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Do., 11.07.2019

Zwischenbilanz von Arminia-Trainer – Vertragsverlängerung noch kein Thema Neuhaus: »Jeder hat noch Luft nach oben«

Uwe Neuhaus ist im Moment sehr zufrieden mit seinen Spielern.

Uwe Neuhaus ist im Moment sehr zufrieden mit seinen Spielern. Foto: Thomas F. Starke

Von Jens Brinkmeier

Bielefeld (WB). Arminia Bielefelds Trainer Uwe Neuhaus zieht eine erste Bilanz der Vorbereitung. Er blickt auf die nächsten Wochen sowie die neue Zweitligasaison voraus und äußert sich auch zu den Themen Neuzugänge und Verlängerung seines Vertrages.

Die Vorbereitung ist zur Hälfte vorbei. Wie ist der Stand, und wie zufrieden sind Sie mit dem bisher Erreichten?

Uwe Neuhaus: Wenn man so eine Woche hinter sich hat, muss man sehr zufrieden sein. Da gibt es keinen schwarzen Fleck auf der weißen Weste. Weder bei den Spielen noch vom Training her oder gar vom Umgang untereinander. Es war so, wie man sich das vorstellt. Deswegen kann ich nur ein absolut positives Fazit ziehen. Wenn man dann noch bedenkt, dass wir mit einem relativ kleinen Kader da waren, bin ich natürlich froh, dass sich niemand schwerer verletzt hat. Wir sind zum jetzigen Zeitpunkt in einer guten Verfassung und können darauf wunderbar aufbauen.

 

Hat das Trainingslager die Mannschaft noch weiter voran gebracht, als Sie im Vorfeld zu hoffen gewagt hatten?

Neuhaus: Ich weiß gar nicht, was ich mir erhofft habe. Es ist immer schwierig, das zu definieren. Man wünscht sich diesen Spaß und Fleiß, von daher bin ich 100-prozentig zufrieden. Ich weiß gar nicht, ob noch mehr geht. Ich habe auch keinen Leistungsabfall innerhalb der Mannschaft gesehen. Wir haben kaum Neuzugänge dabei gehabt, deshalb ist es eine eingespielte Mannschaft, die sich schon länger kennt und die Abläufe im Spiel kennt. In der Vorbereitung sind die ersten Wochen immer recht locker und man hat kaum Grund zur Klage. Die ersten langen Gesichter werden noch kommen, wenn sich die Formation mehr und mehr abzeichnet.

»Lernen, geduldig zu sein«

Wer konnte sich besonders empfehlen, vielleicht auch überraschend, oder haben alle Ihre Erwartungen erfüllt?

Neuhaus: Ja, finde ich schon. Wenn man den einen oder anderen Spieler sieht und gedacht hat: Mensch, wenn der mal konstanter wird, dann hat er schon noch Luft nach oben. Ich brauche keinen besonders hervorzuheben, weil jeder am Limit gearbeitet und eine gute Frühform gezeigt hat. Da könnte ich jeden Spieler nehmen. Auch wie die Spiele gelaufen sind: Die Ruhe und Geduld zu bewahren, den Ball im richtigen Moment nach vorne zu spielen. Das hat die Mannschaft besonders gut gemacht, auch wenn es manchmal schneller hätte gehen können. Aber so herum ist es mir lieber: Dass sie lernen geduldig zu sein, viel den Ball zu haben, gute Pässe zu spielen, weil sich dann irgendwann die Lücken ergeben werden. So wie beim ersten Tor gegen Jablonec, wo wir vorher fast eineinhalb Minuten den Ball hatten. Und Jablonec war keine Laufkundschaft.

 

Sie haben gegen Jablonec (4:0) und Uerdingen (2:0) überzeugende Siege gefeiert. Aber die wahren Prüfsteine werden Norwich am Sonntag und Barnsley am 20. Juli?

Neuhaus: Na klar. Aber es hängt eben auch viel von der Trainingsintensität ab. Bei den ersten drei Spielen der Vorbereitung haben wir keine Rücksicht genommen, im Trainingslager haben wir das Training vor den Spielen ein bisschen herunter gefahren. Das zahlt sich dann schon aus. Ich weiß nicht, wie die Engländer trainieren und wen sie gegen uns einsetzen. Aber das ist eigentlich auch egal, da kommt auf jeden Fall Qualität auf uns zu.

