>

Sa., 31.08.2019

Beim Spielen und Sprechen: Armine Clauss hat vor Fehlern keine Angst Der furchtlose Franzose

Das DSC-Trikot scheint ihm Flügel zu verleihen: Jonathan Clauss überzeugt in dieser Szene mit perfekten Haltungsnoten.

Das DSC-Trikot scheint ihm Flügel zu verleihen: Jonathan Clauss überzeugt in dieser Szene mit perfekten Haltungsnoten. Foto: Thomas F. Starke

Von Dirk Schuster

Bielefeld (WB). Jonathan Clauss ist ein positiver Typ. Die Furcht vor Fehlern ist dem Franzosen fremd. Das gilt für die Spielweise des Arminia-Profis genauso wie für seine Art zu sprechen. »Ich habe keine Angst, deutsch zu reden. Wenn man einfach drauf los plaudert, lernt man die Sprache sowieso viel schneller als in der Schule«, sagt Clauss.

Darum verzichtet der 26-Jährige auch auf Sprachunterricht. »Ich lerne nur durch das Unterhalten mit den Kollegen«, sagt Clauss. Sein Motto: »Immer reden, reden, reden, dann wird es automatisch besser.« Und: »Ich muss hier deutsch sprechen, sonst kann ich mich nicht verständigen.«

Diese Einstellung hat ihm dabei geholfen, nach seinem Wechsel vor einem Jahr vom französischen Absteiger in die 3. Liga, US Quevilly, beim Zweitligisten Arminia Fuß zu fassen. Unter Trainer Uwe Neuhaus ist Clauss (Vertrag bis 2020) Stammspieler. »Als ich kam, war Jonathan eine Art Backup für Cedric Brunner auf der Rechtsverteidigerposition«, erinnert sich Neuhaus: »Doch im Laufe der Zeit hat er seine Qualitäten im Spiel nach vorn gezeigt. Offensiv kann Jonathan vielleicht sogar noch etwas effektiver für uns sein.«

Weil Brunner wegen einer schweren Schulterverletzung nun aber schon sehr lange ausfällt, rutschte Clauss von rechts vorne wieder nach rechts hinten. Doch die Defensivposition hält ihn nicht davon ab, auch seinen Offensivdrang auszuleben. Manchmal etwas zu intensiv, findet Neuhaus. »Der Trainer muss mich manchmal bremsen – und ich mich selbst auch. Ich will immer nach vorne marschieren. Aber ich muss ruhiger werden und genau abwägen, wann ich mich vorne einschalten kann«, kennt Clauss seine Schwachstelle. Neuhaus, der Clauss vor nicht näher definiertem Hintergrund einen »hervorragenden Sänger und Entertainer« nennt, findet auch für die sportlichen Qualitäten des furchtlosen Franzosen überwiegend lobende Worte. »Seine Offensivmomente sind wichtig für die Mannschaft«, sagt der 59-Jährige.

»Stabiler geworden«

Zwar verliere Clauss manchmal noch zu schnell den Ball, sei hin und wieder etwas leichtsinnig und streue auch schon mal einen Fehlpass ein. Dennoch urteilt Neuhaus: »Insgesamt ist Jonathan stabiler geworden. Ich finde, dass er sich toll entwickelt hat.«

Der Spieler selbst sagt, er habe »nicht zu träumen gewagt, dass es so schnell so gut für mich laufen würde bei Arminia«. Dass er so viel Selbstvertrauen hat, hänge damit zusammen, »dass ich mich wohl fühle und Spaß habe«, sagt Clauss und meint kurz und knapp: »Es passt.«

In einer so guten Mannschaft wie Arminia hat der gebürtige Straßburger eigenen Angaben zufolge »noch nicht gespielt. Mit unserer Mentalität können wir gemeinsam etwas Gutes schaffen«, glaubt er.

Weniger Chanson als vielmehr Rap

Ein weiterer Sieg – es wäre der dritte in Folge – im Heimspiel am Samstag, 13 Uhr (Schüco-Arena), gegen Greuther Fürth würde Arminias Platz in der Zweitliga-Spitzengruppe festigen. Auf die Frage, ob Bielefeld auch nach dem 34. Spieltag noch ganz vorne mit dabei sein könne, antwortet Clauss: »Wir wollen besser sein als letztes Jahr.« Die Spielzeit 2018/19 beendete der DSC auf Rang sieben. »Aber es gibt noch viel Arbeit«, sagt Clauss.

Das gelte auch für das Deutschlernen. Clauss möchte sich weiter verbessern. Das bisher Erlernte genüge, »um mit den Kollegen ein bisschen Spaß zu haben«. Jedoch meint er augenzwinkernd: »Wenn ich deutsch lernen muss, können meine Kollegen auch ein bisschen französisch lernen.« Cebio Soukou, Anderson Lucoqui und Marcel Hartel zählten zu denjenigen, die ein paar Brocken seiner Muttersprache beherrschten. Überraschend viele Mitspieler, sagt Clauss, hören zudem französische Musik. Weniger Chanson als vielmehr Rap. Clauss findet das unterhaltsam. »Sie sprechen die Texte mit«, sagt er und fängt an zu lachen: »Aber was sie bedeuten, verstehen sie nicht wirklich.«

Neuhaus traut Fürth eine starke Saison zu

Laut Tabelle ist die Partie Arminia Bielefeld gegen Greuther Fürth ein Topspiel. DSC-Trainer Uwe Neuhaus (»Fürth ist enorm spielstark«) überrascht es nicht, dass auch die Franken vorne dabei sind: »Ich glaube, dass Fürth oben ein Wörtchen mitreden kann. Die Verantwortlichen haben hervorragend eingekauft.« Prominentester Neuer ist der erstligaerfahrene Stürmer Branimir Hrgota (Mönchengladbach, Frankfurt).

Auch Kleeblatt-Coach Stefan Leitl findet lobende Worte für den Gegner. Er sagt über Arminia: »Es war schon in der Rückrunde der Vorsaison zu erkennen, dass da auch etwas am Wachsen ist.«

So könnte Arminia spielen

Ortega Moreno - Clauss, Pieper, Nilsson, Hartherz - Prietl - Yabo, Hartel - Edmundsson, Klos, Voglsammer

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6887841?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2536432%2F