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Mo., 02.09.2019

Nach dem 2:2 gegen Fürth verteidigen die Arminen ihr bisweilen riskantes Aufbauspiel »Das ziehen wir so durch«

m Ende einer heiklen Passfolge legt DSC-Torwart Ortega Moreno den Ball unfreiwillig für Fürths Hrgota auf – 0:1.

m Ende einer heiklen Passfolge legt DSC-Torwart Ortega Moreno den Ball unfreiwillig für Fürths Hrgota auf – 0:1. Foto: Thomas F. Starke

Von Dirk Schuster

Bielefeld (WB). Schlechtestenfalls als Tabellenfünfter, je nach Ausgang des Montagsspiels, verabschiedet sich Arminia Bielefeld in die erste Länderspielpause der neuen Saison. Bevor die Profis des Fußball-Zweitligisten ein bisschen die Beine hochlegen konnten, kamen sie aber nochmal richtig in den Schweiß. 0:2 lagen die Ostwestfalen im Heimspiel gegen Greuther Fürth schon zurück, am Ende hieß es 2:2.

Schon zum dritten Mal in dieser Saison holten die Arminen – wie schon beim 1:1 gegen St. Pauli und dem 3:3 in Bochum – einen Rückstand auf. »Das zeigt den anderen Mannschaften, dass es nicht so einfach ist, gegen uns zu gewinnen«, sagte Fabian Klos und befand: »Das ist ein wichtiges Signal.« Mit seinem verwandelten Elfmeter (28., Foul von Hans Nunoo Sarpei an Joan Simun Edmundsson) hatte Klos seinen Anteil daran, dass der DSC auch nach fünf Spieltagen noch unbesiegt ist. Es sei »ein schönes Gefühl, oben dazuzugehören«, sagte er. Für den Ausgleich sorgte dann Edmundsson, der eine Flanke von Jonathan Clauss per Kopf in die Maschen wuchtete (62.).

Eigener Fehler

Dass sie mal wieder einem Rückstand hinterherhecheln mussten, hatten die Arminen gegen im ersten Durchgang zwar starke Fürther in erster Linie aber dann doch sich selbst zuzuschreiben. Schon vor dem frühen 0:1 durch Branimir Hrgota (4.) habe der DSC laut Klos »zwei, drei, vier Situationen gehabt, in denen wir noch gar nicht richtig wach waren. Das sollte uns möglichst selten passieren«, mahnte der 31-Jährige.

Und dann kam Hrgota und kippte eimerweise Wasser auf die Mühlen derer, die sich auch nach neun Monaten Uwe-Neuhaus-Fußball mit Arminias risikobeladenem Aufbauspiel immer noch nicht anfreunden können.

Was war passiert?

Die Franken bildeten ein dreiköpfiges Überfallkommando direkt an der Strafraumgrenze des DSC, um die Ostwestfalen nach dem kurzen Abstoß sofort anlaufen zu können. Am Ende einer heiklen Passfolge quer durch den eigenen Strafraum mit den Kollegen Manuel Prietl und Amos Pieper versuchte Torwart Stefan Ortega Moreno das Spiel zu verlagern. Dabei übersah er in seinem Rücken den vorgerückten Hrgota. Fürths Angreifer drückte aus kurzer Distanz den Ball über die Linie. Ein ganz heißer Kandidat für das Kacktor des Monats, dieses frühe 0:1.

Viele Fans stöhnten, murrten, meckerten. Neuhaus forderte mit einer Geste das Publikum auf, das Team besser anzufeuern. Später sagte er: »Die Zuschauer haben bezahlt und dürfen alle Emotionen rauslassen, das weiß ich. Ich finde nur, dass die Mannschaft und insbesondere unser Torwart das nicht verdient haben.« Einmal in Fahrt, legte der 59-Jährige nach: »Wir haben mit genau dieser Art und Weise schon so viele spielerische Höhepunkte kreiert. Und das wird auch in Zukunft so sein. Das werde ich verlangen.« Die Unmutsbekundungen dürften »jetzt nicht dazu führen, dass wir unser Spiel ändern und jeden Ball lang nach vorne hauen«, erklärte der Coach und sagte: »Da bin ich nicht dabei.«

Keine Änderungen, auch an Weihnachten nicht

Auch Kapitän Klos machte klar, dass das Team keinen Millimeter von der gewohnten Spielweise abrücken werde. »Fehler sind erlaubt – kein Vorwurf an irgendwen«, betonte Klos: »Das ist die Art, die wir Fußball spielen wollen. Das wird sich auch nach der Länderspielpause nicht geändert haben und auch an Weihnachten nicht. Das ziehen wir so durch.«

Neuhaus räumte sehr wohl ein, dass der Fehler »ein kleines bisschen Wirkung hinterlassen hat, denn wir sind danach nicht mehr das allerletzte Risiko eingegangen«. Aber das sei »ein normales menschliches Verhalten«. Abschließend richtete der Trainer noch einen kleinen Appell an die Zuschauer, »in Zukunft ein kleines bisschen mehr Geduld zu haben«.

Gästecoach Stefan Leitl gab an, Arminias Aufbauspiel genau analysiert zu haben. »Wenn die sich über ihr Dreieck hinten herauskombinieren, läufst du dir schnell einen Wolf. Wir haben daher gleich die Verlagerung zugestellt.« Auf die Frage, ob diese Art des Attackierens nun häufiger drohen könnte, entgegnete Neuhaus: »Wir werden uns schon etwas einfallen lassen und die Abstimmung und gewisse Feinheiten verbessern. Und wir werden die nächste Situation, die sich so stellt, mit Selbstvertrauen angehen.«

Nur noch eine Richtung

So wie die Arminen es in der zweiten Halbzeit taten, als sie vehement auf den Ausgleich drängten und für ihre Moral belohnt wurden. »Es gab in der zweiten Halbzeit nur noch eine Richtung«, sagte Neuhaus. Mit Ausnahme der 87. Minute, als der abgefälschte Schuss des Fürthers Julian Green an die Latte klatschte. »Das wäre der Lucky Punch gewesen«, sagte Leitl – wohlwissend, dass ein Erfolg für die Gäste des Guten zu viel gewesen wäre. Neuhaus meinte: »Wenn ein Team den Sieg verdient gehabt hätte, dann wir.« Da mochte Leitl nicht widersprechen, zumal sich bestätigte, was der Gästecoach auch vorher schon gewusst hatte: »Die Mannschaften von Uwe stecken nie auf.«

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