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Sa., 12.10.2019

Arminias Geschäftsführer über die DSC-Aussichten, die Ticketpreise im Pokal und den Vertrag von Uwe Neuhaus Rejek: »Wir sind ein Flugzeug auf der Startbahn«

Es lief schon mal schlechter: Finanzchef Markus Rejek (51) hat erheblichen Anteil daran, dass Arminia Bielefeld wieder wettbewerbsfähig ist.

Es lief schon mal schlechter: Finanzchef Markus Rejek (51) hat erheblichen Anteil daran, dass Arminia Bielefeld wieder wettbewerbsfähig ist. Foto: Thomas F. Starke

Bielefeld (WB). Seit zwei Jahren ist Markus Rejek als kaufmännischer Geschäftsführer beim Fußball-Zweitligisten Arminia Bielefeld im Amt. Der 51-Jährige aus Mülheim an der Ruhr hat sich in dieser Zeit den Ruf als Sanierer erworben. Im Gespräch mit Jens Brinkmeier, Oliver Horst und Dirk Schuster erläutert Rejek den Ist-Zustand des DSC, spricht über die Vertragsverlängerung mit Trainer Uwe Neuhaus und einen möglichen neuen Rekord.

Herr Rejek, Sie sind seit zwei Jahren bei Arminia. Welcher war Ihr schönster Tag in dieser Zeit, welcher Ihr schlimmster?

Markus Rejek: Das war ein und derselbe Tag, der 21. Dezember 2017. Es war der Tag, an dem wir abends die Zustimmung zu unserem Sanierungskonzept erhalten haben, obwohl mittags noch alles in die entgegengesetzte Richtung gelaufen war. Die Absage der Banken fühlte sich an, als ob jemand den Stecker gezogen hätte. Ich sah uns wirklich schon beim Amtsgericht. Abends hatten wir eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung. Mitten in dieser Sitzung erreichten uns die Anrufe vom Land NRW und von der Sparkasse, mit der Nachricht, dass man sich dem Sanierungskonzept doch anschließen würde. Das war der Durchbruch.

 

Haben Sie den heutigen Zustand des DSC so erwartet, als Sie auf der Pressekonferenz im Januar 2018 verkünden konnten, dass es weitergeht?

Rejek: Ich hatte gar keine Erwartungen. Das wäre auch vermessen gewesen. Es ist letztendlich alles viel besser gekommen, als wir es uns hätten träumen lassen. Es kommt ja nicht allzu häufig vor im deutschen Fußball, dass ein Verein in so kurzer Zeit einen solchen Schuldenberg abbauen kann. Und als – in Anführungsstrichen – Nebenprodukt ist ein Bündnis entstanden. Dieses Bündnis ist etwas ganz Besonderes und bislang einzigartig im deutschen Fußball. Prädikat: »Made in Bielefeld«.

 

Wie ordnen Sie die jetzige Lage ein?

Rejek: Ich male mal ein Bild: 2017 waren wir ein Boot auf Sinkkurs. Jetzt sind wir ein Flugzeug auf der Startbahn. Wir müssen noch etwas am Flügel reparieren, einen Reifen wechseln und noch mal volltanken – dann können wir starten. Oder anders: Früher standen die anderen Vereine an der Startlinie, wir waren 100 Meter dahinter.

 

Und heute?

