden, ab dem ein Sponsoring inakzeptabel wird. Die Arbeitsverhältnisse bei Tönnies sind nicht akzeptabel, das massenhaften Schlachten von Tieren in diesen Todesfabriken auch nicht. Dazu kommt noch die Klimaschädlichkeit von Tierhaltung.
Fast niemand scheint die Zeichen der Zeit zu erkennen. Die junge Generation tickt anders, sie will Klimaschutz über alles. Auch die Zahl der Vegetarier und Veganer nimmt bei den Jüngeren erkennbar zu, fast immer zusammen mit einer Werthaltung pro Tierrechte. Die alten Männer in der Vereinsführung sind von dieser Generation offenbar meilenweit entfernt. Und hinterher wundern sie sich, wenn die Jungen nicht mehr so zahlreich zur Arminia wollen. Wieso lässt der Verein sich nicht besser in solchen Fragen beraten? Nachhaltiger Image- und Markenaufbau sieht jedenfalls anders aus. Bei 25 Prozent Grünenwählern und noch viel mehr in der Generation unter 25 sollte man das vielleicht mal zur Kenntnis nehmen.

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