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Mi., 13.11.2019

Arminias Jahreshauptversammlung: sportlich und wirtschaftlich voll auf Kurs »Wir sind alle stolz«

Der Präsident spricht: Die Geschäftsführer Samir Arabi und Markus Rejek sowie die beiden anderen Präsidiumsmitglieder Prof. Dr. Hermann J. Richter und Bernard Kiezewski hören Hans-Jürgen Laufer (von links) aufmerksam zu.

Der Präsident spricht: Die Geschäftsführer Samir Arabi und Markus Rejek sowie die beiden anderen Präsidiumsmitglieder Prof. Dr. Hermann J. Richter und Bernard Kiezewski hören Hans-Jürgen Laufer (von links) aufmerksam zu. Foto: Thomas F. Starke

Von Jens Brinkmeier

Bielefeld (WB). »Ich habe 2013 gesagt, dass ich den Verein entschulden möchte. Dass uns das gelungen ist, ist ein Traum.« Arminia Bielefelds Präsident Hans-Jürgen Laufer und seine Mitstreiter konnten den Vereinsmitgliedern bei der Jahreshauptversammlung Zahlen präsentieren, mit denen lange nicht zu rechnen war.

Zum 30. Juni 2014 betrugen die Darlehensverbindlichkeiten der Arminia-Gruppe 31,1 Millionen Euro. Zum 30. Juni 2019 waren es nur noch 2,4 Millionen. Möglich wurde dies durch das Sanierungskonzept unter größter Mithilfe des »Bündnis Ostwestfalen«, dem Laufer auch am Mittwochabend nochmals dankte. »Dies ist das Ergebnis gemeinschaftlicher Arbeit, und wir sind alle stolz darauf.« Für Laufer begann auf der JHV das letzte Jahr seiner Amtszeit. Aufgrund der Regularien kann er sich im kommenden Jahr nicht erneut zur Wiederwahl stellen, da er am Freitag 71 wird. Doch aufgrund des Erreichten sei das »gut so. Man soll ja aufhören, wenn es am Schönsten ist«, betonte Laufer.

Und wer weiß, vielleicht geht er nächstes Jahr als Präsident eines Erstligisten.

Doch das Thema Aufstieg mieden Laufer, seine Präsidiumskollegen Prof. Dr. Hermann J. Richter (Vizepräsident und Schatzmeister) und Bernard Kiezewski (Abteilungen) sowie der kaufmännische Geschäftsführer Markus Rejek. Ganz im Sinne der vorsichtig kalkulierenden Ostwestfalen verwies Laufer darauf, dass »die Fans träumen dürfen, aber wir müssen die Bodenhaftung bewahren«.

»So schlecht darf es nie wieder werden«

Entsprechend konservativ sind die Planungen für das kommenden Geschäftsjahr. Während der Umsatz im Jahr 2018/19 etwa 32,2 Millionen Euro betrug, rechnen die Arminen für das Jahr 2019/20 mit 30,1 Millionen. Durch sogenannte Sondereffekte (Transfererlöse, Pokaleinnahmen etc.) können die Zahlen natürlich steigen. Die Arminia-Verantwortlichen sind indes froh, überhaupt so eine Planung gemacht haben zu können. Schließlich ging es in den vergangenen Jahren meist nur ums nackte Überleben und darum, die Insolvenz zu verhindern. Da wurde von Lizenzierung zu Lizenzierung geschaut, aber nicht darüber hinaus. Richter: »So schlecht darf es nie wieder werden. Wir müssen ligaunabhängig existieren.«

Laut Markus Rejek wurde die 30-Millionen-Marke beim Umsatz erstmals überhaupt in der 2. Liga geknackt. »In allen wichtigen Erlösbereichen haben wir deutliche Wachstumsraten«, konnte der Geschäftsführer für die KGaA berichten. Der größte Posten ist natürlich das TV-Geld, hier stiegen die Erlöse im Vergleich zu 2017/18 von 8,8 auf 11,6 Millionen Euro. Laut zurückhaltender Prognose – und Verbleib in Liga zwei – würde das TV-Geld im kommenden Jahr auf 13,4 Millionen Euro steigen. Auch hier gilt natürlich: Bei einem Aufstieg in die Bundesliga würde diese Zahl erheblich anwachsen.

Doppelte Trainergehälter

Der Etat der Profimannschaft ist von 10,3 (2017/18) auf 12,3 Millionen Euro gestiegen. »Das lag auch daran, dass wir etwa sieben Monate lang doppelte Trainergehälter zahlen mussten«, erläuterte Rejek. Jeff Saibene und sein Co-Trainer Carsten Rump waren im Dezember 2018 freigestellt worden, mussten aber weiterbezahlt werden. Dazu kam eine Abfindung für Saibene (inzwischen beim Drittligisten FC Ingolstadt), dessen Vertrag beim DSC ursprünglich bis 30. Juni 2021 lief. Zudem erhielt die Mannschaft mehr Prämien als kalkuliert. Im Jahresergebnis gab es laut Rejek dennoch »ein beachtliches Plus von 3,0 Millionen Euro«.

Präsident Laufer ging auch auf die positive sportliche Bilanz ein und sagte: »Wir haben ein Trainerteam und eine Mannschaft, um die uns viele beneiden. Herr Neuhaus, ich denke, ich bin Ihr größter Fan – nach Ihrer Frau!«

Einzige Wahl des Abends war die des Wirtschaftsrates. Die sechs bisherigen Mitglieder des Gremiums hatten sich als einzige beworben und wurden alle wiedergewählt. Das sind: Hartmut Ostrowski, Thomas Lauritzen, Mathias Gerner, Olaf Klötzer, Klaus Meller und Hans-Hermann Soll (Vorsitzender).

Kommentare

Prima Bilanz

Keine Frage. Das ist eine Bilanz der Note 1+. Man kann nur den Hut davor ziehen, wie das Management die Finanzkrise gemeistert hat und dann die sportliche Leitung und die Mannschaft die sportliche und zwischenmenschliche Krise der Spätphase der Ära Saibene. Die Tonlage der Verantwortlichen der jüngeren Zeit gefällt mir gut. Man bleibt bescheiden, aber strahlt "Optimismus und Zuversicht" aus (O-Ton oder jedenfalls sinngemäß Arabi), statt alle Perspektiven (Aufstieg) abzuwiegeln. Auch in der Außendarstellung scheint man sich also verbessert zu haben, auch wenn es naturgemäß bei einem solchen Erfolgslauf leichter fällt sich zu äußern.
Arminia boomt jedenfalls. Ob nun am Ende der Saison der Aufstieg steht oder nicht, wird m.E. nicht das entscheidende Kriterium in der Bewertung seitens der Fans sein. Man ist einfach sauzufrieden mit den Ergebnissen und mit der Spielweise. Einen möglichen Aufstieg müsste man natürlich schon aus finanziellen Gründen mitnehmen. Auch wenn es sportlich sehr schwierig bis bitter werden könnte. Aber so viel Sportsgeist muss man schon haben, dass man diese Herausforderung sucht.

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