Rejek: Jetzt sind wir in einer Wettbewerbssituation. Auf Augenhöhe mit den anderen Vereinen. Wir haben eine Situation geschaffen, in der sich Spieler wieder aktiv für Arminia interessieren, während man vorher sehr starke Überzeugungsarbeit leisten musste. Allerdings glaube ich, dass das Bild vom Bündnis Ostwestfalen in diesem Zusammenhang noch nicht allen ganz klar ist: Es ist kein Investoren-Modell, wie man bislang Investoren-Modelle kennengelernt hat. Es ist keine Gelddruckmaschine für Arminia Bielefeld. Unsere Bündnis-Partner stellen uns keine Finanzmittel zur Verfügung, damit wir noch mehr in den Kader investieren, auch wenn es sich sicherlich viele Fans wünschen würden. Das ist nicht die Aufgabe des Bündnis Ostwestfalen. Das Bündnis hat sich zu einer offenen Gruppe konstituiert mit einem spannenden Programm: Wir wollen Arminia unternehmerisch erfolgreicher machen, wir wollen, dass wir alle und insbesondere auch die Unternehmen voneinander profitieren und wir wollen gemeinsam etwas für Bielefeld und Ostwestfalen erreichen.

 

Sind Sie auf der Suche nach weiteren Partnern für das Bündnis?

Rejek: Beim Bündnis handelt es sich um eine offene Gruppe. Natürlich wollen wir neue Bündnispartner gewinnen.

 

Ist das Darlehen bei der Stadiongesellschaft das letzte noch zu tilgende?

Rejek: Ja, wir sind bankenfrei. Wir haben keine Verbindlichkeiten mehr gegenüber dem Land NRW und gegenüber der Stadt Bielefeld. Für die Vereinbarung mit der Stadt brauchten wir Kapital, was wir nicht hatten und uns von der neuen Stadiongesellschaft als Darlehen zur Verfügung gestellt wurde. Es ist das einzige Darlehen, das wir noch haben.

 

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Unsere Planungsmaxime lautet, dass wir jedes Jahr immer einen Überschuss von mindestens einer halben Million Euro erwirtschaften wollen. Und das ohne nicht planbare Zusatzerlöse.

Markus Rejek

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Sie haben erwähnt, dass das vergangene Geschäftsjahr erfolgreich gewesen sei. Können Sie den Überschuss beziffern?

Rejek: Wir haben im letzten Geschäftsjahr alle unsere Ziele erreicht und zum großen Teil sogar übertroffen. Das Ergebnis des zurückliegenden Geschäftsjahres ist aufgrund der vielen Sondereffekte aus der Sanierung allerdings nicht aussagekräftig. Unsere Planungsmaxime lautet, dass wir jedes Jahr einen Überschuss von mindestens einer halben Million Euro erwirtschaften wollen. Eine Planung unterhalb dieser Schwelle wird nicht akzeptiert. Und das jeweils ohne die nicht planbaren Zusatzerlöse, die man ab der zweiten Runde im DFB-Pokal generiert oder durch Transfereinnahmen.

 

Stichwort Pokal: Was bleibt übrig, selbst wenn Arminia gegen Schalke ausscheidet?

Rejek: In der zweiten Runde gibt es knapp 350.000 Euro TV-Geld. Dazu kommen die Zuschauereinnahmen. Ich denke, dass wir alles in allem 700.000 Euro über Plan liegen werden.

 

Es gibt Kritik an den Eintrittspreisen. Die teuerste Sitzplatzkarte kostet 47 Euro, die günstigste 37. Sind die ­Tickets für das Schalke-Spiel zu teuer?

Rejek: Aus wirtschaftlicher Sicht des Vereins liegt das Einnahmepotenzial in der Ausdifferenzierung stark nachgefragter Spiele. Seit dieser Saison nutzen wir ein variables Preismodell im Ticketing. Und ja, die Sitzplatzpreise für das Pokalspiel sind ambitioniert. Aber sie sind auch im marktüblichen Bereich. Wir haben bei der Preisermittlung vier andere Partien geprüft und vorab mit Fanvertretern gesprochen. Wir haben dabei immer im Blick, die Stehplatz-Kultur in der Schüco-Arena zu bewahren und sie mit einem niedrigen Preis zu fördern. Die Stehplatzpreise beim Pokalspiel haben wir nur um einen Euro angehoben. Es ist uns wichtig, hier sozialverträglich zu agieren.

