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Mo., 30.09.2019

Stuttgart zeigt sich abgezockter als die knapp geschlagene Arminia Noch nicht clever genug

Manuel Prietl (links) und seine Kollegen hatten an der bitteren Niederlage gegen Stuttgart zu knabbern.

Manuel Prietl (links) und seine Kollegen hatten an der bitteren Niederlage gegen Stuttgart zu knabbern. Foto: Thomas F. Starke

Von Sebastian Bauer

Bielefeld (WB). Die eigene Gefühlslage zu verorten, damit hatten die Arminen am Freitagabend so ihre Probleme. Vielleicht sogar mehr, als mit dem starken Gegner VfB Stuttgart, der den Bielefeldern nach einer aufopferungsvollen Leistung am Ende beim 0:1 (0:0) doch nichts übrig ließ.

Auf der einen Seite spürten alle im DSC-Lager großen Frust, sich in der Nachspielzeit das Tor und damit die erste Saisonniederlage eingefangen zu haben. Auf der anderen Seite war der Stolz über das, was man gegen den Topfavoriten der 2. Liga auf den Platz gebracht hatte, deutlich rauszuhören. »Wir haben einiges geboten, haben einiges reingehauen, die Fans waren Weltklasse. Es passte eigentlich alles – bis auf das Ergebnis«, sagte Arminias Verteidiger Amos Pieper. Ähnlich klang das bei Stürmer Andreas Voglsammer: »Das ist extrem bitter, weil wir extrem hart gefightet haben. Wir haben alles reingeworfen. Ich muss den Hut vor der Mannschaft ziehen.«

Am Ende blieb den Arminen dafür doch nichts Zählbares, nur das Gefühl, den Stuttgartern lange die Stirn geboten zu haben. Gerade damit zeigte der DSC, dass es sicher kein Zufall ist, warum man in dieser Saison in der oberen Tabellenregion mitmischt. Das Spiel offenbarte aber genauso, dass mindestens mal ein Stück Cleverness fehlte, um ganz oben dabei sein zu können.

Das galt etwa beim Gegentreffer. Es lief die 91. Minute, als Florian Hartherz sich bei einem Steilpass auf Pascal Stenzel nicht ins Zentrum in Richtung des VfB-Profis, sondern nach außen bewegte und dem Stuttgarter damit erst den nötigen Raum eröffnete. Die DSC-Verteidiger Joakim Nilsson und Amos Pieper kamen zu spät, so dass Hamadi Al Ghaddioui den Querpass von Stenzel zum 1:0 vollenden konnte. »Wir müssen da anders stehen und besser verteidigen«, gab auch Pieper zu. Trainer Uwe Neuhaus betonte: »Wir haben vor dem Tor leider zu früh aufgemacht. Es wäre möglich gewesen, das besser zu verteidigen. Da haben wir uns schlecht verhalten.«

Klarer Bruch nach Platzverweis

Großen Einfluss aufs Spiel hatte zuvor bereits die Gelb-Rote Karte für Fabian Klos. Weil er bei einem Luftduell mit Stuttgarts Stenzel laut Schiedsrichter Timo Gerach unerlaubt den Arm zum Einsatz nahm, musste der bereits verwarnte Kapitän vom Platz. Während Gelb für das zweite Klos-Vergehen hart war, so war die erste Verwarnung mindestens mal unclever vom Torjäger, der sich wegen Meckerns Gelb eingefangen hatte (27.). Uwe Neuhaus ging sogar noch ein Stück weiter und meinte in Richtung seines Angreifers: »Das war an Dummheit nicht zu überbieten.«

Denn durch den Platzverweis war ein klarer Bruch im Bielefelder Spiel zu erkennen. Nachdem der VfB den DSC in den ersten 25 Minuten der Partie klar im Griff hatte und sich gute Chancen erarbeitete, kamen die Ostwestfalen immer besser ins Spiel und zu guten Möglichkeiten durch Hartherz (38.), Cebio Soukou (42.) und Klos (44.). Nach der Pause machten die Bielefelder einen noch abgeklärteren und selbstbewussteren Eindruck – bis zu Klos’ Platzverweis.

»Die entscheidende Szene war die Gelb-Rote Karte für Fabi«, fasste Neuhaus zusammen. Fortan war an Entlastung nach vorne kaum noch zu denken, weil Stuttgart in Überzahl mehr Druck aufbauen konnte. Dennoch verteidigten die Arminen viele schwäbische Offensivbemühungen erfolgreich weg. »Insgesamt hat die Mannschaft richtig gut gearbeitet – auch defensiv. So viele Torchancen waren es für Stuttgart nicht«, freute sich Uwe Neuhaus, der das Bielefelder Defensivverhalten eine Woche zuvor beim 5:2 in Wiesbaden noch deutlich kritisiert hatte.

Nächster Beweis gegen Osnabrück

Im Laufe der Nachbetrachtung zum Spiel und bei nachlassendem Frust formte sich am Ende doch noch ein deutlicheres Bild der Gefühlslage. So antworte Neuhaus auf die Frage, ob das Spiel gezeigt habe, dass seine Mannschaft zurecht oben dabei ist: »Im Moment auf jeden Fall, ja.«

Die Niederlage sollte den Arminen also keinen mentalen Knacks verpasst haben. Man weiß, was man kann, darauf legte auch Andreas Voglsammer Wert: »Wir haben es schon gegen Hannover gezeigt: Wir wissen, was wir können und dass wir so gut Fußball spielen können wie die Topmannschaften.« Den nächsten Beweis dafür können die Bielefelder nun bei einem Aufsteiger liefern: Am Montag, 7. Oktober, geht es zum Derby beim VfL Osnabrück.

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