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Fr., 13.09.2019

Armine Salger und der schmale Grat zwischen Bank und Spielfeld Die gefühlte Nummer zwölf

Vor der Einwechslung: Stephan Salger mit Co-Trainer Peter Nemeth.

Vor der Einwechslung: Stephan Salger mit Co-Trainer Peter Nemeth. Foto: Thomas F. Starke

Von Dirk Schuster

Bielefeld (WB). Vielleicht sollte Stephan Salger einfach mal ein Gesuch bei den Damen und Herren des International Football Association Board, kurz IFAB, stellen. Denn wenn eine Fußballmannschaft aus zwölf anstatt elf Spielern bestünde, hätte der DSC-Profi seinen Stammplatz beim Zweitligisten Arminia Bielefeld wohl sicher. Und das schon seit Jahren.

Doch da eher nicht zu erwarten ist, dass die Regelhüter des Fußballs einem derartigen Gesuch auch tatsächlich nachgeben würden, konzentriert Salger sich lieber auf das, was er selbst tun kann, um seine Situation bei Arminia zu verbessern: sich im Training anzubieten, um Uwe Neuhaus zum Umdenken zu zwingen.

Denn seit dem Erstrundenpokalspiel in Berlin (1:0) setzt der DSC-Coach im Abwehrzentrum nicht mehr auf Salger (davor zwei Starteinsätze in der 2. Liga, danach nur noch zwei Kurzeinsätze), sondern auf Joakim Nilsson. Salger versteht das nicht so ganz. Er sagt: »Meiner Meinung nach waren meine Leistungen völlig in Ordnung.« Stunk hat er dennoch nicht gemacht.

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Manchmal habe ich auch das Gefühl, dass es zu einfach ist, mich auf die Bank zu setzen

Stephan Salger

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Salger, der auch als Linksverteidiger und defensiver Mittelfeldspieler eingesetzt werden kann, hat in seinen gut sieben Arminia-Jahren noch nie zu denen gezählt, die ihr eigenes Schicksal in den Mittelpunkt rücken. Und außerdem kennt er das ja: dieses Gefühl, zwischen Stammelf und Ersatzbank auf einem schmalen Grat zu balancieren. Auch unter anderen Trainern war er schon eine gefühlte Nummer zwölf. »Manchmal habe ich auch das Gefühl, dass es zu einfach ist, mich auf die Bank zu setzen, weil ich zu vernünftig damit umgehe«, mutmaßt Salger, lässt aber nicht unbetont: »Trotzdem nervt es mich.«

Plötzlich gefragt

Seinen Frust aber hat Salger nie groß raushängen lassen. Seine Professionalität und die Loyalität gegenüber Trainer, Team und Klub haben ihm das verboten. Und es ist ja nun auch nicht so, dass Salger dafür nichts zurückbekäme. Im Sommer standen die Zeichen zwischen ihm und Arminia längst auf Trennung. Sein Vertrag war ausgelaufen, der DSC plante ohne ihn.

Doch weil völlig unvermittelt der als Stammkraft fest eingeplante Julian Börner plötzlich fahnenflüchtig wurde , war Salger wieder gefragt. Obwohl er andere Optionen hatte, unterschrieb der 29-Jährige einen neuen Kontrakt beim DSC bis 2021.

Neuhaus-Aussage beeindruckte ihn

Auf falsche Eitelkeiten verzichtete er damals. Salger begründet das so: »Der Trainer hatte mir Anfang April mitgeteilt, dass Arminia ohne mich plant. Er hat aber auch gesagt: ›Falls es Probleme gibt, komme ich mehr oder weniger angekrochen und flehe dich an, zu bleiben.‹ Das fand ich eine bemerkenswerte Aussage.«

Die aktuelle Arminia bezeichnet Salger als »die spielstärkste, die ich kennengelernt habe«. Und auch in der Breite sei, seit er 2012 zum DSC stieß, die Qualität noch nie so hoch gewesen wie jetzt.

Im Mannschaftsrat

Am Samstag im Punktspiel bei den in dieser Serie daheim noch sieglosen Hannoveranern wird Salger erneut auf der Bank sitzen. Seine Meinung ist dennoch gefragt. Salger wurde von den Kollegen vor der Saison in den Mannschaftsrat gewählt. Nach dem überzeugenden Start mit neun Punkten aus fünf Partien mahnt er die anderen und sich zur Bodenständigkeit: »Man muss schauen, wie wir mit den schlechten Phasen umgehen, die wir bisher noch nicht hatten. Denn die schlechten Phasen entscheiden über den Ausgang der Saison.«

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Die Bielefelder sind schon ein bisschen Rosinenpicker.

Stephan Salger

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Die Bielefelder sind schon ein bisschen Rosinenpicker.«Dass rund 5000 Fans den DSC nach Niedersachsen begleiten werden – so viele waren seit 2006 bei einem Auswärtsspiel nicht mehr mit dabei – findet Salger »toll«. Auf die Frage, ob es nach dem guten Start nicht auch daheim ein paar mehr sein müssten als zuletzt gegen Aue und Fürth (jeweils gut 15.000) entgegnet er trocken: »Die Bielefelder sind schon ein bisschen Rosinenpicker. Die Highlightspiele sind stets hoch nachgefragt. Und in der Ferienzeit kann ich schon verstehen, dass der eine oder andere vielleicht lieber noch eine Woche länger auf Mallorca geblieben ist, anstatt ins Stadion zu gehen.«

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