 

Sie sprachen die 700.000 Euro an, die das Pokalspiel als ungeplante Zusatzerlöse einbringen dürfte. Könnte Arminia im Winter personell nachlegen?

Rejek: Zunächst einmal ist das der Bereich des Sports. Mir gefällt die Mannschaft absolut. Das ist die stärkste Mannschaft, die Arminia in den vergangenen sechs, sieben oder noch mehr Jahren hatte. Aber man weiß nie, was passiert. Stand jetzt besteht kein Nachbesserungsbedarf. Sollte es im Winter anders sein, setzen wir uns zusammen und schauen, ob und wie wir das Thema lösen.

 

Für wie realistisch halten Sie einen neuen Zuschauerrekord in der laufenden Saison?

Rejek: Das ist unser Ziel. 2017/18 hatten wir mit 18.000 Besuchern im Schnitt den ersten Zweitligarekord. Den haben wir 2018/19 erhöht auf 19.127. Wir wollen ja nicht verwalten, sondern uns weiter steigern. Unser Ziel ist, am Saisonende die 2 vorne zu haben.

 

Der neue TV-Vertrag tritt ab 2021/22 in Kraft. Was versprechen Sie sich davon?

Rejek: Wir hoffen, dass wir auf dem aktuellen Niveau weiterarbeiten können – zu dann auch fanverträglichen Parametern, sprich Anstoßzeiten. Der Samstagabend ist fanfreundlicher als der Montagabend.

 

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Da könnte sich die Frage stellen, ob man eine Art Qualifikationsrunde zum Auf- oder Abstieg ausspielt. Allerdings nicht mit dem Ziel einer weiteren Kommerzialisierung.

Markus Rejek

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Inzwischen wird die 2. Liga doch auch anders wahr genommen, viele halten sie für spannender als die Bundesliga. Wie ist Ihre Meinung?

Rejek: Es gibt ja mehrere Parameter; nicht nur die Spannung und die Attraktivität, die sich auch anhand der Zuschauerzahlen messen lässt. Die 2. Liga rangiert auf Platz fünf der bestbesuchten Ligen in Europa. Die Bundesliga und die 2. Liga zusammen sind unschlagbar. Und es standen viele Spieler zum Saisonstart der Bundesliga auf dem Rasen, die aus der 2. Liga kamen. Demnach ist die 2. Liga eine gute Plattform, um sich hochzuspielen. Eine Frage, die wir uns aber stellen müssen, lautet: Wie machen wir die 2. Liga noch interessanter, noch spannender?

 

Welche Ideen haben Sie?

Rejek: In erster Linie geht es aktuell ja nur um die Fragen: Wer steigt auf? Wer steigt ab? Die zweite Frage bereitet schlaflose Nächte. Wir haben nicht das internationale Geschäft wie die Bundesliga. Wir haben in der 2. Liga sicher ein viel ausgeglicheneres Verhältnis, abgesehen von den Mannschaften, die aus der Bundesliga absteigen. Da könnte sich die Frage stellen, ob man eine Art Qualifikationsrunde zum Auf- oder Abstieg ausspielt. Allerdings nicht mit dem Ziel einer weiteren Kommerzialisierung, sondern um der Frage nachzugehen, wie man für den Zuschauer eine spannendere Liga hinbekommt.

 

Sollte Arminia – irgendwann – der Aufstieg gelingen: Wäre es dann sinnvoller zu investieren, um die Chance auf den Klassenerhalt zu erhöhen, oder das Geld zu sparen, um nach einem erwartbaren Abstieg im Jahr darauf besser gerüstet in die 2. Liga zu starten?

Rejek: Beide Wege sind nicht gut. Ich kenne jetzt aber auch keinen besseren. Ich würde aber nicht alles in den Sport investieren. Denn wenn wir All-in gehen, hätten wir vielleicht einen Erstligaetat von 30 Millionen Euro. Damit wären wir aber noch weit hinter den Vereinen im unteren Cluster der Bundesliga.

