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Do., 17.10.2019

Kacper Przybylko startet in Philadelphia durch – Ex-Klub Arminia hat er immer im Blick Ein amerikanischer Traum

Wuchtig: In der Partie gegen Columbus Crew setzt sich Kacper Przybylko durch. Der 26-Jährige erzielte in 26 Partien beachtliche 15 Tore.

Wuchtig: In der Partie gegen Columbus Crew setzt sich Kacper Przybylko durch. Der 26-Jährige erzielte in 26 Partien beachtliche 15 Tore. Foto: imago

Von Jens Brinkmeier

Bielefeld (WB). In Deutschland wollte ihn keiner mehr haben, doch Kacper Przybylko hat es allen gezeigt. Bei Philadelphia Union in der amerikanischen Profiliga MLS feiert der Fußballer seine sportliche Auferstehung. Der gebürtige Bielefelder musste eine lange Leidenszeit überstehen, doch in den USA hat er nun sein Glück gefunden – sportlich und auch privat.

An den »Rocky Steps«: Insgesamt 72 Steinstufen führen zum Philadelphia Museum of Art. Kacper Przybylko mit Freundin Kinga Kania.

15 Tore in 26 Ligaspielen hat der 26-Jährige in der gerade zu Ende gegangenen regulären Saison geschossen. Am Sonntag geht es in der ersten Play-off-Runde weiter, Philadelphia Union hat ein Heimspiel gegen New York Red Bulls. Przybylko hat einen großen Anteil an der schon jetzt besten Saison in der Geschichte der Mannschaft aus dem Bundesstaat Pennsylvania.

»Guter Draht«

Doch wie ist Przybylko, der von 2003 bis 2014 für Arminia Bielefeld am Ball war, überhaupt in der Stadt Rocky Balboas gelandet? »Mein Berater hat einen guten Draht zum Sportdirektor Ernst Tanner und er sagte: Schau dir das mal an. Dann haben wir direkt einen Flug gebucht. Ich habe mir alles angeschaut und war direkt fasziniert. Deshalb habe ich sofort gesagt, dass ich in Philadelphia bleiben möchte«, erzählt Przybylko, als ihn das WESTFALEN-BLATT nach einer Trainingseinheit am Telefon erreicht.

Seit dem 16. September 2018 steht er beim US-Team unter Vertrag, sein Kontrakt beim 1. FC Kaiserslautern war zum 30. Juni 2018 ausgelaufen und nicht verlängert worden. »Ich war schon enttäuscht vom Business in Deutschland. Du wirst direkt abgeschrieben, wenn du verletzt bist. Ich hatte einfach Pech mit den OPs, die schiefgelaufen sind und wo ein Arzt auch Mist gebaut hat. Es ist schade, dass dann gesagt wird: Der Junge ist Invalide, der schafft es eh nicht mehr. Ich habe eindrucksvoll bewiesen, dass ich nichts verlernt und noch viel Qualität habe«, verhehlt Przybylko seine Genugtuung nicht.

»Endlich Rückendeckung«

Der Stürmer hatte etwa ein Jahr lang Probleme mit seinem Mittelfuß. In Deutschland wollte ihn kein Klub mehr, Przybylko machte ein Probetraining in England beim AFC Sunderland. Doch die Entscheider konnten sich nicht zu einer Verpflichtung durchringen, da kam Philadelphia gerade recht.

»Ich habe mich letztendlich für etwas entschieden, wo ich endlich die Rückendeckung bekommen habe. Alle haben gesagt: Der Junge ist super, den wollen wir haben, der soll hier bleiben. Wir machen uns keine Sorgen um seinen Fuß«, berichtet Przybylko, der in einer Wohnung ganz in der Nähe des Zoos wohnt. Er hat es nicht weit zur berühmten Treppe, die Rocky im Film erklimmt. Natürlich hat Przybylko die Touristen-Hotspots, dazu gehört auch die Rocky-Statue, längst besucht.

Gemeinsam mit der Frau an seiner Seite übrigens, die sein Glück in den USA perfekt macht. Kinga heißt die Immobilienmaklerin, die ebenfalls aus Polen stammt. »Mein Zwillingsbruder Jakub war hier, wir sind in eine Bar gegangen und haben dort einen Barkeeper kennengelernt, der in unserem Alter ist. Der hat uns direkt gefragt, ob wir aus Russland sind. Wir sagten, wir sind aus Polen, und er war auch Pole. Dann hat er uns auf eine Geburtstagsparty eingeladen, und dort habe ich Kinga kennengelernt. Darüber bin ich sehr froh. In Deutschland hatte ich viele Freunde, die mich mit einer Polin verkuppeln wollten. Jetzt musste ich den Ozean überqueren, um eine Polin kennenzulernen«, erzählt Kacper Przybylko lachend.

Nur vier Spieler trafen häufiger

Seine Freundin unterstütze ihn total, und fußballerisch könnte es kaum besser laufen. Nur vier Spieler haben in der abgelaufenen Saison mehr Tore erzielt. Carlos Vela von Los Angeles FC (34 Treffer in 31 Spielen), Superstar Zlatan Ibrahimovic von LA Galaxy (30 Tore in 29 Partien), Josef Martinez (Atlanta United, 27 Tore in 29 Spielen) und Diego Rossi (Los Angeles FC, 16 Treffer in 34 Partien). »Vor Carlos Vela ziehe ich meinen Hut, so viele Tore und Assists. Er hat es verdient, MVP (wertvollster Spieler) zu werden – noch mehr als Zlatan«, urteilt der beste Angreifer Philadelphias.

Die Fans fiebern nun dem Derby gegen New York zum Play-off-Start entgegen. Das Stadion wird mit 18.500 Zuschauern ausverkauft sein. »Wir haben nur ein Spiel, wenn wir verlieren, sind wir raus. Schön ist, dass wir erstmals in der Vereinsgeschichte in den Playoffs ein Heimspiel haben. Es ist aber etwas ärgerlich, dass wir Dritter geworden sind. Als Tabellenzweiter hätten wir in der zweiten Runde wieder ein Heimspiel gehabt, weil wir gegen den Sieger aus Atlanta gegen New England spielen, und Atlanta ist vor uns Zweiter geworden. Aber der dritte Platz ist trotzdem überragend. Wir haben Großes erreicht: die meisten Tore, die meisten Punkte, die meisten Siege in der Vereinsgeschichte«, sagt Przybylko, der natürlich auch genau im Blick hat, was der Zweitligist aus seiner Heimatstadt derzeit abliefert.

Blick nach Bielefeld

»Hut ab vor Arminia! Sie machen sich sehr, sehr gut. Das freut mich sehr. Ich denke, dass sie eine sehr gute Saison spielen und oben dabei bleiben werden. Sie haben eine eingespielte Mannschaft, deswegen läuft es so super. Ich drücke ihnen die Daumen. Wenn sie Dritter werden, so wie wir, haben sie die Relegation geschafft. Das wäre doch super«, findet Przybylko, der sich auch eine Rückkehr in seine Geburtsstadt vorstellen kann.

»Ich bin offen für Europa, ich würde schon gerne irgendwann zurückkommen. Wenn sich Bielefeld melden würde, würde ich es mir natürlich überlegen. Aber momentan bin ich hier sehr glücklich und denke nicht an einen Wechsel.« Denn der Stürmer denkt erst einmal nur an die New York Red Bulls und daran, die Geschichte einer tollen Saison – und seine – fortzuschreiben.

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