»Auf allen Positionen doppelt und gut besetzt«

Sind Sie denn aktuell mit der Besetzung des Kaders, in der Breite und in der Spitze, zufrieden?

Neuhaus: Natürlich nicht, das habe ich ja auch schon ein paar Mal gesagt. Aber wir sind ja tagtäglich zusammen und stecken die Köpfe zusammen, um auch immer reagieren zu können. Es sind zähe, schwierige Verhandlungen. Viele Vereine sind noch auf der Suche. Der eine oder andere Verein hat schon mehr Einkäufe getätigt als wir, was aber nicht schlimm ist. Man muss die Ruhe bewahren. Das ist wie im Spiel auch. Das ist besser, als wenn man eine voreilige Entscheidung trifft.

 

Da muss der von Karl-Heinz Rummenigge angesprochene Dominostein erst mal fallen, damit es mehr Bewegung gibt?

Neuhaus: Ich will nicht hoffen, dass wir dann die Letzten sind (lacht).

 

Auf welcher Position, neben der Innenverteidigung, würden Sie gerne noch nachlegen?

Neuhaus: Es ist manchmal schwierig. Wir sind abgesehen von der Innenverteidigung auf allen Positionen doppelt und gut besetzt. Bei Cedric Brunner müssen wir ein kleines Fragezeichen setzen, weil wir nicht wissen, wie schnell es bei ihm geht. Da werden wir in den nächsten zwei, drei Wochen Klarheit haben. Um Qualität bemüht sich jeder. Wenn man eine Mannschaft verstärken kann, sollte man es tun – im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten. Eine bestimmte Position gibt es da für mich aktuell nicht. Jeder unserer Spieler hat noch ein kleines bisschen Luft nach oben. Auf der Suche ist man immer, das Preis-Leistungsverhältnis muss stimmen. Es kann aber auch sein, dass wir außer dem Innenverteidiger nichts mehr machen.

Staudes Eindruck

Keanu Staude hat bisher einen guten Eindruck hinterlassen. Sehen Sie das auch so?

Neuhaus: Absolut. Da ist ja nur die Frage, warum das nicht auch schon in meinen ersten sechs Monaten hier so war. Gerade jüngere Spieler haben Wellentäler. Aber das, was er im Moment zeigt, das ist gut, das macht Spaß. Es gibt Hoffnung und ist auch Verpflichtung. Da kann man auch Joan Simun Edmundsson nehmen. Bei ihm weiß ich ja, was er kann. Aber es kam seine Verletzung und die anschließende Phase, die richtig zäh war – und nicht mit den Leistungen verbunden, die er eigentlich bringen kann. Er hat sich auch eine Menge vorgenommen. Gegen Jablonec hat er als Achter ein richtig gutes Spiel gemacht.

 

Was trauen Sie sich und Ihrer Mannschaft, Stand jetzt, in der neuen Saison zu?

Neuhaus: Da müssen wir warten, bis der Kader komplett ist beziehungsweise bis zum Saisonstart. Die weiteren Testspiele haben auch noch eine Aussagekraft. Ich traue der Mannschaft schon einiges zu, wenn alle gesund sind. Dass wir eine gute Saison spielen wollen, ist klar. Das nimmt sich jeder Verein vor. Wie gut, sagen wir dann, wenn es losgeht.

Und wie geht weiter?

Ihr Vertrag gilt noch bis zum 30. Juni 2020. Können Sie sich vorstellen, darüber hinaus bei Arminia zu bleiben?

Neuhaus: Das werde ich dem Verein dann schon sagen... (lacht)

 

Gab es im Trainingslager schon Gespräche?

Neuhaus: Nein, da war nur Thema, wie wir die Mannschaft nach vorne bringen. Über andere Sachen haben wir nicht gesprochen.

 

Aber generell fühlen Sie sich in Bielefeld und bei Arminia wohl?

Neuhaus: Das kann ich sagen, ja. Und so ein Jahr ist ja auch lang...

 

 

Anmerkung der Redaktion: Sport-Geschäftsführer Samir Arabi wollte das Thema Vertragsverlängerung des Trainers auf Anfrage öffentlich nicht groß kommentieren. Er sagte nur: »Wir sind mit der Arbeit des gesamten Trainerteams sehr zufrieden.«

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