 

Sie haben betont, dass das Bündnis Ostwestfalen keine Gelddruckmaschine ist. Aber gibt es einen von Klub und Bündnis ausgearbeiteten Masterplan für den Fall des Aufstiegs, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, den DSC dann in der Bundesliga zu halten?

Rejek: Nein, den gibt es nicht. Man kann den Aufstieg nicht planen, zumindest nicht in unserer Situation. Unsere Haltung ist: Wir wissen, woher wir kommen. Unsere Aufgabe ist es, uns zu stabilisieren und seriös zu wirtschaften. Was dann passiert, weiß man nicht. Geld kassieren und ausgeben kann jeder, aber das ist nicht ostwestfälisch. Hier geht es darum, zu machen und nicht zu reden.

 

Ein Motor des DSC ist Trainer Uwe Neuhaus. Die Verlängerung seines im Juni 2020 auslaufenden Vertrages steht noch aus. Wann ist es soweit?

Rejek: Da sind wir ganz gelassen. Wir werden es verkünden, wenn es soweit ist. Dass wir beide wissen, was wir aneinander haben, ist kein Geheimnis. Das machen wir ganz unaufgeregt.

 

Haben Sie Zweifel, dass es klappt?

Rejek: Nein.

 

Und auch keine Sorge, dass Uwe Neuhaus von einem Erstligisten abgeworben wird?

Rejek: Nein. Nicht wegen Uwes Qualität, sondern wegen der Qualität von Arminia Bielefeld.

 

Er hat sein Ziel, in der Bundesliga zu arbeiten, klar formuliert. Kann Arminia ihm helfen, es zu erreichen?

Rejek: Uwe Neuhaus ist ein Trainer, der über viel Erfahrung verfügt und der natürlich auf seiner Agenda stehen hat, dass er mit einem Zweitligaverein aufsteigen möchte. Ich glaube, er hat erkannt, dass er hier einen Verein hat mit dem Potenzial, das hinzubekommen. Wann auch immer das sein kann, aber das ist auch unser Ziel.

 

 

Kommentare

Pro Arabi

Rejek kommt wirklich kompetent und sympatisch rüber. Trotzdem kann ich das Arabi Bashing nicht verstehen.
Er hat es mehrfach verstanden, unter schwierigsten Bedingungen eine Mannschaft zusammen zu stellen, die sich in der zweiten Liga gehalten hat. Seit er hier arbeitet, hat er nie Geld zur Verfügung gehabt. Seit letztem Jahr hat er wohl einen größeren Spielraum und es sind bei den Transfers schon so einige gute Griffe dabei, die keiner auf dem Zettel hatte. Das nenne ich gutes Scouting, und das ist Arabi zuzurechnen.
Ich finde, er macht gute Arbeit!

Kernkompetenzen...

Hier muss ich einfach meinen Senf dazu geben.Rejek ist gesaddelt im Fach,dazu extrem sympathisch in seiner Art.So tritt nur jemand auf,der ein gesundes auf Fachwissen fundiertes Selbstbewusstsein hat.Das ist authentisch und verdient absolute Anerkennung...Arabi?Na ja...Punkt,Satzende.

Ein Glücksfall für den DSC

Herr Rejek ist ein echter Sympathieträger und ein Aushängeschild für den Verein. Man kann nur hoffen, dass er langfristig Arminia erhalten bleibt. Das was Herrn Arabi fehlt, verkörpert er perfekt: Positive Ausstrahlung, Kompetenz und Akzeptanz bei den Partnern. Ohne ihn wäre das Bündnis OWL undenkbar gewesen. Dafür gebührt ihm Dank und Anerkennung. Man kann nur hoffen, dass sein Erfolg keine Neider auf den Plan ruft. Das was dem Verein gut tut, will gepflegt werden.Da ist kein Platz für Eitelkeiten.

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